Finn Juhl auf Papier

Nehmen Sie Platz und lesen Sie ein gutes Buch! Okay, in Zeiten, in denen außer Homeoffice kaum anderes übrig bleibt, ist dieser Rat wenig originell. Aber für diesen Band lohnt sich das Hinlümmeln, denn über den dänischen Designer Finn Juhl (1912-1989) gab es bislang keine Monografie. Und die war längst überfällig: Seine Möbelstücke wie der „Pelican Chair„, der „Nyhavn Table“ oder das „Poet Sofa“ sind heute beinahe bekannter als ihr Schöpfer. Übrigens hatte nicht nur Eero Saarinen dereinst einen „Grasshopper Chair“ ersonnen. Den gibt es auch bei Juhl, und dieser macht im Gegensatz zum zurückhaltenden amerikanischen Pendant durchaus den Eindruck, als wolle er gleich losspringen.

Interieurs entwarf der studierte Architekt ebenfalls, am bekanntesten ist sein UN-Rat in New York, mit dem er das Skandesign in den Vereinigten Staaten populär machte. Auch die Dänische Botschaft in Washington und die Räume der Fluggesellschaft SAS gestaltete er. In „Finn Juhl: Life, Work, World“ stellt der Autor Christian Bundegaard nun das Werk seines Landsmanns vor, beleuchtet die Entstehungsgeschichte(n) und eben auch den Humor, mit dem Finn Juhl etliche Aufgaben anging. Erschienen ist das umfangreiche Werk 2019 bei Phaidon und ist online ab ca. 70 Euro zu ordern. (db, 1.4.20)

Finn Juhl, Poet Sofa (Bild: Phaidon/ House of Finn Juhl)

Stankowski + Duschek

„Zeichen sind visuelle Telegramme, ähnlich wie Flaggen“ – wer mag da noch schnöde „Werbegrafik“ nennen, was Anton Stankowski (1906-1998) hier 1978 so treffend beschreibt. Ab 1972 bildete er mit seinem Kollegen Karl Duschek (1947-2011) das federführende Stuttgarter Grafikatelier „Stankowski + Duschek“. Kommunikationsdesign, häufig integraler Teil der Architektur, steckte in Deutschland lange in den Kinderschuhen. Doch heute prägen die Stuttgarter Entwürfe das Erscheinungsbild von Größen wie Deutsche Bank, Viessmann oder Messe Frankfurt.

Mit Markenzeichen, die sich bei konkret-konstruktiver Kunst bedienten, durchbrachen sie starre Grenze zwischen Ernst und Kommerz, zwischen gebaut und gemalt. In Berlin entsteht gerade der erste Überblick über das gemeinsame Schaffen von Stankowski + Duschek. Unter dem Titel „Marken: Zeichen. Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek“ wird die Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin zu sehen sein vom 13. März bis zum 28. Juni 2020. Gezeigt werden rund 300 Entwürfe und Drucksachen aus dem Bestand der Kunstbibliothek in Dialog mit Kunstwerken, begleitend erscheint die Publikation „Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek“. (kb, 29.1.20)

oben: Grafisches Atelier Stankowski + Duschek, Logo der Deutschen Bank AG als Lamellenobjekt mit Op-Art-Effekt (Bild: Polystyrol, 50 x 50 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, © Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung, Foto: Dietmar Katz): unten: Karl Duschek und Anton Stankowski, 1991 (Bild: © Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung/Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Nachlass Stankowski + Duschek)

Karl Duschek und Anton Stankowski, 1991 (Bild: © Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung/Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Nachlass Stankowski + Duschek)

Hans Slany – Design aus Esslingen

Der Produktgestalter Hans Slany arbeitete für namhafte Firmen wie wie Bosch, Kärcher, Still, Hirschmann, Eberspächer, Pilz, Weishaupt, Boley&Leinen, Ritter-Aluminium, Leitz, Progress, Wilde & Spieth und viele andere mehr. In Esslingen hatte Slany nach dem Maschinenbaustudium 1960 sein eigenes Büro gegründet. Es arbeitet heute unter dem Namen „Teamsdesign“.

Slany gestaltete alltagsverschönernde Dinge wie einen Edding’Filzstift, den Leifheit-Teppichkehrer, Dosenöffner, Aschenbecher, verbesserte die Ergonomik eines Flugzeugcockpits oder entwickelte einen körperfreundlichen Bürostuhls. Die Ausstellung „Hans Erich Slany (1926-2013) – Das Werk“ ist noch bis zum 19. Januar 2020 in Esslingen zu sehen. Der Themenabend „Design als unternehmerisches Handlungskonzept“ findet am 9. Januar 2020 um 19 Uhr in der Villa Merkel statt. (kb, 18.12.19)

Edelstahlgeschirr, Firma Menesa, Hans Slany, 1956 (Bild: Kunstverein Esslingen)