TofD 2019: Im Süden viel Neues Bauen

Getreu dem Moderne-Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals zeigen viele Städte im Süden ihre Schätze des Neuen Bauens: In München-Giesing beispielsweise entstand die TeLa-Post (Tegernseer Platz 7, 81541 München-Obergiesing) entstand 1928/29 nach Plänen von Walther Schmidt und Robert Vorhölzer, dem damaligen Leiter der Bauabteilung der Bayerischen Postverwaltung. Am 8. September ist die TeLa-Post geöffnet zu den Führungen um 14:45 und 16:15 Uhr (Führender: Rudolf Hartbrunner, Treffpunkt: Haupteingang zur TeLa-Post, Kontakt: Carmen Dullinger-Oßwald, Bezirksausschuss 17, 089 23361482, bag-ost.dir@muenchen.de). Auch das Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört (Hermann-Schneider-Allee 47, 76189 Karlsruhe-Daxlanden), errichtet 1929 von Walter Merz, folgt den kubischen Formen dieser Zeit. Der Bau ist am 8. September geöffnet von 11.00 bis 18.00 Uhr, Führungen sind angesetzt für 11.00 und 17.30 Uhr (Führende: Nina Rind).

In Konstanz wartet ein Wasserturm mit Jugendherberge (Zur Allmannshöhe 16/18, 78464 Konstanz-Allmannsdorf) auf Besucher: Der verputzter Eisenbetonbau wurde von 1929 bis 1931 nach Plänen von Paul Jordan und Friedrich Hübinger fertiggestellt. Am 8. September ist er zugänglich zu den Führungen um 11.00, 14.00 und 15:30 Uhr (Führende: Ilse Friedrich, eine Voranmeldung ist erforderlich, Kontakt: Christiane Heynen, Stadt Konstanz, Untere Denkmalschutzbehörde, 07531 900777, Christiane.Heynen@konstanz.de). Nicht zuletzt öffnet das Frankfurter Ernst-May-Haus (Im Burgfeld 136, 60439 Frankfurt am Main-Heddernheim), entstanden 1927 im Rahmen des Siedlungsprojekts Neues Frankfurt. heute als Musterhaus seine Türen – am 8. September von 12.00 bis 17.00 Uhr, eine Führung wird angeboten um 15.30 Uhr (Kontakt: Ernst-May-Gesellschaft e. V., 069 15343883, post@ernst-may-gesellschaft.de). (kb, 23.8.19)

Karlsruhe-Rappenwört, Naturschutzzentrum (Bild: nazka.de)

Die Eiger-Nordwand steht in Darmstadt

1968 legte man in Darmstadt den Grundstein für eine der letzten großen Trabantenstädte der Bundesrepublik. Die Siedlung „Neu-Kranichstein“ nach Plänen Ernst Mays sollte mit Wohnhochhäusern vor den Toren der Stadt 18 000 Wohneinheiten schaffen. Nun feiert sie ihren 50. Geburtstag und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Wurden die Pläne bei der ersten Präsentation durch Ernst May 1965 noch hochgelobt, machte sich bald Kritik breit. Zwar wurde der erste Bauabschnitt der Wohnsiedlung in Rekordzeit gebaut, die Einrichtung der nötigen Infrastruktur ließ dagegen auf sich warten. Besonders die „Eiger-Nordwand“, ein 12-stöckiges Hochhaus mit einer Länge von 175 Metern, fand außerdem wenig Fürsprecher in der Bevölkerung. Noch während der Bauarbeiten schlug die Stimmung zu Ungunsten der Planung um. Realisiert wurde schließlich nur der erste Bauabschnitt, bevor der Planungsprozess von Neuem begann. Jahrzehntelang haftete dem Stadtteil das Image verfehlter Stadtplanung sowie eines sozialen Brennpunkts an. Zum Jubiläum kann sich Kranichstein jedoch wachsender Beliebtheit erfreuen. Der Stadtteil gilt als multikulturell, ist gut an die Darmstädter Innenstadt angebunden und – dies geht auf die Maysche Planung zurück – in eine Parklandschaft eingebettet. mR gratuliert herzlich! (jr, 17.2.18)

„Eiger-Nordwand“, Darmstadt-Kranichstein (Bild: Julius Reinsberg)

C. Julius Reinsberg erhält Bethmann-Studienpreis

„Der Internationale Stil des Neuen Frankfurt. Zum transnationalen Kulturtransfer in der Architektur-, Stadtplanungs- und Designgeschichte 1925-1960“ – oder etwas kürzer: Das Neue Frankfurt ist nicht dasselbe wie das Bauhaus. Der Historiker C. Julius Reinsberg hat in seiner jüngst abgeschlossenen Promotion herausgearbeitet, wie sich um Baukünstler wie Ernst May, Martin Elsaesser, Ferdinand Kramer und Margarete Schütte-Lihotzky eine einmalige Expertenkultur mit einem umfassenden sozialen Anspruch herausbildete, der bis in die Nachkriegszeit hinein international wirkte. Reinsberg ist Mitherausgeber von moderneREGIONAL und arbeitet seit 2017 als Geschäftsführer der Frankfurter ernst-may-gesellschaft.

Für die Jury des 1984 gestifteten Johann Philipp von Bethmann-Studienpreises erweitert die Arbeit von Reinsberg in hervorragender Weise „die wissenschaftliche Basis zur Erforschung der Frankfurter Geschichte“. Prof. Christoph Cornelißen (Frankfurt am Main), Doktorvater des Ausgezeichneten, hatte das Projekt nicht allein fachlich, sondern auch sprachlich anempfohlen: „Das schnörkellos geschriebene Manuskript liest sich hervorragend.“ Der mit 5.000 Euro dotiert Preis wurde gestern Abend in einer Feierstunde im Dormitorium des Instituts für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster durch die Kulturdezernentin Ina Hartwig überreicht. Vertreter der Familie des Stifters waren ebenfalls Gäste der Preisverleihung. Wir gratulieren herzlich! (db/kb, 20.12.17)

Julius Reinsberg (Bild: privat)