Ein Date mit Diesterweg

Das Berliner Diesterweg-Gymnasium ist unübersehbar: orange und ständig in der Diskussion. Gut so, denn dem popmodernen Schulbau könnte es bald an den Kragen gehen. Der Schulbau wurde 1977 nach Plänen des Büros Pysall-Jensen-Stahrenberg fertiggstellt. Die Fassadenmodule verbanden soziale und kulturelle Räume für das Quartier: Stadtbibliothek, Veranstaltungsräume, Sporthalle und Schulräume. Vor zehn Jahren wurde das Diesterweg-Gymnsium aus finanziellen Gründen geschlossen und steht seitdem leer. Zwischendurch wird immer wieder über das Ausmaß einer möglichen Asbestbelastung diskutiert.

Vor diesem Hintergrund findet am 12. August 2019 um 18.30 Uhr im ExRotaprint, Projektraum „Glaskiste“ (Gottschedstr. 4, 13357 Berlin) die Diskussionveranstaltung „Alte Schule/Neue Schule“ statt. Die stadtteilbasierte Initiative ps wedding setzt sich seit 2012 dafür ein, den Bau als Quartiers- und Nachbarschaftszentrum in freier Trägerschaft zu reaktivieren: kurzfristig als multifunktionales Ensemble mit Bildungsangeboten, mittelfristig zusätzlich als Wohnraum, Kita und Sekundarschule. Über diesen Vorschlag wird in den Sommermonaten an einem Runden Tisch auf Bezirks- und Landesebene verhandelt. Sollte dieser scheitern, könnte der Abriss des prägnanten Gebäudes erfolgen. Dabei ist das Diesterweg-Gymnasium in der Forschung bereits hoch anerkannt ob im HWK-Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Bildungsschock“ oder in der Habitat Unit/im Fachgebiet für internationalen Städtebau am Institut für Architektur der TU Berlin. (kb, 26.7.19)

Titelmotiv: Berlin, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Hans-Joachim Pysall, wohl Ende 1970er Jahre)

Initiative fürs Diesterweg-Gymnasium

Initiative fürs Diesterweg-Gymnasium

Clockwork Orange: seit 2011 steht das ehemalige Diesterweg-Gymnasium in der Berliner Badstraße leer (Bild: ps Wedding)
Clockwork Orange: Seit 2011 steht das ehemalige Diesterweg-Gymnasium in der Swinemünder Straße in Berlin leer (Bild: ps Wedding)

In Berlin-Wedding befindet sich ein herausragendes Beispiel der futuristischen Architektur der 1970er Jahre – noch! Das 1977 eröffnete Diesterweg-Gymnasium steht seit vier Jahren leer. Die Turnhalle wurde noch bis 2014 genutzt, ist nun aber ebenfalls dicht. 1971 aus einem Wettbewerb hervorgegangen, folgt das Ensemble des Architekturbüros Pysall-Jensen-Stahrenberg der Idee eines offenen Schulkonzepts mit flexibel angelegten Klassenräumen und großzügiger Erschließung: Dass außerschulische Funktionen wie die Stadtteilbibliothek und die Volkshochschule eingebunden wurden, dass Aula und Bühne als vielfältig nutzbares Forum dienten, machten die Schule zum Bildungszentrum fürs gesamte Quartier. Zum Schuljahr 2011/12 zog das Gymnasium um, mittlerweile zeigen sich Verfall und erste Vandalismusschäden am Gebäude.

Die Initiative ps Wedding startete nun einen Aufruf zu Erhalt und Neunutzung des stylishen Ensembles. Man halte das Schulgebäude „aufgrund seiner herausragenden Stellung in der jüngsten Architekturgeschichte, seiner architektonischen und baulichen Qualität sowie seiner quartiersprägenden Funktion innerhalb des Brunnenviertels […] für unbedingt erhaltenswert.“ Zu den 34 Erstunterzeichnern zählen u. a. der BDA Berlin, Kerstin Wittmann-Englert, Adrian von Buttlar, Harald Bodenschatz und Wolfgang Kil. (db, 14.5.15)