Deutschlandhaus

Hamburg, Cityhof, 1958 (Bild: Herbert Wedemeyer)

Hamburg: Startet heute der Abriss?

Es ist ein scheinbar harmloser Tweet vom HVV (Hamburger Verkehrsverbund), der Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein in Alarmbereitschaft versetzt hat: „Ab Montag, 18.3.19 Betriebsbeginn bis vsl. Freitag, 27.10.23, kann die Haltestelle U Steinstr. in Ri Elbbrücken aufgrund eines Hausabbruch nicht bedient werden und entfällt ersatzlos“, so der Tweet-Text. Sehen wir einmal vom fehlenden Genitiv-S ab, beunruhigt die Dauer der angekündigten Arbeiten ebenso wie die Umgebung der Haltestelle: Hier liegt der abrissbedrohte Cityhof.

Seit Jahren streiten Hamburger Initiativen für den Erhalt der vier markanten Hochhausscheiben in Nähe des Hauptbahnhofs, die 1957 nach Entwürfen des Architekten Rudolf Klophaus fertiggestellt wurden. Abrissgegner Marco Alexander Hosemann glaubt nicht an einen Hausabriss, wie er heute morgen gegenüber moderneREGIONAL erklärte: „So wie die Wasserleitungen etc. südlich des Cityhofs bereits verlegt wurden, wird jetzt wohl einfach schonmal die Bushaltestelle aufgelöst. Wahrscheinlich, um auch dort schon mal ein bisschen Erde und Leitungen zu bewegen.“ Dabei sollte, so Hosemann, eigentlich klar sein, dass der avisierte Neubau den Welterbestatus gefährde und daher „kein grünes Licht von der UNESCO“ bekommen könne. (kb/db, 18.3.19)

Am 20./21. März 2019 gibt die Stadt der Presse gegenüber bekannt, dass die Abrissgenehmigung für den Cityhof erteilt wurde. (21.3.19.)

Hamburg, Cityhof, 1958 (Bild: Herbert Wedemeyer)

Roland Jaeger/Jörg Schilling, "Das Deutschlandhaus 1929-2019) (Bild: Buchcover, Schaff Verlag, Hamburg)

Das Deutschlandhaus auf 58 Seiten

Die Nachricht ist nicht neu – und für Hamburg leider langsam die Regel: Das 1928/29 errichtete Deutschlandhaus am Gänsemarkt soll fallen. Die ABG-Holdinggruppe, die das Gebäude 2014 kaufte, kündigte im Herbst 2017, „es in wenigen Jahren durch einen attraktiven Neubau zu ersetzen“. Als Architekt ist Hadi Teherani im Gespräch – für einen Komplex mit Büros, Einzelhandelsflächen und Wohnungen. Das Deutschlandhaus entstand nach Plänen des Büros Block und Hochfeld. Nach Kriegsschäden wurde das Kontorhaus mehrfach verändert, Ende der 1970er Jahre durch Heinz Schudnagies überformt. Die letzte große Sanierung fand 2006 statt.

So viel Baugeschichte in noch nicht einmal 100 Jahren ist eine eigene Publikation wert. Im Hamburger Schaff Verlag veröffentlichten nun Roland Jaeger und Jörg Schilling ihren historisch orientierten Blick auf dieses „herausragende Beispiel urbaner Großstadtkultur“. Immerhin fand sich im Deutschlandhaus mit dem UFA-Palast das seinerzeit größte Kino Europas. Mehrfach umgebaut und deshalb nicht unter Denkmalschutz stehend, soll das von den deutsch-jüdischen Architekten Fritz Block und Ernst Hochfeld entworfene und – zusammen mit der gegenüberliegenden Finanzdeputation von Fritz Schumacher – den Stadtraum am Gänsemarkt prägende Bauwerk 2019 abgerissen und durch einen das Original in heutigen Formen „interpretierenden“ Neubau von Hadi Teherani Architects ersetzt werden. (kb, 16.11.18)

Jaeger, Roland/Schilling, Jörg, Das Deutschlandhaus 1929-2019 (Hamburger Bauhefte 25), Schaff Verlag, Hamburg 2019, 58 Seiten, DIN A5 Querformat, Farbdruck, fester Umschlag, Rückendrahtheftung, ISBN 978-3-944405-40-7.

Roland Jaeger/Jörg Schilling, „Das Deutschlandhaus 1929-2019) (Bild: Buchcover, Detail, Schaff Verlag, Hamburg)

Hamburg, Deutschlandhaus (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY SA 3.0)

Eine „kleine“ Hoffnung für das Deutschlandhaus?

Es wäre ein Lichtblick für Hamburgs gebeutelte Baukultur: Seit dem letzten Jahr verdichten sich die Nachrichten, dass das 1928/29 nach Plänen von Block und Hochfeld errichtete Deutschlandhaus am Gänsemarkt dem Abriss geweiht ist. Die ABG-Holdinggruppe, die das Gebäude 2014 kaufte, kündigte an, „es in wenigen Jahren durch einen attraktiven Neubau zu ersetzen“. Auf dem Filetgrundstück könnte ein Gebäudekomplex mit 39.000 Qua­dratmetern Bruttogeschossfläche entstehen – für Wohnungen, Büros und den Einzelhandel. Das Deutschlandhaus erfuhr durch Heinz Schudnagies Ende der 1970er eine vielfach kritisierte Überformung, die letzte große Sanierung fand 2006 statt.

Dieser Baubestand käme, so ist jüngst in Modellbahnerkreisen zu hören, dem wachsenden Hamburger Miniatur Wunderland zu pass. Bei jährlich über einer Millionen Besucher, davon rund ein Viertel ausländische Gäste, benötigt man drängend neue Fläche für die detailgetreue Modellbahnlandschaft. Es stehen zwei Konzepte für das Deutschlandhaus im Raum. Zum einen scheinen die technikbegeisterten Betreiber von einem Transfer ausgewählter Modellfahrzeuge via Drohne zwischen Gänsemarkt und Hafencity zu träumen. Zum anderen wird eine Translozierung des gesamten Gebäudes in die Nachbarschaft des bestehenden Miniatur Wunderlands erwogen. Ob sich einer dieser futuristischen Pläne umsetzen lässt, steht noch in den Sternen, doch könnte das Deutschlandhaus von beiden publikumsträchtigen Varianten mehr als profitieren. (db, 1.4.18)

Hamburg, Deutschlandhaus (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY SA 3.0)

Hamburg, Deutschlandhaus (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY SA 3.0)

Abrisspläne fürs Deutschlandhaus

Es geht munter weiter mit dem großen Moderne-Abreißen in Hamburg. Nun soll das 1928/29 errichtete Deutschlandhaus am Gänsemarkt fallen: Die ABG-Holdinggruppe, die das Gebäude 2014 kaufte, kündigte an, „es in wenigen Jahren durch einen attraktiven Neubau zu ersetzen“. Als Architekt der noch geheimen Neubaupläne ist offensichtlich Hadi Teherani favorisiert. Auf dem Filetgrundstück soll ein Gebäudekomplex mit 39.000 Qua­dratmetern Bruttogeschossfläche entstehen, 5700 Quadratmeter sind für Büros und Einzelhandelsflächen vorgesehen. Außerdem sind 25 Wohnungen hin zum Valentinskamp geplant (die Zahl kann sich noch ändern).

Das Deutschlandhaus entstand nach Plänen des Büros Block und Hochfeld, das zu Zeiten der Weimarer Republik etliche Bauten in Hamburg realisierte. Nach Kriegsschäden wurde das Kontorhaus mehrfach verändert, Ende der 1970er erfolgte eine vielfach kritisierte Überformung durch Heinz Schudnagies. Die letzte große Sanierung fand 2006 statt. „Das bestehende Gebäude entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen moderner Nutzer und den Standards der Nachhaltigkeit“, sagte ABG-Geschäftsführer Bernhard Visker nun dem Hamburger Abendblatt. Ziel sei es, „an dieser prominenten Stelle von Hamburg ein architektonisches Konzept zu realisieren, welches den Marktanforderungen und der besonderen Lage gerecht wird.“ Vor drei Jahren sprach man noch von einer „traditionsreichen Immobilie mit einer städtebaulich eindrucksvollen Architektur“. Die im Übrigen noch voll vermietet ist … (db, 29.10.17)

Hamburg, Deutschlandhaus (Bild: Wolfgang Meinhart, CC BY SA 3.0)