Carl Fingerhuth ist gestorben

Gebaut hat er nur wenig. Geplant, geordnet, geschrieben und gelehrt umso mehr: Carl Fingerhut, 1936 in Zürich geboren, war von 1978 bis 1992 Kantonsbaumeister in Basel. Unter seiner Ägide wurden etliche historische Bauten im alten Stadtkern saniert, zudem ermöglichte er diverse Projekte der Spät- und Postmoderne. Darunter zunächst umstrittene wie die Wohnbebauung im St. Alban-Tal (1981-86, Diener + Diener Architekten) und die Neugestaltung des Rosshofs (1987/88, Studer Studer Naef/ Platzgestaltung Hannes Vogel). Letztere, vor einigen Jahren saniert, gilt heute als Schweizer Vorzeige-PoMo. 1996 wurde Basel für die Stadtreparatur der Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes verliehen – im Wesentlichen das Verdienst des Planers Carl Fingerhuth. Nach seiner Basler Zeit arbeitete er wieder im eigenen Büro und war vor allem in der Lehre tätig. Bereits 1981-86 war Fingerhuth Gastprofessor an der Virginia State University, 1988-94 Lehrbeauftragter an der ETH Zürich. Es folgten Stationen an der Universität Strasbourg (1993/94), in Darmstadt (1995-2000) und Genua (2007), daneben Lehraufträge an der ETH Zürich und in Genf.

Sein eigenes Studium absolvierte Fingerhuth an der ETH Zürich. 1964 eröffnete er sein eigenes Büro für Stadt- und Raumplanung. In jener Zeit entstand der Pavillon der Schweizer Armee “Wehrhafte Schweiz” auf der Expo 64 in Lausanne (nicht erhalten). 1973-78 zeichnete er als leitender Architekt verantwortlich für die Stadt Owerri im 1976 gegründeten Nigerianischen Bundesstaat Imo. In Deutschlandwar er neben der Lehre vor allem in Gestaltungsbeiräten aktiv, unter anderem in Halle, Mannheim, Bremen und Mainz. Auch als Buchautor war der Schweizer bis zuletzt tätig, noch 2019 erschien bei Birkhäuser das lesenswerte Resumé Menschen wie Häuser, Häuser wie Städte, Städte wie die Welt. Am 15. November ist Carl Fingerhuth im Alter von 85 Jahren in Zollikon bei Zürich gestorben. (db, 21.11.21)

Lausanne, Expo 64 “Wehrhafte Schweiz” (Bild: ETH Zürich, CC BY-SA 4.0)

Haus Dahinden im Angebot

Sie haben knapp 3,5 Millionen Euro unterm Kopfkissen und wissen nicht, wohin damit? Hier wäre das Richtige für Sie: eine Sichtbeton-Villa aus den 1970ern nahe Zürich, die deutlich von Frank Lloyd Wrights “Falling Water House” inspiriert ist. Ruhige Nachbarschaft, viel Grün rundum sowie wahrscheinlich ein Teil der stylishen Einrichtung, die auf den Maklerbildern zu sehen ist, sind verlockend. Dazu gibt es 160 Quadratmeter Wohnfläche verteilt auf fünfeinhalb Zimmer und einen in Waschbeton eingefassten Pool. Natürlich hat die Traumvilla eine Geschichte: Es handelt sich um das ehemalige Wohnhaus des Architekten Justus Dahinden, das dieser 1971/72 für seine Familie gebaut und bis 2017 bewohnt hatte.

Derzeitige Mieter sind der Architekt Marco Bakker und Dorothee Messmer, die Direktorin des Kunstmuseums Olten. Zuletzt war hier das auch Kunstprojekt “Open Curtain” der in Zürich lebenden Britin Clare Goodwin zu sehen. Und nun wartet man auf zahlungskräftige Architekturliebhaber. Justus Dahinden (*1925), der sein Studium an der ETH Zürich absolvierte und bis 1996 an der TU Wien lehrte, zeichnet unter anderem verantwortlich für das Ferrohaus in Zürich (1970), die Bibliothek der TU Wien (1984) und weltweit etliche Kirchenbauten. In Deutschland entstanden unter anderem die Kirche St. Paulus in Ingelheim (1980/81), in München das ikonische Restaurant “Tantris” (1971) sowie das Freizeitcenter “Schwabylon” (1973, abgerissen 1979). (db, 21.11.19)

Zürich, Haus Dahinden (Bild: Marco Bakker)

New Landscapes of Design 1960-80

Zwischen 1960 und 1980 wurde in Ost- und Westeuropa so viel gebaut wie nie zuvor. Architektur sollte effizient und utopisch sein, bis die Jahre 1968 und 1973 – mit ihren aufbrechenden sozialen und wirtschaftlichen Krisen – das vorherrschende Konzept von Moderne umwarfen. In diesen prägenden Jahren weiteten viele Gestalter ihr Verständnis von Bauen: An die Stelle eines “Mehr an Masse” sollte die Vernetzung von Bau und Umwelt, von Architektur und Landschaft treten. Nach der erfolgreichen internationalen Tagung ” Re-humanizing Architecture. New Forms of Community, 1950-1970″ lädt die ETH Zürich am 28. und 29. November 2014 zu einem zweiten Symposion mit dem Titel “Re-scaling the Environment. New Landscapes of Design 1960-1980” ein.

In der Reihe “East West Central” sollen nun die Architektur- und Raumplanung der 1960er und 1970er Jahre in Ost- und Westeuropa vergleichen werden. Fächerübergreifend öffnet sich die Tagung auch für Themen wie Kybernetik, Wirtschaftsplanung und Soziologie. Anhand von Fallbeispielen soll untersucht werden, wie die verschiedenen Ländern und in den beiden großen politischen Blöcken mit dem Verhältnis von Architektur und Landschaft umgingen. Besonders interessiert dabei, wie sich damals Baukünstler in Ost und West untereinander austauschten und vernetzten. (kb, 2.9.14)

Schon in den frühen 1960er Jahre wollte das “Atelier 5” mit der Siedlung Halen bei Bern modernes Wohnen und Natur verbinden (Bild: Ginkgo2g)