Neue Bauhaus-Leitung

Neue Bauhaus-Leitung

Dr. Claudia Perren (Bild: Bauhaus Dessau)
Dr. Claudia Perren, die neue Direktorin am Bauhaus Dessau  (Bild: Bauhaus Dessau)

Es sind noch fünf Jahre, bis das Bauhaus 100 wird. Für eben diese fünf Jahre hat das Bauhaus Dessau nun eine neue Direktorin, die dem Architekten Philipp Oswalt auf diese Stelle folgt. Die Architektin und Kuratorin Dr. Claudia Perren, (* 1973) studierte in Berlin und New York. Nach einem Graduiertenstudium in Zürich wurde sie in Kassel im Themenfeld der Architekturtheorie promoviert. Zuletzt lehrte sie am Fachbereich Architektur der Universität in Sydney.

Perren erklärte, sie wolle die große Geschichte des Bauhaus-Gedankens mit der Zukunft verknüpfen: Forschung und Lehre sollen noch stärker international positioniert werden. Auf der Bühne will sie mehr Experimente wagen und die Dessauer Sammlung für das bevorstehende Jubiläum fit machen: „Mit den Bauhausbauten haben wir ein einmaliges Vermächtnis hier in Dessau“. Vor einer großen Aufgabe steht Perren gerade mit dem neuen Bauhaus-Museum – es muss noch gebaut werden, bis 2019. (kb, 2.8.14)

Meisterhäuser wiedereröffnet

Meisterhäuser wiedereröffnet

Neue Meisterhäuser in Dessau (Bild: Bauhaus Dessau)
Neue Meisterhäuser in Dessau (Bild: Bauhaus Dessau)

Die noch aufrechtstehenden Meistervillen des Dessauer Bauhauses wurden bereits vor Jahren restauriert. Jetzt sind auch die 1945 weitgehend zerstörten Häuser für Walter Gropius und László Moholy-Nagy wiederauferstanden – als „unscharfe“ Rekonstruktion, wie es das ausführende Büro Bruno Fioretti Marquez beschreibt: Eine gegossene Betonhülle mit eingelassen Senkgläsern umgibt ein plastisches hölzernes Inneres, das die originale Raumgliederung anreißt. Diese Spannung zwischen massiver Schale und leichtem Kern, die Olaf Nicolai gestaltete, kann der Betrachter zum ursprünglichen Bild des jeweiligen Hauses weiterdenken.

Mit einer dreitägigen Eröffnungsfeier begeht nun die Stadt Dessau vom 16. bis 18. Mai 2014 die Wiedereröffnung der Häuser. Zum zentralen Festakt werden Bundespräsident Joachim Gauck und Nachfahren der Bauhaus-Künstler erwartet. Themenbezogene Führungen durch die Siedlung und ein kulturelles Bühnenprogramm bilden den Rahmen. Parallel wird im Bauhausgebäude die Ausstellung „Dessau 1945: Moderne zerstört“ mit Fotografien von Henri Cartier-Bresson zu sehen sein. Die Schau zeigt vom 15. Mai bis zum 7. September 2014 die Entwicklung der Stadt von der nationalsozialistischen Machtübernahme bis zu ihrer Zerstörung.

FACHBEITRAG: Das Arbeitsamt in Dessau

nach einem Vortrag von Berthold Burkhardt (20/1)

Als das Arbeitsamt in Dessau 1929 errichtet wurde, war es ein völlig neuer Gebäudetyp des industriellen Zeitalters. Es wirkte wie ein Ufo in bürgerlicher Umgebung. Denn dieser Bau von Walter Gropius war architektonisch und technologisch etwas ganz Neues. Aber natürlich gab es hinter gründerzeitlichen Fassaden ebenfalls viel moderne Technologie – von Elektrizität bis Zentralheizung. Der Kontrast ist in der Architektursprache eklatant, unter anderen Gesichtspunkten jedoch weniger.

Dessau, Arbeitsamt (Bild: M_H.de, GFDL/CC BY SA 3.0, 2009)

Veränderungen

In der Geschichte des Arbeitsamtes gab es drei massive Veränderungen: Einmal brach man zur NS-Zeit 1936 Fenster in die runde Umfassungsmauer. Vor diesem Hintergrund wurde vor der Sanierung intensiv diskutiert, wie mit den Fensteröffnungen umzugehen sei. Die Holzelemente waren noch im Zustand von 1936 gut erhalten. Letztlich hat das Argument entschieden, dass die dahinterliegenden Zimmer als Arbeitsräume heute auch Fenster benötigen.

Dessau, Arbeitsamt (Bild: Stiftung Bauhaus Dessau, Foto: Nathalie Wächter)

Dessau, Arbeitsamt (Bild: Stiftung Bauhaus Dessau, Foto: Nathalie Wächter)

Die zweite wichtige bauliche Veränderung betrifft die Außenanlagen. Hier wurde eine Umgehungsstraße angelegt und direkt hinter dem Arbeitsamt ein Plattenbau aufgerichtet. DDR-Moderne und klassische Moderne treffen aufeinander – das kann man interessant finden oder als Konflikt wahrnehmen. Drittens wird das Gebäude heute als Straßenverkehrsamt genutzt – immerhin auch eine öffentliche Nutzung mit Publikumsverkehr.

Hinter der Fassade

In den 1920er/1930er Jahren galt Stahlbau als hochmodern. Jedoch wurde das Material damals noch nicht offen gezeigt, sondern durch Mauerwerk und Putz ummantelt bzw. hinter der Fassade verborgen – so auch beim Arbeitsamt. Eine Besonderheit lag in den gebogenen Trägern, die aus der Waggonfabrik in Dessau kamen.

Durch die Fassade des Arbeitsamtes zogen sich vor der Sanierung feine Haarrisse, hinter denen die Stahlprofile verliefen. Diese waren im Laufe der Zeit gerostet, hatten dadurch ihr Volumen vergrößert und ganze Steinschichten nach außen geschoben hat. Hätte man bei der Sanierung jeden schadhaften Stahl freigelegt, hätte man die Wände abreißen und wieder neu aufbauen müssen. Stattdessen wurden die Schadstellen so weit als drängend nötig geöffnet, die verrosteten Stellen im Duplex-Verfahren gestrichen und alles wieder mit einem gelben Ziegel geschlossen. Diese handgefertigten Steine stammen aus einer kleinen regionalen Firma.

Licht und Luft

Eigentlich weist der Rundbau des Arbeitsamtes keine Belichtung auf – außer den Oberlichtern. Diese Entscheidung traf Gropius nicht aus architektonischen, sondern aus pragmatischen Gründen. So sollten die Arbeitssuchenden nicht ständig durch die Fenster hindurch gesehen und abgelenkt werden. Bei den Oberlichtern entschied man sich damals für eine Einfachverglasung, die heute wärmetechnisch Kopfzerbrechen bereitet. Als weitere Quelle für indirektes Tageslicht dienten Sheds auf dem Rundbau aus einfachem Drahtglas.

Bei der Sanierung wurde die horizontale Glasdecke im Rundbau in eine Klima- bzw Isolierebene umgewandelt, indem das zu ersetzende Riffelglas mit einer Scheibe aus Sicherheitsglas ergänzt wurde. Dadurch konnte die heutige Vorschrift nach einer sicheren Überkopfverglasung erfüllt werden. Gleichzeitig konnten die originalen Sheds erhalten werden. Das bauzeitliche beliebte prismatische Luxfer-Riffelglas wirkt sich günstig für eine gleichmäßige Lichtstreuung aus.

Dessau, Arbeitsamt (Bild: Stiftung Bauhaus Dessau, Foto: Thomas Meyer, Ostkreuz)

Dessau, Arbeitsamt (Bild: Stiftung Bauhaus Dessau, Foto: Thomas Meyer, Ostkreuz)

Da Gropius die Wände jeweils über den Türen enden ließ, können sich die Räume gegenseitig Licht spenden. Die gefliesten Wände sind wie die Fußböden mit Terrazzo erhalten. So wollte man eine leicht zu säubernde Oberfläche schaffen, wenn Arbeiter in ihrer Kluft zur Beratung kamen. Die hellen Fliesen waren übrigens dasselbe Modell, das auch bei der Berliner U-Bahn zum Einsatz kam. Nur die Räume der Mitarbeiter wurden verputzt. Die Belüftung der Räume wurde durch ein mechanisches System durch Klappen in der Lichtdecke und in den Sheds gewährleistet. Heute könnte man das Problem ähnlich lösen, würde dann aber auf Motor und Funksteuerung zurückgreifen. Warmluft wurde über eine Heizanlage mit Kohlebetrieb erzeugt, die heute nicht mehr vorhanden ist. In allen radialen Achsen wurden Röhren im Keller oder im Erdreich verbaut, durch die man frische angewärmte Luft in die hohlen Stützen pressen und über das Klappensystem wieder entfernen konnte. Die mechanische historische Lüftungsanlage wurde bei der Sanierung wieder in Betrieb genommen.

Die Belüftung der Räume wurde jeweils durch eine Klappe gewährleistet, die über ein mechanisches System die Verbindung zur Dachebene herstellte. Heute könnte man das Problem ähnlich lösen, würde dann aber auf Motor und Funksteuerung zurückgreifen. Warmluft wurde über eine Heizanlage mit Kohlenbetrieb erzeugt, die heute nicht mehr vorhanden ist. In allen radialen Achsen wurden Röhren im Keller oder im Erdreich verbaut, durch die man frische angewärmte Luft in die hohlen Stützen pressen und über das Klappensystem wieder entfernen konnte. Die historische Lüftungsanlage wurde bei der Sanierung wieder in Betrieb genommen.

Fensterlos bunt

Nach historischen Fotografien konnten die Original-Lampen nachgekauft werden: Bauhaus-Kugelleuchten von Marianne Brandt. Um den heutigen Vorschriften zu entsprechen, wurde eine Zusatzbeleuchtung oberhalb der Lichtdecke angebracht. So lassen sich die Kugelleuchten bei Bedarf – z. B. um die Verhältnisse der 1920er Jahre nachzuempfinden – separat einschalten. Kleine technische Novitäten waren damals die Gropius-Klinken und ein kleines Rechteck in der Fliesenwand, in dem der Sachbearbeiter den Text „bitte warten“ oder „bitte eintreten“ einschalten konnte.

Dessau, Arbeitsamt (Bildquelle: Peter Kühn im Auftrag der Stadt Dessau)

Das Raumprogramm sah verschiedene Funktionsbereiche vor. Unter anderen einen Beratungsraum und einen Raum, in dem Arbeitgeber Stellen anboten. Gleich nach der Eröffnung des Arbeitsamtes gab es seitens der Mitarbeiter Unmut wegen der fehlenden Fenster. Mit verschiedenen Farbanstrichen jedes Mitarbeiterraums versuchte man zunächst die Beschwerden zu mildern. Die Türen waren ursprünglich beschriftet, nach Berufsgruppen – jede von ihnen hatte einen eigenen Eingang.

Sichtbar machen

Bei der Sanierung mussten die Stahlbeton-Vordächer gefestigt werden. Dafür legte man deren Eindeckung frei und brachte eine Textilbewehrung auf. So ließ sich viel Originalsubstanz erhalten. Ähnlich ging man auch bei den Fenstern von 1936 vor: Nach außen sieht man sauber gemauerte Gewände und Gesimse, im Inneren wurde bei den Durchbrüchen viele Fliesen beschädigt.  Diese Anschlussstellen wurden bei der Sanierung sichtbar belassen, um auf die Veränderung während der NS-Zeit hinzuweisen. Die Außenfenster konnten entlang der vorhandenen Stahlprofile ohne weiteres durch dünnes Isolierglas ersetzt werden. Am Verwaltungstrakt hingegen hat man Kastenfenster ausgebildet, um beiden Ansprüchen zu entsprechen: Möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten und einen möglichst hohen Nutzungskomfort zu erreichen.

Titelmotiv/Rundgang: Dessau, Arbeitsamt (Bilder: Außenaufnahmen: Berthold Burkhardt, Innenaufnahmen: Peter Kühn im Auftrag der Stadt Dessau, Bildquelle Grundriss: Berthold Burkhard)

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