Schlagwort: Egon Eiermann

Buchen-Hettingen, Eiermann-Magnani-Haus (Bild: Wüstenrot Stiftung, Thomas Wolf)

Eiermann-Magnani-Haus

Am 17. Juni wurde mit dem Eiermann-Magnani-Haus in Buchen-Hettingen im Neckar-Odenwald-Kreis ein neues Museum eröffnet: Gemeinsam hatten der Architekt Egon Eiermann und der Ortspfarrer Heinrich Magnani nach dem Zweiten Weltkrieg hier ein soziales Vorzeigeprojekt geschaffen – eine der ersten Genossenschaftssiedlungen für Heimatvertriebene und Einheimische. Ein Gebäude aus dem Jahr 1947 blieb fast unverändert erhalten. Die Wüstenrot Stiftung hat es denkmalgerecht saniert und die vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg konzipierte Ausstellung maßgeblich finanziert. Das Museum erzählt nicht nur vom frühen Hauptwerk eines außergewöhnlichen Architekten, sondern auch von der Aufnahme von Fremden und großem Engagement im Dorf.

Hettingen zählte damals 1.500 Einwohner und hatte rund 500 Vertriebene aufzunehmen. Mit der Gründung der Baugenossenschaft „Neue Heimat“ versuchte Magnani, „Ostflüchtlinge“ und Alteingesessene ebenso preisgünstig wie würdig unterzubringen. Die Siedlung entstand größtenteils in Eigenleistung der zukünftigen Bewohner und mithilfe ehrenamtlicher Freiwilliger. Eiermann schuf auf engem Raum großzügige, offene Wohnbereiche und plante die Ausstattung bis ins Detail. Das Vorzeigeprojekt zog weite Kreise, sogar der Papst würdigte es. Während fast alle Bauten der „Neuen Heimat“ Hettingens später verändert wurden, blieb das Häuschen in der Adolf-Kolping-Straße 29 ohne große Umbauten erhalten und wurde 2011 vom Verein Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte erworben, die Wüstenrot Stiftung übernahm es 2012 in ihr Denkmalprogramm. (db, 25.6.18)

Buchen-Hettingen, Eiermann-Magnani-Haus (Bild: Wüstenrot Stiftung, Thomas Wolf)

Sitzmöbel von Egon bis Eiermann

Bevor er mit eleganten Konzernzentralen für Neckermann und Co. berühmt wurde, war der Architekt Egon Eiermann (1904–1970) bereits Ende der 1940er Jahre im Industrie- und Wohnungsbau unterwegs. Die Folgestationen sind ikonisch: der Brüsseler Weltausstellungspavillon mit Sep Ruf, der Wiederaufbau der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und der Bonner Lange Eugen. Aber auch im nachkriegsmodernen Möbeldesign hinterließ Eiermann unübersehbare Spuren. Ohne den Klappstuhl SE 18, den Stahlrohrstuhl SE 68 oder den Korbsessel E 10 hätte so manchem Firmenfoyer, Forschungsinstitut und so Gutbetuchtenwohnzimmer der international wirkende Glanzpunkt gefehlt.

Dafür erprobte und bog Eiermann, in enger Kooperation mit Möbelherstellern, Holz- und Stahlrohrgestelle, Formholzsitze, Gurt- oder Korbbespannungen, Korbsessel und -sofas und vereinzelt sogar Kunststoffschalen. Zu den ersten Studenten seiner Karlsruher Lehrtätigkeit zählte der junge Oswald Mathias Ungers, weshalb sich auch das Kölner Ungers-Archiv für Architekturwissenschaft (UAA) des Themas besonders angenommen hat. Die Ausstellung „Der Stuhl des Architekten. Sitzmöbel von Egon Eiermann“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) am Karlsruher Institut für Technologie. Die Präsentation ist noch bis zum 9. Februar in Köln (UAA, Belvederestraße 60, 50933 Köln) zu sehen. (kb, 16.1.18)

Egon Eiermann, Korbsessel E 10 (Copyright: Foto Horst Horstheinz Neuendorff)

Ein typisches Architekten-Auto …

Werbefoto NSU Ro 80 ca. 1969 (Bild: Audi NSU Auto Union AG)
Mein Haus, mein Auto, meine Frau … (Bild: Audi NSU Auto Union AG vor der Rückseite der Berliner Akademie der Künste)

Es gibt ja Automobile, die vor allem die gutverdienende, technikverliebte Kreativ-Klientel ansprechen. Solche wie der 1967 präsentierte NSU Ro80. Wie einst die Citroën DS schien der Gleiter aus Neckarsulm vom Himmel gefallen – etwas Ähnliches gab es in Deutschland noch nie. Der Ro hatte nicht nur eine aerodynamisch geschwungene Karosserie, die das Meisterwerk ihres Designers Claus Luthe bleiben sollte. Die Revolution fand unter der Motorhaube statt: Hier arbeitete ein 115 PS starker Wankelmotor. Dieses Kreiskolben-Triebwerk hatte der Tüftler Felix Wankel ersonnen und gemeinsam mit NSU zur Serienreife entwickelt. Die Begeisterung war groß, der Ro 80 wurde „Auto des Jahres 1968“.

Ein Erfolg wurde der bis 1977 gebaute Viertürer aber nie – er brauchte viel Sprit und Öl und neigte anfangs zu Motorschäden. Das Klischee besagt, dass er ein reiner FDP-Wähler-, Ingenieurs- oder Architektenwagen gewesen sei. moderneREGIONAL lehnt solche Klischees natürlich strikt ab – verweist aber gerne auf einen Anfang September 2016 in einer Kleinanzeige angebotenen Ro80 Baujahr 1970. Für 4.000 Euro gab es dort ein etwas rostiges Gefährt, seit Jahren abgemeldet aber zumindest noch fahrbereit. Der Wagen war schnell verkauft. Vielleicht hat der in den Papieren stehende Erstbesitzer den Reiz erhöht: Es war Egon Eiermann … (db, 11.9.16)

Krefeld: Experten für Eiermann

Eiermann: Stadthaus Krefeld (Bild: PD)
Das Stadthaus in Krefeld von Egon Eiermann (Bild: PD)

In den Jahren 1951 bis 1953 entstand in Krefeld das Verwaltungsgebäude der Vereinigten Seidenwerke (Verseidag) nach Plänen des Architekten Egon Eiermann. Ende der 1970er Jahre wurde es zum Stadthaus umfunktioniert. Die Zukunft des sanierungsbedürftigen Baus ist trotz Denkmalschutz seit Jahren ungewiss: Sowohl eine Sanierung als auch Abriss und Neubau stehen im Raum. Ein jüngst veröffentlichtes Gutachten spricht sich jedoch für den Erhalt des Gebäudes aus.

Das von der Stadt beauftragte Planerbüro kam zu dem Schluss, dass eine Sanierung des Baus kostengünstiger sei als ein Neubau. Die günstigste Alternative wäre demnach ein Private-Public-Partnership-Modell, bei dem die Stadt nach einer Sanierung durch private Investoren als Mieter des Stadthauses auftreten würde. Diese Lösung soll die Stadt maximal 128 Millionen Euro kosten. Derzeit wird nur noch ein Teil des Stadthauses provisorisch genutzt, die meisten städtischen Angestellten sind in eigens angemieteten Räumen untergebracht. Die Entscheidung über die Zukunft des Eiermannbaus soll noch in diesem Jahr gefällt werden. (jr, 11.7.16)

Asyl im Neckermann-Gebäude

Frankfurt am Main, Neckermann-Gebäude (Egon Eiermann, 1958-61)
Die 1961 errrichtete ehem. Neckermann-Zentrale in Frankfurt wird Flüchtlingsunterkunft (Bild: Popie)

Das deutsche Wirtschaftswunder endete vielleicht endgültig erst 2012, als der Versandhausriese Neckermann seine Pforten schloss. Die Konzernzentrale im Frankfurter Osten liegt seither im Dämmerschlaf; ein türkischer Investor kaufte das 1958-61 errichtete Ensemble aus Büros, Lager- und Frachthallen. Eine Spedition hat seither mehrere Lager angemietet, in den Hauptgebäuden ist aber wenig geschehen. Sie stehen bis jetzt leer. Nun ändert sich das: Die Stadt Frankfurt hat in Einvernehmen mit dem Eigentümer beschlossen, in der Neckermann-Verwaltung eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge einzurichten. Bis zu 2000 Menschen sollen voraussichtlich noch im Dezember dort untergebracht werden.

Dies bedeutet gleichzeitig eine Zukunft für ein bedrohtes Baudenkmal: Architekt der Neckermann-Bauten ist niemand geringeres als Egon Eiermann. Am 15. September 1960 bezogen die ersten Mitarbeiter die neue Zentrale, deren variable Hallenbauweise bis heute Vorbild für etliche Industriebauten ist. Damals galt sie, kubisch, schlicht und lichtdurchflutet, als Ausdruck demokratischen Bauens – ähnlich den Frankfurter Universitätsgebäuden von Ferdinand Kramer. Seit den 1990ern steht das Eiermann-Ensemble unter Denkmalschutz. Und dient nun einer guten Sache. „Neckermann macht’s möglich!“ (db, 25.11.15)