Schlagwort: Film

Lino Salini: Martin Elsaesser (Bild: PD)

Martin Elsaesser und die Sonneninsel

Martin Elsaesser zählte in der Weimarer Republik zu den renommiertesten Architekten des Landes. Als Stadtbaudirektor zeichnete er für diverse Bauten des Neuen Frankfurt verantwortlich. Das bekannteste ist sicherlich die Großmarkthalle, heute ein wesentlicher Bestandteil des Hauptsitzes der EZB. 2017 produzierte Elsaessers Enkel Thomas einen Film, der das Leben des Großvaters in den Blick nimmt. Er wird am 16. April im 22.45 auf 3sat ausgestrahlt. Bereits am 6. April ist er im Deutschen Filmmuseum und am 8. Mai  im Kino auf Naxos zu sehen.

Die großen Erfolge des Architekten spielen dabei jedoch nur am Rande eine Rolle. Die Film konzentriert sich vielmehr auf die 1930er Jahre, die Elsaesser nach der „Machtergreifung“ der Nazis weitgehend zur beruflichen Untätigkeit verdammten. In Berlin widmete sich seine Familie indes dem Aufbau einer an Selbstversorgung und Kreislaufwirtschaft orientierten Kleinkolonie, der titelgebenden „Sonneninsel“. Pikantes Detail: Initiator des Bauprojekts war der Landschaftsarchitekt Leberecht Migge, ein früherer Kollege Elsaessers, der eine offene Liaison mit dessen Frau Liesel führte. Der Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser hat die verworrene Familiengeschichte, die sich in zahlreichen Amateuraufnahmen seines Vaters erhalten hat, zu einer persönlichen und äußerst sehenswerten Dokumentation verarbeitet. Wir empfehlen: eischalten! (jr, 31.3.18)

Lino Salini: Martin Elsaesser (Bild: PD)

City Everywhere

Mit seiner Berufsbezeichnung dürfte Liam Young so manchen deutschen Finanzbeamten ins Schwitzen bringen: Spekulativer Architekt. Er schafft zukünftige Räume zwischen Design, Architektur und Science Fiction. Damit ist er Gründer und Mitglied der Gruppe „Tomorrows Thoughts Today“, die sich künstlerisch mit den fantastischen und bedrohlichen Seiten unseres heutigen Urbanismus auseinandersetzt. Liam Young entwickelt in seinen Projekten fiktionale kritische Bilder davon, wohin uns unser Städtebau bringen könnte. Für sein Video „City Forever“ taucht er ein in die Hochhausschluchten einer modernen Großstadt, wie sie heute zu erahnen ist und morgen schon aussehen könnte.

Der Betrachter seiner Arbeit schaut durch die Augen einer Maschine, die an ein Computerspiel oder eine Drohne erinnert, auf die autonomen Strukturen menschenleerer Industrieanlagen und Wohnblöcke. Die ACUD Galerie Berlin (Veteranenstr. 21, 10119 Berlin) lädt am 3. März von 19 bis ca. 21 Uhr zur Finissage von „Chapter One: Imagination (Karma Ltd. Extended)“ zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit moderner Architektur: zur Lecture Performance „City Everywhere“ von Liam Young. Um vorherige Reservierung wird gebeten unter: karma@acudmachtneu.de. (kb, 1.3.18)

Titelmotiv: Liam Young, City Everywhere (Video-Still)

Faller-Bausatz "Villa im Tessin" (Bild: faller.de)

moderneREGIONAL baut eine Villa im Tessin

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten Edwin und Hermann Faller in Gütenbach ein Produkt, das bald in keinem Hobbykeller fehlen durfte: „Häuschen“-Bausätze für die Modelleisenbahn. Im Schweiz-Urlaub waren die Brüder von einem futuristischen Bungalow derart begeistert, dass sie sich daheim im Schwarzwald ein ähnliches Haus errichten ließen. 1961 nahmen sie dann den Bausatz „Villa im Tessin“ in ihr Programm auf, der zum Klassiker werden sollte. Im Wahljahr 1972 überschrieb der Plakatkünstler Klaus Staeck das Foto eines Appartementhauses mit: „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“. Damit spiegelt ein kleines Stück Plastik mehrere Jahrzehnte bundesdeutscher (Architektur-)Geschichte.

Die Wanderausstellung „märklinMODERNE“ zeigt an diesem und anderen Beispielen, wie die „große“ Architektur den Weg in den Modellbau fand – und umgekehrt. Im Sommer 2018 starten wir im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt und in der Architekturgalerie am Weißenhof Stuttgart. Für den „Film zur Ausstellung“ reist Otto Schweitzer von Berlin bis ins Tessin, zu Modellbaufreunden wie dem Architekturkritiker Falk Jaeger und dem Plakatkünstler Klaus Staeck. So werden nicht nur die (Modell-)Häuser, sondern auch die mit ihnen verbundenen Menschen und ihre Geschichten sichtbar. Um den Film finanzieren zu können, brauchen wir eure Unterstützung: Besucht unsere Crowdfunding-Aktion mit attraktiven „Dankeschöns“ und werdet Teil von „märklinMODERNE“: www.startnext.com/maerklinmoderne/. (db/kb/jr, 15.9.17)

Jane Jacobs 1963 (Bild: PD)

Kinosommer für Architektophile

Wem das aktuelle Mainstreamkino zu langweilig ist, der findet in Wien eine gute Alternative: Am Mittwoch, dem 9. August beginnt im hiesigen Architekturzentrum der Architektur.Film.Sommer 2017. Es ist bereits die fünfte Auflage des Filmfestivals, das als Open-Air-Veranstaltung im Hof des Architekturzentrums stattfindet. Einen Monat lang kommen Architekturfreunde hier jeden Mittwoch auf Ihre Kosten. Los geht’s jeweils um 20.30 Uhr.

Dieses Jahr steht die Veranstaltungsreihe unter dem martialischen Motto „Kampf um die Stadt“. Den Auftakt bildet ein Kinoabend, der am 9. August unter dem Titel „Die Zukunft von gestern“ den Planungsparadigmen der Nachkriegsmoderne nachgeht. Auf dem Programm steht unter anderem der kürzlich vollendete Dokumentarfilm „Citizen Jane: Battle for the City“, der die Auseinandersetzung der Architekturkritikerin Jane Jacobs mit der New Yorker Baupolitik beleuchtet. Der nächste Kinoabend mit dem Titel „Die Arbeiter*innen verlassen die Stadt“ widmet sich am 16. August dem Verschwinden der klassischen Arbeiterklasse aus den Städten, eine Woche später fragt der Themenabend „Rast-los“ nach dem Leben mobiler Großstädter. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet der Kinoabend am 30. August, der dem Thema „Leerstand in der wachsenden Stadt“ gilt. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung nach drinnen verlegt, dies sei aber nur der Form halber erwähnt. (jr, 9.8.17)

Jane Jacobs 1963 (Bild: PD)

What happened when we built UTOPIA?

"Your new Home in Basildon" (Buchcover)
„Your new Home in Basildon“ – mit dieser Handreichung wurden künftige Bewohner auf ihr neues Heim in Basildon vorbereitet

Alle wollen nur Ihr Geld? Dieses Projekt möchte Ihre Begeisterung – und Ihr Geld. Das Dokumentarfilmprojekt „New Town Utopia“ sammelt per Crowdfunding online die nötigen Gelder, um weitermachen zu können. Es geht um die Utopien der britischen „New Town“-Bewegung, die Nachkriegs-Neubaugebiete am konkreten Beispiel von Basildon (Essex). Nach vier Jahren „serious hard work“ wollen die Filmemacher nun ihre Ergebnisse in einen Film zusammenbinden.

Ihr Ziel ist es, britische Sozialgeschichte an der Frage zu verdeutlichen: Haben die Menschen den Ort oder hat der Ort die Menschen „gemacht“? Basildon ist als größte Siedlung in der ersten „Welle“ der „New Towns“ besonders aussagekräftig. So können ihre einstmals so progressiven städteplanerischen Konzepte, öffentliche Kunst und Architektur heute darüber Auskunft geben, was aus der einstigen Utopie geworden ist. Das Team hinter dem Projekt „New Town Utopia“ umfasst den selbst in Essex aufgewachsenen Producer-Director Christopher Ian Smith und als Executive Producer Margaret Matheson. Neben finanziellen Beiträgen finanziellen Beiträgen können ideelle Unterstützer n ihrem Umfeld über das Projekt berichten, den Link (#newtownutopia) verbreiten und sich weiter über das Projekt in den Social Media informieren. (kb, 31.8.16)