Deutsches Architekturmuseum Frankfurt

Frankfurt am Main, Treppe zum Bierkeller, Grete Leistikow, ca. 1930 (Vintage Print, © Galerie Berinson, Berlin)

Neuer Bauen

Sie dürfen in Frankfurt schon „Bauhaus-Jahr“ sagen, nur sollten Sie die Anführungszeichen hörbar machen. Denn der wahre Main-Modernist spricht lieber vom „Neuen Bauen“, von jener klaren Moderne unter Architekturgrößen wie Ernst May. So heißt die Koordinierungsstelle der Mainmetropole zum Thema folgerichtig auch „Forum Neues Frankfurt“. Unter dessen niegelnagelneuem virtuellen Dach finden sich ab sofort Beiträge und Veranstaltungen rund um „Neues Frankfurt, Bauhaus und Wohnen in der Großstadt des 21. Jahrhunderts“. Mit dabei sind das Deutsche Architekturmuseum, die Ernst-May-Gesellschaft, das Historische Museum Frankfurt, die Martin-Elsaesser-Stiftung, das Museum Angewandte Kunst Frankfurt – und moderneREGIONAL als Medienpartner.

Empfehlen können wir besonders drei Frankfurter Ausstellungen im Jahr 2019: Das Museum Angewandte Kunst widmet sich vom 19. Januar bis 14. April der „Moderne am Main“, den Umbrüchen im Städte- und Wohnungsbau, in Produkt-, Raum- und Werbegestaltung, in Mode, Musik, Fotografie und Film zwischen 1919 und 1933. Die Ausstellung „Neuer Mensch, Neue Wohnung“, vom 23. März bis 18. August 2019 im Deutschen Architekturmuseum zu sehen, präsentiert die Bauprojekte unter dem Oberbürgermeister Ludwig Landmann und seinem Stadtbaurat Ernst May. Das Historischen Museum Frankfurt legt vom 16. Mai bis 15. September 2019 den Schwerpunkt auf die Frage „Wie wohnen die Leute?“ – heute – in den 1920er-Jahre-Siedlungen. (kb, 18.1.19)

Frankfurt am Main, Treppe zum Bierkeller, Grete Leistikow, ca. 1930 (Bild: © Galerie Berinson, Berlin)

Stuttgart, Kleiner Schlossplatz (Bild: historische Postkarte)

Wer bestimmt die Architektur?

„Kein anderer Architekt hat zwischen 1960 und 2010 häufiger an Wettbewerbsjurys teilgenommen als Max Bächer“, so das Forschungsprojekt zu eben jenem Preisrichter, Architekten und Publizisten, den seine Kollegen auch „den großen Vorsitzenden“ nannten. In seinem Nachlass finden sich Unterlagen zu mehr als 400 Architekturwettbewerben: darunter der Wettbewerb für das Deutsche Historische Museum in Berlin, zum Potsdamer Platz in Berlin oder zur Ditip-Zentralmoschee in Köln. Ab 1956 arbeitete er als selbständiger Architekt in Stuttgart und verwirklichte dort unter anderem den brutalistischen, 2002 abgerissenen „Kleinen Schlossplatz“. Als Professor wirkte er zwischen 1964 und 1994 an der TU Darmstadt. Nicht zuletzt publizierte er Artikel und Bücher, war im Redaktionsbeirat der BDA-Zeitschrift „Der Architekt“ und ein unermüdlicher Briefeschreiber.

Bächers (1925-2011) umfangreicher Nachlass wurde vom DAM übernommen, ist bereits nach Projekten inventarisiert und soll nun der Forschung geöffnet werden. Den Auftakt bildet ein Workshop „Wer bestimmt die Architektur. Netzwerke, Wettbewerbe und der öffentliche Diskurs“ vom 16. bis zum 17. Januar 2019 an der TU Darmstadt. (Nachwuchs-)Wissenschaftler sind angesprochen, ihre Projekte vorzustellen. Interessierte können sich bis zum 8. Oktober 2018 mit einem Vorschlag (Abstract von max. 2.000 Zeichen und eine Kurzbiographie in Deutsch oder Englisch) für einen 20-minütigen Vortrag per E-Mail wenden an: Frederike Lausch, lausch@kunst.tu-darmstadt.de. (kb, 17.9.18)

Stuttgart, Kleiner Schlossplatz (Bild: historische Postkarte)

Frankfurt am Main, Treppe zum Bierkeller, Grete Leistikow, ca. 1930 (Vintage Print, © Galerie Berinson, Berlin)

Neuer Bauen

Sie dürfen in Frankfurt schon „Bauhaus-Jahr“ sagen, nur sollten Sie die Anführungszeichen hörbar machen. Denn der wahre Main-Modernist spricht lieber vom „Neuen Bauen“, von jener klaren Moderne unter Architekturgrößen wie Ernst May. So heißt die Koordinierungsstelle der Mainmetropole zum Thema folgerichtig auch „Forum Neues Frankfurt“. Unter dessen niegelnagelneuem virtuellen Dach finden sich ab sofort Beiträge und Veranstaltungen rund um „Neues Frankfurt, Bauhaus und Wohnen in der Großstadt des 21. Jahrhunderts“. Mit dabei sind das Deutsche Architekturmuseum, die Ernst-May-Gesellschaft, das Historische Museum Frankfurt, die Martin-Elsaesser-Stiftung, das Museum Angewandte Kunst Frankfurt – und moderneREGIONAL als Medienpartner.

Empfehlen können wir besonders drei Frankfurter Ausstellungen im Jahr 2019: Das Museum Angewandte Kunst widmet sich vom 19. Januar bis 14. April der „Moderne am Main“, den Umbrüchen im Städte- und Wohnungsbau, in Produkt-, Raum- und Werbegestaltung, in Mode, Musik, Fotografie und Film zwischen 1919 und 1933. Die Ausstellung „Neuer Mensch, Neue Wohnung“, vom 23. März bis 18. August 2019 im Deutschen Architekturmuseum zu sehen, präsentiert die Bauprojekte unter dem Oberbürgermeister Ludwig Landmann und seinem Stadtbaurat Ernst May. Das Historischen Museum Frankfurt legt vom 16. Mai bis 15. September 2019 den Schwerpunkt auf die Frage „Wie wohnen die Leute?“ – heute – in den 1920er-Jahre-Siedlungen. (kb, 18.1.19)

Frankfurt am Main, Treppe zum Bierkeller, Grete Leistikow, ca. 1930 (Bild: © Galerie Berinson, Berlin)

Bat Yam, Rathaus (Foto: Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1961-63)

Die große graue Welt

Nicht weniger als eine Weltschau wird versprochen, wenn am 8./9. November in Frankfurt die Ausstellung „SOS Brutalisms“ eröffnet: Erstmals soll ein globusumspannender Überblick über die brutalistische Architektur der 1950er bis 1970er Jahre möglich werden. Wüstenrot Stiftung und Deutsches Architekturmuseum haben sich schon vor Monaten zusammengetan, um die graue Bauwelt zu retten. So gab es den Hashtag (#SOSBrutalism) schon vor der Ausstellung, und es wird ihn wohl als eigenständige Aktion auch danach noch geben. Da war auf einmal – zur Freude (und vielleicht auch Überraschung) der Organisatoren – ein Forum für all die Betonliebhaber und Erhaltungskämpfer entstanden.

 

Per Hashtag die Welt retten

Denn bedroht sind sie, die Bauten des Brutalismus, weltweit. Die Webseite www.SOSBrutalism.org hat inzwischen über 1.000 Objekte dieses Stils gesammelt. Darüber, wie der genau zu definieren sei, lässt sich trefflich streiten. Das roh belassene Material Beton hat ihn berühmt gemacht. Doch für die Organisatoren der Ausstellung steht dahinter mehr, eine Geisteshaltung: eine Architektur, die ihre „Gemachtheit“ (mit dem ein oder anderen Augenzwinkern) offenlegt. Bei der Gliederung des großen weltweilten Bestands hat man sich auf der SOS-Homepage an Artenschutzprojekten orientiert: Die „rote Liste“ umfasst aktuell 108 unmittelbar bedrohte Bauten. Darunter finden sich schon erste bestandene Kämpfe wie der um das österreichische Kulturzentrum Mattersburg, aber auch noch in der Schwebe befindliche Objekte wie die Sirius-Wohnanlage in Sydney.

 

Regional unterwegs

So global der Anspruch, so regional die Schwerpunkte der Ausstellung. Man hat sich umgeschaut in Israel, Japan, Südamerika, Großbritannien, den USA und im Westen Deutschlands, aber auch afrikanische und sowjetische Beispiele sind dabei. Am Ausstellungsort selbst ist man auf dem Friedhof Westhausen fündig geworden, wo die Trauerhalle von Günter Bock (mit dem Bildhauer Otto Herbert Hajek) noch fast unberührt dasteht. Und im nahen Marburg überrascht ein Betondampfer der farbenfrohen Sorte, das ehemalige Hauptpostamt von Johannes Möhrle mit einer fast pop-artigen Ausstattung.

 

Kathedralen für Materialfetischisten

So bleibt, neben allem Erschrecken über die wachsende Bedrohung dieser Stilepoche, genug Raum zum Schwelgen. Da sind die betonplastischen Kathedralen eines Fritz Wotruba oder eines Gottfried Böhm – eine Freude für Baugestalter, Liturgiker und Materialfetischisten gleichermaßen. In der Ausstellung werden, neben der zweisprachig präsentierten Information, z. B. auch Betonmodelle einen sinnlichen Eindruck der Schönheit des Brutalismus vermitteln. Nicht zuletzt versteht sich der Begleitkatalog als tiefe Verneigung vor dem ersten weltumspannenden Darstellungsversuch, erschienen 1966 im Karl Krämer Verlag: „Brutalismus in der Architektur – Ethik oder Ästhetik?“ Gute Frage! (db/kb, 4.11.17)

 

Zum Weiterklicken

Die Ausstellung „SOS BRUTALISMUS – Rettet die Betonmonster!“ bildet ein gemeinsames Projekt des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot Stiftung. Die Online-Datenbank www.SOSBrutalism.org wird unterstützt vom Magazin uncube. Die Ausstellung wird eröffnet am 8. November 2017 um 19 Uhr, im Anschluss ist sie bis zum 2. April 2018 zu sehen.

Titelmotiv: Bat Yam, Rathaus (Foto: Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1961-63)

Brückenschlag in Frankfurt am Main

Brückenschlag zwischen Alt und Neu (Bild: DAM Frankfurt)
Brückenschlag zwischen Alt und Neu (Foto: K. und E. Malorny, Bild: DAM Frankfurt)

Frankfurt blickt zurück auf eine lange Brückenbaugeschichte – 18 Verbindungen gibt es heute zwischen den Stadtteilen südlich und nördlich des Mains. Die jüngste Flussüberquerung schließt ein Ensemble aus Alt und Neu: Die Osthafenbrücke bildet mit der Honsellbrücke von 1912 nicht nur ein anspruchsvolles Bauvorhaben, sondern einen Brückenschlag zwischen den Jahrhunderten. Das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt (DAM) widmet die Ausstellung „Brückenschlag Ostend – Momentaufnahmen aus nächster Nähe“ vom 24. Mai bis zum 24. August 2014 diesem jüngsten Projekt.

In ästhetisch klaren, technisch orientierten Schwarzweiß-Fotografien bieten Elke und Klaus Malorny einmalige Einblicke in den Bau der neuen und die Sanierung der alten Brücke. Seit Dezember 2013 ist die 175 Meter lange, von Ferdinand Heide Architekten und der Grontmij GmbH entworfene Stahlkonstruktion öffentlich befahrbar. Die Fotografen dokumentierten in Frankfurt vor über 30 Jahren die Proteste gegen die Startbahn West und befassen sich seit den 1970er Jahren mit den Mainbrücken. Als Angehörige der Friedensbewegung setzten sie sich dafür ein, die Sprengkammern aus dem Zweiten Weltkrieg mit Beton zu befüllen.