Konzert für Eiermann

Am 19. Juli 1970 starb der Architekt und Hochschullehrer Egon Eiermann. Sein deutschlandweit berühmtestes Werk ist die 1961 eingeweihte neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Nun wird das ursprünglich anlässlich Eiermanns 50. Todestags geplante Konzert in „KWG“ nachgeholt. Termin ist der 18. September um 11 Uhr. Mit französischer Orgelmusik und Kompositionen für Gesang und Orgel aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts soll es Stimmung und Ausstrahlung des von Eiermann im Zusammenspiel mit dem französischen Glaskünstler Gabriel Loire gestalteten sakralen Raumes aufnehmen und für die Zuhörer:innen musikalisch erlebbar machen. Auf dem Programm stehen unter anderem die Kompositionen „Vitrail“ (auf Deutsch: Farbglas – oder allgemeiner: Glasmalerei) von Marcel Dupré (1886–1971) und „Priez pour la paix“ (Betet für den Frieden) von Francis Poulenc (1899–1963). In Angedenken an Egon Eiermanns Worte vom 17. Dezember 1961, vier Monate nach dem Bau der Berliner Mauer, zur Einweihung der Kirche formulierte: „Ich wünsche mir und uns allen, dass nie wieder Schatten des Schreckens durch den Traum des Lichts dieser Gläser fallen mögen.“

Die Initiative geht zurück auf die Architektin Judith Weinstock-Montag, die seit 1991 auch musikalische Projekte realisiert (mit besonderem Fokus auf das Werk des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos). Seit 2006 ist sie Mitglied, seit 2020 Vorsitzende der Egon-Eiermann-Gesellschaft. Der in Aachen geborene Organist Jacobus Gladziwa ist Kirchenmusiker an der katholischen Nachbarkirche St. Ludwig in Berlin-Wilmersdorf. Wichtig: Fürs Konzert wird um Voranmeldung bis zum 17. September gebeten, Restplätze werden an Spontanbesucher vergeben. Zu beachten ist, dass laut Hygieneverordnung vom 20.8.21 ausschließlich Personen teilnehmen dürfen, die geimpft/getestet/genesen sind. (db, 1.9.21)

Berlin,, Neue Gedächtniskirche (Bild: Joe Mabel, CC BY-SA 4.0)

Eiermann im Angebot

Sehen Sie mal in Ihrem Portemonnaie nach. Haben Sie darin 3 Millionen Euro? Dann bäuchten Sie noch bis zum 2. März 2022 ein überzeugendes Nutzungskonzept, und schon könnten Sie Eigentümer eines echten Eiermann-Baus werden. Und zwar des Krefelder Stadthauses, das nach langen Debatten um seine Zukunft nun durch die Stadt zum Verkauf angeboten wird. Damit könnte sich Krefeld eines Problems entledigen, das man vorher durch Kaputtsparen und nicht denkmalgerechte Planungen (so zumindest die Vorwürfe aus der Fachwelt) nicht lösen konnte: Das sanierungsbedürftige Denkmal belastet nicht mehr die Stadtkassen und wird einer sinnvollen neuen Nutzung übergeben, nachdem die Verwaltung bis 2023 auch den letzten Gebäudeteil räumt. Große Teile wie das mittig stehende Hochhaus sind aus Brandschutzgründen ohnehin bereits leergezogen.

Gebaut wurde das Stadthaus in den Jahren 1951 bis 1953, dazu 1956 das angeschlossene Hochhaus. Ursprünglich war es für die Verwaltung der Vereinigten Seidenwerke (Verseidag) konzipiert, die den Bau nach Konzern-Umstrukturierungen in den 1970ern an die Stadt Krefeld abgab, nachdem er zuvor bereits nur noch als Lager genutzt wurde. 1978-1981 wurde er für die Stadtverwaltung umgebaut. Vor Egon Eiermann hat übrigens noch ein sehr bekannter Moderne-Architekt in Krefeld für die Verseidag gebaut: das restliche Firmengelände, heute ebenfalls denkmalgeschützt, wurde von1931 bis 1939 nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe bebaut. (db, 16.8.2021)

Krefeld, Stadthaus (Bild: Steffen Schmitz, CC BY SA 4.0)

Krefeld industriell

Spektakuläre Fabrikgebäude und repräsentative Villen, zeittypische Wohn- und Verwaltungsbauten sowie einst zukunftsweisende Büro- und Hochschulbauten: Krefeld ist reich an Gebäuden, die an die Hochphase der Industrialisierung und die hier vorherrschende Seidenindustrie erinnern. Die Vertreter dieser stets auf Innovation und zeitgemäße Gestaltung bedachten, früh globalisierten Branche knüpftenoft Kontakt zur zeitgenössischen Avantgarde, beauftragten und beschäftigten Künstler, Gestalter und Architekten, die für eine explizit moderne Handschrift bekannt waren. So lässt sich etwa die hohe Anzahl von ehemaligen Lehrern und Absolventen des Bauhauses erklären, die von Mitte der 1920er bis in die 1960er-Jahre in Krefeld tätig waren. Ludwig Mies van der Rohe, Johannes Itten, Lilly Reich, Georg Muche und viele andere schufen bedeutende Architekturen, prägten das Textildesign und revolutionierten die Ausbildung der Gestalter:innen. Auch Hans Poelzig, Egon Eiermann und Bernhard Pfau bauten in Krefeld für die Seidenindustrie.

Dieses Kapitel der Wirtschafts- und Kulturgeschichte hat Projekt MIK e.V. 2019 aus Anlass des Bauhaus-Jubiläums mit einem Wissenschaftlerteam erforscht, in einem Buch dokumentiert und in einer Ausstellung im Krefeld Pavillon von Thomas Schütte präsentiert. Ein themenorientierter Architekturführer ist nun online zu finden. Er stellt Gebäude, Institutionen und Personen vor, die in Zusammenhang mit der Seidenindustrie stehen, dazu ihre Kontore, Fabriken, Schulen und Institutionen. Ebenso präsentiert er die Wohnhäuser der Unternehmer und zeigt, wo die führenden Künstler und Gestalter:innen in Krefeld lebten. 75 Bauten und 65 Biografien erzählen von der produktiven Kooperation von Industrie, Kultur und Stadt. Die Auswahl folgt der Spur der Moderne, die mal in einen Industriekomplex der 1890er Jahre, mal zu einem Wohnhaus von Mies van der Rohe und schließlich zu einem futuristischen Schulgebäude der 1950er-Jahre von Bernard Pfau führen kann. Ziel dieses Projekts ist, die Stadt ein Stück weit lesbar und ihre Geschichte erfahrbar zu machen. Die Erarbeitung dieses Guides wurde durch die NRW-Stiftung finanziell unterstützt. (db, 21.5.21)

Krefeld, Mies van der Rohe – VerSeidAG (Copyright: Der Unfassbare, CC0)