Rings und Mendelsohn in Celle

Auch wenn nur einer von ihnen berühmt ist, zählen sie doch beide zu den wichtigen Architekten der Moderne in Deutschland und später in Palästina. Die Rede ist von Josef Rings (1878–1957) und Erich Mendelsohn (1887–1953). Gemeinsam war ihnen, dass sie als Architekten den Zenit ihres Erfolges in der Bauhaus-Ära erreicht hatten und durch den Machtantritt der Nationalsozialisten ins Exil gezwungen wurden. Beiden gelang es, sich in Palästina erneut zu etablieren, obwohl sie ihr Exilland bald wieder verließen: Mendelsohn emigrierte 1941 in die USA, Rings zog 1948 zurück nach Deutschland, übernahm in Mainz eine Professur.

Beide Baumeister sahen sich der Moderne verpflichtet, repräsentierten aber inhaltlich wie formal unterschiedliche Strömungen. Der Sozialist Rings widmete sein Werk dem Wohl der Arbeiterklasse, entwarf Pläne zur Verbesserung der Lebensqualität der Massen und Arbeitersiedlungen. Der bürgerliche Mendelsohn realisierte Kaufhäuser, Villen, Universitäten und Banken. In der Synagoge Celle ist nun ab 4. September die Ausstellung „Josef Rings und Erich Mendelsohn: Neues Bauen in Deutschland und Erez Israel“ zu sehen, eine Leihgabe der Alten Synagoge Essen. Vernissage ist am 3. September 2020 um 19 Uhr; aufgrund Corona ist es erforderlich, sich hierfür unter Tel. 05141/124719 anzumelden. (db, 1.9.20)

Berlin, Schaubühne von Erich Mendelsohn (Bild: Manfred Brueckels, CC BY SA 3.0)

Titelbild: Gelsenkirchen, Siedlung Spinnstuhl von Josef Rings (Bild: W.Strickling, CC BY-SA 4.0)

Mendelsohn Transfer

Einige der berühmtesten Fotos der Berliner Nachkriegsgeschichte zeigen das Ende des Columbushauses am Potsdamer Platz: Es brennt am 17. Juni 1953, dem Tag des sozialistischen Arbeiterauftstands. Am Abend haben 34 Menschen den Tod gefunden, und das schon im Krieg beschädigte Gebäude ist nur noch eine Ruine. Architekt des kühnen Baus war Erich Mendelsohn, der Deutschland in den 1920er Jahren mit modernen Großbauten prägte. In Berlin zeugen noch die Schaubühne am Lehniner Platz, der Umbau des Mosse-Hauses und das IG-Metall-Haus vom Werk des gebürtigen Ostpreußen. Der Einsteinturm in Potsdam und die Hutfabrik Luckenwalde zählen zu den Ikonen des Neuen Bauens.

In einem der Berliner Bauwerke Mendelsohns, dem IG-Metall-Haus, wird bis 29. September die Ausstellung „Mendelsohn Transfer“ gezeigt: Studierende des Masterstudienganges Architektur der UdK Berlin haben Grundformen im Werk Mendelsohns analysiert sowie konzeptionelle Entwurfszugänge zu Architektur, Städtebau und Mediengebrauch untersucht. Texte, Bilder und Artefakte setzen sich mit seinen Arbeitsweisen auseinander. Die Ausstellungsmacher konzentrieren sich dabei auf die Ausarbeitung „wiederkehrender Antagonismen“ im Werk des Architekten wie die Gegensatzpaare „Licht und Schatten, Konstruktion und Hülle, Material und Dynamik, Form und Wahrnehmung, Außen und Innen, Tag und Nacht“. Die Ausstellung in Kooperation mit der Berliner Architektenkammer ist ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr. (db, 6.9.18)

Berlin, IG-Metall-Haus (Bild: Schlesinger, CC BY-SA 4.0)

WOGA-Gate

Seit Monaten erhitzt der WOGA-Komplex in Berlin die Gemüter. Das 1925 bis 1931 von Erich Mendelsohn erbaute Wohnviertel soll nach den Plänen eines Investors verdichtet werden. Die denkmalgeschützten Tennisplätze und Grünanlagen müssten dabei einem Wohnhaus weichen. Nun meldet die Berliner Morgenpost, dass die Bezirksverordnetenversammlung in Charlottenburg-Wilmersdorf einen Untersuchungsausschuss zur Sache einrichtet. Möglicherweise suggerierte das Berliner Stadtentwicklungsamt dem Investor wider besseres Wissen, dass eine Verdichtung des Areals unproblematisch und durchführbar sei. Die Bezirksverordnetenversammlung hatte sich dagegen für den Erhalt des Ensembles ausgesprochen, befürchtet jedoch nun für den Fall weiteren Widerstands eine millionenschwere Klage des Investors.

Mendelsohn errichtete mit dem WOGA-Komplex Ende der 1920er Jahre eine Wohnsiedlung, die ihren Bewohnern mit den Grünflächen und Tennisplätzen ein eigenes Naherholungsgebiet bot. Unter anderem schwangen hier Erich Kästner, Vladimir Nabokov und Willy Brandt die Schläger. Derzeit liegen die Sportstätten brach. Die geplante Bebauung der Fläche mit einem Appartementhaus würde den Charakter des Bauensembles jedoch nachhaltig verändern. (jr, 23.5.17)

Berlin, die überwucherten Tennisplätze im WOGA-Komplex (Bild: Uli Borgert)