Dortmund: Abrisspläne für das Westfalenforum

Seit einiger Zeit macht das Dortmunder Westfalenforum eher durch Leerstand Schlagzeilen. Nun soll die Rettung im Abriss liegen. Die Sanierungspläne, die der Eigentümer – die DGC Commercial Center Dortmund GmbH – 2016 vorgestellt hatte, wurden nie umgesetzt. Dabei hat der Bau schon eine längere (Um-)Baugeschichte hinter sich. 1964 als Horten-Kaufhaus errichtet, wurde der Komplex 1998 zuletzt umfassend neugestaltet. Städtebaulich liegt das Einkaufszentrum gut, es erstreckt sich zwischen Kamp- und Hansastraße, erhebt sich nahe RWE-Tower und Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Doch nun plant man einen vollständigen Neubau, genauer gesagt mehrere Einzelbauten mit Freiraum zwischen ihnen. Dieses Projekt wurde im Dezember den zuständigen städtischen Gremien vorgestellt. Ein Architektenwettbewerb ist für 2021 vorgesehen. Natürlich wolle man den jetzigen Mietern die Möglichkeit geben, in den neuen Räumen aktiv zu werden. Wenn für die Eigentümer alles nach Plan geht, könnten die Bauarbeiten 2023 beginnen. Dabei spielt auch der Denkmalschutz mit, da durch die Nähe zum Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Umgebungsschutz greift. (kb, 23.12.20)

Dortmund, Westfalenforum (Bild: Gerd Fahrenhorst, CC BY SA 4.0, 2016)

Ernst Ludwig Kirchner: Architektur vor Malerei

Bevor Ernst Ludwig Kirchner Maler wurde, hat er Architekt gelernt. Sein Studium absolvierte er zwischen 1901 und 1905, nur unterbrochen von einem kurzen Abstecher nach München, an der Königlich Technischen Hochschule Dresden. Hier begenete er auch seinen späteren Künstler-Kollegen der „Brücke“: Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff. Im Studium beschäftigte sich Kirchner – irgendwo zwischen Historismus, Jugendstil und früher Moderne – mit den Bauaufgaben Wohnhaus, Atelier, Hotel und Museum.

Eine Wanderausstellung beleuchtet nun drei unterschiedliche Lebensstationen Kirchners an drei Ausstellungsorten in Aschaffenburg, Dresden und Dortmund. Im Baukunstarchiv NRW, dem ehemaligen Museum am Ostwall in Dortmund, wird dabei sein Architekturstudium im Mittelpunkt stehen. Aus dieser Zeit können zahlreiche Skizzen und Zeichnungen im Original präsentiert werden: Grundrisse, Ansichten, Schnitte und Perspektiven, aber ebenso Innenraumentwürfe mit Möbeln, Lampen und Wandgestaltungen. Die von Alexandra Apfelbaum und Christos Stremmenos kuratierte Ausstellung „Ernst Ludwig Kirchner – Vor der Kunst die Architektur“ ist vom 25. September bis zum 20. Dezember 2020 zu sehen. Begleitend erscheint eine gleichnamige Publikation in der Schriftenreihe des Baukunstarchivs NRW. (kb, 7.9.20)

Ernst Ludwig Kirchner, Entwurf eines Herrenzimmers, perspektivische Innenansicht, innerer Ausbau bei Prof. Fritz Schumacher, um 1904/05 (Bild: Courtesy Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Riehen/Basel und Wietrach/Bern)

Schutz für die Bundesbank-Filiale

Der Abschied der Dortmunder Bundesbank-Filiale aus ihrem Gebäude am Hiltropwall steht fest: Ein Neubau in Aplerbeck geht im Herbst 2020 in Betrieb. Die Standorte Bochum, Hagen, Düsseldorf und Essen werden ebenfalls aufgegeben. Doch insbesondere der Dortmunder Altbau ist ein beachtliches Geschichtszeugnis – es handelt sich um das letzte Gebäude des Architekten Wilhelm Kreis (1873-1955). Seit der Kaiserzeit zeichnete er für zahlreiche Großbauten verantwortlich, darunter das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach (1902), die Tonhalle in Düsseldorf und das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden (1930). Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) nennt den in Eltville/Rhein geborenen Kreis ei­nen „der ein­fluss­reichs­ten Ar­chi­tek­ten der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts, dem es fast im­mer ge­lun­gen war, dem je­wei­li­gen Zeit­geist und den po­li­ti­schen Ver­hält­nis­sen ent­spre­chen­de Bau­pro­jek­te zu rea­li­sie­ren“.

Um das 1950-52 als Landeszentralbank errichtete Dortmunder Gebäude wurde bereits länger debattiert, denn es stand bislang (zur Verwunderung vieler) nicht unter Schutz, eine Umnutzung aufgrund der großen Geldspeicher dürfte zumindest in Teilbereichen kompliziert sein. Nach einem Verkauf durch die Bundesbank hätte also der Abriss blühen können. Dem ist nun ein Riegel vorgeschoben: Wie die Ruhr Nachrichten vermeldeten, ist der natursteinverkleidete Gebäuderiegel nun doch unter Denkmalschutz gestellt worden, nachdem man sich zuletzt um 2006 dagegen entschieden hatte. Jetzt sind kreative Investoren gefragt! (db, 23.3.20)

Dortmund, Deutsche Bundesbank (Bild: Joehawkins, CC BY SA 4.0)