Gesucht: Moderne Erinnerungsorte

Erinnerungen sind flüchtig, aber sie machen sich gerne an etwas fest. Für die Geschichtswissenschaft sind „Erinnerungsorte“ die Bezugspunkte in der gemeinsamen Identität einer Gruppe. Immer wieder sind es auch Gebäude, die im kollektiven Gedächtnis eine zentrale Rolle spielen. Und immer häufiger sind es Orte des 19. und 20. Jahrhunderts, der beginnenden und andauernden Moderne, denen mit den Jahren eine solche Rolle zuwächst.

„Erinnerungsorte von Niedersachsen und Bremen“ sind daher auch das Thema der Frühjahrstagung des Arbeitskreises für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, die am 23. April 2016 in Hannover stattfinden wird. Bis zum 14. Februar können dafür noch Vorschläge für einen 20-minütigen Vortrag eingereicht werden bei: Dr. Wolfgang Brandes, stadtarchiv@badfallingbostel.de. Die Bewerbungen werden erbeten in Form einer inhaltlichen Skizze (1 Seite), die durch einen kurzen Überblick zur Person der sich bewerbenden Referenten (ebenfalls 1 Seite) ergänzt wird. Eine Rückmeldung auf die erfolgreichen Bewerbungen erfolgt Anfang März 2016. (ps, 30.1.16)

Erinnern Sie sich noch an die EXPO? Dann erinnern Sie sich bestimmt auch noch an dieses „größte freitragende Holzdach der Welt“, das 2000 zum Wahrzeichen der Weltausstellung wurde und das Potenzial zu einem künftigen Denkmal birgt (Bild: Harald Bischoff, GFDL oder CC BY SA 3.0)

8. Mai 1945: Ortloser Erinnerungsort?

Als am 8. und 9. Mai 1945 die Wehrmacht kapitulierte, fand der Zweite Weltkrieg sein Ende. 70 Jahre später setzt sich das Deutsche Historische Institut vom 8. bis zum 10. Mai 2015 beim Workshop „Der 8. Mai: Ein ortloser Erinnerungsort? Internationale und interdisziplinäre Perspektiven“ mit diesem epochemachenden Datum auseinander. Ausgangsthese ist, dass der 8. Mai als „lieu de mémoire“ (Pierre Nora) – zumindest im (west)europäische Umfeld – keinem konkreten Ort, Datum, Symbol, Identitätsangebot oder Ritual eindeutig zugeordnet ist.

Der Erinnerungsort umfasst nach Pierre Nora nicht nur räumlich bestimmbare Orte, sondern ebenso Daten, Dokumente, Kunstwerke, Symbole oder zeichenhafte Handlungen. In Deutschland etwa spielt der Ort der Kapitulationserklärung – Reims bzw. Berlin-Karlshorst wiederholt – in der öffentlichen Diskussion nahezu keine Rolle. Doch wo und wie „sollen“ wir die „Befreiung“ feiern? Am Rande des Workshops wird dies bei der Exkursion konkret, wenn eine Führung durch das vormalige Warschauer Getto angeboten wird. Die Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Mit dem Workshop wird zugleich die Ausstellung „Niemands Orte“ mit Bildern des Berliner Fotografen Christian Herrnbeck eröffnet. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung (mit einem kurzen Motivationsschreiben, einem akademischen CV) bis zum 12. April 2015 gebeten unter: annika.wienert@tum.de. (kb, 4.4.15)

Ortlos? Wir haben den 8. Mai 1945 gefunden!(Bild: Benoît Prieur (Agamitsudo))