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Haifa (Bild: Ausstellung "Erfurt/Haifa" der Bauhaus-Universität Weimar, Foto: Jens Hausprung)

Erfurt/Haifa

Erfurt in Thüringen, Haifa in Israel – die beiden Städte verbindet seit 2000 eine offizielle Partnerschaft und schon sehr viel länger ein architektonisches Band. Beide Städte werden bis heute sichtbar geprägt durch das Neue Bauen, die Moderne der 1920er und 1930er Jahre. Mit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland fand die Architekturmoderne ein abruptes Ende, während sie im Gebiet des sich erst formierenden Staates Israel für eine neue Heimat der von den Nazis Vertriebenen stand.

Dieser baukünstlerischen Brücke widmet sich nun ein gemeinsames Ausstellungsprojekt von Bauhaus-Universität Weimar und Achava-Festspiele, kuratiert von Ines Weizman, Jens Hauspurg und Mark Escherich, co-kuratiert von Waleed Karkabi und Adi Roitenberg. Gezeigt werden forschende Beobachtungen zu Bauten und Stadträumen in Erfurt und Haifa. Architekturen, Themen und Phänomene der Internationalen Moderne werden einander dialogisch gegenübergestellt und in ihren geografischen und historischen Kontext eingeordnet. Die Ausstellung „Erfurt/Haifa. Architektur dialogisch – das gemeinsame Erbe der Moderne in Erfurt und Haifa“ ist vom 20. bis zum 30. September 2018 zu sehen in der Erfurter Peterskirche (Petersberg, 99084 Erfurt). Die Ausstellungseröffnung wird am 20. September um 19 Uhr gefeiert, es gibt am 22. September um 18.15 Uhr eine Kuratorenführung, am 30. September wird um 17 Uhr die Finissage begangen. (kb, 11.9.18)

Blick auf Haifa (Bild: Ausstellung „Erfurt/Haifa“ der Bauhaus-Universität Weimar, Foto: Jens Hausprung)

Telefon "Modell Frankfurt" von Fuld & Co, ausgestellt im Frankfurter Ernst-May-Haus (Bild: Christos Vittoratos, CC BY SA 3.0, 2011)

Tipps zum TofD: Moderne in der Mitte

Zum TofD brauchen Sie ein schnelles Auto, eine Klon-Maschine oder hohe Entschlussfreude – hier sind unsere Tipps für die Mitte der Republik: Im Frankfurter Ernst-May-Haus (Im Burgfeld 136, Frankfurt-Heddernheim) von 1927 werden die Ursprünge des sozialen Wohnungsbaus anhand originaler Ausstattungsstücke sichtbar. Am 9. September ist das Haus von 12 bis 17 Uhr geöffnet, eine Führung findet um 15.30 Uhr statt (Kontakt: Christina Treutlein, Ernst-May-Gesellschaft e. V., 069 15343883, post@ernst-may-gesellschaft.de). In Hannover zeigt sich die Nachkriegsmoderne von ihrer eleganten Seite: Das Arne-Jacobsen-Foyer (Herrenhäuser Straße 3 a, Hannover-Herrenhausen) wurde 1966 zum 300-jährigen Bestehen des Großen Gartens von Arne Jacobsen gestaltet und eingerichtet. Am 9. September ist der Bau von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen gibt es um 14, 15 und 16 Uhr (Kontakt: Olaf Höfer, Landeshauptstadt Hannover, Herrenhäuser Gärten, 0511 16846356, olaf.hoefer@hannover-stadt.de; Inga Samii, Landeshauptstadt Hannover, Herrenhäuser Gärten, 0511 16841485, inga.samii@hannover-stadt.de).

Einen tiefen Blick in die andere Seite der Nachkriegsmoderne macht Erfurt möglich: Das Stasi-Unterlagen-Archiv (Petersberg Haus 19, Erfurt) verwahrt auf 4,5 Regalkilometern Akten, etwa 1,7 Millionen Karteikarten, zahlreiche Fotos, Filme, Dias und ca. 250 Säcke Material, das die Stasi zu vernichten versuchte. Am 9. September sind Besucher zwischen 12 und 18 Uhr willkommen, Führungen gibt es stündlich, zudem verschiedene Vorträge rund um das Jahr 1968 (Kontakt: Andreas Bogoslawski, 0361 55194826, Andreas.Bogoslawski@bstu.bund.de; Oliver Parchwitz, 0361 55194806, Oliver.Parchwitz@bstu.bund.de). (kb, 3.9.18)

Telefon „Modell Frankfurt“ von Fuld & Co, ausgestellt im Frankfurter Ernst-May-Haus (Bild: Christos Vittoratos, CC BY SA 3.0, 2011)

Walter Ulbricht mit Stadtmodell (Quelle: privat)

Wahrheit oder Pflicht?

Als die Moderne noch an die Zukunft glaubte, wollte sie nicht weniger als die Welt neu gestalten. Entsprechend entstanden in der DDR für Städtebaukonzepte, die einer Utopie, einer sozialistischen Neuordnung sehr nahe kommen sollten. Die breite Spanne – zwischen gewünschten und möglichen, verwirklichten und verfehlten Projekten – zeigt nun eine neue Publikation anhand von vier Beispielen aus Thüringen: Mit Weimar steht Erfurt hier dafür, wie schwierig es war, die ambitionierten Neubaupläne in Städte mit großem kulturhistorischen Erbe einzufügen.

Die Buchvorstellung wird am 14. Juni 2018 um 19.30 Uhr (Einlass: 19.00 Uhr) in Erfurt (Galerie Waidspeicher, Michaelisstraße 10, Erfurt) ergänzt durch den Vortrag „‚Unser Erfurt, einzigartig‘ – Stadtplanung nach 1945“ vom Architekturhistoriker und Denkmalpfleger Dr.-Ing. Mark Escherich. Er rekonstruiert die Erfurter Innenstadtplanung von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1980. In diesen Jahren wandelten sich, nicht nur in Erfurt, die Stadtvorstellungen rasant. Innenbereiche galten als überaltert und erneuerungsbedürftig. Sie lösten heute utopisch anmutende Pläne aus, die seit den 1970er Jahren kritisiert und abgewandelt wurden. (kb, 22.5.18)

Scheithauer, Simon /Escherich, Mark/Nehring, Jens/Spiegel, Daniela/Meier, Hans-Rudolf (Hg.), Utopie und Realität. Planungen zur sozialistischen Umgestaltung der Thüringer Städte Weimar, Erfurt, Suhl und Oberhof (Forschungen zum baukulturellen Erbe der DDR 6), Bauhaus Universitätsverlag Weimar, Weimar 2018, 244 Seiten, 20,3 x 1,5 x 24,9 cm, ISBN 978-3957732446.

Walter Ulbricht mit Stadtmodell (Quelle: privat)

Josep Renau, Entwurf zum Erfurter Wandbild (Detail), 1982, Mischtechnik auf Holz (Bild: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban)

Die Rückkehr eines Wandbilds

Überall fallen künstlerische Zeugnisse der Ostmoderne. Überall? Nein, Erfurt … Bis zum Sommer 2017 lässt die Stadt das 6 x 28 Meter große Glaskeramik-Wandmosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau (1907-82) restaurieren. Der bis 1976 in der DDR ansässige spanische Künstler schuf das monumentale Werk für das ehemalige Kultur- und Freizeitzentrum in Erfurt. Seine Beauftragung zog sich von 1975 bis 1980 hin, die Einweihung erfolgte 1984.

2008 wurde das Wandbild am Moskauer Platz in Erfurt unter Denkmalschutz gestellt. Als das leerstehende Kultur-und Freizeitzentrum abgerissen werden sollte, wurde das monumentale Kunstwerk 2012 abgenommen und eingelagert. Nun kehrt es, in einer konzertierten Aktion von Stadt, Kulturdirektion, Wüstenrot Stiftung, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und „bürgerschaftlichem Engagement“, an seinen alten Ort zurück. Zu diesem Anlass werden aktuell im Grafikkabinett des Angermuseums (Anger 18, 99084 Erfurt) Studien, Entwürfe, Fotodokumente und der maßstäbliche Karton zum Wandbild präsentiert. Die Ausstellung „Josep Renau und sein Erfurter Wandbild“ ist noch bis zum 28. Mai 2017 zu sehen. (kb, 18.4.17)

Titelmotiv: Josep Renau, Entwurf zum Erfurter Wandbild (Detail), 1982, Mischtechnik auf Holz (Bild: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban)

Erfurt in Farbe

Erfurt. Die 70er (Bild: Sutton-Verlag)
Erfurt in Farbe (Bild: Sutton-Verlag)

„Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael!“ empörte sich Nina Hagen 1974 in ihrem gleichnamigen Hit. Doch Micha war offenbar nicht der einzige DDR-Bürger, dem das passierte: Historische Farbfotos aus dem Arbeiter- und Bauernstaat sind rar, gerade aus den ersten Jahren. Hier dominieren triste schwarz-weiß Aufnahmen, die ostdeutsche Städte in dauergrau verblassen lassen. Eine Ausstellung in Erfurt wirft nun einen anderen Blick auf die DDR-Vergangenheit der Thüringischen Landeshauptstadt. Erfurt in Farbe – II. Teil. Die 1970er und 1980er Jahre“ versammelt im Stadtmuseum historische Amateurfotos in Farbe. In den letzten Monaten beleuchtete eine Vorgängerausstellung bereits die 1950er und 1960er Jahre.

Beide Ausstellungen beruhen auf einem Zufallsfund im Archiv des Stadtmuseums. Kurator Frank Palmowski stieß hier auf einen ungeordneten Fundus von rund 3.500 Dias, die die Nachkriegszeit in Erfurt farbig illustrieren. Sie bildeten nicht nur die Grundlage der beiden Ausstellungen im Stadtmuseum, sondern auch für zwei begleitende Bildbände. Die Ausstellung ist bis zum 2. April 2017 zu sehen. (jr, 4.12.16)