Das Neue Frankfurt hat einen sitzen

Heute ist die letzte Gelegenheit, die Ausstellung „Moderne am Main. 1919-1933“ im mak in Frankfurt zu besuchen. Um die gestalterischen Qualitäten dieser Epoche auch darüber hinaus erlebbar zu machen, wurden am Donnerstag zwei Frankfurter Bänke für den öffentlichen Raum eingeweiht: Reproduktionen nach dem Entwurf des Architekten Ferdinand Kramer aus den 1920er Jahren. Sie waren früher in Frankfurter Parks und Grünflächen anzuteffen. An zwei Stellen in der Stadt Frankfurt am Main – im Metzlerpark und am Mainufer – wurden sie im Tausch mit bestehenden Parkbänken permanent installiert.

Die Akteure des Neuen Frankfurt revolutionierten nicht nur den Wohnungsbau an, sondern auch die Gestaltung des öffentlichen Raums. Die Stadt sollte durch wiederkehrende, durchdacht entworfene Elemente gegliedert und zu einer Einheit zusammengefasst. Einer der damaligen Bankeentwürfe von 1927, der leider aus dem Stadtbild verschwunden war, wurde nun in Kooperation mit der tatcraft GmbH, einem Frankfurter Startup, in witterungsbeständigem Douglasienholz reproduziert. Durch einen Patenaufruf, u. a. in Kooperation mit dem Stadtmagazin Journal Frankfurt, konnten Stifter gefunden werden, die die Installation der neuen Bänke im öffentlichen Raum ermöglichten. Die Parkbank im Metzlerpark wurde gestiftet von der Dieter und Ingeborg Rams Stiftung. Eine weitere Parkbank wurde von Konstantin Sold gestiftet. Bei der Installation der Bänke im öffentlichen Raum wurde das Museum Angewandte Kunst durch das Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main unterstützt. (kb, 14.4.19)

Parkbank, Exponat der Ausstellung „Moderne am Main 1919-1933“ im Museum Angewandte Kunst (Bild: © Museum Angewandte Kunst, Foto: Wolfgang Günzel)

Kramer zum Umhängen

Ferdinand Kramer verbindet man in erster Linie mit den nüchtern-modernen Universitätsbauten, die er beim Wiederaufbau der Frankfurter Goethe-Universität in den 1950er und 1960er Jahren baute. Dabei beschränkte er sich nicht auf die Planung der Gebäude, sondern entwarf in vielen Fälle auch gleich das passende Mobiliar dazu. Nun erfährt eine Arbeit Kramers aus einer ganz anderen Richtung eine Wiederauflage: eine Handtasche, die der Architekt 1963 entworfen hatte.

Das Unikat entstand ursprünglich aus einer privaten Verlegenheit: Als Kramer kein passendes Geschenk für seine Ehefrau finden konnte, entwarf er kurzerhand selbst Handtasche und Abendkleid für die Gattin. Das Frankfurter Label Tsatsas nahm den schlicht-eleganten Entwurf nun zur Vorlage einer kleinen Handtaschenkollektion. Die ursprüngliche Handtasche wurde dabei nur leicht verändert, da die zeitlose Form bis heute modern wirkt. Die Handtasche ist nicht die erste Wiederauflage eines Kramermodells. So hat die Firma e15 seit 2013 verschiedene Möbel nach Entwurf des Architekten im Sortiment. (jr, 26.1.18)

Kramer-Handtasche (Bild: TSATSAS)

C. Julius Reinsberg erhält Bethmann-Studienpreis

„Der Internationale Stil des Neuen Frankfurt. Zum transnationalen Kulturtransfer in der Architektur-, Stadtplanungs- und Designgeschichte 1925-1960“ – oder etwas kürzer: Das Neue Frankfurt ist nicht dasselbe wie das Bauhaus. Der Historiker C. Julius Reinsberg hat in seiner jüngst abgeschlossenen Promotion herausgearbeitet, wie sich um Baukünstler wie Ernst May, Martin Elsaesser, Ferdinand Kramer und Margarete Schütte-Lihotzky eine einmalige Expertenkultur mit einem umfassenden sozialen Anspruch herausbildete, der bis in die Nachkriegszeit hinein international wirkte. Reinsberg ist Mitherausgeber von moderneREGIONAL und arbeitet seit 2017 als Geschäftsführer der Frankfurter ernst-may-gesellschaft.

Für die Jury des 1984 gestifteten Johann Philipp von Bethmann-Studienpreises erweitert die Arbeit von Reinsberg in hervorragender Weise „die wissenschaftliche Basis zur Erforschung der Frankfurter Geschichte“. Prof. Christoph Cornelißen (Frankfurt am Main), Doktorvater des Ausgezeichneten, hatte das Projekt nicht allein fachlich, sondern auch sprachlich anempfohlen: „Das schnörkellos geschriebene Manuskript liest sich hervorragend.“ Der mit 5.000 Euro dotiert Preis wurde gestern Abend in einer Feierstunde im Dormitorium des Instituts für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster durch die Kulturdezernentin Ina Hartwig überreicht. Vertreter der Familie des Stifters waren ebenfalls Gäste der Preisverleihung. Wir gratulieren herzlich! (db/kb, 20.12.17)

Julius Reinsberg (Bild: privat)