Essen

95 Jahre Glückauf

Warum bis zum 100. Geburtstag warten, wenn man schon den 95. mit einem Schaumwein begehen kann? In Essen wird heute abend um 19 Uhr mit einem Sektempfang auf das fast runde Jubiläum des 1924 begründeten Filmstudios Glückauf angestoßen – inkl. Premiere von Julian Schnabels „Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit“.

Das, so die Betreiber, zu den älteste Kinos in NRW zählende Bauwerk kommt nach außen noch im Stil der 1920er Jahre daher. Im Inneren überraschen dann viele erhaltene Details der 1950 Jahre. Ab den 1980er Jahren ging es mit dem einstigen Programmkino bergab, bis bürgerschaftliches Engagement das Kulturdenkmal neu ins Bewusstsein rückte. 2009 wurde das Filmstudio nach behutsamer Sanierung wiedereröffnet und mit einem anspruchsvollen Spielplan neu positioniert. Wir gratulieren – und freuen uns jetzt schon auf den Fruchtschaumwein zum 100. Geburtstag! (kb, 13.3.19)

Essen, Filmstudio Glückauf (Bild: filmspiegel-essen.de)

Essen-Katernberg, Heilig-Geist-Kirche (Bild: Wiki05, gemeinfrei, 2008)

Essen: Böhm-Kirche soll verkauft werden

Anfang Februar hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Stadtplanung beschlossen, die Heilig-Geist-Kirche in Essen-Katernberg mit den dazugehörigen vier Gemeindebauten auf die Denkmalliste zu setzen. Auch die Initiative „Big Beautiful Buildings“ hatte die Kirche in die Reihe der ausgezeichneten Objekte aufgenommen. Der 1958 geweihte Bau entstand ebenso wie zahlreiche seiner Ausstattungsstücke nach Entwürfen des Architekten Gottfried Böhm. Der Pritzker-Preis-Träger überspannte den mit Back- und Naturstein verkleideten Baukörper mit einem gläsernen „Zelt“, aufgehängt an Stahlbeton-Dreieckspylonen. Der Neubau ersetze eine 1934 geweihte Kirche, die man in einer ehemaligen Fabrikhalle eingerichtet hatte.

Zum Ensemble gehören neben dem Kirchenraum heute ein Pfarrhaus, ein Jugendheim, ein Kindergarten und ein Küsterhaus – alle ebenfalls entworfen von Gottfried Böhm. Die Glasgestaltung von Helmut Lang wurde Mitte der 1980er Jahre um Werke von Joachim Klos ergänzt. Mitte Februar gab die Gemeinde bekannt, den Kirchenbau am Meybuschhof verkaufen zu wollen. Dem Bistum wie der Gemeinde sei, wie man der Presse gegenüber erklärte, „der besondere Wert der Kirche bewusst“. Die neue Nutzung für das Kulturdenkmal in Nachbarschaft zur Zeche Zollverein solle „möglichst dem besonderen Wert des Gebäudes entsprechen“. Noch läuft die Suche nach einem geeigneten Käufer. (kb, 28.2.19)

Essen-Katernberg, Heilig-Geist-Kirche (Bild: Wiki05, gemeinfrei, 2008)

Essen, Villa Ruhnau (Bild: Heinz Albers)

Ruhnau-Haus droht Abriss

Zugegeben, dieses Gebäude passt mit Baujahr 1905 nicht direkt in unser Portfolio. Der letzte Eigentümer hingegen umso mehr: Wir sprechen vom ehemaligen Büro und Wohnhaus des Architekten Werner Ruhnau, der – als bewusster Grenzgänger zwischen Bau- und Bildener Kunst – unter anderem das Stadttheater Münster (1955) und das Musiktheater im Revier (1959) mitplante. Seit Anfang der 1980er war Ruhnau Mieter der Stadt Essen-Kettwig, 1995 erwarb er schließlich den Bau mit der wechselvollen Geschichte: Unter der Adresse Bögelsknappen 1 residierten im Lauf der Jahrzehnte unter anderem eine Gaststätte, eine Arztpraxis, ein Kinderkrankenhaus, eine Schwesternschule und eine Musikschule.

Werner Ruhnau ist 2015 verstorben, als Erinnerung an die gemeinsam mit Yves Klein geschaffene blaue Farbkomponente im Gelsenkirchener Musiktheater steht derzeit noch eine Stele im „Gelsenkirchener Blau“ vorm Haus. Noch – denn die Ruhnau-Erben haben die Immobilie nun an einen Investor verkauft. Warum auch immer steht das Gründerzeitensemble nicht unter Denkmalschutz, auch eine erneute Überprüfung brachte kein positives Ergebnis. Somit droht der Abrissbagger: Der neue Besitzer hat auch das Nachbargrundstück erworben und plant drei neue Wohnhäuser. Essen ist nicht gerade als Perle der deutschen Architekturlandschaft bekannt. Umso erstaunlicher ist die Abrissfreudigkeit, mit der man dort den wenigen bemerkenswerten Zeugen des frühen 20. Jahrhunderts begegnet … (db, 6.2.19)

Essen-Kettwig, Wohnhaus Werner Ruhnau (Bild: Heinz Albers)

Essen, Grugahalle (Bild An-d, CC BY SA 3.0)

Essen: 60 Jahre Grugahalle

In Essen feierte kürzlich die Grugahalle ihren 60. Geburtstag. Das Jubiläum war mit einem besonderen Geschenk verbunden: die Mehrzweckhalle wurde zum Big Beautiful Building ernannt. Damit gehört das Bauwerk nun offiziell zur baulichen Nachkriegsprominenz des Ruhrgebiets. Diese Anerkennung ist nicht selbstverständlich: noch in den 1990ern diskutierte man den Abriss der Halle, die inzwischen unter Denkmalschutz steht.

Der Name GRUGA steht für Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung. Die Veranstaltung fand 1927 und 1952 auf dem GRUGA-Gelände in Essen statt. Die Grugahalle fußt entsprechend auf dem Fundament eines Vorgängerbaus aus den 1920er Jahren, der im Krieg zerstört wurde. Der elegante Neubau aus Stahl, Glas und Beton wurde 1958  von der Architektengemeinschaft Ernst Friedrich Brockmann und Gerd Lichtenhahn realisiert. Besonders die Dachkonstruktion, die mit ihren charakteristischen Schmetterlingsflügeln eine Fläche von 80 x 80 Metern überspannt, sorgte damals für Aufsehen. Die Halle bot in den folgenden Jahrzehnten neben verschiedenen Sportveranstaltungen den Beach Boys, Joan Baez, Konrad Adenauer und der Sendung Rockpalast eine Bühne. Wir gratulieren zum Geburtstag und zum verdienten Titel! (jr, 19.11.18)

Essen, Grugahalle (Bild An-d, CC BY SA 3.0)

Katharina Empl, "Bau Schmaus" (Bild: Montage des Buchcovers, Random House/DVA)

Bauschmaus

Es ist die ideale Verbindung aus lecker und lehrreich: Mithilfe der neuen Publikation „Bauschmaus“ bei Random House (DVA) können Sie mit Knäcke, Zwiebeln und etwas Courage die Oper von Sydney zaubern. Oder die Pariser Kirche Sacré-Coeur aus Schaumküssen und Schlagsahne. Die Idee zu diesem Buch- und Bastelprojekt entstand im privaten Kreis: zwei Kunstlehrerinnen, ein Kunstlehrer, ein Entwickler für Backöfen und eine Buchhändlerin suchten ein Geburtstagsgeschenk für einen gemeinsamen Freund – und schufen am Ende ihr eigenes Handbuch für Lebensmittelarchitekten.

Die Bastelvorschläge sind teils poetisch, teils humorvoll, aber immer erhellend: das Hunterwasserhaus aus Lakritzröllchen, die Elbphilharmonie aus Tilsitter, die Sagrada Família aus Reisnudeln, aus Zwieback … Die Autoren – Katharina Empl, Marie-Jeannine Félix, Maximilian Huber, Susanne Huber, Andreas Wittmann – möchten den Blick für Architektur schärftenund zum Nachmachen anregen. (kb, 21.10.18)

Empl, Katharina u. a., Bauschmaus, Random House/DVA, München 2018, Hardcover, rund 90 Farb-Abbildungen, ISBN 978-3-421-04110-4.

Titelmotiv: Katharina Empl, „Bauschmaus“ (Bild: Montage des Buchcovers, Random House/DVA)

Essen, Zeche Zollverein (Bild: © Hendrik Bohle, thelink.berlin)

Bauhaus: Vorglühen für den Geburtstag

Was für abergläugische Menschen gilt, muss Inkunabeln der Baugeschichte nicht einschränken: Der Bauhaus-Geburtstag wird vorgefeiert! Vom 13. bis 14. September 2018 (!) findet im UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen ein Symposion statt, das sich als Auftakt zum Bauhausjahr 2019 versteht. In Nordrhein-Westfalen will man den Anlass mit dem Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm „100 Jahre Bauhaus im Westen“ von 2018  bis 2020 würdigen. Unter dem Titel „Gestaltung und Demokratie“ wird das Bauhaus-Jubiläum mit dem 100. Jahrestag der Gründung der Weimarer Republik verknüpft.

Unter dem Titel „Die Welt neu denken“ will das Symposion sowohl das Neue Bauen und Gestalten im Rheinland und in Westfalen als auch die Wurzeln und Ziele einer neuen Demokratie ins rechte Licht setzen. So wollen die Veranstalter die Ideen des Bauhauses und der Weimarer Republik – den Traum von einem neuen Menschen, einer neuen Stadt, einer neuen Zeit – gemeinsam betrachten und gegenseitig beleuchten. Die fächerübergreifend angelegte Tagung will zugleich auf die Nachwirkungen, auf die bleibende und neue Aktualität der Bauhausbewegung aufmerksam machen. Das Programm ist online einsehbar, die Anmeldung ebenfalls online möglich. Die Veranstaltung ist zugleich als Fortbildung für Lehrer und Architekten anerkannt. (kb, 28.8.18)

Essen, Zeche Zollverein (Bild: © Hendrik Bohle, thelink.berlin)