Fritz Eller gestorben

„Gehen Sie nach Düsseldorf, da beginnt der Wiederaufbau“ – ein wohlmeinender Rat ihres Professors führte Fritz Eller und seine Kommilitonen Robert Walter und Erich Moser nach dem Diplom an der TH Graz 1953 ins Rheinland. Im Büro Hentrich & Heuser (später Hentrich & Petschnigg) begann die Karriere von Eller und Walter mit dem Entwurf des Ludwigshafener BASF-Hochhauses. Bald darauf – Erich Moser war wieder dabei – entstand 1960 im Auftrag der Phoenix-Rheinrohr AG das Dreischeibenhaus in Düsseldorf. Der US-Architekturhistoriker Henry-Russell Hitchcock nannte es „eines der schönsten Hochhäuser der Welt“ und stellte es auf eine Stufe mit dem zeitgleichen New Yorker Seagram Building.

In wechselnden Konstellationen – immer wieder mit Walter und Moser – gewann Eller Ende der 1950er etliche Wettbewerbe für große Unternehmen, die auf der Suche nach einer neuen Identität waren: Nach BASF und Thyssen kamen Boehringer, Mannesmann und Bayer. Es folgten Hochschulprojekte wie die Ruhr-Universität Bochum und die Hochschule Duisburg. Zu den wichtigen Entwürfen späterer Jahre zählen das Aachener Ludwig Forum, das Kölner Schokoladenmuseum und der Düsseldorfer Landtag. Fritz Eller, der zudem von 1962 bis 1992 am Institut für Bauwesen der RWTH Aachen lehrte, ist am 31. Mai im Alter von 91 Jahren in seiner Wahlheimat Aachen gestorben. (db, 7.6.18)

Düsseldorf, Dreischeibenhochhaus (Bild: mini malist, CC BY ND 2.0, 2015)

4. Stern für Düsseldorf

Am 12. März 2015 blickte Düsseldorfs Architekturszene gebannt auf die Verleihung der MIPIM Awards in Cannes. Seit 1991 werden hier jährlich fünf weltweit herausragende Immobilienprojekte prämiert. Und am Ende gab es allen Grund zum Jubeln für die Rheinländer: Das Dreischeibenhaus, in den letzten zwei Jahren aufwendig saniert, machte in der Kategorie „Best Refurbishment“ das Rennen. Es ist bereits das vierte Mal, dass der Preis in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt geht. Entsprechend begeistert zeigte sich auch Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) in seiner Gratulation: „Düsseldorf hat den ‚vierten Stern‘ gewonnen!“

Noch 2010 war das Dreischeibenhaus von solchen Ehren weit entfernt. Mit dem Auszug des Thyssen-Krupp Konzerns, dem das denkmalgeschützte Bauwerk jahrzehntelang als Verwaltungsbau gedient hatte, stand es vor einer ungewissen Zukunft. Nach dem Verkauf an einen Investor übernahm schließlich das Büro HPP Architekten, das in den 1960er Jahren auch für Planung und Realisierung des Baus verantwortlich gewesen war, die Sanierung. Während die Büroräume umfassend modernisiert und das Gebäude an die heutigen energetischen Standards angepasst wurden, blieb die unverwechselbare Ästhetik des Dreischeibenhauses erhalten. Inzwischen ist es voll vermietet und wird auch die nächsten Jahrzehnte in Düsseldorf die Fahne des Internationalen Stils hochhalten. (jr, 17.3.15)

Hat den vierten Stern für Düsseldorf geholt: das Dreischeibenhaus (Bild: Johann H. Addicks, addicks@gmx.net, GNU oder CC 3.0)

Neues Leben fürs Dreischeibenhaus

Düsseldorf, Dreischeibenhaus (Bild: Johann H. Addicks, addicks@gmx.net, GNU oder CC 3.0)
Außen hat sich (fast) nichts geändert: das Düsseldorfer Dreischeibenhaus (Bild: Johann H. Addicks, addicks@gmx.net, GNU oder CC 3.0)

Revitalisierung ist ein Wort, das in der Architektur eigentlich nichts zu suchen hat. Als könne ein Haus sterben und müsse – „Schwester, den Defi bitte“ – wiederbelebt werden. Aber, um beim Wortstamm zu bleiben, neues Leben ist schon eingezogen ins Düsseldorfer Dreischeibenhaus. In das 94 Meter und 26 Geschosse hohe Baudenkmal, das 1960 als Verwaltungsbau für die – 1964 von Thyssen übernommene – Phoenix-Rheinrohr AG entstand.

Die gegeneinander verschobenen, sechs Meter breiten Scheiben gaben dem Bau seinen Namen. Rasch wurde der Stahlskelettbau des Düsseldorfer Büros HPP mit Vorhangfassade zum Inbegriff einer eleganten weltläufigen Moderne. Als Thyssen-Krupp 2010 auszog, stellt sich die Frage: Wie weiter mit dem denkmalgeschützten Baukunstwerk? Schließlich wurde das Hochhaus verkauft und über zwei Jahre – wieder vom Büro HPP – aufwändig saniert. Nach außen sollte (fast) alles beim Alten bleiben, doch nach innen wurden die Büroräume modernisiert und die Klimatisierung verbessert. So wurden die alten Brüstungselemente und Fassadenkonstruktionen mit einer Dreifachverglasung verbunden. Nun sind die ersten neuen Nutzer eingezogen, allen voran das Tourismusunternehmen alltours. (kb, 20.1.15)