Mit Liechtenstein in Stalinstadt

Aus Eisenhüttenstadt, dem einstigen Stalinstadt, stammt nicht nur unser Freund und Fotograf Martin Maleschka, sondern auch der Entertainer Friedrich Liechtenstein – Sie erinnern sich an die Edeka-Werbung? (“Supergeil”). Im neuen Doku-Podcast des Rundfunk Berlin-Brandenburg und des Museum Utopie und Alltag reist er zurück in seine Heimat und erzählt die Geschichte der ersten sozialistischen Stadt Deutschlands und stellt zugleich die Fragen unserer Zeit: Wie wollen wir leben? Welche Macht haben Ideologien? Und was brauchen wir, um glücklich zu sein? Insgesamt fünf Folgen von “Liechtenstein in Stalinstadt” sind seit 28. Februar in der ARD Audiothek abrufbar. Ab dem 21. März (immer Montags um 19.00 Uhr) folgt eine wöchentliche Ausstrahlung der Folgen im Radio auf rbbKultur.

Friedrich Liechtenstein hat lange verheimlicht, dass er in der ab 1950 errichteten Sozialistischen Planstadt aufgewachsen ist. Die DDR, Ostdeutschland, Brandenburg – das passte nie zum Image des urbanen Performers und Musikers. Doch eines Tages wurde ihm klar, dass seine Heimatstadt wahrscheinlich das Mächtigste ist, wovon er erzählen kann. Hier sollte der Traum vom besseren Deutschland gelebt werden. Dreh- und Angelpunkt sollte das “Eisenhüttenkombinat Ost” sein – das Zentrum der Schwerindustrie. Gemeinsam mit der Fotografin Jennifer Endom begibt sich Friedrich Liechtenstein auf Spurensuche in der ersten Modellstadt der DDR. Es geht um die Geschichte des Sozialismus, die Zeit nach der Wiedervereinigung und darum, wie über diese Vergangenheit eigentlich gesprochen werden kann. Eine Bauleiterin, Bürgermeister, alteingesessene und neue Bewohner:innen der Stadt kommen zu Wort. Entstanden ist der Podcast auf Initiative und in Zusammenarbeit mit dem Museum Utopie und Alltag, das noch bis zum 29. Mai 2022 die Ausstellung “Ohne Ende Anfang. Zur Transformation der sozialistischen Stadt” in Eisenhüttenstadt zeigt – mit Bildern von Martin Maleschka. Womit sich der Kreis schließt … (db, 20.3.22)

Eisenhüttenstadt, Friedrich Liechtenstein (Bild: rbbKultur)

TIPPS ZUM TOFD: Kompetent durch Eisenhüttenstadt

Begleitend zu seiner Sonderausstellung „Ohne Ende Anfang. Zur Transformation der sozialistischen Stadt“ bietet das Museum Utopie und Alltag Stadttouren in Eisenhüttenstadt an. Besonders passend ist dies natürlich am Tag des offenen Denkmals am Sonntag den 12. September. Und wer, wenn nicht unser geschätzter Kollege, der Fotograf, Architekt und Autor Maleschka ist der Richtige Guide für diese Tour: Martin wurde 1982 in Eisenhüttenstadt geboren und ist hier, in der sozialistischen Modellstadt, aufgewachsen. Um 11 Uhr lädt er zur Erkundungstour durch die Vergangenheit und Gegenwart der Planstadt an der Oder. Treffpunkt ist das Ausstellungshaus, Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt. Wichtig: Die Teilnehmerzahl der Führung ist begrenzt, um vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 03364/417355 oder per Mail unter museum@utopieundalltag.de wird gebeten. Wer keinen Platz mehr bekommt, kann auch die Ansichtskarten-Ausstellung Stalinstadt/Eisenhüttenstadt von Reinder Wijnveld und Martin Maleschka in der Erich-Weinert-Allee 21 besuchen – oder die Schau „Drushba“ in der Selbstbedienungskaufhalle, Saarlouiser Str. 60a.  

Im Anschluss an die Stadtführung stellt Martin Maleschka um 14 Uhr seinen bei DOM Publishers erschienen Architekturführer Eisenhüttenstadt im Garten des Museums vor. Im Gespräch mit Gabriele Haubold (ehemalige Bereichsleiterin Stadtentwicklung/ Stadtumbau Eisenhüttenstadt) und Michael Reh (Bereichsleiter Stadtentwicklung/ Stadtumbau Eisenhüttenstadt) gibt er Einblicke in seine reiche Sammlung an Stadtgeschichte und -geschichten. Für den Architektur- und Kunstführer hat Martin 35 herausragende Bauten sowie 35 Kunstwerke dokumentiert – eine Würdigung der einzigartigen Stadtanlage Eisenhüttenstadts und ein Plädoyer für einen aufgeschlossenen Umgang mit dem bewahrenswerten baukulturellen und künstlerischen Erbe der DDR. Eisenhüttenstadt ist die erste gänzlich durchgeplante Stadtneugründung in Deutschland nach 1945. Ab 1950 wurde sie auf Beschluss der SED in Verbindung mit einem Eisenhüttenkombinat ­westlich der Oder in unmittelbarer Nähe zur polnischen Grenze errichtet. Hier wird die ­Geschichte von Architektur und Städte­bau der DDR nachvollziehbar, ohne dass die Stadt zu ­einem nostalgischen Freilichtmuseum geworden ist. Überzeugen Sie sich selbst! (db, 10.9.21)

Eisenhüttenstadt, Lindenzentrum (Bild: Martin Maleschka)

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne …

Drei sozialistische Planstädte hatte die DDR aufzuweisen: Eisenhüttenstadt, Schwedt und Hoyerswerda. Die erste von ihnen, Eisenhüttenstadt, feiert in diesem Jahr 70. Geburtstag – zunächst wurde der Grundstein des Stahlwerks gelegt, ab Februar 1951 entstand die zugehörige Wohnstadt, bis 1961 unterm Namen “Stalinstadt”. Hier sollte nicht nur ein Ort der Industrie sein, sondern auch die Heimat des neuen sozialistischen Menschen. Ähnliche Konzepte galten auch bei der Umgestaltung der Kleinstädte Schwedt und Hoyerswerda: Die „Stadt neuen Typs“ war mit großzügig bemessenen sozialen Räumen und mit aufwendiger Architektur aufs kollektive Zusammeleben geplant. Urban, aber dennoch grün und licht sollte es sein – so die Idee. Ein Konzept, das spätestens 1990 am Ende war … Im städtischen Museum Utopie und Alltag ist jetzt zum Jubiläum eine Ausstellung über Vergangenheit und Zukunft Eisenhüttenstadts zu sehen: “Ohne Ende Anfang – Zur Transformation der sozialistischen Stadt”.

Die Schau richtet den Blick auch auf zwei Vergleichsbeispiele: das polnische Nowa Huta, wie Eisenhüttenstadt 1949 als sozialistische Stadt geplant (und 1951 als Stadtteil von Krakau übernommen) und Schwedt, ab 1960 mit Plattenbauquartieren zur Industriestadt ausgebaut und später Geburtsstätte und Laboratorium des Stadtumbaus. Zu den Exponaten zählen städtebauliche Pläne, Modelle und historische wie aktuelle Fotografien. Begleitet wird die Ausstellung von der Installation “DDR Noir” der Künstlerin Henrike Naumann. Und wer als regelmäßiger moderneREGIONAL-Leser beim Stichwort Eisenhüttenstadt an unseren Freund Martin Maleschka denkt, liegt goldrichtig! Nicht nur im Museum Utopie und Alltag sind seine Fotografien zu sehen – man kann gleich noch eine weitere Ausstellung besuchen: “Stalinstadt . Eisenhüttenstadt – Eine Zeitreise in Ansichtskarten” ist jeweils am Wochende in der Erich-Weinert-Allee 21 in Eisenhüttenstadt zu sehen. Ein Schwerpunkt der Schau liegt hierbei auf dem zur Spekulationsruine verkommenen “Hotel Lunik“. Dem äußerlichen Zerfall des Baudenkmals kann täglich zugesehen werden. Wie aber sieht es innen aus? Dieser Frage sind Martin Maleschka und Reinder Wijnveld auf den Grund gegangen. Am 17. und 18.7. wird Martin von 11 bis 17 Uhr anwesend sein und Rede und Antwort stehen – also kommet, sehet, staunet, debattieret! (db, 15.7.21)

Eisenhüttenstadt, ehem. Hotel Lunik (Bild: Martin Maleschka)