Saniertes Sonnensegel

Eines der (eigenen) Vorbilder für die sagenhafte Dachkonstruktion des Münchener Olympiastadions war das Sonnensegel im Dortmunder Westfalenpark, das Günter Behnisch für die Bundesgartenschau 1969 entworfen hatte. Im Laufe der Jahrzehnte hat die seinerzeit einzigartige Holzkonstruktion allerdings durch Feuchtigkeit, Witterungseinflüsse und Pilzbefall arg gelitten. Eigentlich war sie nur als temporäres Bauwerk gedacht, überdauerte aber die Zeiten. 2008/09 versuchte man, sie mit einem Stahlkorsett zu stützen, doch 2013 wurde das weiter verrottende Bauwerk aus Sicherheitsgründen gesperrt. Zwischenzeitlich drohte sogar der Abriss, weil die Tragfähigkeit nicht mehr wiederherzustallen schien. Nach Hinweisen des Landesdenkmalamtes nahm sich die Wüstenrot Stiftung des Sonnensegels an und prüfte 2017 mit einer Machbarkeitsstudie schließlich doch die Möglichkeiten einer denkmalpflegerischen Sanierung. Nun steht das durch die Stuttgarte Ingenieure Knippers Helbig sanierte Gebäude kurz vor der Fertigstellung – die Hälfte der Baukosten in Höhe von 2,7 Millionen Euro trägt die Wüstenrot-Stiftung.

Für die Zukunft soll der Platz wieder mit Leben gefüllt werden. Eine kleine Bühne mit Tribüne soll entstehen, genauso soll eine Infrastruktur für Veranstaltungen geschaffen werden. Um das Segel dauerhaft zu stabilisieren, mussten unter anderem die defekten Holzstützen und die stählernden Spannseile ausgetauscht werden. „Wir mussten das Segel wieder auf die Beine stellen“, beschreibt Thorsten Helbig den Zustand des Sonnensegels. Einige Teile wie die Stützen und Seile habe man ausgetauscht, die Haupttragwerke seien noch im Originalzustand. Das neue Bauholz wurde in einem chemischen Verfahren getrocknet und mit Essigsäureanhydrid behandelt, wodurch die Ansiedlung von Pilzen und Insekten verhindert bzw. erschwert wird. Einmal Experimentalbau, immer Experimentalbau. 2022 dürfte es wieder Veranstaltungen unterm Sonnensegel geben, freuen wir uns drauf! (db, 3.10.21)

Dortmund, Sonnensegel Westfalenpark (Bild: Dortmund-Agentur/Roland Gorecki)

Duisburger Kunst-Werk

Das MKM ist ein markantes Industriedenkmal aus dem 19. Jahrhundert, das seinerzeit als Mühle errichtet und über 100 Jahre bis zur Stillegung 1972 betrieben wurde. Auf der Grundlage des von Sir Norman Foster entwickelten Masterplans erfolgte im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (1989–1999) die Umgestaltung der langjährigen Industriebrache des Duisburger Innenhafens zu einem multifunktionalen Dienstleistungsareal – mit Büro- und Wohnflächen, Gastronomie-, Kultur- und Freizeitangeboten. Aus der „alten Küppersmühle“, zu großen Teilen 1908 errichtet, wurde das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst. Den Umbau führte das Büro Herzog & de Meuron 1997-99 durch. Es entstand eine Ausstellungsfläche von rund 3.000 Quadratmetern, verteilt auf drei Etagen, deren Architektur durch Klarheit und Reduktion auf das Wesentliche besticht.

Nun haben Herzog & de Meuron ihre ihr eigenes Werk überarbeitet und erweitert: Durch einen Neubau neben den historischen Silos steigt die Ausstellungsfläche des MKM auf 6100 Quadratmeter. Der erste Plan der Schweizer Superstars 2008 war dabei nach Art der Elbphilharmonie eine an einen Container erinnernde Kunst-Kiste, die in der Höhe über den Silos in einer Stahlkonstruktion hätte entstehen sollen. Das kühne Projekt scheiterte bereits im Beginn an schlechter Stahlqualität und der Insolvenz der Metallbaufirma. Die damalige Besitzerin des Mühlenkomplexes, die städtische Wohnungsbaugesellschaft GEBAG, hat im Anschluss das Kulturprojekt an die Kunstsammler Sylvia und Ulrich Ströher verkauft, die schon als Sponsoren an der gescheiterten Kistenplanung beteiligt waren. 2013 kamen die Ströhers – nun als Bauherren – und Herzog & de Meuron erneut zusammen, und so entstand der kunstvoll-bodenständige (sic!) Erweiterungsbau, der am 25. September eröffnet wurde. (db, 29.9.21)

Duisburg, MKM Museum Küppersmühle (Bild: Simon Menges/Herzog & de Meuron)

Eine Sinalco in Darmstadt

Noch eben schnell eine „Abendpost Nachtausgabe“ kaufen und bei der Lektüre eine Sinalco süffeln? Geht nicht mehr: Sinalco gibt es noch immer, die Tageszeitung aus Rhein-Main wurde aber schon 1988 eingestellt. Doch am kleinen Kiosk in der Darmstädter Moltkestraße hängen wieder die passenden Werbeschilder, und vielleicht wird dort bald auch zumindest wieder Limonade ausgeschenkt. Die Initiative „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“ bemüht sich unterm Titel „Kiosk 1975“ seit 2020 darum, den denkmalgeschützten Pavillon aus den frühen 1950ern wieder in Betrieb zu nehmen. Der Verein Darmstadtia e.V. hatte ihn vor über 30 Jahren übernommen und als Ausstellungsraum gepflegt, nachdem der Besitzer in den 1980er Jahren den Kiosk-Betrieb eingestellt hatte.

Dank eines sorgsamen Umgangs ist der Winz-Bau mit seiner Originalausstattung vom Kühlschrank über Zeitungsständer bis zu Werbetafeln nahezu vollständig erhalten geblieben. Mithilfe der ehrenamtlichen Vereinsmitglieder wird der Kiosk restauriert und soll mit Produkten aus den 1970ern wieder zum Quartierstreffpunkt werden. Das denkmalpflegerische und soziokulturelle Engagement der Initiative fand nun Würdigung an höchster Stelle: Der Verein „Zusammen in der Postsiedlung e.V.“ wurde mit dem Ehrenamtspreis des Hessischen Denkmalschutzpreises 2021 ausgezeichnet. Feiern kann man das hoffentlich bald am Kiosk-Tresen: ein Raider kauend, in der Hand einen Sechsämtertropfen – und im Hintergrund ertönt „Michaela“ von Bata Illic aus Kugellautsprechern. (db, 21.9.21)

Darmstadt, Kiosk Moltkestraße (Bild: Hewiha, CC BY-SA 4.0)