Fernsehen

Lübow, Ladenwarenhaus (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-71699-0003, CC BY SA 3.0, 1960)

Als Fernseher noch vermöbelt wurden

Allen Unkenrufen vom sterbenden Medium zum Trotz ist der Fernseher hierzulande noch immer das Zentrum diverser Wohnzimmer. Eigens für ihn entworfene Anrichten setzen den meist flachen Bildschirm in altarhafter Manier in Szene und bieten DVD-Player und weiterem Zubehör Raum. Doch das war nicht immer so: die ersten Geräte, die für den Heimgebrauch angeboten wurden, antizipierten ihr neues Umfeld und eroberten das Wohnzimmer in hölzerner Tarnung. Eine jüngst erschienene Untersuchung nimmt diese Medien-Vermöbelung in den Blick und sucht nach Rückschlüssen auf die bundesrepublikanische Wohnkultur.

Der Fokus liegt auf den mächtigen Geräten der 1950er und 60er Jahre. Mit der Analyse von historischem Quellenmaterial aus Einrichtungs- und Programmzeitschriften, Werbeanzeigen und Fernsehfibeln stellt die Studie dabei einen Kulturvergleich mit den USA an. Doch so historisch, wie der Gegenstand auf den ersten Blick scheint, ist die Vermöbelung des Fernsehers gar nicht: 2012 brachte ein großer schwedischer Möbelhersteller eine Einrichtungskombination auf den Markt, die, so versprach die Werbung, „Fernsehen, Soundsystem und Möbelstück […] endlich [!] vereint“. (jr, 25.10.18)

Miggelbrink, Monique, Fernsehen und Wohnkultur. Zur Vermöbelung von Fernsehgeräten in der BRD der 1950er- und 1960er-Jahre, transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4253-7.

Landwarenhaus, Lübow, 1960 (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-71699-0003, CC BY SA 3.0)

„Puppen-Lange“ ist tot

Briefmarke, DDR, 1964 (Scan: Nightflyer, via wikimedia Commons)
„Pitti“ 1964 auf einer DDR-Briefmarke (Scan: Nightflyer, via wikimedia commons)

Wenn jemand den Beruf „Puppenmacherin“ in den Adelsstand erhoben hat, dann war es Emma-Maria Lange. Sie schuf um 1960 Klassiker des DDR-Kinderfernsehens: Pittiplatsch und Schnatterinchen, von ihren engeren Freunden kurz Pitti und Schnattchen genannt. Erdacht wurden die anarchischen Begleiter des Sandmännchens von Heinz Schröder, Friedgard Kurze, Ingeborg und Günther Feustel, doch gestaltet hat sie Emma-Maria Lange. Geboren am 11. März 1921 im württembergischen Wasseralfingen, schulte sie sich noch während des Zweiten Weltkriegs in München in künstlerischen Abendkursen, um anschließend Bildhauerei an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee zu studieren.

1958 gründete Lange schließlich ihre berühmt gewordene Puppenmanufaktur in Berlin und Teltow. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Arbeiten für Kindersendungen, doch arbeitete sie in den kommenden Jahrzehnten dagegen an, darauf beschränkt zu werden. Erst im hohen Alter schuf sie Werke im öffentlichen Raum, so eine Skulptur in Kleinmachnow sowie 2012 die gegenständlichen „Zille-Gören“ im brandenburgischen Stahnsdorf. Emma-Maria Lange verstarb am 4. Mai 2016 in Potsdam im Alter von 95 Jahren nach einem Schlaganfall. Am 17. Mai soll im Landarbeiterhaus in Kleinmachnow, ihrem letzten Wohnort, zwischen 15 und 17 Uhr ein Kondolenzbuch ausliegen. (kb, 12.5.16)

Schauplatz Tatort

Schauplatz Tatort (Bild: Callwey-Verlag)
Damit lässt sich die Zeit bis zum nächsten Tatort gut überbrücken (Bild: Callwey-Verlag)

Es gibt nur zwei wahre Glaubensrichtungen: Die einen schauen am Sonntag Rosamunde Pilcher, die anderen wählen den Tatort. Nun gibt es einen Grund mehr, zu dieser ältesten Krimireihe im deutschen Fernsehen umzuschalten. Seit 1970 wurde die Sendung mehr als 850-mal ausgestrahlt. Jeden Sonntag sehen mehr als 8 Millionen Zuschauer zu. Und jedes Ermittler-Team setzt regelmäßig eine andere deutsche Großstadt oder Region in Szene.

Mit ihrem Buch „Schauplatz Tatort“ blicken die Autoren Udo Wachtveitl, Alexander Gutzmer, Guido Walter und Oliver Elser erstmals hinter die Kulissen auf die Film-Architektur der Serie. Durch Interviews mit unterschiedlichen Akteuren wie einem Regisseur, einem Designer und natürlich den Kommissaren erhält der Leser spannende Informationen rund um die Schauplätze und ihre architektonische Inszenierung. Und in vielen grafischen Übersichten kommt im Buch jede Krimi-Region zu ihrem Recht. (kgb, 1.6.14)

Udo Wachtveitl u. a., Schauplatz Tatort. Die Architektur, der Film und der Tod, Verlag Callwey, 2013, gebunden, 192 Seiten, 29 x 26 cm, ISBN 978-3766720528.