Paulskirche unter Druck

In den vergangenen Monaten wurde – angesichts der anstehenden Sanierung – immer wieder über eine Widerherstellung ders Vorkriegszustands diskutiert: Als man die Paulskirche 1948 in moderner Formensprache wiederaufbaute, wollte die Stadt ein „nationales Zeichen“ setzen: Frankfurt warb damals (vergeblich) um den Regierungssitz der jungen Bundesrepublik. Der Ort war eigentlich perfekt gewählt, gilt die Paulskirche doch als „Wiege der Demokratie“. In dem klassizistischen Bau, 1833 an der Stelle der mittelalterlichen Barfüßerkirche errichtet, hatte sich 1848/49 mit der Nationalversammlung Deutschlands „erste frei gewählte Volksvertretung“ getroffen.

Der Wiederaufbau der Kriegsruine lag in den Händen eines renommierten Architektenteams: Rudolf SchwarzEugen BlanckGottlob Schauppund Johannes Krahn. Damit erhielt die Paulskirche ihr neues flaches Kuppeldach, eine horizontale Unterteilung und klare Innenraumgestaltung. Heute dient die Kirche vorwiegend als Gedenk-, Ausstellungs- und Versammlungsstätte. Die Ausstellung „Paulskirche – Ein Denkmal unter Druck“, ein gemeinsames Projekt des Deutschen Architekturmuseums (DAM) und der Wüstenrot Stiftung, legt nun ein besonderes Augenmerk auf die Umbauten der 1960er und 1980er Jahre samt den wiederkehrenden Rufen nach Rekonstruktion. Die Ausstellung ist vom 7. September 2019 bis zum 16. Februar 2020 im DAM zu sehen. Die Vernissage wird am 6. September 2019 um 19 Uhr im DAM (Auditorium) begangen. (kb, 2.8.19)

Frankfurt, Paulskirche (Bild: Moritz Bernoully)

Neuer Bauen

Sie dürfen in Frankfurt schon „Bauhaus-Jahr“ sagen, nur sollten Sie die Anführungszeichen hörbar machen. Denn der wahre Main-Modernist spricht lieber vom „Neuen Bauen“, von jener klaren Moderne unter Architekturgrößen wie Ernst May. So heißt die Koordinierungsstelle der Mainmetropole zum Thema folgerichtig auch „Forum Neues Frankfurt“. Unter dessen niegelnagelneuem virtuellen Dach finden sich ab sofort Beiträge und Veranstaltungen rund um „Neues Frankfurt, Bauhaus und Wohnen in der Großstadt des 21. Jahrhunderts“. Mit dabei sind das Deutsche Architekturmuseum, die Ernst-May-Gesellschaft, das Historische Museum Frankfurt, die Martin-Elsaesser-Stiftung, das Museum Angewandte Kunst Frankfurt – und moderneREGIONAL als Medienpartner.

Empfehlen können wir besonders drei Frankfurter Ausstellungen im Jahr 2019: Das Museum Angewandte Kunst widmet sich vom 19. Januar bis 14. April der „Moderne am Main“, den Umbrüchen im Städte- und Wohnungsbau, in Produkt-, Raum- und Werbegestaltung, in Mode, Musik, Fotografie und Film zwischen 1919 und 1933. Die Ausstellung „Neuer Mensch, Neue Wohnung“, vom 23. März bis 18. August 2019 im Deutschen Architekturmuseum zu sehen, präsentiert die Bauprojekte unter dem Oberbürgermeister Ludwig Landmann und seinem Stadtbaurat Ernst May. Das Historischen Museum Frankfurt legt vom 16. Mai bis 15. September 2019 den Schwerpunkt auf die Frage „Wie wohnen die Leute?“ – heute – in den 1920er-Jahre-Siedlungen. (kb, 18.1.19)

Frankfurt am Main, Treppe zum Bierkeller, Grete Leistikow, ca. 1930 (Bild: © Galerie Berinson, Berlin)

Wer bestimmt die Architektur?

„Kein anderer Architekt hat zwischen 1960 und 2010 häufiger an Wettbewerbsjurys teilgenommen als Max Bächer“, so das Forschungsprojekt zu eben jenem Preisrichter, Architekten und Publizisten, den seine Kollegen auch „den großen Vorsitzenden“ nannten. In seinem Nachlass finden sich Unterlagen zu mehr als 400 Architekturwettbewerben: darunter der Wettbewerb für das Deutsche Historische Museum in Berlin, zum Potsdamer Platz in Berlin oder zur Ditip-Zentralmoschee in Köln. Ab 1956 arbeitete er als selbständiger Architekt in Stuttgart und verwirklichte dort unter anderem den brutalistischen, 2002 abgerissenen „Kleinen Schlossplatz“. Als Professor wirkte er zwischen 1964 und 1994 an der TU Darmstadt. Nicht zuletzt publizierte er Artikel und Bücher, war im Redaktionsbeirat der BDA-Zeitschrift „Der Architekt“ und ein unermüdlicher Briefeschreiber.

Bächers (1925-2011) umfangreicher Nachlass wurde vom DAM übernommen, ist bereits nach Projekten inventarisiert und soll nun der Forschung geöffnet werden. Den Auftakt bildet ein Workshop „Wer bestimmt die Architektur. Netzwerke, Wettbewerbe und der öffentliche Diskurs“ vom 16. bis zum 17. Januar 2019 an der TU Darmstadt. (Nachwuchs-)Wissenschaftler sind angesprochen, ihre Projekte vorzustellen. Interessierte können sich bis zum 8. Oktober 2018 mit einem Vorschlag (Abstract von max. 2.000 Zeichen und eine Kurzbiographie in Deutsch oder Englisch) für einen 20-minütigen Vortrag per E-Mail wenden an: Frederike Lausch, lausch@kunst.tu-darmstadt.de. (kb, 17.9.18)

Stuttgart, Kleiner Schlossplatz (Bild: historische Postkarte)