Mit Ankündigung in die Hose gegangen

Sie ist gut ein Jahr alt, aber leider nach wie vor sehr aktuell und sehr sehenswert: die 45-minütige Dokumentation “Baustelle Bürokratie” von Milena Schwoge, die noch bis 18. März in der Mediathek von 3Sat zu sehen ist. Zu spät, zu teuer, zu komplex: Wenn der Staat baut, droht oft Chaos. Ob der Berliner Flughafen BER, die Elbphilharmonie Hamburg oder Stuttgart 21 – Experten sind sich einig: Der Fehler bei deutschen Großprojekten liegt im System. Komplizierte Genehmigungsverfahren, Planungschaos und endlose Gerichtsverfahren – die Bürokratie steht deutschen Großbaustellen häufig im Weg. Für europäische Infrastrukturvorhaben bedeutet das: Die Nachbarländer bauen, Deutschland plant noch. Gespräche mit Bauherren, Bauexperten und Betroffenen zeigen auf, warum öffentliche Großprojekte so häufig aus dem Ruder laufen und was die Lösungsansätze sein könnten.

Großprojekte können fristgerecht fertiggestellt werden – das zeigen Beispiele wie etwa der Schweizer Gotthard-Basistunnel. “Deutschland hinkt bei vielen Projekten völlig hinterher. Gar keine Frage, die Ursachen sind mannigfaltig. Einerseits der Föderalismus, unterschiedliche Interessen, andererseits auch teilprivatisierte Organisationen”, bedauert Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler. Häufig geraten wirtschaftliche und ökologische Interessen miteinander in Konflikt. Vielerorts gibt es Widerstand aus der Bevölkerung. Der Ruf nach mehr Transparenz und einer professionelleren Bürgerbeteiligung wird in Fachkreisen immer lauter. “Building Information Modeling” (BIM), eine digitale Planungsmethode, könnte helfen, dass große Bauvorhaben künftig besser gelingen. Doch der Einsatz kommt hierzulande nur schleppend voran. Die ursprüngliche Langversion der Doku unterm Titel “Murks in Germany” lief übrigens als Zweiteiler auf ZDF Info, leider derzeit nicht mehr in der Mediathek abrufbar. (db, 4.3.22)

Hamburg, Elbphilharmonie (Bild: Maddl79, CC BY-SA 4.0)