Ernst Ludwig Kirchner: Architektur vor Malerei

Bevor Ernst Ludwig Kirchner Maler wurde, hat er Architekt gelernt. Sein Studium absolvierte er zwischen 1901 und 1905, nur unterbrochen von einem kurzen Abstecher nach München, an der Königlich Technischen Hochschule Dresden. Hier begenete er auch seinen späteren Künstler-Kollegen der „Brücke“: Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff. Im Studium beschäftigte sich Kirchner – irgendwo zwischen Historismus, Jugendstil und früher Moderne – mit den Bauaufgaben Wohnhaus, Atelier, Hotel und Museum.

Eine Wanderausstellung beleuchtet nun drei unterschiedliche Lebensstationen Kirchners an drei Ausstellungsorten in Aschaffenburg, Dresden und Dortmund. Im Baukunstarchiv NRW, dem ehemaligen Museum am Ostwall in Dortmund, wird dabei sein Architekturstudium im Mittelpunkt stehen. Aus dieser Zeit können zahlreiche Skizzen und Zeichnungen im Original präsentiert werden: Grundrisse, Ansichten, Schnitte und Perspektiven, aber ebenso Innenraumentwürfe mit Möbeln, Lampen und Wandgestaltungen. Die von Alexandra Apfelbaum und Christos Stremmenos kuratierte Ausstellung „Ernst Ludwig Kirchner – Vor der Kunst die Architektur“ ist vom 25. September bis zum 20. Dezember 2020 zu sehen. Begleitend erscheint eine gleichnamige Publikation in der Schriftenreihe des Baukunstarchivs NRW. (kb, 7.9.20)

Ernst Ludwig Kirchner, Entwurf eines Herrenzimmers, perspektivische Innenansicht, innerer Ausbau bei Prof. Fritz Schumacher, um 1904/05 (Bild: Courtesy Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Riehen/Basel und Wietrach/Bern)

Robotron bald ganz platt?

Die Gebäude des VEB Robotron in Dresden sind bereits weitgehend abgeräumt. Nun geht es auch fürs ehemalige Verwaltungsgebäude am Pirnaischen Platz offenbar in die letzte Rund: Die Eigentümer TLG Immobilien hat noch einmal den Mietvertrag mit der Stadt für die Immobilie bis 2025 verlängert. Danach ist alllerdings der Abriss des Gebäudes angekündigt. Lediglich die V-förmigen Träger im Erdgeschoss des Ostmoderne-Baus sollen als Arkadengang am Neubau als Reminiszenz verbleiben.

Ansonsten ändert sich alles: Aus der jetzigen L-Form soll ein geschlossenes Viereck werden. Im hinteren Bereich des Blocks sollen Wohnungen entstehen. Der neue gesamte Innenhof soll nach den Plänen der TLG zur „gebauten Naturlandschaft im Stadtraum“ werden. Sanierung und Erhalt des Robotron-Gebäudes lehnt die TLG ab. Nachdem auch der Erhalt der Robotron-Kantine in weite Ferne gerückt ist, sieht es gerade so aus, als würde Dresden das komplette Robotron-Areal verlieren. Der Gebäudekomplex 1968-74 wurde von einem Architektenkollektiv unter Leitung von Axel Magdeburg und Werner Schmidt realisiert. Der Dresdner Friedrich Kracht entwarf die schmückenden Betonformsteine zusammen mit Karl-Heinz Adler. (db, 31.8.20)

Dresden, VEB Kombinat Robotron 1990 (Bild: Ncarste, CC BY SA 4.0)

Will Dresden seinen Fernsehturm versetzen?

Ja, ist denn schon der erste April? Diese Nachricht aus Dresden liest man am besten mit einem Schmunzeln: Eine Onlinepetition fordert „Abtragen und Wiederaufbau des Fernsehturms im Herzen Dresdens“. Als Hauptargument wird angeführt, dass das ostmoderne Schmuckstück schlicht am falschen Ort stehe. Erst im Zentrum der Stadt ließen sich Bürger und Besucher für einen Rundblick mit Kaffee in luftiger Höhe begeistern. Zur Kostenfrage wird gegengerechnet: Für die Sanierung und Erschließung in situ wolle man von offizieller Seite 66,5 Millionen Euro ausgeben. Damit ließe sich der Fernsehturm leicht, so die Begründung der Petition, am günstigeren Standort Altmarkt wiederaufbauen.

Am Altmarkt würde die gute Architektur des Fernsehturms erst richtig zur Geltung kommen, als Pendant zum Kulturpalast. An alle Eventualitäten ist gedacht: ausreichend Parkplätze, garantiert guter Handyempfang – und: „Der Striezelmarkt könnte den Turm für den höchsten Weihnachtsbaum der Welt nutzen (Weltrekord, anybody?).“ So detailreich die Translozierung auch ausgemalt wird, bei aktuell 34 Unterzeichnern scheint das Vorhaben eher als Luftschloss zu enden. Für gute Laune sorgt es jedoch schon virtuell. (kb, 24.8.20)

Dresden, Fernsehturm, 1971 (Bild: Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, CC BY SA 3.0)