Carl Fieger im Bauhaus Dessau

Gropius, van der Rohe und, vielleicht, Hannes Meyer – das sind die Namen, die im Allgemeinen auf die Frage nach den berühmten Bauhaus-Architekten fallen. Das Name Carl Fieger dagegen ist auch vielen Freunden moderner Architektur bis heute unbekannt geblieben. Völlig zu Unrecht, war der Architekt doch an der Planung so ikonischer Bauten wie den Meisterhäusern, dem Kornhaus und dem Dessauer Bauhausgebäude selbst beteiligt. Letztgenanntes Bauwerk bietet bis Oktober 2018 der Ausstellung Carl Fieger. Vom Bauhaus zur Bauakademie eine Bühne.

Der gebürtige Rheinhesse Fieger studierte an der Mainzer Kunstgewerbeschule, bevor er in den 1910er Jahren im Büro Peter Behrens‘ in Berlin tätig wurde. Anschließend arbeitete er als Entwurfszeichner für Gropius und avancierte zu einem seiner engsten Mitarbeiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er seine Erfahrungen in den Dienst der Deutschen Bauakademie in Ostberlin. Für die DDR-Architektur verbrachte er hier eine wahre Pionierleistung, indem er 1953 den ersten Plattenbau des Landes plante. Zur Ausstellung erscheint eine von Claudia Perren und Wolfgang Thöner herausgegebenes Begleitbuch. (jr, 28.3.18)

Carl Fieger, Kornhaus, Dessau (Bild: zeumann, CC BY SA 3.0)

Dessau: Betonglasfenster in Gefahr

Im Mai diesen Jahres nutzten Badegäste die letzte Chance in der alten Schwimmhalle am Brauhausberg in Potsdam zu schwimmen. Der moderne DDR-Bau von 1969 wird abgerissen. Zumindest die baugebundene Kunst wird jedoch überleben – indem man sie an den Neubau nebenan „bindet“. Auch die Dessauer Südschwimmhalle von 1976 soll abgerissen werden. Der Ersatzbau feierte bereits Richtfest. Auch hier findet sich ein „Kunstschatz“, nämlich ein Betonglasfries zum Thema „Wasser und Mensch“. Anders als in Potsdam, soll dieses Werk nach Angaben der Stadtverwaltung Dessau keinen Platz im Ersatzbau finden, denn es gäbe hier „einen schönen Ausblick auf Grünflächen, die bei einer farbigen Verglasung nicht mehr zur Geltung kommen würden“.

Obwohl die Stadt das Bild beim Abriss „sichern“ will, bleibt dessen Zukunft fraglich. Ihm wurde „keine überregionale Bedeutung“ zugesprochen. In Beton gegossene Dallglasstücke zierten viele öffentliche Bauten der 1960er und 1970er Jahre. Mit den Bauten verschwindet oft auch die Kunst. Besonders in den 1990er Jahren ging ein großer Teil der DDR-Betonglaskunst dieser Zeit verloren: Der Künstler Reginald Richter war neben dem Dessauer Bild beispielsweise auch an der Blume im Palast der Republik beteiligt. Eingelagerte Kunstwerke kommen nur noch selten ans „Licht“ – beispielsweise in einer Ausstellung in Frankfurt/Oder. (df, 15.6.17)

Bilder: Dessau, Südschwimmhalle/“Volksschwimmhalle“ (Titelmotiv: Martin Maleschka, Galerie: Martin Maleschka/Martin Schramme) – und eine Farb-Innenaufnahme gibt es bei flickr

Die Novembergruppe

Im Dezember 1918, einen Monat nach dem Sturz der deutschen Monarchie, gründete sich eine bemerkenswerte Künstlergruppe: Die „Novembergruppe“ vereinte Vertreter der bildenden Kunst, der Musik, Literatur und Tanzkunst, Persönlichkeiten aus den Richtungen DADA, Futurismus, Bauhaus und Werkbund. Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1933 verfolgten die Mitglieder in vielfältigen Aktivitäten ein gemeinsames Ziel. Man verstand sich als „radikal“ und „revolutionär“, als Überbrücker der Kluft zwischen Volk und Kunst. Letztlich wollte man als Künstler an der Neuordnung der Welt teilhaben, die Künste hin zu Politik und Kultur entgrenzen.

Zu diesem Brückenschlag der Avantgarde zu den Massenmedien werden für eine Tagung noch Themenvorschläge gesucht. Das Internationale Symposion „Novembergruppe. Berlin 1918-2018“ wird vom 1. bis zum 4. März 2018 im Lyonel Feininger Haus in Dessau stattfinden. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von der Kurt-Weill-Gesellschaft Dessau während des jährlichen Kurt Weill Festes. Neue Forschungsansätze und -ergebnisse aus den Fachbereichen Museologie und weiteren relevanten Disziplinen sind bis zum 15. Juni 2017 willkommen unter: novembergruppe2018@gmail.com (Betreff: „Symposium Novembergruppe 2018, CfP“). Die Auswahl wird bis Mitte Juli bekanntgegeben. (kb, 4.6.17)

Berlin, Juni 1924: Vorbereitung der Novembergruppe zur Eröffnung der Großen Berliner Kunstausstellung (Bild: 183-S29554, CC BY SA 3.0)