Frauen in Vitra

Zum fünften Geburtstag des Vitra Schaudepots wählt das Design Museum ein Jahresthema – ein neues Prinzip, das auch in den kommenden Jahren gelten soll. Den Anfang macht man mit dem besonderen Blick auf das Wirken von Gestalterinnen vor allem von Möbeln. Damit will man vor Ort ein Zeichen setzen, um die weibliche Seite des Designs stärker ins öffentliche wie fachliche Bewusstsein zu rücken. Denn häufig ist der Anteil von Frauen in Büros, Kollektiven und Partner:innenschaften wenig bekannt und noch weniger sichtbar. Vor diesem Hintergrund versteht sich das Schaudepot als Labor, um neue Perspektiven stark zu machen und Diskussionen anzustoßen.

In der aktuellen Ausstellung „Spot On“ dreht sich um Designerinnen wie Inga Sempé, Reiko Tanabe, Matali Crasset, Gunjan Gupta oder Ray Eames. Dabei sollen immer wieder Exponate ausgetauscht werden, um Besonderheiten und neue Erwerbungen der Sammlung hervorheben zu können. Aber auch moderne Klassiker kommen immer wieder zu ihrem Recht, darunter der Mesa Table der Architektin und Pritzker-Preisträgerin Zaha Hadid oder der Stahlrohrstuhl der Finnin Maija-Liisa Komulainen. Gastkuratorinnen werden das Werk von Design-Newcomerinnen in Szene setzen. Der Jahresschwerpunkt soll sich ab dem 25. September 2021 fortsetzen mit der Ausstellung „Here We Are! Frauen im Design 1900 – heute“, dieses Mal im Hauptgebäude des Museums mit dem Blick auf unterschiedliche Gattungen der Produktgestaltung und deren sozialgeschichtlichen Hintergrund seit dem frühen 20. Jahrhundert. Die aktuelle Ausstellung „Spot On“ ist im Vitra Schaudepot (Charles-Eames-Straße 2, 79576 Weil am Rhein) noch bis zum 8. Mai 2022 zu sehen. (kb, 9.8.21)

Ray Eames fotografiert 1962 das „Tandem Seating“ im Eames Studio (Bild: Eames Collection Vitra Design Museum, © Eames Office LLC)

Schönheit der Form

Die Gestalterin Christa Petroff-Bohne prägte über Jahrzehnte das Gesicht der Produkte der VEB Auer Besteck- und Silberwaren. Damit bestimmten ihre Designs das Erleben vieler DDR-Bürgerinnen – vom Besuch in der Eisdiele bis zur heimischen Wohnküche. Als Professorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee beeinflusste sie zudem Generationen von Studierenden. Geboren 1934 in Colditz, studierte Petroff-Bohne zunächst Industrielle Formgebung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, um 1953 an die Hochschule für angewandte Kunst Berlin-Weißensee zu wechseln. Ihre dortige Diplomarbeit aus dem Jahr 1955, ein Frühstücksservice (VEB Steingutwerk Torgau), wurde bereits 1956 in Serie aufgelegt. In der Gesamtschaut reicht ihr Werk von Gastronomie- und Haushaltswaren über Produkte aus Industrie- und Nachrichtenwesen bis hin zur Innenraumgestaltung.

Petroff-Bohne erhielt 1961 die „Goldmedaille für hervorragende Formgebung“ des Instituts für Angewandte Kunst Berlin und 1984 den DDR-Designpreis. Die Ausstellung „Schönheit der Form“ will mit über 300 Exponaten nicht nur die besondere Handschrift der Gestalterin sichtbar machen, sondern ebenso ihr Netzwerk zu Kolleg:innen der Ostmoderne nachzeichnen. Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist die Schau – eine Kooperation mit dem Kunstgewerbemuseum (Staatliche Kunstsammlungen Dresden), kuratiert von Klára Němečková, Silke Ihden-Rothkirch und Jörg Petruschat – noch bis zum 24. Oktober 2021 zu sehen. Begleitend ist eine gleichnamige Publikation im Verlag form+zweck erscheinen. (kb, 5.8.21)

Christa Petroff-Bohne: Kaffeeportionskannen, Edelstahl, Herstellung: VEB Auer Besteck- und Silber­warenwerke (Bild: © SKD/Klemens Renner)

Christa Petroff-Bohne: Kaffeeportionskannen, Edelstahl, Herstellung: VEB Auer Besteck- und Silber­warenwerke (Bild: © SKD/Klemens Renner)

Titelmotiv: Christa Petroff-Bohne: Eisbecher, um 1960, Edelstahl, Herstellung: VEB Auer Besteck- und Silber­warenwerke (Bild: © SKD/Klemens Renner)

Sechs Zimmer in Zürich

In diesem Sommer, in dem wir freudig wieder die eigenen vier Homeoffice-Wände verlassen, hat das Museum für Gestaltung Zürich sechs heimische Designstudios vor die schöne Herausforderung gestellt: Nehmt so viele Stücke aus unserer Sammlung, wie ihr wollt, und gestaltet drumherum einen ganzen Raum. Entstanden ist die Ausstellung „6 Zimmer x 6 Positionen“, die ab dem 16. Juli geöffnet sein wird. Mit von der Partie sind Jörg Boner, Connie Hüsser, Kueng Caputo, Sebastian Marbacher, Panter & Tourron und Adrien Rovero, die mit ihren Installationen sie nicht nur ein sehenswertes Endergebnis bieten, sondern auch einen Blick in ihre Werkstatt erlauben. Denn immerhin hatten die jungen Gestalter:innen die Qual der Wahl zwischen rund 500.000 Objekten der Designgeschichte.

Entstanden sind sechs äußerst unterschiedliche Raumkonzepte von sechs jungen Züricher Designer:innenteams. Sebastian Marbacher etwa versammelt klassische Stuhlentwürfe als Vertreter der Designgeschichte um einen Tisch und bringt sie so miteinander ins Gespräch. Panter & Tourron aus Lausanne hingegen schaffen einen weltweit gültigen Raum für digitale Nomaden voller temporärer Einrichtungsgegenstände. Das Duo Kueng Caputo wiederum inszeniert Verpackungsmaterialien – als Wegwerfartikel und rätselhafte Schönheiten zugleich. Die Wohnberaterin und -redakteurin Connie Hüsser schließlich arrangiert die ausgewählten Sammlungsstücke zu einem liebevollen Raumbild von postmoderner Atmosphäre. Die sechs teilnehmenden Studios stellen ihr Werk jeweils mit einem Video vor und zeigen in der Ausstellung zeitgleich eigene Entwürfe, die damit in die renommierte Züricher Sammlung aufgenommen werden. (kb, 22.6.21)

Zimmer von Connie Hüsser, 6 Zimmer × 6 Positionen, Museum für Gestaltung Zürich (Bild: Ivan Suta, 2021, ZHdK)