Schlagwort: Design

Ausstellungsansicht des Junggesellenzimmers aus dem Maschinenmöbel-Programm, 1906, Entwurf: Richard Riemerschmid, 1906, Ausführung: Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst, Hellerau, um 1910, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (Bild: © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Riemerschmid zum 150.

Sie denken, standardisierte und in großer Stückzahl produzierte Möbel sei eine schwedische Innovation der Nachkriegszeit? Weit gefehlt! Der Münchner Architekt und Gestalter Richard Riemerschmid entwarf bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts schlichte Einrichtungen in typisierter Form, um den Wohnbedürfnissen der industriellen Gesellschaft gerecht zu werden. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg widmet ihm zum 150. Geburtstag eine eigene Sonderausstellung.

Riemerschmid gehört zu den Protagonisten der frühen Moderne und fungierte als Gründungsmitglied der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk und des Deutschen Werkbunds. 1903 legte er ein neuartiges Einrichtungsprogramm auf, das in den Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst in Dresden-Hellerau gefertigt wurde. Die Versatzstücke der sogenannten „Maschinenmöbel“ wurden seriell hergestellt, die Montage der Kundschaft überlassen. Bei den schnörkelverliebten Zeitgenossen traf der Pionier der modernen Möbelgestaltung allerdings auf ein geteiltes Echo – zur endgültigen Durchsetzung verhalf der Idee tatsächlich erst Ingvar Kamprad. Die Ausstellung ist bis zum 20. Januar 2019 zu sehen. (jr, 11.12.18)

Ausstellungsansicht des Junggesellenzimmers aus dem Maschinenmöbel-Programm, 1906, Entwurf: Richard Riemerschmid, 1906, Ausführung: Deutsche Werkstätten für Handwerkskunst, Hellerau, um 1910, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (Bild: © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Tomás Maldonado beim unfertigen HfG-Bau in Ulm (Foto: Sigrid von Schweinitz, 1954-56, HfG-Archiv Schw 003.055, Detail, © Museum Ulm, HfG-Archiv Ulm)

Der Gestalter Tomás Maldonado ist tot

Kaum ein anderer prägte die renommierte Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm so wie er: Der Gestalter Tomás Maldonado, geboren 1922, verstarb gestern im Alter von 96 Jahren in Mailand. Das meldet das Museum Ulm. Mit seiner bewussten Abkehr vom Vorbild „Bauhaus“ trug Maldonado für die HfG entscheidend zur Entwicklung des modernen, wissenschaftlich fundierten Berufsbilds für Industriegestalter bei. Ein Konzept, das als „ulmer modell“ bis heute an Hochschulen weltweit angewendet wird.

In seiner Frühzeit war Maldonado eng verbunden mit avantgardistischen Gruppierungen und zählte zu den Gründern von „Arte Concreto-Invención“. Nach Europa kam er, um ein Buch über Max Bill zu schreiben. In der Folge wurde er bereits 1954 provisorisch an der HfG Ulm angestellt, die er 1964 bis 1966 leitete, an der er bis 1967 tätig war, und für deren Zeitschrift „ulm“ er schrieb. Von hier ging er nach Mailand, wo er zu einem der führenden Designtheoretiker weltweit avancierte. Er besetzte Lehrstühle u. a. in Bologna und Princeton. In seinen letzten Lebensjahren wandte sich Maldonado wieder der konkreten Malerei zu. So war er auch 2016/17 in der großen Münchener Ausstellung „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ vertreten. (pl, 27.11.18)

Tomás Maldonado beim unfertigen HfG-Bau in Ulm (Foto: Sigrid von Schweinitz, 1954-56, HfG-Archiv Schw 003.055, Detail, © Museum Ulm, HfG-Archiv Ulm)

Ohrhänger "Horten-Kachel" (Bild: privat)

Architektur für die Ohren

Da studiert und promoviert man/frau, und am Ende sitzt man/frau dann doch wieder mit Zange und Superkleber am Küchentisch und montiert Ohrringe. Aber die Idee, mit der Peter Liptau an uns herantrat, war einfach zu schön: 1961 entwarf der Architekt Helmut Rhode für die Kaufhauskette Horten einen Türgriff – mit einem stilisierten „H“. Daraus wurde ein legendäres Fassadenelement entwickelt, das in Keramik oder Aluminium bis in die 1970er Jahre die Kaufhausfassaden der Republik schmückte.

Vor Ort werden immer mehr dieser Fassaden demontiert. Doch bei mR gibt es die ikonische Wabe jetzt als zeitloses Accessoire: als Ohrhänger und Pin für die Modernistin/für den Modernisten von Welt. Die Module kommen von Paul Hinkel – und zusammengebaut haben es die mR-Herausgeber höchstselbst. Nach einem kleinen limitierten Spaß auf der Denkmal Messe in Leipzig wurden wir immer wieder gefragt: Wo gibt’s das zu kaufen? Jetzt haben wir die Antwort: Ab sofort bei uns, im kleinen mR-Onlineshop. Mit ein/zwei anderen netten Kleinigkeiten – und das Beste daran: Damit unterstützen Sie auch noch unsere ehrenamtliche Arbeit. (db/kb, 23.11.18)

Titelmotiv: Ohrhänger „Horten-Kachel“ (Bild: privat)

Gio Ponti Besteck (Bild Paolo_Monti, CC by SA 4.0)

Gio Ponti in Paris

Gio Ponti war zweifellos ein Multitalent. Der Italiener schuf als Architekt bedeutende Beispiele der Moderne vor und nach dem Krieg, entwarf elegante Möbel und Alltagsgegenstände und rief 1928 die Fachzeitschrift Domus ins Leben, die bis heute existiert und im Architekturdiskurs Akzente setzt. Im Pariser Musée des Arts Décoratifs widmet sich die Sonderausstellung „Tutto Ponti, Gio Ponti archi-designer“ seinem vielseitigen Oeuvre.

Der 1891 geborene Ponti begann seine Karriere als Architekt mit dem Abschluss am Mailänder Polytechnikum im Jahr 1921. Nach neoklassizistischen Anfängen wandelte er sich zu Vertreter des Razionalismo, dem er mit der Architekturzeitschrift Domus eine publizistische Bühne schuf. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung von 1941 bis 1947 leitete er das Periodikum bis zu seinem Tod im Jahr 1978. In der Nachkriegszeit zeichnete er für mehrere Klassiker des italienischen Designs verantwortlich, so für die Kaffeemaschine La Cornuta (1948) oder den Superleggera-Stuhl (1957). Mit dem Pirelli-Hochhaus in Mailand plante er Ende der 1950er Jahre das damals höchste Gebäude Europas. Die umfassende Pariser Werkschau ist bis zum 10. Februar 2019 zu sehen. (jr, 15.11.18)

Gio Ponti, Besteck (Bild: Paolo Monti, CC BY SA 4.0)

Kalenderblatt 2019 (Bild: Siebdruckkollektiv Studio 114, Potsdam)

Noch ein Kalender? Ja!

Natürlich können Sie das jeweils aktuelle Datum auch vom Handy ablesen, aber Stil ist etwas anderes. So spricht vieles für einen analogen Wandkalender (und noch einen und noch einen), zumindest für solche wie vom Siebdruckkollektiv Studio 114 aus Potsdam. Nach der Ostmoderne steht 2019 nun ganz im Zeichen des Bauhaus-Jahres. Unter dem Motto „Zwischenmoderne“ werden vierzehn Potsdamer Bauten der Zeit zwischen 1919 und 1933 kunstvoll aufs Kalenderblatt gebracht.

Unter den Monatsbildern finden sich bekannte Bauten wie der Einsteinturm von Erich Mendelsohn (1922) ebenso wie Alltagsschönheiten. Da wäre z. B. die Wohnanlage in der Großbeerenstraße 128-152 (W. Kuhnert/K. Pfeiffer, 1927), nennen. Für die Motive wurden Fotos bearbeitet oder Ansichten mittels Computer- oder Handzeichnung neu in Szene gesetzt. Die einzelnen Motive wurden dann in 3-farbigen Abzügen im Siebdruckverfahren von Hand gedruckt. Damit soll mehr entstehen als schöner Wandschmuck. Im besten Fall wird dem Betrachter über das Jahr deutlich, wie gewachsen und bunt die Architekturlandschaft von Potsdam eigentlich ist – und dass jede Baugattung und Stilform davon der Erhaltung würdig ist. Der Kalender und limitierte Einzeldrucke sind unter hello@studio114.de erhältlich. (kb, 14.11.18)

Titelmotiv: Kalenderblatt 2019, Siebdruckkollektiv Studio 114, Potsdam

Wandkalender "Betonkunst in der DDR" von Martin Maleschka (Bild: Martin Maleschka)

Geschenke für Ostmodernisten

Da sucht man ein Geschenk für die Hochzeit eines Freundes – und die Ostmoderne-Community gibt einem so viele tolle Tipps, dass es gleich für mehrere Hochzeiten reichen könnte. Daher möchten wir Ihnen diese weihnachtstauglichen Hinweise auf keinen Fall vorenthalten: Da wäre das persönliche Inlands-Erlebnis mit einem „privaten Ausflugsbegleiter in die sowjetische Geschichte“ (Berlins Taiga). Oder für die Russischsprechenden oder Russlandreisenden die Stadtführungen von engineer-history.ru. Oder eine fachkundig begleitete Reise von Gianluca Pardelli von Soviet Tours.

Doch lieber ein Buch? Dann wären Einführungen wie „Pioneers of Soviet Architecture“ zu empfehlen. Die neue Neuauflage von Christoph Liepach hatten wir schon völlig zu Recht besprochen. Und da wäre natürlich noch der unermüdlich Foto-Chronist der Ostmoderne Martin Maleschka. Sein DIN-A-3-Wandkalender, der diesmal zwölf Motive von bekannten und weniger bekannten DDR-Betonformsteinen zum Thema hat, ist leider vergriffen. Fast – denn zur Buchvorstellung am 13. Dezember um 18 Uhr können noch Restexemplare in Eisenhüttenstadt im Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR erworben werden. Buchvorstellung? Ja, der neue, der erste Maleschka ist dann bei DOM Publishers erschienen: „Baubezogene Kunst. DDR. Kunst im öffentlichen Raum 1950 bis 1990“. Weitere Buchvorstellungen, z. B. am 18. Dezember im DDR-Museum in Berlin-Mitte, sind in Vorbereitung. (kb, 4.11.18)

Wandkalender „Betonkunst in der DDR“ von Martin Maleschka (Bild: Martin Maleschka)

Israel-Plakat mit dem Ben-Gurion-Haus in Tel Aviv, 1975 (Bild: Verlag Hermann Schmidt)

70 Jahre Israel in 70 Plakaten

Vor 70 Jahren, am 14. Mai 1948, wurde Israel als Staat begründet. Zum Jubiläum gingen die Deutsche Henrietta Singer und die Israelin Sara Neumann in die Archive und suchten Plakate aus diesen sieben Jahrzehnten. Sie besuchten die Gestalter, soweit sie noch leben. Sie führten Interviews mit Zeitzeugen und eröffneten damit einen neuen Blick auf das Land, das so beständig mit Krisennachrichten durch die Medien geistert.

Im Spiegel des Grafikdesigns tauchen immer die großen Themen auf, die den jungen Staat und seine Bewohner bis heute begleiten: Einwanderung und Tourismus. In hebräischen Schriftzügen sprechen sie von Pioniergeist und Frieden. Sie zeigen drei Religionen und ihre Konflikte. Das Buchformat bleibt klein, denn – so die beiden Autorinnen – „Israel ist ja auch klein!“. Die Plakate werden um 90 Grad gedreht im Querformat abgebildet und fordern damit zum genauen Hinschauen, zum Perspektivwechsel heraus. (kb, 2.11.18)

Singer, Henrietta/Neumann, Sara, 70 Jahre Israel in 70 Plakaten, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2018, 336 Seiten, 11,1 x 16,2 cm, Hardcover, ISBN 978-3-87439-906-7.

Titelmotiv: Israel-Plakat mit dem Ben-Gurion-Haus in Tel Aviv, um 2015 (Bild: Verlag Hermann Schmidt)

Frank Kunerts Kleinanzeigen

Seine Architekturen haben Widerhaken: Sie laufen irgendwo ins Leere oder Absurde. Der Künstler Frank Kunert baut und fotografiert Miniaturwelten, hier mit Vorliebe die grautönige Moderne. Mit Knete und Leichtschaumplatte erstellt der gebürtige Frankfurter so die Vorbilder und Motive seiner Fotografien – analog, denn digital sei inzwischen schon genug.

Kunerts Miniaturwelten liegen jetzt auch ganz frisch – Weihnachten rückt näher – als Memory zu kaufen. Für das Memospiel „Kleinanzeigen“ muss der geneigte Modernist nicht nur Bilder wiedererkennen, sondern diesen auch noch Texte zuordnen. Da wird das aufgeständerte, nur via Feuerleiter zu erreichende Brutalismus-Hotel angepriesen als „Kletterurlaub am Meer“. Da sucht die Abstellkammer mit Toilette und darüber gestapelter Einrichtung unter „erstbeste Gelegenheit“ einen Mieter. Wer nach dem Legespiel Blut geleckt hat, dem sei dann eine der kommenden Ausstellungen Kunerts empfohlen, deren Termine online eingesehen werden können. (kb, 27.10.18)

Bilder: Frank Kunert/Verlag Metermorphosen

Lichtschalter "System 80" (Bild: PD)

Designer Wolfgang Dyroff ist tot

Gestern meldete die „Freie Presse“ (und FG Ostmodern fischte die Nachricht aus dem Netz), dass der Fotograf und Designer Wolfgang Dyroff bereits am 4. Oktober in Lilienthal bei Bremen verstorben ist. Geboren wurde Dyroff am 13. April 1923 in Berga in Thüringen. Vor 1945 als ausgebildeter Fotograf tätig, wirkte er nach Kriegsende mit dem Formgestalter Horst Michel am Wiederaufbau der Hochschule in Weimar (heute: Bauhaus-Universität), wo er zugleich seinen Abschluss machte. Gemeinsam mit Michel gestaltete er in dieser Zeit u. a. Spielzeug, darunter eine Holzeisenbahn und einen Bauernhof-Baukasten. In der Folge arbeitete er, weiter in Weimar, am Institut für Innengestaltung.

1959 wechselte Dyroff ans Institut für angewandte Kunst beziehungsweise am Zentralinstitut für Gestaltung, später ans Amt für industrielle Formgestaltung in Berlin, wo er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1989 wirkte. Dyroff war beispielsweise beteiligt am Aussehen des Wartburg 353 und des Trabant P 50, am Handstaubsauber der Marke Omega (vormals VEB Elektrowärme Altenburg), an der Bohrmaschine HGM 250 Multimax, an der Lampe Modell P 605, an Schaltern und Steckdosen des ab den 1960er Jahren äußerst erfolgreichen „Systems 80“. (kb, 13.10.18)

Lichtschalter, System 80 (Bild: PD)

PunktHochhausMöbel – PHM 16 (Bild: dein-tischler-leipzig.de)

Viel Stauraum

Das Punkthochhaus PH 16 zählte in der DDR zu einem der höchsten Plattenwohnbautypen. Auch in Leipzig prägte das PH 16 das Stadtbild gleich mehrerer Stadtteile. Inzwischen sind viele dieser markanten Bauten abgerissen oder durch eine Sanierung bis zur Unkenntlichkeit verändert. Vor diesem Hintergrund hat es sich die Leipziger „deinTischler“ – wie wir über einen Hinweis der Plattform ostmodern.org erfuhren, auch „Jeder Quadratmeter Du“ liebt dieses Möbel – der Aufgabe verschrieben, „dieses und anderer Gebäude in Form von Möbelstücken“ zu archivieren.

Das Möbelstück „PunktHochhausMöbel – PHM 16“ eignet sich nach Herstellerangabe für Büro oder Zuhause. Es steht frei im Raum, kann daher über viel ostmodern aussehenden Stauraum hinaus auch als Raumteiler dienen. Hierfür kombiniert „deinTischler“ drei Hochhausschränke zu einer Grundfläche von ca. 150 x 150 cm. Die Maße werden wie folgt angegeben: zwei Stück à 94,3 x 222,5 x 60 cm, ein Stück à 112,7 x 236,7 x 60 cm. Jeder Schrank verfügt über zwei große „Push-to-open“-Türen. Das Innenleben kann den Kundenwünschen individuell angepasst werden. Durch Zahnleisten lassen sich Fachböden, Schubkästen oder Kleiderstangen einsetzen. So praktisch kann Denkmalpflege sein! (kb, 2.10.18)

PunktHochhausMöbel – PHM 16 (Bild: dein-tischler-leipzig.de)

Alditüte (Bild: Like_the_Grand_Canyon, CC BY NC 2.0)

Adieu Aldi-Abstraktion

Die Anekdote sagt: An einem Tag im Jahr 1967 kam der abstrakte Maler Günter Fruhtrunk (1923-82) zu seinen Studenten und bekannte, er habe „gesündigt“. Daraufhin legte er einen hohen Betrag in die Kaffeekasse. Der Grund des schlechten Gewissens: Gerade hatte Fuhtrunk der Firma Aldi zugesagt, die Plastiktüten der Supermarktkette zu gestalten. Heraus kam 1970 das berühmte blau-weiße Muster, die wohl am häufigsten getragene abstrakte Malerei der Bundesrepublik.

Mit den Jahren entwickelte sich das Frutrunk-Werk zum Sinnbild nicht nur der Supermarktkette, sondern auch von allzu schnellem und billigem Konsum. Ein Zeichenwert, die zeitgenössische Künstler gerne aufgriffen und auf ihre jeweils eigene Art umdeuteten. Doch bald ist es aus mit soviel Kunst am Kunden: Aldi hat angekündigt, die Plastiktüte komplett vom Markt zu nehmen. Bereits im letzten Jahr hatte man begonnen, die Tragetasche stufenweise durch Mehrwegbeutel zu ersetzen. Sogar Jute soll den Aldi-Kunden künftig angeboten werden. Graben Sie doch einmal in Ihrer Besenkammer, vielleicht findet sich dort noch das ein oder andere Stück serielle Nachkriegskunst – der Wert könnte steigen! (kb, 5.9.18)

Alditüte (Bild: Like_the_Grand_Canyon, CC BY-NC 2.0)

Vero-Puppenhaus der 1970er Jahre (Bild: diepuppenstubensammlerin, CC BY NC SA 2.0)

Erinnerungsräume gesucht!

Das Thema Miniaturarchitektur lässt uns hier bei moderneREGIONAL nicht los. Daher waren wir gleich Feuer und Flamme, als uns ein Hilfefruf des Kollegen Christoph Liepach erreichte. Der Künstler und Fotograf beschäftigte sich in seiner Arbeit ›Vero – #1 WBS 70/IW73-6‹ bereits mit dem Verschwinden von Architekturen und Interieurs, die den Alltag in der DDR prägten. Durch Puppenhäuser der DDR-Zeit und dem Medium Fotografie gibt er Erinnerungsräumen seiner Kindheit wieder eine Bühne: „Orte können Erinnerungen, die im Augenblick nicht verarbeitet werden können, über Phasen kollektiven Vergessens hinwegbewahren. Werden diese Orte zerstört, bevor Erinnerungen aufgeholt worden sind, verschwinden auch die daran geknüpften Assoziationen unwiderruflich“ (Karen Lohse: Wolfgang Hilbig. Eine motivische Biografie, Leipzig 2008).

Für die Weiterführung seiner Arbeit bittet er um Ihre Unterstützung: Er sucht nach Puppenhäusern, die sich wie die Original-Architektur im Verschwinden befindet. Wenn Sie aus Nachlässen DDR-Puppenhäuser aus der Zeit von 1960 bis 1980 besitzen, würde sich Christoph Liepach freuen, wenn Sie über das Team von moderneREGIONAL (k.berkemann@moderne-regional.de) mit ihm Kontakt aufnehmen. Es geht vor allem um folgende/ähnliche Modelle: Puppenhaus „Hochhaus“, VERO, 1966; Bungalows, Moritz Gottschalk, 1960-70; Puppenhaus „Seeblick“, VERO, um 1968/70. (kb, 2.9.18)

Vero-Puppenhaus der 1970er Jahre (Bild: diepuppenstubensammlerin, CC BY NC SA 2.0)