Düsseldorf: Zurück zur Gaslaterne?

Bis vor Kurzem standen in der Jahnstraße noch die historischen Gaslaternen vom Typ “Alt Düsseldorf”. Doch dann sollten sie durch eine zeitgenössische Beleuchtung ersetzt werden. Sie kam in weiten Teilen der Straße vor rund sechs Jahren – und steht bis heute nur auf Betonsockeln. Als Gründe für die Entfernung der Gasleuchten führte die Stadt Düsseldorf das hohe Alter und die mangelnde Sicherheit an. Doch die Anwohner*innen scheinen mit der neuen, noch provisorischen Lösung nicht zufrieden. Zum einen sei sie unästhetisch, zum anderen stünden die neuen Laternen nun höher und würden teils in die Wohnungen hinein blenden. Die Initiative Düsseldorfer Gaslicht engagiert sich seit 2015 für den Erhalt solch historischer Leuchten – darunter der Typ “Alt Düsseldorf”, die Aufsatzleuchte und das Modell “Frankfurt”. Im Fall der Jahnstraße geht man davon aus, dass die Laternen denkmalwert gewesen wären.

Die noch in Düsseldorf stehenden 13.800 Gaslaternen stehen seit 2020 unter Denkmalschutz. Aktuell wird der Bestand stadtweit überprüft vom Kleinen Kreis Gasbeleuchtung (Verkehrsamt, Institut für Denkmalpflege, Initiative Düsseldorfer Gaslicht, Seniorenrat, Behindertenrat) und von der zuständigen Bezirksvertretung. Ziel ist der Erhalt von rund 10.000 Stück, der Rest soll durch moderne Leuchten ersetzt werden. Damit befindet sich das Provisorium in der Jahnstraße in einem Schwebezustand. Für die Initiative Düsseldorfer Gaslicht wäre eine Rückkehr der Gasleuchten möglich, denn es stünden genug wiederherstellbare oder ersetzbarer Komponenten zur Verfügung. Aktuell führt die Initiative daher via Postkarte eine Befragung unter den Anwohner*innen des betroffenen Abschnitts der Jahnstraße durch. Zu Wahl steht die Rückkehr der Gaslaternen, der Tausch gegen LED-Leuchten oder zumindest das Entfernen der Betonfüße. Die Entscheidung soll noch in diesem Jahr getroffen werden. (kb, 20.2.22)

Düsseldorf, Gaslaterne “Alt Düsseldorf”, Ellerkirchstraße/Krippstraße (Bild: Doskupa, CC BY SA 4.0, 2017)

Funkhaus in Bedrängnis?

In Düsseldorf wird über die Zukunft des WDR-Funkhauses diskutiert, denn der aktuelle Nutzer muss (und will) sparen. Das 1991 eingeweihte Funkhaus, errichtet nach Entwürfen der Architekt:innen Christoph und Brigitte Parade, liegt im Düsseldorfer Regierungsviertel nahe dem Rheinturm. Wo damals noch das ungeliebte Hafengebiet lag, entstanden später stylishe Bürobauten von Frank O. Gehry. Das Funkhaus wird bestimmt durch großzügige Glasflächen mit blauen Sprossen und einem freien Blick auf das Rheinpanorama, ein monumentales Foyer, ein gläserner Fahrstuhl und viele markante Rundbogenformen: Was die einen als klassisch postmodernes Zitat sehen, was andere an das Gehäuse eines Volksempfängers erinnert und damit die innere Funktion nach außen trägt. Immerhin organisierten die Architekt:innen hier alle Bedürfnisse geschickt auf 6.000 Quadratmetern Nutzfläche – die Studioräume im massiven Sockelgeschoss, die Büros im transparenten oberen Bereich, darüber die begrünte Dachterrasse.

Schon zur Bauzeit argwöhnten die Kölner Mitarbeiter:innen des Senders, der neue Stützpunkt in Düsseldorf sei zu groß geraten – und mussten von einem Umzug erst überzeugt werden. Doch in den Folgejahren wurden hier die Neuigkeiten aus der Region aufbereitet und verbreitet. 2018 schließlich gab der WDR bekannt, seinen Schwerpunkt 2021 ganz nach Köln zu verlagern. In den letzten Jahren wurden in den 2013 technisch modernisierten Düsseldorfer Räumen auch Formate anderer öffentlich-rechtlicher Sender produziert. Doch einige Vorhaben und Kooperationen haben sich pandemiebedingt verzögert bzw. zerschlagen, sodass über die genauen Zukunftspläne des WDR für sein Funkhaus (noch) nichts bekannt ist. Unter Architekturliebhaber:innen wird der Bau bereits jetzt als einer mehrerer Höhepunkte am Düsseldorfer Rheinufer hervorgehoben. (kb, 13.8.21)

Düsseldorf, WDR-Funkhaus (Bild: © Raimond Spekking, CC BY SA 4.0, 2014)

Frisch saniert abgerissen

Erst wird saniert, dann abgerisen – es klingt nach einem Schildbürgerstreich, was sich gerade in Nordrhein-Westfalen abspielt. Die Fleher Brücke, eine Rheinquerung der Autobahn A 46 zwischen Düsseldorf und Neuss, soll trotz einer zurzeit laufenden Sanierung abgerissen werden, wie die NRZ berichtet. Zwar werde schon seit über einem Jahr an der Konstruktion der filigranen Schrägseilbrücke gearbeitet, doch es zeichne sich ab, dass eine dauerhafte Erhaltung nicht möglich sei. Deshalb habe die landeseigene Bauverwaltung Straßen.NRW mit der Planung für einen Neubau begonnen.

Zwischen 1976 und 1979 entstand die Brücke mit ihrem charakteristischen Pylon. Entworfen wurde sie von dem Architekten Gerd Lohmer und dem Bauingenieur Fritz Leonhardt. Die Fleher Brücke war nicht ihre erste gemeinsame Arbeit gewesen. Beide waren bereits in den 1930er Jahren für Brückenbauten der Reichsautobahn verantwortlich gewesen und kannten sich aus dieser Zeit. Nach 1945 zeichneten sie für viele weitere Brücken verantwortlich, darunter etwa die Deutzer Brücke und die Severinsbrücke in Köln. Leonhardt schuf 1956 mit dem Stuttgarter Fernsehturm ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt und zugleich den ersten Stahlbeton-Fernsehturm der Welt. Doch auch die Prominenz ihrer Erbauer dürften die Fleher Brücke nicht retten können. (mk, 24.11.20)

Neuss, Fleher Brücke (Bild: Mindax25, CC BY-SA 4.0)