Das mR-Winterheft 2022 ist online: Corporate Identity

“Never change a winning team”, dieses Prinzip hat auch in der Architektur Schule gemacht. Damit ein Unternehmen seine Marke nach außen tragen, damit Baukosten gespart werden konnten, legte man immer wieder Serien auf. Manchmal betraf das Muster nur die Innenausstattung, manchmal gleich das ganze Gebäude. In jedem Fall bieten solche Typisierungen des 20. Jahrhunderts im moderneREGIONAL-Winterheft “Corporate Identity” (22/1, Redaktion: D. Bartetzko) interessante Einblicke in die Frage, wie viel Individuelles im System Moderne möglich war.

Die mR-Themenhefte sind seit Ende 2021 im neuen pdf-Design unserer Redakteurin Jasmin Rettinger nachhaltig und wissenschaftlich verlässlich zitierbar zugänglich in Open Access unter der DOI 10.5281/ZENODO.5831871. Für die Langzeitdatensicherung sorgt wie gewohnt die Deutsche Digitale Bibliothek: ISSN (online): 2365-0370, HBZ-ID: HT018260134, ZDB-ID: 1050988183.

Titelmotiv: Das älteste geöffnete McDonalds-Restaurant (1953) in Downey/Californien (Bild: Bryan Hong, CC BY SA 2.5)

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Inhalt

Der Best-of-90s-Beitrag

WDR-Landesstudio in Düsseldorf: Karin Berkemann über ein Gebäude wie ein Volksempfänger.

Düsseldorf, WDR-Funkhaus (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, 2014)

“Lass die Kirche im Dorf” vs. “Urbino”

Wer beim Bau seines Dorfes nicht weiter weiß, kann den Pfarrer um Hilfe anrufen (und bekommt geholfen). Unrealistisch? Vielleicht, aber auf dem Spielbrett gelten klare Regeln, so auch bei “Lass die Kirche im Dorf!”. Das liebevoll aus heimischen Hölzern erstellte Strategiespiel stellt zwei Personen vor die Aufgabe, je ein Dorf zu planen und dabei mit der Kirche zu beginnen. Die mitgegebenen Häuser müssen auf dem schachbrettartigen Grundriss so arrangiert werden, dass sie am Ende eine zusammenhängende Siedlung ergeben. Da beide Spieler:innen gegeneinander vorrücken, kann eine:r rasch in die Klemme geraten, aus der nur der Pfarrer – eine schwarze Holzfigur mit breitkrempigem Hut – die Rettung bringen kann. Das ungewöhnliche Thema war für die kleine Manufaktur von Ludwig Gerhards im Westerwald eine Auftragsarbeit, gestellt vom Verlag Chrismon. Aus dem puren Titel, zu dem ein passendes Spiel zu erfinden war, entwickelte Dieter Stein 2017 einen erfolgreichen Klassiker, der gerade frisch aufgelegt wurde.

Im Programm von “Gerhards Spiel und Design” findet sich ein zweites, ähnlich aufgebautes Angebot. Mit “Urbino”, wieder nach einem Konzept von Dieter Stein, wechselt die Szenerie ins Städtische. Dieses Mal müssen zwei Architekten eine Metropole errichten, mit möglichst vielen Häusern, interessanten Quartieren und schönen Leitbauten – wie Palast und Turm, eine Kirche fehlt hier. Der eigentliche Streitapfel sind die Grundstücke, ohne die kein Weiterbauen möglich ist – zudem muss jede neue Setzung in der Blickrichtung des zweiten Architekten entstehen. Himmlische oder geistliche Hilfe kann nun nicht angerufen werden, jede:r bleibt bei sich und seinen weltlichen Gegebenheiten. Passenderweise sind die beiden Spielfiguren für die Architekten in diabolisches Rot gehüllt. Es mag als versöhnlicher Ausblick gelten, dass Chrismon auch dieses Spiel in sein Verkaufsprogramm aufgenommen hat – und auf dem Gabentisch bzw. unter dem Weihnachtsbaum sind sowieso alle Weltdeutungs- und Siedlungskonzepte gleich. (kb, 17.12.21)

Titelmotiv: “Lass die Kirche im Dorf” und “Urbino” (Bilder: Gerhards Spiel und Design)

Nach Darmstadt zur Braun-Schau

Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen: “tempora mutantur et nos mutamur in illis”, wie der geneigte Lateiner sagt. Und wie die neue Ausstellung im Darmstädter Institut für neue Technische Form (INTeF) heißt, die sich mit dem 100-jährigen Jubiläum der Firma Braun beschäftigt. Und damit an einen Ort, der sich mit der Geschichte der Firma Braun und der Geschichte der Werkssammlung eine besondere Verbindung hat: Von 1989 bis 2005 befand sich die firmeneigene Sammlung von Braun-Produkten im INTeF, bis das Unternehmen sie wieder nach Kronberg zurückholte. Unmittelbar zuvor war Braun vom Procter & Gamble-Konsumgüterimperium übernommen worden. Dass die Sammlung 1989 überhaupt nach Darmstadt kam, war ein Dankeschön für die Intef-Unterstützung in den Anfangsjahren der Braun-Design-Revolution, die Mitte der 1950er durch Dieter Rams und Hans Gugelot ausging. Das Institut machte sich damals mit seiner Reputation unter anderem auf der Brüsseler Weltausstellung von 1958 stark für die radikal schlichten Produktlinien der Kronberger.

Anlässlich des Darmstädter Gesprächs “Mensch und Technik” und der Ausstellung auf der Mathildenhöhe unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss wurde das Institut für Neue Technische Form (INTeF) als erstes deutsches Designinstitut 1952 gegründet. Im Bemühen, Kunst und Gestaltung, Kleinserie und Industrieprodukt gleichermaßen in qualitätsvoller Auswahl zu würdigen, hat das INTeF in Deutschland eine Sonderstellung und ist auch internationaler Ansprechpartner. Und residiert nach Ortswechseln 2007 und 2018 innerhalb Darmstadts mittlerweile am Friedensplatz in einem angemessen avantgardistischen Gebäude: Dem 1970 wohl nach Entwurf von Jakob Wilhelm Mengler errichteten sechseckigen ehemaligen Schlosscafé, das in den vergangenen Jahrzehnten Discos, Designmöbelläden und eine Zeitlang den Club “Waben” beherbergte. Dieser Name hält sich für den Bau, den die Stadt Darmstadt 2016 erworben und vorm Abriss bewahrt hat, bis heute. Also auf zum INTeF im Waben! Geöffnet ist die Braun-Schau bis 27. März 2022, Dienstag bis Samstag 11-17 Uhr, Sonntag 11-14 Uhr. Obacht: vom 23. Dezember bis 5. Januar ist geschlossen. (db, 27.11.21)

Darmstadt, INTeF (Bild: INTeF)