Saarland und Europa nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Saarland unter der französischen Militärregierung ein Masterplan für den Wiederaufbau von Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen erarbeitet. Die Besatzung setzte auf die Versöhnung beider Nationen und den Aufbruch in ein neues anderes Europa. Gleichwohl erregten die funktionalistischen Stadtbauentwürfe den Unmut der lokalen Behörden und dies nicht zuletzt, weil der einseitig zukunftsgerichteten Modernität keine Erinnerung eingeschrieben war. Diesem Zweiklang “Erinnerung und Aufbruch” widmet sich die Ringvorlesung “Das europaeische Kulturerbe im Saarland nach 1945” im Sommersemester in der Ehemaligen Französischen Botschaft in Saarbrücken (sog. Pingusson-Bau, Hohenzollernstraße 60, 66117 Saarbrücken) je um 18 Uhr.

An Themen werden geboten: 18. April, Der gebaute Europagedanke der Universität des Saarlands, Dr. Lil Helle Thomas; 2. Mai, Unterricht in Kunst und Design an der Saar, Prof. Rolf Sachsse; 16. Mai, Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion in den 1950ern, Prof. Dietmar Hüser; 23. Mai 2018, 19.30 Uhr, Vorab-Premiere des Dokumentarfilms “Der eiserne Schatz – Eine Geschichte der Völklinger Hütte” (Kino 8 ½. Saarbrücken); 30. Mai 2018, Die Kettelersiedlung, Dr. Ingeborg Besch; 13. Juni 2018, Saarbrücken und Mainz, Stadtutopien der Besatzungszeit, Prof. Volker Ziegler; 27. Juni 2018, Gründung und Aufbau der Modernen Galerie, Dr. Roland Mönig; 11. Juli 2018, Aufbruch in die Mobilität? Entstehung und Wahrnehmung der Saarbrücker Stadtautobahn, Prof. Barbara Krug-Richter. (kb, 10.4.18)

Ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken (Foto: © Marco Kany, marcokany.de)

Förderung für Saarlands Nachkriegsmoderne

Die europäische Kommission hat das kommende Jahr zum Europäischen Kulturerbejahr erklärt. Auf dem ganzen Kontinent sollen 2018  die gemeinsamen kulturellen Wurzeln der Länder der EU gefeiert werden. Deutschland will sich dabei besonders der Baukultur widmen und hat sich zum Ziel gesetzt, „das Europäische im Lokalen zu entdecken“. Ein Bundesland scheint für solche Entdeckungen besonders vielversprechend: das Saarland. Der Bund gab kürzlich bekannt, die saarländischen Aktivitäten zum Kulturerbejahr mit 200.000 Euro zu fördern.

Die Bewohner des Saarlandes musste sich im 20. Jahrhundert mehr als einmal mit der Frage nationaler Zugehörigkeit herumschlagen. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Region unter dem Mandat das Völkerbunds, bei einer Volksabstimmung 1935 entschieden sich die Saarländer fatalerweise für die Losung “Heim ins Reich”. Auf den Zweiten Weltkrieg folgte die französische Besatzung, eine kurze Zeit der Autonomie und schließlich der Beitritt zur Bundesrepublik. Diese Geschichte hat sich besonders in nachkriegsmodernen Bauten wie der französischen Botschaft von Georges-Henri Pingusson oder dem Langwellensender “Europe 1” manifestiert. 2018 werden zahlreiche Veranstaltungen, Fachtagungen und Sonderausstellungen der Geschichte dieser und anderer Bauten nachgehen. (jr, 5.8.17)

Saarbrücken, ehemalige französische Botschaft (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)