Dortmund

Dortmund, FH-Gebäude, Fachbereich Architektur (Bild: buero-apfelbaum.de)

Eine Architekturschule baut sich selbst

Ein seltenes Beispiel gebauter Mitsprache: Studierende und Lehrende waren gleichermaßen am Entwurfs- und Planungsprozess bezeiligt, an ihrem Gebäude des Fachbereichs Architektur der FH Dortmund. Sie stellten sich damit bewusst in die Tradition der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Walter Gropius oder Max Bill die Gebäude, in denen sie lehrten, selbst entwarfen.

Das Architekturgebäude der Fachhochschule Dortmund versteht sich als anspruchsvolle Alltagsarchitektur, die ihren vielfältigen Nutzungserfordernissen mit einer klaren architektonischen Haltung nachkommt. Dabei hat der umgesetzte Entwurf keinen individuellen Autor. Vielmehr ist er das Ergebnis einer kollektiven Anstrengung, an der zahlreiche Personen und Institutionen beteiligt waren – so die These einer neuen Publikation: Das Buch „Eine Architekturschule baut sich selbst“ dokumentiert das Gebäude sowie den Planungsprozess. So soll die Bauform aus seiner wechselvollen Entwurfsgeschichte heraus erklärt werden. Das Buch erscheint nach Auskunft des Verlags Mitte März, ist aber jetzt bereits vorbestellbar. (kb, 16.2.19)

Dortmund, FH-Gebäude, Fachbereich Architektur (Bild: Gabriele Marl, 2002, via buero-apfelbaum.de)

Stabenow, Jörg/Apfelbaum, Alexandra, Eine Architekturschule baut sich selbst. Das Gebäude des Fachbereichs Architektur der FH Dortmund, Kettler Verlag, 128 Seiten, 20 x 26 cm, Softcover, ISBN: 978-3-86206-739-8.

In Zukunft wohl Sitz des Baukunstarchivs NRW: Das ehemalige Museum am Ostwall in Dortmund (Bild: "Stahlkocher"/Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Baukunstarchiv NRW wird eröffnet

Im Januar 2017 wurde der symbolische Grundstein gelegt, am 4. November 2018 kann das Baukunstarchiv NRW um 14 Uhr mit einer Vernissage offiziell eröffnet werden. Ort der neuen, lange herbeigesehnten Einrichtung ist das ehemalige Museum am Ostwall in Dortmund. Die Stadt, Eigentümerin der Museumsräume, hatte diese 2013 schon dem Abriss anheim gegeben. Der ursprünglich historische Bau beherbergte zunächst das Königliche Oberbergamt, bis er 1911 zum städtischen Museum umgebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg nochmals in modernere Formen gehüllt wurde. 2009 schließlich zog das Kunstmuseum aus und der Bau blieb ohne Nutzung zurück.

Nach vielen Protesten und Gesprächen konnte der Abriss des ehemaligen Museums am Ostwall abgewendet und stattdessen hier ein Ort für das künftige Baukunstarchiv NRW geschaffen werden. Die junge Institution sichert Nachlässe aus den Bereichen Architektur, Innen- und Landschaftsarchitektur, Städte- und Ingenieurbau, arbeitet diese wissenschaftlich auf und macht sie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich. Zur Eröffnung werden Ausstellungsstücke aus der Sammlung des Archivs gezeigt. Die Anmeldung ist online möglich, der Eintritt ist frei. (kb, 31.101.18)

Dortmund, ehemaliges Museum am Ostwall/zukünftiges Baukunstarchiv (Bild: „Stahlkocher“/Wikipedia, CC BY SA 3.0)

Dortmund, WestLB-Bank (Bild: Lucas Kaufmann, CC BY SA 4.0, 2015)

Tipps zum TofD: Brutales an Rhein und Ruhr

Beton satt gibt es zum TofD an Rhein und Ruhr zu entdecken. In Köln präsentiert der Rundgang des AK Nachkriegsmoderne im Rheinischen Verein (mit Tobias Flessenkemper und Martin Bredenbeck) „Funktional, rational, brutal?“ Bauten der Universität Köln. Treffpunkt ist das Albertus-Magnus-Denkmal in Köln-Lindenthal. Die Führung (90 Minuten) beginnt am 8. (!) September um 11 Uhr. Nicht minder lohnenswert ist eine Stippvisite in Dortmund bei der ehemaligen WestLB/Dresdner Bank (Kampstraße 45-47, Dortmund). Futuristisch präsentiert sich der von dem Architekten Harald Deilmann 1978 verwirklichte Bau, in dem sich heute das Centrum für Medizin und Gesundheit befindet. Am 9. September ist die Anlage ganztags geöffnet, eine Führung wird um 15 Uhr durch Dipl.-Ing. Katrin Lichtenstein, TU Dortmund und Christoph Wimmeler (Projektmanager DOC) angeboten (Treffunkt: am Eingang DOC).

Unser dritter Tipp führt nach Düsseldorf zur Kunsthalle (Grabbeplatz 4, Düsseldorf). Der 1967 von Beckmann und Brockes erbaute Betonkubus bildet in Düsseldorfs eines der selten gewordenen Zeugnisse brutalistischer Architektur. Der Bau ist von 11 bis 18 Uhr geöffnet, um 15 Uhr wird eine Architekturführung angeboten durch Pilar Lennertz (Kontakt: Katharina Sawatzki, Kunsthalle Düsseldorf, 0211 86393455, sawatzki@kunsthalle-duesseldorf.de). (kb, 2.9.18)

Dortmund, WestLB-Bank (Bild: Lucas Kaufmann, CC BY SA 4.0, 2015)
Ausstellung "Schwimmen im Geld" (Bild: Stephan Schwabe)

Wie einst Dagobert Duck

Das sprichwörtliche „Schwimmen in Geld“ verbindet man nicht zuletzt mit dem steinreichen Entenhausener Dagobert Duck. Dessen liebste Beschäftigung ist es, täglich ein Bad im eigenen Geld zu nehmen. Vice versa lässt sich die bildhafte Redewendung aber auch auf die Haltung eines eigenen Schwimmbads münzen: eine besonders kostspielige Form des Privatvergnügens. Und genau dieses war in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit weit verbreitet. Damals wurden Fortschritt und Wohlstand zum zentralen Versprechen von Politik und Gesellschaft – und das private Hallenbad avancierte zum Statussymbol einer ganzen Generation.

Reiches Anschauungsmaterial bietet eine Ausstellung, die aktuell in Dortmund zu sehen ist. Unter dem Titel „Schwimmen in Geld – private Hallenbäder des deutschen Wirtschaftswunders“ werden Fotos aus der gleichnamigen Publikation des Architekten Richard Schmalöers gezeigt. Sie dokumentieren private Schwimmbäder im Ruhrgebiet der 1950er bis 1970er Jahre. So wird erstmals das Bild eines Bautyps vermittelt, der bisher kaum für die Öffentlichkeit zugänglich war. Die Schau findet passenderweise in einem solchen statt: in den Räumen jenes unterirdischen Schwimmbades, das 1966 vom Architekten Wilhelm Menne unter dem Garten des Einfamilienhauses in der Sckellstraße 12 gebaut wurde. Die Präsentation endet am 21. September und ist Teil einer Doppelausstellung, zu der auch „Doppelplusmodern“ gehört. (fk, 21.8.18)

Ausstellung „Schwimmen im Geld“ (Bild: Stephan Schwabe)

Marl (Big Beautiful Buildings, Marl, Foto: Tania Reinicke)

Big is Beautiful – es geht los!

Das Landesprojekt NRW zum Europäischen Kulturerbejahr „Big Beautiful Buildings – Als die Zukunft gebaut wurde“ wird Anfang April feierlich gestartet. Die Initiative rückt die Bauwerke der Wirtschaftswunderjahre in ein neues Licht. Große und kleine, bekannte und unbekannte, auffällige und unscheinbare Gebäude können dann wiederentdeckt werden. Ein Jahr lang werden im Ruhrgebiet besondere Gebäude ausgezeichnet, begleitet durch umfangreiche Informationen und ein Programm aus Kunst, Kultur und Unterhaltung.

„Big Beautiful Buildings“ ist ein gemeinsames Projekt von StadtBauKultur NRW und der TU Dortmund, Fachgebiet Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung in Zusammenarbeit mit vielen Partnern aus Kultur, Immobilienwirtschaft, Politik und Verwaltung. Der feierliche Auftakt findet am 11. April um 18 Uhr im Musiktheater im Revier (Kennedyplatz, Gelsenkirchen) statt. Anmelden kann man sich online hier. (kb, 2.4.18)

Marl (Big Beautiful Buildings, Marl, Foto: Tania Reinicke)

"Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne" (Bild: Buchcover, Park Books)

Der Glaube an das Große

Großstrukturen gehören zum architektonischen Erbe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und dieses wird nicht immer geliebt. An Ensembles wie der Ruhruniversität Bochum, dem Klinikum Aachen oder dem Nordwestzentrum Frankfurt scheiden sich bis heute die Geister. Doch der hier gezeigte „Glaube an das Große“ gehört unauflöslich zur Architektur moderner Gesellschaften. Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren, Hochschulen für Tausende von Studierenden, Konferenzzentren oder Krankenhäuser zeugen auf der ganzen Welt davon.

Solche Bauten wurden wie kleine Städte angelegt und sollten ebenso effizient funktionieren. In ihrer druckfrisch erschienenen Habilschrift „Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne“ (Park Books) arbeitet Sonja Hnilica drei Konzepte für die Giganten heraus: Großform, Bausystem und Megastruktur. Sie will damit neue Perspektiven eröffnen, wie wir heute mit den „viel geschmähten ererbten Riesen“ konstruktiv umgehen können. (kb, 20.3.18)

Sonja Hnilica, Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne. Großstrukturen der 1960er und 1970er Jahre. Betonkolosse aus der Nachkriegszeit prägen das Gesicht vieler Städte – Wie geht Stadtplanung heute mit diesem Erbe um? Park Books, Zürich 2018, gebunden, ca. 304 Seiten, 80 Farb- und 100 Schwarzweiß-Abbildungen, 22 x 28 cm, ISBN 978-3-03860-093-0.

„Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne“ (Bild: Buchcover, Park Books)