Die Rathauspassagen – Träume in Beton

Es wird kälter und das bunte Herbstlaub weicht langsam der Monochromie des Winters. Das muss für Architekturfans aber kein Grund für einen Winterblues sein: Die Initiative Offene Mitte Berlin veranstaltet am 26. November um 18 Uhr einen Filmabend, der sich den Berliner Rathauspassagen widmet. Die Veranstaltung ist Teil der Ausstellung zum 50. Jubiläum des benachbarten Fernsehturms. Gezeigt wird Oliver Päßlers dokumentarischer Film „Straße Nummer Eins“, der die Geschichte der Rathauspassagen bis in die jüngste Vergangenheit verfolgt und dabei auch Erbauer und Bewohner zu Wort kommen lässt. Nach dem Film folgt ein Gespräch mit dem Architekten Dietmar Kuntzsch, der im Planungskollektiv entscheidend an den Rathauspassagen mitwirkte.

Der zwischen 1967 und 1972 nach Entwürfen eines Kollektivs um Heinz Graffunder entstandene Komplex weist konzeptionelle Parallelen zu Le Corbusiers Unités auf. Neben Wohnungen gab es hier auch Arztpraxen, Büros, Gemeinschaftsträume und nicht zuletzt eine Vielzahl von Geschäften, die die Rathauspassagen zu einem der wichtigsten Einkaufszentren der DDR machte. Wer dabei nun an fantasielose Architektur der Standardisierung denkt, der irrt. Die baukünstlerische Ausstattung samt Fayencen und Springbrunnen wirkte fast so, als ob sie mit den absolutistischen Zeugnissen des alten Berlin wetteifern wollte. (mk, 23.11.19)

Berlin, Rathauspassagen (Bild: Initiative Offene Mitte Berlin)

Berlin: 50 Jahre Fernsehturm

Vor 50 Jahren wollten viele (Ost-)Berliner hoch hinaus, als am 3. Oktober 1969 der Fernsehturm eröffnet wurde. Das prestigeträchtige Bauwerk ist bis heute das höchste Gebäude Deutschlands und zieht Jahr für Jahr zahlreiche Besucher in seinen Bann. So unumstritten war der Fernsehturm allerdings nicht von Beginn an, wie eine Ausstellung der Initiative Offene Mitte Berlin in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt Berlin zeigt. Der bauliche Griff nach den Sternen war mitten im Kalten Krieg eine Provokation. Daher verwundert es nicht, dass Sowjetunion und USA in der Baugeschichte des Fernsehturms eine wichtige Rolle spielen.

Wie der Titel „50 Jahre Berliner Fernsehturm – zwischen Alltagsleben und Weltpolitik“ bereits andeutet, beleuchtet die Ausstellung die politischen Kontroversen und das (sub-)kulturelle Geschehen im und um den Berliner Fernsehturm. Pünktlich zum 50. Jahrestag findet am 3. Oktober 2019 um 12 Uhr auf dem Freigelände um den Fernsehturm die Vernissage statt. Nach der Begrüßung wird es eine Führung durch die Ausstellung geben. (mk, 2.10.19)

Berlin, Arbeiter beim Bau des Fernsehturmes, 1967 (Bild: Copyright ddrbildarchiv.de/Klaus Morgenstern)