Kunst und Abriss im Kloster

Die Würfel sind längst gefallen: Das Franziskanerkloster in Düsseldorf samt der Kirche St. Antonius (1955) ist verkauft und bereits seit Dezember 2014 entweiht. Im Frühjahr 2016 soll der Komplex zugunsten eines Hochhauses abgerissen werden. Architekt der Nachkriegsgebäude war der gebürtige Bonner Heinz Thoma, der für diverse Kirchen in Rheinland und Ruhrgebiet verantwortlich zeichnete. Der Abschied der Franziskaner von ihrem einstigen Domizil wird nun ein besonderer: Bis zum 10. September 2015 findet dort eine Kunstausstellung statt – sie bietet die wohl letzte Möglichkeit, die profanierten Räume noch einmal zu betreten.

In Kreuzgang, Refektorium und Kirchenschiff werden Arbeiten 15 ausgewählter Düsseldorfer Künstler gezeigt. Die Arbeiten sollen die Einmaligkeit des Ortes und des Abschieds vergegenwärtigen. Arrangiert wie ein Erlebnisparcours, haben die Kunstwerke die Plätze der bereits demontierten liturgischen Ausstattung übernommen; der Weg durch Kirche, Kreuzgang und Refektorium soll nicht durch leere Räume führen, so der Wille der Ausstellungsmacher. Die Düsseldorfer Franziskaner, die seit 1853 diesen Standort betrieben, haben übrigens ein neues Domizil in der nur wenige hundert Meter entfernten Marienkirche gefunden. (db, 20.8.15)

Eine Kunstausstellung ist die letzte Veranstaltung im Franziskanerkloster Düsseldorf, das 2016 abgerissen wird (Bild: Wiegels, CC BY-SA)

Paul Schneider von Esleben die Zweite

Am 23. August 2015 wäre der Architekt Paul Schneider von Esleben (oder kurz: P.S.E.) 100 Jahre alt geworden. Seine Bauten haben die Bundesrepublik bis in die 1970er Jahre nachhaltig geprägt. Gerade in Nordrhein-Westfalen spiegelt sich diese Entwicklung in besonderer Weise. Deshalb nimmt das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (M:AI) das Jubiläumsjahr zum Anlass, sich in einer Ausstellung dem Arbeiten und Leben des Architekten zu widmen. Das Besondere: Es gibt zwei Ausstellungsorte, das Haus der Architekten (Architektenkammer NRW) und das von P.S.E. entworfene Mannesmannhochhaus.

Das heute vom Wirtschaftsministerium genutzte Hochhaus (Berger Allee 25, 40213 Düsseldorf) wird als Gesamtkunstwerk mit der Präsentation „Das Mannesmann – Architekturikone des Wirtschaftswunders“ zum größten Exponat der Ausstellung. Das Haus der Architekten (Zollhof 1, 40221 Düsseldorf) wiederum präsentiert P.S.E. mit dem Ausstellungsteil „Die Marke PSE – Architektur zwischen Erhalt und Abriss“ als Künstler, Architekt, Unternehmer und Persönlichkeit in der Düsseldorfer Gesellschaft. Zudem finden Besucher weitere P.S.E.-Projekte in unmittelbarer Reichweite: von der Rochus-Kirche über die Haniel-Garage und die Rolandschule bis zum ehemaligen Commerzbank-Gebäude. Beide Ausstellungsteile werden vom 23. August bis zum 25. September 2015 zu sehen sein. Zudem ist ein umfangreiches Begleitprogramm mit unterschiedlichen Partnern vorgesehen. (kb, 22.7.15)

Düsseldorf, Haniel-Garage (Bild: Ralph Crane/The LIFE Picture Collection/Getty Images)

Ein Abgesang auf den Tausendfüßler

536 Meter lang und bis zu 25 Meter breit zog sich die Y-förmige Autohochstraße seit 1962 durch Düsseldorf. Vor Ort mehr oder minder liebevoll „Tausendfüßler“ genannt, war die überraschend filigrane Spannbetonkonstruktion für viele mit den Jahren nicht nur verkehrstechnisch unverzichtbar geworden: 1993 wurde der Denkmalschutz erklärt. Entsprechend heiß wurde der sich abzeichnende Abriss seit 2002 vor Ort diskutiert. Die Bürgerinitiative „Lott stonn“ kämpfte, teils mit prominenten Unterstützern wie dem Düsseldorfer BDA, für den Erhalt – und unterlag: 2013 wurde der Tausendfüßler demontiert.

Zwei Mitstreiter der Initiative, der Verleger Manfred Droste und der Stadtplaner Hagen Fischer, bis 2007 selbst am Stadtplanungsamt Düsseldorf tätig, haben sich ihre Erfahrungen nun von der Seele geschrieben und in Buchform gebracht: „Der Düsseldorfer Tausendfüßler“, im April diesen Jahres frisch im (sic!) Droste-Verlag erschienen, zeichnet von der Chronik bis zu ausgewählten Dokumenten detailliert die Diskussionen bis zum Abriss nach – alles aus der Perspektive der unterlegenen „Retter“. Darüber hinaus will man aber auch die Entstehungsgeschichte und die – nun verlorenen – Denkmalwerte des einstigen Baudenkmals dokumentiert wissen. (kb, 8.6.15)

Droste, Manfred/Fischer, Hagen, Der Düsseldorfer Tausendfüßler. Die Auseinandersetzungen um den Erhalt der Hochstraße und um die Kö-Bogen-Planung, Droste-Verlag, 2015, 224 Seiten, ISBN 978-3-7700-6000-9.

Die neue Publikation „Der Düsseldorfer Tausendfüßler“ (Bild: Droste-Verlag)