Essen: Denkmalschutz fürs Grugabad?

58.000 Quadratmeter pures Freizeitvergnügen – 1965 entstand das Grugabad in Essen als Teil des Grugageländes mit der gleichnamigen Halle und dem zugehörigen Park. Die Pläne stammten von dem Architekten Gerd Lichtenhahn, der sie mit Blick auf die im selben Jahr eröffnete Bundesgartenschau gestaltet hatte. Geboten wird den Gästen viel – vom Sportbecken über den 10-Meter-Sprungturm bis zur Zuschauertribüne. Nun soll die Anlage, wie die Presse meldet, unter Denkmalschutz gestellt werden. Und wer das Grugabad aus der Luft betrachtet, kann viel Schönheit erkennen in der geometrischen Verteilung der vier Schwimmbecken. Zur Bauzeit wurden sie auf zwei Ebenen verteilt, um die Wartung zu erleichtern und die Lärmbelastung zu mindern.

Schon seit Längerem wird über die Zukunft des Freibads diskutiert. Noch vor wenigen Tagen vermeldete das Grugabad einen Ansturm hitzegeplagter Balkonien-Urlauber. Die Zukunft der sanierungsbedürftigen Anlage ist noch offen: Manche wollen schlicht renovieren, andere eine Glaskuppel darüber spannen. Für das „große Paket“ stehen Kosten von 70 Millionen Euro im Raum. Aktuell diskutiert der Sportausschuss die Frage des möglichen Denkmalschutzes – die Stadt zeigte sich grundsätzlich aufgeschlossen. Eine endgültige Entscheidung soll in den kommenden 14 Tagen erfolgen. (kb, 18.8.20)

Essen, Grugabad, um 1975 (Bild: historische Postkarte)

Durch den Eyhof

In den frühen 1920er Jahren begann die Geschichte der Eyhof-Siedlung im Essener Süden: Der Gemeinnützige Bauverein Essen-Stadtwald hatte den Architekten und Stadtplaner Josef Rings (1878–1957) mit der Konzeption einer neuen Siedlung beauftragt. In rund 300 Wohnungen sollte die Essener Mittelschicht ein neues Zuhause finden. Das Wohnangebot umfasste Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser mit Wohnflächen bis 160 Quadratmetern. Schon 1925 würdigte Essens damaliger Planungsdezernent Hermann Ehlgötz das neue Quartier in einer Publikation als „Muster von Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit, hineinkomponiert in eine prächtige, grüne Umgebung“. Die Pracht ist trotz diverser Veränderungen noch abzulesen, allerdings sind einige der Wohnbauten mittlerweile vom Abriss bedroht.

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) Dortmund lädt daher am Sonntag, den 9. August durchaus nicht ohne Grund ein zur Führung durch die Eyhof-Siedlung. Der Architekt Wolfgang Zimmer und die Kunsthistorikerin Dr. Hannah Feldhammer nehmen Interessierte mit auf einen Rundgang 1921-24 gebaute Wohnsiedlung. Besonderes Augenmerk wird dabei gelegt auf die spezifischen Qualitäten der Siedlung sowie die Unterschiede und Weiterentwicklungen zu anderen Quartieren in Essen wie etwa der Margarethenhöhe. Die Führung startet um 11 Uhr am Torhaus der Eyhof-Siedlung in der Angerstraße. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung ist nicht erforderlich. (db, 4.8.20)

Essen, Torhaus der Eyhof-Siedlung (Bild: Wolfgang Zimmer/BDA Essen)

Essen: Dreifaltigkeitskirche soll Stadtteilzentrum werden

Erst 2019 wurde die Dreifaltigkeitskirche in Essen-Borbeck-Vogelheim unter Denkmalschutz gestellt, jetzt sucht die Gemeinde nach einer Nutzungsmöglichkeit für den Gottesdienstraum und das angrenzende Gemeindezentrum. Das Ensemble wurde 1957 nach Entwürfen des Architekten Horst Loy fertiggestellt, der auch am Wiederaufbau des dortigen Folkwang-Museums mitwirkte. Nach einem Sturmschaden an den Kirchenfenstern erhielt der Raum 1992 eine neue farbige Glasgestaltung durch den Künstler Henk Schilling. Die Gemeinde entschied sich dabei bewusst für ein Bildprogramm, das auf die gemeinsame jüdisch-christliche Geschichte verweist.

Nach einer Ideenfindung zwischen kirchlichen, kommunalen und bürgerschaftlichen Vertretern im März diesen Jahres hofft die Gemeinde, ihr Ensemble zum Stadtteilzentrum mit generationsübergreifenden Angeboten umnutzen zu können. Die gottesdienstliche Funktion des Kirchenraums soll dabei, so berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, möglichst erhalten bleiben – zumindest teilweise. Ob und wenn ja wie genau sich das baulich für den liturgischen Raum auswirken wird, ist in diesem Stadium der Planungen noch offen. Sicher ist, dass die evangelische Gemeinde mit gut 9.000 Seelen und vier Predigtstätten sich etwas einfallen lassen muss, um für ihre Bauten eine Zukunft zu sichern. Noch werden Ideen gesammelt, Entscheidungen für das weitere Vorgehen sollen Ende 2020 getroffen werden. (kb, 30.3.20)

Essen, Dreifaltigkeitskirche (Bild: Patrick P., 2013, via foursquare.com)