Bauhaus im International Style

Auf der Suche nach einer Nachfolge für die scheidende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Claudia Perren, wird die Stelle weltweit ausgeschrieben. Ziel sei es, die Auswahl der Bewerber bis Ende 2020 abzuschließen. Gesucht werde eine international angesehene, vernetzte Persönlichkeit, sagte der Stiftungsratsvorsitzende, Kulturstaatsminister Rainer Robra (CDU). Das Gremium habe sich auf die Vorbereitung der Ausschreibung geeinigt. Wer die Nachfolge von Perren antrete, könne mit den Pfunden des Unesco-Weltkulturerbes wuchern und den Schwung aus dem Bauhausjubiläum für Neues nutzen. „Die Geschichte des Bauhauses ist noch lang nicht zu Ende erzählt“, sagte Robra. Er rechne mit vielen Bewerbern, die Amtszeit betrage fünf Jahre.

Claudia Perren hatte am 31. März 2020 mitgeteilt, dass sie zum 1. August Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel wird. Die in Berlin geborene Architektin leitete die Stiftung Bauhaus Dessau seit sechs Jahren. In ihre Amtszeit fielen der Neubau des Bauhaus-Museums, das Bauhaus-Jubiläum 2019 – und freilich auch 2018 die arg unglücklich begründete Absage des Konzerts der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ im Bauhaus. Perren hatte nun erklärt, sie habe sich vor Ablauf ihrer zweiten Amtszeit bewusst für die neue Aufgabe in Basel entschieden, werde dem Bauhaus aber eng verbunden bleiben. Trotzdem kam diese Demission überraschend. (db, 9.4.20)

Dessau, Bauhaus (Walter Gropius, 1925/26) (Bild: Mewes, CC0)

Moderne hoch drei

Berlin, Dessau und Weimar verbünden sich seit 2013 alle drei Jahre zu einem großangelegten Programm rund um die Architektur des 20. Jahrhunderts. Diese „Triennale der Moderne“ fällt 2019 mit dem Bauhausjahr zusammen und steht unter der Schirmherrschaft des Israelischen Botschafters in Deutsch­land. Die Veranstaltungsreihe von Ausstellungen über Konzerte bis zu Themenführungen versteht sich als Auftakt für ein breiter angelegtes Netzwerk, um „längerfristig noch weitere UNESCO­Welterbestätten des 20. Jahrhunderts für eine Mitwirkung zu gewinnen“.

An diesem Wochenende (4. bis 6. Oktober 2019) steht das Programm in Dessau unter dem Motto „Material und Architektur“: Im Bauhausgebäude wird eine neue Ausstellung des Bauforschungsarchivs präsentiert, in dem Materialien und Objekte zur Architektur der Moderne gesammelt und bewahrt werden. Ein weiteres Highlight ist die Ausstel­lung „Transferumbau“ des Partners The White City Center rund um das Neue Bauen in Tel Aviv. In Berlin folgen vom 11. bis zum 13. Oktober Veranstaltungen rund um das Thema „Welterbe der Moderne“: Das kulturelle Erbe der Moderne geht hier weit über die Anlagen berühmter Bauhaus-Architekten hinaus. So wirft man in der Hauptstadt an diesem Wochenende einen Blick auf die vorlaufenden Reformbewegungen und den Re-Import der Ideen des Neuen Bauens nach 1945. (4.10.19)

Weimar, Van-de-Velde-Bau (Bild: © Bauhaus-Universität Weimar; Foto: Jonas Tegtmeyer)

Carl Fieger im Bauhaus Dessau

Gropius, van der Rohe und, vielleicht, Hannes Meyer – das sind die Namen, die im Allgemeinen auf die Frage nach den berühmten Bauhaus-Architekten fallen. Das Name Carl Fieger dagegen ist auch vielen Freunden moderner Architektur bis heute unbekannt geblieben. Völlig zu Unrecht, war der Architekt doch an der Planung so ikonischer Bauten wie den Meisterhäusern, dem Kornhaus und dem Dessauer Bauhausgebäude selbst beteiligt. Letztgenanntes Bauwerk bietet bis Oktober 2018 der Ausstellung Carl Fieger. Vom Bauhaus zur Bauakademie eine Bühne.

Der gebürtige Rheinhesse Fieger studierte an der Mainzer Kunstgewerbeschule, bevor er in den 1910er Jahren im Büro Peter Behrens‘ in Berlin tätig wurde. Anschließend arbeitete er als Entwurfszeichner für Gropius und avancierte zu einem seiner engsten Mitarbeiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er seine Erfahrungen in den Dienst der Deutschen Bauakademie in Ostberlin. Für die DDR-Architektur verbrachte er hier eine wahre Pionierleistung, indem er 1953 den ersten Plattenbau des Landes plante. Zur Ausstellung erscheint eine von Claudia Perren und Wolfgang Thöner herausgegebenes Begleitbuch. (jr, 28.3.18)

Carl Fieger, Kornhaus, Dessau (Bild: zeumann, CC BY SA 3.0)