Maleschka goes Erfurt

„Holt die die Wäsche rein, Maleschka kommt in die Stadt!“ Aber nein, wenn der Fotokünstler auch aktuell zum fahrenden Volk zu zählen scheint, sollten die Erfurter lieber die Kulis für die Signierstunde zücken. Denn morgen, am 18. April 2019 eröffnet Martin Maleschka – seit 2014 auf Vermittlung von Volker Nienstedt und Mark Escherich zum zweiten Mal – um 18 Uhr im Speicher Erfurt eine Ausstellung mit ausgewählten Fotografien baubezogener Kunst der DDR. In einem Vortrag zeigt Maleschka am 18. April Positiv- aber leider auch zahlreiche Negativbeispiele im Umgang damit. Bereits seit einigen Jahren arbeitet sich der Architekt und Fotograf mit wachen Augen durch die Architektur der Ostmoderne. Sein aktueller Schwerpunkt liegt in der baugebundenen Kunst, die er in seiner neuesten Publikation bei DOM publishers vorstellt sowie in verschiedenen Ausstellungen und Buchvorstellungen in einzelne ostmoderne Städte bringt. (kb, 17.4.19)

(Bild: Plakatmotiv von Martin Maleschka)

Erfurt/Haifa

Erfurt in Thüringen, Haifa in Israel – die beiden Städte verbindet seit 2000 eine offizielle Partnerschaft und schon sehr viel länger ein architektonisches Band. Beide Städte werden bis heute sichtbar geprägt durch das Neue Bauen, die Moderne der 1920er und 1930er Jahre. Mit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland fand die Architekturmoderne ein abruptes Ende, während sie im Gebiet des sich erst formierenden Staates Israel für eine neue Heimat der von den Nazis Vertriebenen stand.

Dieser baukünstlerischen Brücke widmet sich nun ein gemeinsames Ausstellungsprojekt von Bauhaus-Universität Weimar und Achava-Festspiele, kuratiert von Ines Weizman, Jens Hauspurg und Mark Escherich, co-kuratiert von Waleed Karkabi und Adi Roitenberg. Gezeigt werden forschende Beobachtungen zu Bauten und Stadträumen in Erfurt und Haifa. Architekturen, Themen und Phänomene der Internationalen Moderne werden einander dialogisch gegenübergestellt und in ihren geografischen und historischen Kontext eingeordnet. Die Ausstellung „Erfurt/Haifa. Architektur dialogisch – das gemeinsame Erbe der Moderne in Erfurt und Haifa“ ist vom 20. bis zum 30. September 2018 zu sehen in der Erfurter Peterskirche (Petersberg, 99084 Erfurt). Die Ausstellungseröffnung wird am 20. September um 19 Uhr gefeiert, es gibt am 22. September um 18.15 Uhr eine Kuratorenführung, am 30. September wird um 17 Uhr die Finissage begangen. (kb, 11.9.18)

Blick auf Haifa (Bild: Ausstellung „Erfurt/Haifa“ der Bauhaus-Universität Weimar, Foto: Jens Hausprung)

Tipps zum TofD: Moderne in der Mitte

Zum TofD brauchen Sie ein schnelles Auto, eine Klon-Maschine oder hohe Entschlussfreude – hier sind unsere Tipps für die Mitte der Republik: Im Frankfurter Ernst-May-Haus (Im Burgfeld 136, Frankfurt-Heddernheim) von 1927 werden die Ursprünge des sozialen Wohnungsbaus anhand originaler Ausstattungsstücke sichtbar. Am 9. September ist das Haus von 12 bis 17 Uhr geöffnet, eine Führung findet um 15.30 Uhr statt (Kontakt: Christina Treutlein, Ernst-May-Gesellschaft e. V., 069 15343883, post@ernst-may-gesellschaft.de). In Hannover zeigt sich die Nachkriegsmoderne von ihrer eleganten Seite: Das Arne-Jacobsen-Foyer (Herrenhäuser Straße 3 a, Hannover-Herrenhausen) wurde 1966 zum 300-jährigen Bestehen des Großen Gartens von Arne Jacobsen gestaltet und eingerichtet. Am 9. September ist der Bau von 11 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen gibt es um 14, 15 und 16 Uhr (Kontakt: Olaf Höfer, Landeshauptstadt Hannover, Herrenhäuser Gärten, 0511 16846356, olaf.hoefer@hannover-stadt.de; Inga Samii, Landeshauptstadt Hannover, Herrenhäuser Gärten, 0511 16841485, inga.samii@hannover-stadt.de).

Einen tiefen Blick in die andere Seite der Nachkriegsmoderne macht Erfurt möglich: Das Stasi-Unterlagen-Archiv (Petersberg Haus 19, Erfurt) verwahrt auf 4,5 Regalkilometern Akten, etwa 1,7 Millionen Karteikarten, zahlreiche Fotos, Filme, Dias und ca. 250 Säcke Material, das die Stasi zu vernichten versuchte. Am 9. September sind Besucher zwischen 12 und 18 Uhr willkommen, Führungen gibt es stündlich, zudem verschiedene Vorträge rund um das Jahr 1968 (Kontakt: Andreas Bogoslawski, 0361 55194826, Andreas.Bogoslawski@bstu.bund.de; Oliver Parchwitz, 0361 55194806, Oliver.Parchwitz@bstu.bund.de). (kb, 3.9.18)

Telefon „Modell Frankfurt“ von Fuld & Co, ausgestellt im Frankfurter Ernst-May-Haus (Bild: Christos Vittoratos, CC BY SA 3.0, 2011)