C. Julius Reinsberg erhält Bethmann-Studienpreis

„Der Internationale Stil des Neuen Frankfurt. Zum transnationalen Kulturtransfer in der Architektur-, Stadtplanungs- und Designgeschichte 1925-1960“ – oder etwas kürzer: Das Neue Frankfurt ist nicht dasselbe wie das Bauhaus. Der Historiker C. Julius Reinsberg hat in seiner jüngst abgeschlossenen Promotion herausgearbeitet, wie sich um Baukünstler wie Ernst May, Martin Elsaesser, Ferdinand Kramer und Margarete Schütte-Lihotzky eine einmalige Expertenkultur mit einem umfassenden sozialen Anspruch herausbildete, der bis in die Nachkriegszeit hinein international wirkte. Reinsberg ist Mitherausgeber von moderneREGIONAL und arbeitet seit 2017 als Geschäftsführer der Frankfurter ernst-may-gesellschaft.

Für die Jury des 1984 gestifteten Johann Philipp von Bethmann-Studienpreises erweitert die Arbeit von Reinsberg in hervorragender Weise „die wissenschaftliche Basis zur Erforschung der Frankfurter Geschichte“. Prof. Christoph Cornelißen (Frankfurt am Main), Doktorvater des Ausgezeichneten, hatte das Projekt nicht allein fachlich, sondern auch sprachlich anempfohlen: „Das schnörkellos geschriebene Manuskript liest sich hervorragend.“ Der mit 5.000 Euro dotiert Preis wurde gestern Abend in einer Feierstunde im Dormitorium des Instituts für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster durch die Kulturdezernentin Ina Hartwig überreicht. Vertreter der Familie des Stifters waren ebenfalls Gäste der Preisverleihung. Wir gratulieren herzlich! (db/kb, 20.12.17)

Julius Reinsberg (Bild: privat)

Hans und Grete

Hans und Grete

Leistikow-Adler (Bild: ernst-may-gesellschaft)
Das neue Frankfurter Stadtwappen von Hans Leistikows sorgte in den 1920er Jahren für Kontroversen (Bild: ernst-may-gesellschaft)

Das Neue Frankfurt war mehr als ein ehrgeiziges Städtebauprojekt, das in den 1920er Jahren unter dem Architekten Ernst May entstand. Es umfasste auch die Erneuerung sämtlicher ästhetischer Belange, vom Freischwimmerausweis bis zum Stadtwappen. Zwei der aktivsten Avantgarde-Gestalter waren der Grafiker Hans Leistikow und seine Schwester, der Fotografin Grete. Das ernst-may-haus widmet dem Geschwisterpaar bis zum 28. Februar 2017 die Sonderausstellung „Hans und Grete. Die Geschwister Leistikow als Gestalter des Neuen Frankfurt“.

Hans Leistikow wurde in den 1920er Jahren von May nach Frankfurt berufen, um das grafische Büro der Stadt zu leiten. Ein Höhepunkt seiner Karriere war die Ausstellung „Musik im Leben der Völker“, an der er mit seiner Schwester Grete maßgeblich beteiligt war. Die Schau zog 820.000 Besucher als eine Art „Weltausstellung der Musik“ an. In den 1930ern folgten die Geschwister Leistikow Ernst May für einige Jahre in die Sowjetunion. In der Nachkriegszeit wurde Hans Leistikow nochmals in Frankfurt aktiv, u. a. mit den Fenstern des Kaiserdoms und der Westensynagoge. Grete Leistikow hingegen konnte nicht mehr an ihre Vorkriegskarriere anknüpfen. Die Ausstellung versammelt diverse Arbeiten der Geschwister, darunter bislang nie gezeigte Entwürfe. (jr, 15.9.16)

Eine Revolution des Großstädters

Eine Revolution des Großstädters

In Tansania griff May auf sein aus Frankfurt bekanntes Formenreperoire zurück (Bild: Julius Reinsberg)
In Tansania griff May auf sein Frankfurter Formenreperoire zurück (Bild: Julius Reinsberg)

Ernst May verbindet man in erster Linie mit seinen Frankfurter Bauten. In nur fünf Jahren schuf der Architekt und Städtebauer in den 1920ern mit dem Projekt „Das Neue Frankfurt“ rund 15.000 Wohnungen, avantgardistische öffentliche Bauwerke und eine zeitgemäße soziale Infrastruktur: die „Revolution des Großstädters“, wie er es selbst nannte. Doch das Neue Frankfurt machte nur einen kleinen Teil des Œuvres Ernst Mays aus.

Dieses breite Spektrum nimmt der Dokumentarfilm „ERNST MAY. Eine Revolution des Großstädters. Architekt und Stadtplaner auf drei Kontinenten“ von Otto Schweitzer – in Zusammenarbeit mit der ernst-may-gesellschaft, unterstützt vom Kuratorium Kulturelles Frankfurt und von der Hessischen Filmförderung – vergleichend in den Blick. In den 1930er Jahren brachte May seine „Revolution“ in die Sowjetunion, wo er moderne Arbeiterstädte aus dem Boden stampfte. Anschließend wirkte er 20 Jahre als Privatarchitekt in Ostafrika, wo er nicht nur avantgardistische Villen für wohlhabende europäische Siedler baute, sondern auch die Stadt Kampala erweiterte. Vom Frankfurter Stadtteil Ginnheim bis zur Industriestadt Magnitogorsk am Ural, von Arusha am Kilimanjaro bis zum sibirischen Novokuzneck, überall fand das Fimlteam bauliche Spuren Mays. Am 22. Juli 2015 wird die Dokumentation im Kino des Deutschen Filmmuseums erstmals gezeigt. (jr, 8.7.15)

FÜR KURZENTSCHLOSSENE: HEUTE, 18. AUGUST um 19:30 Uhr Filmvorführung in den FRANKFURTER NAXOSHALLEN