Funktionsbauten des Neuen Frankfurt

Funktionsbauten des Neuen Frankfurt

Adolf Meyer, Elektrizitätswerk (Bild: Epizentrum,CC-BY-SA 3.0)
In Frankfurt plante Adolf Meyer unter anderem das städtische Elektrizitätswerk (Bild: Epizentrum, CC BY SA 3.0)

Das Neue Frankfurt ist heute im Wesentlichen für seinen umfangreichen sozialen Wohnungsbau bekannt. In den Jahren 1925 bis 1930 entstanden unter der Ägide des legendären Stadtbaurats Ernst May ca. 15 000 neue Wohneinheiten in der Stadt am Main. Fast vergessen sind dagegen die Funktionsbauten, die in diesem Jahrfünft in Frankfurt entstanden; zu Unrecht, handelte es sich doch oftmals um sehr qualitätsvolle und ästhetisch ansprechende Architektur. Eine Ausstellung im ernst-may-haus widmet sich diesem Themenkomplex ab dem 1. April.

Die Frankfurter Funktionsbauten werden besonders mit dem Namen eines Architekten verknüpft: Adolf Meyer. Der ehemalige Mitarbeiter Walter Gropius‘ kam 1925 nach Frankfurt und drückte der Stadt unter anderem mit dem städtischen Elektrizitätswerk und dem Gaswerk Ost seinen Stempel auf. Zu seinem Frankfurter Mitarbeiterstab gehörte der  aufstrebende Architekt Heinrich Helbing. Die Ausstellung verknüpft Leben und Werk der beiden Architekten und greift dabei auf noch nie gezeigte Objekte und Archivalien aus dem Nachlass Helbings zurück. Eine kleine Preview der Kuratorin Elisa Lecointe findet sich im aktuellen mR-Themenheft, wo die Kunsthistorikerin in einem Fachbeitrag einen Blick auf Meyers Frankfurter Schaffen wirft. (jr, 22.3.17)

Beilagen der Moderne

Beilagen der Moderne

Das Frankfurter Register Plakat (Bild: ernst-may-gesellschaft)
Das Frankfurter Register bewarb unter anderem „Gipfelleistungen der Fernsprech-Technik“ (Bild: ernst-may-gesellschaft)

„Das neue Haus braucht den neuen Hausrat“ erklärte der Architekt und Möbeldesigner Franz Schuster 1927 in der Zeitschrift Das Neue Frankfurt. In der Konsequenz fand sich in den folgenden Ausgaben die Beilage „Das Frankfurter Register“. Sie pries Entwürfe zeitgenössischer Designer an, die perfekt mit den modernen Frankfurter Siedlungen der 1920er harmonieren sollten. Die Ausstellung „Beilagen der Moderne. Das Frankfurter Register und seine Entwürfe“ widmet sich dieser klassisch-modernen Werbebroschüre. Gezeigt werden neben den originalen Blättern auch die beworbenen Einrichtungsgegenstände, die heute zum Teil gesuchte Sammlerobjekte sind. Die Vernissage der Schau findet am 9.4.2016 um 18 Uhr im ernst-may-haus in Frankfurt (Im Burgfeld 136, 60439 Frankfurt am Main) statt.

Neben Hausrat im engeren Sinne bewarb das Frankfurter Register unter anderem die „billige Bauhaus-Tapete“ oder die platzsparende Sitzbadewanne nach Entwurf Ferdinand Kramers. Gemeinsam war allen Gegenständen, dass es sich nicht um Unikate, sondern um seriell hergestellte Produkte handelte. Sie sollten „zweckmäßig und zweckhaft schön“ sein, dabei aber jeden „Luxus-Charakter entbehren“. Die Ausstellung ist bis zum 7. Juli 2016 zu sehen. (jr, 5.4.16)

Utopien des Neuen Frankfurt

Utopien des Neuen Frankfurt

Versprach in den 1920ern Abkühlung in avantgardistischem Ambiente: Rudloffs Schwimmbadentwurf (Bild: ernst-may-gesellschaft)
Versprach in den 1920ern Abkühlung in avantgardistischem Ambiente: Rudloffs Schwimmbadentwurf (Bild: ernst-may-gesellschaft)

Die hochsommerlichen Temperaturen bescheren den Schwimmbädern momentan Besucherrekorde. Wer dem Gedränge entgehen will, findet in Frankfurt eine trockene Alternative: im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Utopien des Neuen Frankfurt“ steht ein avantgardistischer Schwimmbadentwurf! Der Rundbau, der sich dem Besucher in kolorierten Bauplänen und einem Modell präsentiert, windet sich mit einer so dynamischen Eleganz gen Himmel, dass die Assoziation zu Tauts Stadtkrone oder Tatlins Monument für die III. Internationale nahe liegt. Die Ausstellung ist bis zum 23. Dezember 2015 im ernst-may-haus zu sehen.

Der verantwortliche Architekt Carl-Hermann Rudloff (1890-1949) war einer der bedeutendsten Protagonisten des Neuen Frankfurt. Unter anderem war er maßgeblich am Bau der Siedlungen Römerstadt, Bornheimer Hang und Zick-Zack-Hausen beteiligt. Sein Schwimmbadentwurf blieb aber trotz der weit vorangeschrittenen Planung eine nie verwirklichte Utopie. Hätte man Rudloffs architektonische Vision tatsächlich realisiert, wäre sie zweifellos eine bauliche Sensation geworden, deren Prominenz weit über die Siedlung Bornheimer Hang hinausgegangen wäre. Begleitend zur Ausstellung erscheint in limitierter Auflage eine in Leinen gebundene Katalogmappe mit sämtlichen Zeichnungen und Plänen sowie vertiefenden Aufsätzen. (jr, 10.8.15)