Denkmalschutz im Staatssozialismus

Unter dem Titel „Denkmalschutz im Staatssozialismus 1945 – 1990: Orte und Akteure“ geht es in Jena vom 29. Juni bis zum 1. Juli 2016 erstmals um die Geschichte des Denkmalschutzes und des Umgangs mit historischen Baudenkmälern im europäischen Staatssozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Imre Kertész Kolleg Jena, die Stiftung Ettersberg, die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wollen diese Frage aus dem europäischem Blickwinkel untersuchen.

Kulturdenkmäler sollen betrachtet werden als Schauplätze für Handlungen und Verhandlungen, deren Bedeutung und Implikationen weit über die Objektgeschichte hinausweisen. Im Mittelpunkt stehen dabei besonders sichtbare Orte wie Schlösser, Sakralbauten und Altstädte. Von Interesse ist dabei der Staatssozialismus in der DDR, Ostmittel- und Südosteuropa und der Sowjetunion, auch ausdrücklich im Vergleich mit dem westlichen Europa. Beiträge anhand konkreter Fallbeispiele werden in den folgenden Sektionen erbeten: Orientierungsmuster, Verantwortung und Öffentlichkeiten, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Nutzungen. Reisekosten und Verpflegung der Konferenzbeiträger werden im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen von den Veranstaltern übernommen. Ein Kurzexposé von max. einer Seite kann bis zum 4. Januar 2016 gesendet werden an: Dr. Raphael Utz, Wiss. Geschäftsführer des Imre Kertész Kollegs Jena, raphael.utz@uni-jena.de. (kb, 20.11.15)

Potsdam, Besichtigung im Schloss Sanssouci, 1951 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-10799-0014, CC BY SA 3.0.de, Foto: Schack)

Berlin: Böhm-Haus unter Schutz

Diesmal kommen gute Nachrichten aus der „Wir haben die Lage im Griff“-Hauptstadt: Die Berliner Denkmalpflege hat in der Fasanenstraße 62 alles im Griff, genauer gesagt unter Schutz. Hier steht ein Werk von Gottfried Böhm. Der rheinische Baumeister und Pritzker-Preisträger hatte mit Rob Krier für die Internationale Bauausstellung 1987 in der Fasanenstraße ein Platzensemble geschaffen.

Der Böhm-Bau (1984) zeigt sich als trutzige Wohnbebauung mit turmähnlichen Erkern. Im Sommer wurde laut, dass die Anlage einer Neubebauung weichen müsse. Ein Abriss sei genehmigt und somit eine großzügige Neuarrangierung in vielversprechender Lage durch die Primus Immobilien AG möglich. So fürchtete der Mieterverein eine Wohnraum-Überteuerung und mahnte die Architektenkammer zur Wertschätzung großer Architektenwerke – wie ebenjenem IBA-Ensemble von Gottfried Böhm. Doch die Denkmalpflege nutzte die Sommerpause und stellte per Gutachten die Denkmalwürdigkeit des Böhm-Hauses aus stadtgeschichtlichen, städtebaulichen und wissenschaftlichen Gründen fest: „Das Haus zeichnet sich nicht nur durch besonders innovative Wohnformen aus, es besitzt auch Zeugniswert für das zeitgenössische Bauverständnis, aber vor allem für die eigenständige Formensprache von Gottfried Böhm.“ Ein leichtes Unbehagen bleibt: Die grüne Bezirksverordnete Nadia Rouhani meldet auf Ihrer Homepage: „Danke, Landesdenkmalamt! – Primus AG will dennoch klagen“. (kb, 14.11.15)

Berlin, Fasanenstraße 62 (Bild: Uli Borgert)

Und weg war die Pergola …

Kaum jemand hat’s bemerkt, doch es wurde Tabula Rasa gemacht: Im Frühjahr entfernten städtische Mitarbeiter die Beton-Pergola am sogenannten „Touristengarten“, der um 1970 fertiggestellten Parkanlage hinter dem heutigen Ibis-Hotel an der Prager Straße. Da man die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet sah, wurde 2014 der Abbruch beschlossen. Immerhin blieb die Wand aus Betonformsteinen stehen. Der Touristengarten steht als eine der letzten nahezu original erhaltenen DDR-Anlagen unter Denkmalschutz, die entfernten Teile sollen ersetzt werden. Eigentlich …

Nun kommt das Problem – und das ist wie üblich das liebe Geld. Bis Ende 2016 wollte das Denkmalamt die Pergola wiedererrichtet sehen. Aber: „Im laufenden Doppelhaushalt sind keine entsprechenden Mittel durch den Stadtrat bestätigt worden“, erklärte das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft laut DNN-Online auf Anfrage des Altstädter Ortsbeirates Marco Dziallas (Die Linke). Zu Abriss- und Wiederaufbaukosten äußerte sich die Stadt nicht. „Eine Kostenschätzung erfolgt im Rahmen des Planungsprozesses“, so das Grünflächenamt an Dziallas. Offenbar existiert noch gar keine Planung zur Zukunft der historischen Grünanlage (db, 24.6.15)

1972 war die Idylle noch intakt. Nun wurde die Pergola am denkmalgeschützten „Touristengarten“ weggerissen (Bild: Richard Peter/Deutsche Fotothek)