TIPPS ZUM TOFD: Erfurter Denkmaltage

Der Tag des offenen Denkmals wird am 12. September rund 12 Stunden dauern. Nicht jedoch in Thüringens Landeshauptsadt Erfurt: Hier werden daraus wieder die Denkmaltage Erfurt, die sich mit einem satten Programm gleich sechs Tage lang der Architekturgeschichte widmen, und zwar von 7. bis 12. September. Die Denkmaltage 2021 stehen dabei unter dem bundesweiten Motto „Sein und Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ und rücken sie Mythen, Legenden und Handwerkskünste in den Fokus, die das Auge täuschen. Ob illusionistische Malerei, Materialimitate oder Restaurierungen – die  Besucher*innen sind eingeladen, den Illusionen der Erfurter Denkmallandschaft auf den Grund zu gehen. Dabei soll der Spannungsbogen von den jahrhundertealten zu den modernen Techniken aufgezeigt und weitergegeben werden – denn ohne Ausbildung, Austausch und Dokumentation ginge traditionelles Wissen verloren.

Am Dienstag, den 7. September startet das Programm ab 10.00 Uhr, die eigentliche Eröffnungsveranstaltung findet indes um 19 Uhr statt. Und zwar am Theaterplatz im neu eröffneten Denkmal Erfurter Heizwerk im Brühl / Zentralheize, Maximilian-Welsch-Straße 6. Neben der Begrüßung durch Erfurts OB Andreas Bausewein und einer musikalischen Begleitung gibt es eine Gesprächsrunde zum Erfurter Heizwerk mit Bauherr Andreas Tröger und Architekt Ulf Hestermann sowie eine Einführung zu Erfurter Denkmalen mit Dr. Mark Escherich und Uta Pappe von der Unteren Denkmalschutzbehörde Erfurt. Für Moderne-Liebhaber gibt es an allen Tagen interessante Termine, so unter anderem eine Führung im jüngst ausgezeichneten Kreativhaus „Kontor“ (1957-59) am Samstag von 15-17 Uhr und einen Vortrag zur Geschichte der Erfurter Gartenausstellung 1950 bis zur BUGA 21 Freitag um 17 Uhr. Das komplette Programm inklusive aller Details zu Voranmeldung etc. gibt es hier. (db, 6.9.21)

Erfurt, Festplatz Ega-Park (Bild: Grimba Photo, CC BY 3.0)

Große Ehre fürs Kontor

Fünf Projekte wurden von der thüringischen Kulturstaatssekretärin Tina Beer vergangene Woche mit dem Denkmalschutzpreis des Freistaats ausgezeichnet. Dazu zählt das 2019 eröffnete Erfurter „Kontor – Zentrum fürKreativwirtschaft“ , das 1959/60 errichtete einstige Lagergebäude der Großhandelsgesellschaft (GHG) Haushaltswaren in der Hugo-John-Straße. Seit 1992 stand das Gebäude leer und wurde bestenfalls als Ort für Underground-Parties genutzt, vor allem aber setzten ihm trotz Denkmalschutz Verfall und zunehmender Vandalismus zu. 2017 hat die Stadt das Gebäude schließlich verkauft, der Startschuss für Kontor-Initiator Frank Sonnabend und Architekt Thomas Schmidt. Geehrt wird mit dem Preis insbesondere das Engagement des Bauherrn. Das Projekt überzeuge laut Pressemitteilung der Stadt nicht nur in denkmalpflegerischer Hinsicht, sondern gerade in der Verbindung mit anderen gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsanliegen. Der jetzt eingezogene Mix von Kunst- und Kulturschaffenden, Kunstbedarfshandel, Kreativwirtschaft und Unternehmen aus dem Bereich „Industrie 4.0“ als Mieter sowie ein Ort für Veranstaltungen und Events sei beispielhaft für eine zukunftsfähige Aktualisierung der ursprünglichen Gebäudenutzung.

Betonrahmenfenster, Fußböden und Deckenelemente aus der Frühzeit des seriellen Bauens prägen bis heute das Gebäude, das durchaus schrille Gelb der Halle wurde nach Originalbefund erneuert. Wo es irgendwie möglich war, hat man jedoch auf Verkleidungen und neue Farbe verzichtet: rohes Material, abblätternde Erstanstriche, Reste originaler Wandbeschriftungen sowie Bombings und Tags der heimlichen Zwischennutzungen nach 1992 sorgen im Inneren für stylische Geschichtlichkeit, die durch die Ausstattung mit entstehungszeitlich passenden Hellerau-Möbeln gesteigert wird. Wichtig waren Bauherr und Architekt stets das Zeugnis der Arbeits- und Baugeschichte der DDR zu bewahren sowie gleichzeitig auch die Spuren des Hauses, die sich während der Jahrzehnte des Leerstandes angesammelt haben. Der Vorschlag für den Peis kam vom Städtischen Denkmalamt. Für die Erfurter Denkmaltage von 7. bis 12. September hat das Kontor-Team Führungen angekündigt. Save the date! (db, 19.7.21)

Erfurt, Kontor (Bild: Christopher Schmid)

„Vote!“ Wie wertvoll ist die DDR-Spätmoderne?

In Erfurt werden jetzt die Erfurter gefragt: Ist das Baukunst oder …? Im Projekt „Vote!“ geht es um die DDR-Spätmoderne und ihren Denkmalwert. Zur Diskussion gestellt werden zehn lokale Objekte wie die ehemalige SED-Parteischule in der Werner-Seelenbinder-Straße. Denn während künstlerische Zeugnisse der 1950er Jahre langsam die verdiente Anerkennung finden, so die These der Initiatoren, haben es die 1970er und 1980er Jahre immer noch schwer: Die Denkmalinventarisation kommt kaum hinterher und die öffentliche Meinung sieht hier oft noch keinen historischen Wert.

Projekt „Vote!“ (Bild: © Landeshauptstadt Erfurt, Pressestelle und Stadtarchiv)

Das Projekt „DDR-Architektur – entbehrlich oder erhaltungswürdig?“ der städtischen Denkmabehörde mit der Uni Weimar (Professur Denkmalpflege und Baugeschichte) bildet zugleich eine „Satellitenausstellung“ der Wanderausstellung „Zwei deutsche Architekturen 1949-1989“, die von heute bis zum 13. September 2020 im Kulturhof „Zum Güldenen Krönbacken“ (Michaelisstraße 10, 99084 Erfurt) zu sehen sein wird. Seit 2004 war die Schau, die das Bauschaffen von BRD und DDR gegenüberstellt, bereits erfolgreich in 26 Städten zu sehen. Am 8. September 2020 gibt Mark Escherich ab 16 Uhr in der Galerie Waidspeicher (Vorderhaus) Erläuterungen zum Projekt „Vote“, das sich als Gesprächsimpuls versteht. Ausgewertet wird das Voting am 10. September 2020 2020 um 19 Uhr zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion. (kb, 26.7.20)

Titelmotiv: Halle/Saale, Kindergarten Buratino (Bild: © Gerald Große)