Luigi Colani ist tot

Der 1928 in Berlin geborene Designer Luigi Colani ist tot. Vom Teeservice „Zen“ bis zur Fotokamera „Canon T90“ – die meisten deutschen Haushalte leben seit den 1970er Jahren, oft ohne es zu wissen, in und mit Colani. Der Formgestalter reüssierte zunächst mit seinen Flugzeugentwürfen, um seine Tätigkeit ab den 1970er Jahren auf alle Bereiche des Alltagslebens auszuweiten.

Bekannt wurde der exaltierte Designer durch seine schnittigen, aerodynamischen, biomorphen Entwürfe. Viele dieser Visionen blieben unverwirklicht oder ungenutzt. Vieles war für die produzierenden Firmen, für den praktischen Gebrauch oder für den Geschmack der jeweiligen Zeit dann doch (noch) zu fremdartig. Colanis Alterswerk und erklärtes Vermächtnis an die Nachwelt, die in ihrem Aufbau am menschlichen Körper orientierte „Eco-City“ auf einer chinesischen Insel, liegt unvollendet auf Eis. Was bleibt, ist eine Vielzahl ikonischer, teils zeitlos eleganter, teils postmodern überschwänglicher Designs. Luigi Colani verstarb gestern in Karlsruhe im Alter von 91 Jahren. (kb, 16.9.19)

Friesland-Teeservice „Zen“ von Luigi Colani (Bild: PD)

Rudolf Horn: Wohnen als offenes System

Fast 30 Jahre lang wurde das erfolgreichste Design von Rudolf Horn (* 1929) produziert: Das 1966/67 gemeinsam mit Eberhard Wüstner für die VEB Deutsche Werkstätten Hellerau entwickelte Montagemöbel Deutsche Werkstätten (MDW) ging 1968 in die Serienfertigung. Dabei sollte die sogenannte MDW-Wand nicht als fertiges Möbel, sondern als variabel-funktionales Baukastensystem erst unter den Händen des Nutzers, erst in der eigenen Wohnung seine individuelle Form annehmen.

Die Dresdener Ausstellung „Rudolf Horn – Wohnen als offenes System“ stellt nun genau diesen sozial-gestalterischen Ansatz von Horn in den Vordergrund: „Variabilität“, „Freiheit für den Nutzer“ und „der Nutzer als Finalist“. Daher können die Besucher nicht allein fertige Entwürfe und deren Geschichte besichtigen, sondern auch in einem „partizipativen Wohnlabor“ die Horn’schen Ideen interaktiv nachempfinden. Die Ausstellung ist im Kunstgewerbemuseum Dresden (Schloss Pillnitz) vom 24. August bis zum 3. November 2019 zu sehen. In Vorbereitung darauf sucht das Museum noch nach persönlichen Geschichten zum Leben mit dem Montagemöbel Deutsche Werkstätten (MDW) von Rudolf Horn. (kb, 12.8.19)

Rudolf Horn, Montagemöbel der Deutschen Werkstätten (MDW), 1968 (Bild: VEB Möbelkombinat Deutsche Werkstätten Hellerau, Foto: 1968)

Gerd Bulthaup ist tot

Die Süddeutsche nennt ihn einen „Raumdenker“, die Welt betrauert den Tod des „Küchenvisionärs“. Rein technisch wäre Gerd Bulthaup wohl als Möbelfabrikant zu benennen, aber diese Schublade würde ihm in keiner Weise gerecht. 1978 übernahm er den Betrieb seines Vaters, der selbst 1949 mit einem Sägewerk begonnen hatte. Gerd Bulthaup verlagerte das Unternehmen nach Aich/Bodenkirchen und modernisierte das Programm. Geistiger „Ziehvater“, wie er es selbst bezeichnete, war ihm dabei Otl Aicher, Mitbegründer der stilprägenden Hochschule für Gestaltung in Ulm.

Aicher überarbeitete zunächst die Corporate Identity des Unternehmens, später entwarf er selbst ganze Küchensystemen. Mit dieser Gestalt-Wende rückte die Bulthaup-Küche als minimalistisches Designobjekt in den Mittelpunkt des Raums. Entwicklungen wie die Küchenwerkbank lösten die einzelnen Funktionsbereiche von der Wand und ermöglichten so schon während der Essenszubereitung eine neue Form von Gemeinschaft. Gerd Bulthaup war 2002/03 aus der aktiven Geschäftsführung ausgeschieden, hatte das Unternehmen aber weiter im Hintergrund begleitet. 2014 erhielt er vom Rat für Formgebung den German Design Award (Kategorie Personality). Am 1. August 2019 verstarb er im Alter von 75 Jahren. (kb, 8.8.19)

Küchenwerkbank (Bulthaup, System 20, 1988) (Bild: Bulthaup GmbH & Co. KG, CC BY SA 3.0)