Das Ende der Kuranlage Bad Neuenahr

Das Ahrtal ist um ein Baudenkmal der 1930er Jahre ärmer: Der Abriss der Kuranlagen Bad Neuenahr-Ahrweiler ist in Gange. Bereits seit Wochen liefen Entkernungsarbeiten, unter anderem wurde die drehbare „Konzertmuschel“ aus der großen Halle geborgen und für eine spätere Nutzung in ein Zwischenlager verbracht. Somit ist eine lange Geschichte zu einem schlechten Ende gekommen: Zahlreiche Organisationen wie der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, ICOMOS Deutschland, der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, die Bürgerinitiative Lebenswerte Stadt und die TH Köln haben bereits 2018 in einem Appell vorm „Abriss der kulturhistorisch europaweit bedeutenden Anlagen“ des Architekten Hermann Weiser gewarnt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sprach von einem „deutschlandweit einzigartigem Ensemble unter dem Einfluss der Klassischen Moderne“.

Genutzt hat es nichts, die Stadt hatte den Abriss der Anlage bereits im April 2019 beschlossen mit der Argumentation, die Konzerthalle sei so oft umgebaut worden, dass sie ohnehin kein Originalbauwerk mehr sei. Zudem sei die Gesamtanlage laut Gutachten baufällig. Leider hat auch die Denkmalbehörde kein Veto eingelegt. Und nun? Der ursprüngliche Plan, im Kurpark bis zur Landesgartenschau 2022 neue Gebäude errichten zu lassen, ist aufgrund verzögerter Genehmigungen nicht mehr rechtzeitig zu verwirklichen. So gibt es vorerst also eine schöne Freifläche. Und Dixi-Klos. Denn die Toilettenanlage ist jetzt auch weg … (db, 20.2.20)

Bad Neuenahr, Kuranlage (Bild: Axel Hausberg)

Brücke nicht abbrechen

Zur schönen Blütenstadt Leichlingen gehört Brücke. Ja, nicht nur „die“ Brücke, sondern ein Siedlungsbereich in der Innenstadt. Zu erreichen ist Brücke, direkt an der Wupper gelegen, über eine (einst namensgebende) Brücke. Die erste Flussquerung an dieser Stelle wurde 1597 errichtet, erneuert wurde sie unter anderem 1757 und 1868. Bis in die 1920er Jahre musste ein „Brückenpfennig“ zur Instandhaltung des Bauwerks entrichtet werden. Die jetzige Brücke ist die insgesamt sechste, und sie könnte eventuell noch lange Bestand haben.

Gebaut wurde sie im Jahr 1926 nach Plänen des Ingenieurbüros, seit 1989 heißt sie nach der französischen Partnerstadt „Marly-Le-Roi-Brücke“. Nach bald 100 Jahren ist die Bogenbrücke aus Stahlbeton nun allerdings marode, und die Stadt würde sie gerne erneuern. Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland prüft derweil die Unterschutzstellung des Bauwerks, dessen markante Bögen ohnehin auf Logos, Vereinsfahnen und Karnevalsorden (wir sind schließlich im Bergischen Kreis) zu sehen sind. Die Chancen auf die Unterschutzstellung stehen gut – auch wenn die Stadtverwaltung dies als vermeintlichen kostentreibenden Faktor gar nicht so gern sähe. Schaun `mer mal! (db, 15.2.20)

Leichlingen, Marly-Brücke (Bild: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0)

Caltex-Comeback

Nein, der Markenname Caltex kommt nicht zurück – der ist in Deutschland bereits seit 1969 nicht mehr gebräuchlich. Doch eine der wenigen erhaltenen Typen-Tankstellen hat vor einigen Tagen den Betrieb wieder aufgenommen: Anfang 2015 schloss die Shell-Station im Stadtteil Erlenstegen die Pforten. Sie residierte in ebenjenem 1958 fertiggestellten, denkmalgeschützten früheren Caltex-Bau – damals in ganz Bayern der letzte seiner Art, der noch immer in Nutzung war. Die mangelnde Nachfrage bewog den Shell-Konzern, den Benzinverkauf hier einzustellen. Doch nun hat das Wirtschftswunder-Relikt wieder geöffnet: als Automatenkankstelle und befreit vom wuchtigen Werbebanner rund ums filigrane Flugdach.

Gebaut wurden die Caltex-Tankstellen ab 1956 Entwürfen des Frankfurter Architekten Willy H. Weisensee, der drei unterschiedlich große Typbauten schuf. Schon Anfang der 1960er Jahre griff der Konzern bei neu zu errichtenden Stationen auf konventionelle Architektur zurück, die (in der Rückschau) identitätsstiftenden Corporate-Identity-Tankstellen mit dem schwungvollen Dach blieben ein kurzes Kapitel der Firmengeschichte. Ab 1969 prangte statt des Caltex-Sterns dann das Chevron-Wappen an den Gebäuden. Und auch Chevron-Kraftstoffe sind hierzulande schon lange vom Markt verschwunden. Umso überraschender – und erfreulicher – dass eine solch kleine Tankstelle die Jahrzehnte weitgehend unbeschadet überstanden hat … (db, 11.2.20)

Nürnberg-Erlenstegen, Shell vor 2016 (Bild: Matthias Süß, CC BY-SA 4.0)