Große Ehre fürs Kontor

Fünf Projekte wurden von der thüringischen Kulturstaatssekretärin Tina Beer vergangene Woche mit dem Denkmalschutzpreis des Freistaats ausgezeichnet. Dazu zählt das 2019 eröffnete Erfurter „Kontor – Zentrum fürKreativwirtschaft“ , das 1959/60 errichtete einstige Lagergebäude der Großhandelsgesellschaft (GHG) Haushaltswaren in der Hugo-John-Straße. Seit 1992 stand das Gebäude leer und wurde bestenfalls als Ort für Underground-Parties genutzt, vor allem aber setzten ihm trotz Denkmalschutz Verfall und zunehmender Vandalismus zu. 2017 hat die Stadt das Gebäude schließlich verkauft, der Startschuss für Kontor-Initiator Frank Sonnabend und Architekt Thomas Schmidt. Geehrt wird mit dem Preis insbesondere das Engagement des Bauherrn. Das Projekt überzeuge laut Pressemitteilung der Stadt nicht nur in denkmalpflegerischer Hinsicht, sondern gerade in der Verbindung mit anderen gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsanliegen. Der jetzt eingezogene Mix von Kunst- und Kulturschaffenden, Kunstbedarfshandel, Kreativwirtschaft und Unternehmen aus dem Bereich „Industrie 4.0“ als Mieter sowie ein Ort für Veranstaltungen und Events sei beispielhaft für eine zukunftsfähige Aktualisierung der ursprünglichen Gebäudenutzung.

Betonrahmenfenster, Fußböden und Deckenelemente aus der Frühzeit des seriellen Bauens prägen bis heute das Gebäude, das durchaus schrille Gelb der Halle wurde nach Originalbefund erneuert. Wo es irgendwie möglich war, hat man jedoch auf Verkleidungen und neue Farbe verzichtet: rohes Material, abblätternde Erstanstriche, Reste originaler Wandbeschriftungen sowie Bombings und Tags der heimlichen Zwischennutzungen nach 1992 sorgen im Inneren für stylische Geschichtlichkeit, die durch die Ausstattung mit entstehungszeitlich passenden Hellerau-Möbeln gesteigert wird. Wichtig waren Bauherr und Architekt stets das Zeugnis der Arbeits- und Baugeschichte der DDR zu bewahren sowie gleichzeitig auch die Spuren des Hauses, die sich während der Jahrzehnte des Leerstandes angesammelt haben. Der Vorschlag für den Peis kam vom Städtischen Denkmalamt. Für die Erfurter Denkmaltage von 7. bis 12. September hat das Kontor-Team Führungen angekündigt. Save the date! (db, 19.7.21)

Erfurt, Kontor (Bild: Christopher Schmid)

Denkmalpreis für Eisenbahnfreunde

Am Bahnhof Chemnitz-Hilbersdorf wurde seit 1900 der Güterverkehr abgewickelt. Doch nach der Wende sah es düster aus für die denkmalgeschützte Anlage. Nur mit Hilfe der  Eisenbahnfreunde „Richard Hartmann“ Chemnitz kann man heute wieder ein spannendes Stück moderne Eisenbahngeschichte erleben: ein Befehlsstellwerk, ein Maschinenhaus mit drei historischen Anlagen, einen Leonardsatz-Generator, ein Spannwerk mit drei Spanntürmen und eine 350 m langen Gleisstrecke. Für ihr vorbildliches Engagement erhalten die Eisenbahnfreunde nun den Preis für Denkmalschutz.

Gerade hat das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz alle Preisträger bekanntgegeben. Am 27. Oktober 2014 werden in Aachen ausgezeichnet: Michael Bräuer (Rostock), das Archäologische Spessart Projekt e. V., Bauhütte und Förderverein an St. Katharinen e.V. (Hamburg), Pastor Heinz Dieter Freese (Sassenburg/Niedersachsen), der „Verein Rettung Schloss Blankenburg e. V.“ (Sachsen-Anhalt), die Journalistin Silke Klose Klatte (Hessischer Rundfunk), der Journalist Helge Drafz (Westdeutscher Rundfunk), die Journalistin Michaela Gericke (Rundfunk Berlin-Brandenburg) und der freie Journalist Carsten Müller. Wir gratulieren! (mb, 20.8.14)

Schnellzugdampflokomotive vor dem Sächsischen Eisenbahnmuseum Chemnitz (Bild: gravitat-OFF)