Mendelsohn Transfer

Einige der berühmtesten Fotos der Berliner Nachkriegsgeschichte zeigen das Ende des Columbushauses am Potsdamer Platz: Es brennt am 17. Juni 1953, dem Tag des sozialistischen Arbeiterauftstands. Am Abend haben 34 Menschen den Tod gefunden, und das schon im Krieg beschädigte Gebäude ist nur noch eine Ruine. Architekt des kühnen Baus war Erich Mendelsohn, der Deutschland in den 1920er Jahren mit modernen Großbauten prägte. In Berlin zeugen noch die Schaubühne am Lehniner Platz, der Umbau des Mosse-Hauses und das IG-Metall-Haus vom Werk des gebürtigen Ostpreußen. Der Einsteinturm in Potsdam und die Hutfabrik Luckenwalde zählen zu den Ikonen des Neuen Bauens.

In einem der Berliner Bauwerke Mendelsohns, dem IG-Metall-Haus, wird bis 29. September die Ausstellung „Mendelsohn Transfer“ gezeigt: Studierende des Masterstudienganges Architektur der UdK Berlin haben Grundformen im Werk Mendelsohns analysiert sowie konzeptionelle Entwurfszugänge zu Architektur, Städtebau und Mediengebrauch untersucht. Texte, Bilder und Artefakte setzen sich mit seinen Arbeitsweisen auseinander. Die Ausstellungsmacher konzentrieren sich dabei auf die Ausarbeitung „wiederkehrender Antagonismen“ im Werk des Architekten wie die Gegensatzpaare „Licht und Schatten, Konstruktion und Hülle, Material und Dynamik, Form und Wahrnehmung, Außen und Innen, Tag und Nacht“. Die Ausstellung in Kooperation mit der Berliner Architektenkammer ist ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr. (db, 6.9.18)

Berlin, IG-Metall-Haus (Bild: Schlesinger, CC BY-SA 4.0)

FOTOSTRECKE: Der Einsteinturm in Potsdam

mit historische Bildern und einem Text nach einem Vortrag von Helge Pitz (20/1)

Inzwischen bin ich 83 Jahre alt und habe auch noch ein paar Kinder. Der Einsteinturm ist eines davon. Er ist etwas Besonderes, denn er folgt seit 1924 seiner ursprünglichen Bestimmung: die Relativitätstheorie praktisch nachzuweisen. Doch die Verbindung von Stahlbeton, Mauerwerk und Spritzputz macht diese gebaute Plastik seit fast hundert Jahren zum Patienten. Schon kurz nach der Einweihung traten erste Schäden auf – eigentlich ist der ganze Turm ein gebauter Schaden. Und ein Kunstwerk. Doch bevor wir mit unserem Büro einen Plan für die Sanierung aufstellten, haben wir auf einer gründlichen bauhistorischen Untersuchung bestanden. Deshalb lohnt ein Bilder-Rundgang durch die Geschichte des Einsteinturms.

Die populär-wissenschaftliche Zeitschrift „Koralle“ zeigte den Einsteinturm 1926 als Titelmotiv (Bild: historische Abbildung)

Gestaltet vom Architekten Erich Mendelssohn, begleitet vom Astrophysiker Erwin Finlay Freundlich, benannt nach einem Nobelpreisträger, wurde der Einsteinturm 1924 eröffnet (Bild: historische Blaupause)

Erste Überlegungen wurden ab 1910 ausgetauscht, 1927/28 erfolgte die erste Sanierung (Bilder: links: Briefwechsel Mendelsohn-Freundlich; rechts: Bundesarchiv Bild 146-1978-069-15A, CC BY SA 3.0)

Jugendstil, Expressionismus oder doch eine Inkunabel der Klassischen Moderne? (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0, 2013)

Der Einsteinturm, der im Inneren ein Teleskop birgt, dient als Sonnenobservatorium (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0, 2013)

Alle fünf bis zehn Jahre stieß die Baukonstruktion technisch an ihre Grenzen: Spannungsrisse, Wasserschäden und Putzabplatzungen (Bild: Schadensbilder, 1990er Jahre, Büro Pitz & Hoh)

Mitte der 1990er Jahre wurde der Turm von Gerüsten umgeben: für Untersuchungen und zum Austrocknen durchnässter Stellen (Bild: 1990er Jahre, Büro Pitz & Hoh)

Potsdam, Einsteinturm (Bild: Coenen, CC BY SA 3.0)

Bis 1999 wurde der Einsteinturm – unter Wahrung von so viel Originalsubstanz wie möglich – renoviert. Künftig soll ein Pflegeplan Abhilfe schaffen (Bild: Coenen, CC BY SA 3.0)

Titelmotiv: Potsdam, Einsteinturm (Bild: Die Koralle, Titelblatt, Februar 1926)

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