Schlagwort: Eisenbahn

Emmanuil Evzerikhin, Kundgebung mit Lokomotive,1937 (Bild: © Courtesy: private collection)

Station Russia

Die transsibirische Eisenbahn ist wohl die berühmteste Zugverbindung der Welt. Unzählige Legenden ranken sich um die Trasse von Moskau nach Vladivostok, die Ernennung zum Weltkulturerbe wäre keine Überraschung. So ist es nur konsequent, dass Russland seinen Pavillon bei der Architekturbiennale 2018 ganz dem Thema Eisenbahn widmet. Der jüngst erschienene Begleitband beleuchtet die vielschichtige Geschichte der russischen Schiene.

Wenngleich der Bau der Transsib auf die Zarenzeit zurückging, hatte die Eisenbahn doch gerade in der Sowjetunion einen besonderen Stellenwert. Das Land besaß ein eigenes Eisenbahnministerium, der Bau der Baikal-Amur-Magistrale diente der KPdSU bis in Breschnews Tage als propagandistischer Dauerbrenner. Die gemischtgeschlechtlichen Liegewagen, in denen man sich für die oft tagelangen Reisen häuslich einrichtete, brachten schließlich das Prinzip der Kommunalka auf die Schiene. Eisenbahnenthusiasten haben noch bis zum 25. November die Chance, die ganze Welt der russischen Eisenbahn auf der Architekturbiennale zu erleben. Gibt es eigentlich eine Direktverbindung von Moskau nach Venedig …? (jr, 7.8.18)

Kundgebung in der UdSSR, 1937 (Bild: Emmanuil Evzerikhin, © Courtesy: private collection)

Molok, Nikolai, Station Russia, Gestaltung von Andrey Shelyutto und Irina Chekmareva, Englisch od. Russisch, Cantz Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-7757-4458-4.

Wasserturm Heidelberg (CC BY SA 4.0, Bild Tankturm Heidelberg)

Heidelberg: Wasserturm wird ausgezeichnet

In Baden-Württemberg scheint die Eisenbahnmoderne gerade Konjunktur zu haben. Nicht nur, dass in Stuttgart eine mR-Ausstellung über märklinMODERNE im Ländle informiert. Küzlich wurde bekannt, dass in Heidelberg eine Ikone der Eisenbahnarchitektur mit dem Hugo-Häring-Landespreis ausgezeichnet werden soll. Die Rede ist vom Wasserturm des Bahnbetriebswerks, der in den 1920er Jahren erbaut und 2015/16 denkmalgerecht saniert wurde.

1927 wurde in Heidelberg ein neues Bahnbetriebswerk eröffnet. Zu seinem Wahrzeichen avancierte der moderne Wasserturm, der sich auf einem quadratischen Grundriss 30 Meter in die Höhe reckt und mit vier ziffernlosen Chronometern die Uhrzeit in alle Himmelsrichtungen ausstrahlte. Bis in die 1970er Jahre füllte er die Wassertanks passierender Dampflokomotiven, anschließend war er lange eine funktionslose Landmarke. 1989 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, am Leerstand änderte dies nichts. 2014 kaufte schließlich ihn das  Architekturbüro AAg Loebner Schäfer Weber, um den Turm grundlegend zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Neben dem Sitz des Büros bietet er seitdem auch Platz für eine vielseitige kulturelle Nutzung. Die Jury des Häring-Preises überzeugte besonders die kreative Weiterentwicklung des Baus im Rahmen einer „sensiblen und respektvollen Sanierung des Bestandes“. Wir gratulieren! (jr, 13.7.18)

Wasserturm Heidelberg (Bild: Tankturm Heidelberg, CC BY SA 4.0)

Berlin-Pankow, Rundlokschuppen (Bild: Doris Antony, CC-BY-SA 3.0)

Und keiner spricht über den Rundlokschuppen?

Alle sind sich einig, in Berlin kann gebaut werden: Der Bezirk, der Senat und der Investor Krieger haben einen „Letter of Intent“ über die Zukunft des ehemaligen Rangierbahnhofs Pankow unterzeichnet. Seit 2009 liegt das Gelände im Eigentum des Investors, der auf dem Areal das Stadtentwicklungsgebiet „Pankower Tor“ mit Einkaufszentrum und Schule plant. Nur: Mit dem Ensemble hatte er einen denkmalgeschützten Rundolkschuppen erworben, wie es nur noch zwei ihrer Art in Deutschland gibt. Noch 2010 hieß es, aus dem rund hundertjährigen Kulturdenkmal solle die Aula der neuen Schule werden.

Im September 2016 schlossen Bezirk, Senat und Investor bereits einen Rahmenvertrag zum Stadtentwicklungsgebiet. Die Denkmalschützer forderten Krieger auf, endlich Erhaltungsmaßnahmen für das verfallende Gebäude einzuleiten. Der Anwalt des Investors reichte einen Abrissantrag ein. 2017 keimte Hoffnung auf, als der Bezirk Gelder für die Sicherung des Schuppens beantragt hatte. Noch ist offen, was die jüngste Einigung zwischen Senat, Bezirk und Investor für den Rundlokschuppen bedeuten wird. Denn genau dieses Gebäude wurde aus der Vereinbarung herausgenommen – „um nicht das Kerngelände zu blockieren“, wie rbb Pankows Bürgermeister Sören Benn (Linke) zitiert. Nun sollen Bebauungspläne und ein Verkehrskonzept entstehen. Die Arbeiten könnten in zwei Jahren beginnen, die ersten Wohnungen 2022 bezugsfertig sein. (kb, 27.4.18)

Berlin-Pankow, Rundlokschuppen (Bild: Doris Antony, CC BY SA 3.0)

Loheland, Waggonia, 1927 (Bild: K. Berkemann)

Geldsegen für vier Bahnwaggons

Im hessischen Loheland, der wohl ältesten anthroposophischen Siedlung Deutschlands aus dem Jahr 1919, steht seit den 1920er Jahren ein ungewöhnliches Baudenkmal: die „Waggonia“. Vier ausrangierte Reichsbahnwaggons wurden über Eck auf Sandsteinfundamente gesetzt und mit Satteldächern und einer Holzverschalung versehen. Das Ensemble beherbergte die Lederwerkstatt und die Schneiderei der Loheland Werkstätten GmbH, die Wohnstube eine der dortigen Komponistinnen sowie die kunsthistorisch bedeutsame Lichtbildwerkstatt Loheland. Doch leider hat das Ensemble mit den Jahren Schaden genommen und musste zuletzt mit einer Notdachkonstruktion gesichert werden.

Schon 2015 wurde „Waggonia“ unter Denkmalschutz gestellt und der Expertenworkshop „Von der Schiene unters Dach“ näherte sich diesem Bauwerk aus technik- kulturgeschichtlichem Blickwinkel. Nun fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 200.000 Euro die Restaurierung der vier umbauten Reichsbahnwaggons. Spätestens zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der Reform-Frauensiedlung soll auch „Waggonia“ fachgerecht hergerichtet sein und wieder in neuem Glanz erstrahlen. (kb, 4.3.18)

Loheland, Waggonia (Bild: K. Berkemann)

Klaus Staeck im Interview für die Ausstellung "märklinMODERNE" (Bild: Screenshot aus dem Film zur Ausstellung, Regie: Otto Schweitzer)

Klaus Staeck feiert einen runden Geburtstag

„Heute noch – ich bin sehr viel mit der Bahn unterwegs – gibt es immer mindestens einen der kommt und sagt: ‚Sind Sie nicht der mit der Villa im Tessin?'“ So erzählte Klaus Staeck im Interview für die Ausstellung „märklinMODERNE“ (Vernissage am 18. Mai im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt). International bekannt wurde der 1938 geborene Grafikdesigner, der Ausbildung nach ernsthafter Jurist, als politischer Plakatkünstler. 1972 gestaltete er ein damals aufsehenerregendes Plakat zur Bundestagswahl : „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“. Die darunter abgebildete Villa erscheint vielen Modellbahnern wohlbekannt, erinnert sie doch an den Faller-Bausatz „Villa im Tessin“.

Dabei zeigt das Motiv eigentlich ein Stuttgarter Wohnhaus (Chen Kuen Lee, 1961), dessen Foto auch noch um ein Stockwerk eingekürzt wurde, um Platz für den Text zu schaffen. Staeck ging es weniger um den Plastikbausatz (das sei ihm erst später aufgegangen), als vielmehr um das italiensehnsüchtige Neureichentum der Nachkriegsjahrzehnte. Bis heute mischt er sich kunstvoll und leidenschaftlich in den politischen Diskurs ein. Der langjährige Präsident der Akademie der Künste und bekennende Bahnfahrer feiert heute seine 80. Geburtstag – wir gratulieren! (kb, 28.2.18)

Klaus Staeck – vor seinem berühmten Plakat, mit dem Faller-Modell „Villa im Tessin“ – im Interview für „märklinMODERNE“ (Screenshot aus dem Film zur Ausstellung, Regie: Otto Schweitzer)