Architektur und Exil

Viele nationalsozialistisch verfolgte Baumeister mussten Deutschland nach 1933 verlassen. Eine Doppelausstellung in Hamburg beleuchtet an zwei parallelen Orten am Beispiel von fünf Architekten die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe der Emigration, die Aufnahme und den Erfolg der Exilanten in ihren Gastländern, die Entwicklung ihres architektonischen Werkes, Kontinuität oder Brüche vor und nach dem Exil. Unter ihnen sind Robert Friedmann, Oskar Gerson, Karl Schneider, Gustav Oelsner und Ernst May – der in den 1920ern nicht nur das „Neue Frankfurt“ prägte, sondern nach dem Krieg auch am Ausstellungsort sowie in Lübeck und Bremen neue Siedlungen schuf. Darunter die Neue Vahr (1956-61), die nicht erst durch einen gewissen „Herrn Lehmann“ bekannt wurde…

Auch die anderen Architekten sind mit der Stadt Hamburg biografisch verbunden: Oskar Gerson wirkte unter anderem am Sprinkenhof mit, Karl Schneider schuf den Wohnblock am Habichtsplatz in Barmbek, Gustav Oelsner verantwortete diverse Wohnsiedlungen und öffentliche Gebäude. Anlässlich der Tage des Exils werden ab dem 15.6. in der Galerie im Georgshof und in der Galerie Renate Kammer Werk und Wirken der Exilanten präsentiert. An diesem Tag bieten auch beide Häuser Eröffnungsveranstaltungen; insgesamt ist die Doppelschau bis zum 15.7. zu sehen. (db, 14.6.17)

Ernst May: „Zickzackhausen“ Frankfurt/M. (Bild: Christos Vittoratos)

 

Fritz Nathan: Biografie erschienen

Fritz Nathan: Biografie erschienen

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Fritz Nathan – Architekt (Bild: Birkhaeuser-Verlag)

Fritz Nathan avancierte Ende der 1920er Jahren zu einem renommierten Architekten der Weimarer Republik. Er machte besonders mit dem Bau des Neuen Jüdischen Friedhofs in Frankfurt am Main von sich reden. Von den Nazis ins Exil gezwungen gelang dem jüdischen Architekten in den Vereinigten Staaten der erneute Durchbruch zum etablierten Baumeister. In der Forschungsliteratur hat sich Nathans Bedeutung bisher kaum niedergeschlagen. Jüngst erschien aber eine erste monografische Biografie, die das Werk des Architekten ausführlich würdigt.

Nach einer Ausbildung bei Theodor Fischer in München und Friedrich Pützer und Georg Wickop in Darmstadt gelang Nathan 1927 mit dem Neuen Jüdischen Friedhof in Frankfurt der überregionale Durchbruch. Seine Entwürfe, die zwischen Tradition und Neuem Bauen changierten, überzeugten auch Bauherren außerhalb der Mainmetropole, wo Nathan 1923 ein Büro gegründet hatte. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ konnte der Architekt seinen Beruf jedoch nur noch schwer ausüben, 1940 emigrierte er in die Vereinigten Staaten. Trotz der Schwierigkeiten der Emigration konnte er an seine beruflichen Erfolge anknüpfen und leistete wichtige Beiträge zur modernen Synagogenarchitektur der Vereinigten Staaten. (jr, 18.11.16)

Schenk, Andreas, Fritz Nathan – Architekt. Sein Leben und Werk in Deutschland und im amerikanischen Exil, Birkhäuser Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-03821-087-0.

Architektur und Emigration 1920-50

Architektur und Emigration 1920-50

In Tansania griff May auf sein aus Frankfurt bekanntes Formenreperoire zurück (Bild: Julius Reinsberg)
In Tansania griff Ernst May auf sein Frankfurter Formenrepertoire zurück (Bild: Julius Reinsberg)

Wenn Architekten ein Wohnhaus für sich selbst entwerfen, treten künstlerische Haltungen und politische Positionen, Vorlieben und Abneigungen ihrer Urheber deutlich zutage. Darüber hinaus haben selbstverständlich auch Theorien, Debatten und architektonische Strömungen einer Epoche ihre Spuren hinterlassen. Und nicht zuletzt spiegeln sich die persönlichen Lebenssituationen der Architekten. Eine weitere Deutungsebene wächst einem solchen „eigenen Haus“ zu, wenn es in einer „fremden“ Umgebung errichtet wird. Die Tagung „Architektur und Emigration 1920-1950“, die in München vom 5. bis zum 6. Mai 2017 stattfinden soll, widmet sich Wohnhäusern, die zwischen 1920 und 1950 unter den Bedingungen einer – freiwilligen oder erzwungenen – Emigration entstanden sind.

Für diese Tagung,  suchen das Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten, Landesverband Bayern noch nach guten Themenvorschlägen wie: Welchen Ausdruck konnte Migration im Bauen von Architekten finden, wenn diese für sich selbst entwarfen? Unterscheiden sich diese Architektenhäuser in der Emigration von Auftragsarbeiten? Gibt es Reminiszenzen an die verlassene Heimat oder Reverenz an die neue Umgebung (oder beides)? Vorschläge zu diesem Themenfeld (max. 500 Wörter für eine Vortrag von 20 bis 30 Minuten, einen kurzen CV) können bis zum 31. Oktober 2016 gesendet werden an: burcu.dogramaci@lmu.de und a.schaetzke@berlin.de (kb, 4.10.16)