Christmas for Modernists

Wer Google nach „Geschenken für Architekten“ befragt, erhält mehrfach (mal mit, mal ohne Augenzwinkern) den Vorschlag: schwarzer Rollkragenpulli. Wer es dann doch etwas unkonventioneller angehen mag, für den hätten wir hier ein paar Anregungen. Wie jedes Jahr hat Gregor Zoyzoyla seine besten Brutalismusbilder zu einem Kalender zusammengestellt. Die ersten sind schon reserviert, die insgesamt 75 Stück werden druckfrisch zum 17. Dezember fertig: Druck auf 250-Gramm-Papier in Din A3 für 30 Euro plus Versand (ca. 5,80 Euro innerhalb von Deutschland). Bestellungen bitte an contact@gregorzoyzoyla.com oder via Persönliche Nachricht über Instagram (oder im Rhein-Main-Raum ggf. eine persönliche Übergabe vereinbaren).

Gregor Zoyzoyla: Kalender 2021 (Bild: Gregor Zoyzoyla)

Gregor Zoyzoyla: Kalender 2021 (Bilder: Gregor Zoyzoyla)

Beton-Präsente haben sich schon zum Klassiker entwickelt, den es als USB-Stick, Domino, Schmuck oder escherhaftes Architekturspiel online zu erwerben gibt. Oder Sie greifen selbst zum Bastelbeton für Last-Minute-DIY-Geschenke – vom Smartphonehalter über das Vogelhäuschen bis zum Kerzenständer. Der stilsichere Bauschaffende kennt und trägt bereits S-Wert-Design, aber für die Schürze „Berliner Küche“ ist immer noch Platz – vielleicht im Länderausgleich kombiniert mit der druckfrischen Publikation „Frankfurter Küche“, bestellbar bei der Ernst-May-Gesellschaft. Dazu einen Zimt-Frappuccino aus der Baggertasse – und am Revers ein Horten-Kachel-Pin aus dem moderneREGIONAL-Unterstützershop, dann kann das Jahresendfest kommen. (kb,15.12.20)

Horten-Kachel – als Pin oder Ohrhänger im mR-Unterstützershop (Bilder: privat)

Titelmotiv: Baggertasse (Bild: amazon.de)

Revolutionäres Design: Zum Tode von Enzo Mari

Gemessen an den Themen die uns heutzutage beschäftigen, ist das Werk Enzo Maris absolut antizipatorisch: Schon vor 50 Jahren setzten sich seine Entwürfe und Schriften mit Nachhaltigkeit auseinander. In einer Zeit, in der die Kollegen die wunderbare Welt des knallbunten Kunststoffes für sich entdeckten, formulierte er mit seiner Möbelserie „Autoprogettazione“ die holzig-kantige Antithese. Möbel aus einfachen Materialien zum Selbstbauen. Was heute als „Do it yourself“ in aller Munde ist, galt manchen damals als Verrat. Design sollte den Alltag doch erleichtern und nicht verkomplizieren. Schnell galt der Norditaliener als Revoluzzer.

Darin offenbart sich die politische Dimension des überzeugten Marxisten. Design muss demokratisch sein. Die Radikalität seiner Entwürfe und die Beschränkung auf günstige Materialien können auch als Selbstermächtigungsakt gegen eine modische Gestaltung interpretiert werden, die letzten Endes nur der Verkaufsförderung dient. Dem Endverbraucher die Verantwortung für die Fertigstellung des Produktes in die Hand zu geben, verweist auf den pädagogischen Anspruch des Gestalters. Man sollte das Produkt nicht bloß Konsumieren, sondern durch den Entstehungsprozess einen Mehrwert erhalten. Mari lehrte an verschiedensten Universitäten, u.a. am Mailänder Polytechnikum. Am 19. Oktober ist Enzo Mari, einer der bedeutendsten Designer und Designtheoretiker unserer Zeit im Alter von 88 Jahren in Mailand infolge einer Covid-19-Infektion verstorben. (jm, 20.10.20)

Enzo Mari 1974, Adriano Alecchi (Mondadori Publishers, http://www.gettyimages.co.uk/search/2/image?phrase=Enzo%20Mari%20mondadori&family=editorial&sort=best&page=1&excludenudity=fals, CC0)

Orange

Wenn die 1950er Jahre pastellfarben waren, dann scheinen uns die 1970er im Rückblick orange. Vielleicht noch apfelgrün – nicht das verzärtelte Bioapfelgrün der 1980er, sondern die Knallfarbe der Zahnpastawerbung. Je künstlicher, desto besser. Im Stadtmuseum Bietigheim-Bissingen widmet man sich in der kommenden Wechselausstellung ganz dieser Epochenfarbe. Orange stehe für „Frieden, Freizeit, Feminismus“, für „Technik, Mode und Konsum“, kurz: für das Lebensgefühl der 1970er Jahre (und die 1960er Jahre werden großzügig mit hineingenommen).

„Vom Eierlocher bis zum Familienauto“, so die poetische Ankündigung, werden allerlei Alltagsgegenstände dieser Zeitepoche präsentiert. Es handelt sich überwiegend um private Leihgaben aus der Region, aber auch um knallfarbene Vergleichsobjekte aus der DDR. Mit neuen Siedlungen übersprang die Große Kreisstadt die Marke von 200.000 Einwohnern. 1975 wurden Bietigheim und Bissingen zusammengeschlossen, 1977 der Verkehrs- und Tarifverbund VVS gegründet. Die ersten S-Bahnzüge mit orangefarbener Pop-Lackierung fuhren ab 1981 nach Bietigheim-Bissingen. Lokale Geschäfte wie das Kleiderhaus „Nägele Moden“ oder die Baumarktkette „Obi“ tragen das Orange bis heute mit Stolz. Die Ausstellung ist im Stadtmuseum Bietigheim-Bissingen zu sehen vom 25. Oktober 2020 bis zum 18. April 2020. (kb, 24.9.20)

Orange (Bild: ptrabattoni, gemeinfrei, via pixabay.com)