Hannover im Film

Sie sind immer noch auf der Suche nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk für die anspruchsvollen Modernisten in ihrem Freundeskreis? Dann könnten wir etwas für Sie haben! Das Filminstitut Hannover überträgt sukzessive die historischen Filmansichten der Niedersachsen-Metropole auf DVD. Jüngst erschien die 20. Ausgabe der Reihe, zu sehen ist unter anderem den Bau des Anzeiger-Hochhauses. Der markante Backsteinbau von Fritz Höger aus den Jahren 1926/27 war das erste Hochhaus der Stadt und eines der ersten im Deutschen Reich.

Die DVD-Edition geht auf das 2004 begonnene Projekt “Sicherung, Nutzbarmachung und Präsentation der Hannover Filme” der Gesellschaft für Filmstudien zurück. Ziel war es, die 16 mm-Kopie, die in zahlreichen Archiven der Stadt lagerten und dem Verfall entgegendämmerten, zu erfassen, zu restaurieren und schließlich in das digitale Zeitalter zu überführen. Bisher sind unter anderem die Filme “Ein Sommertag im Zoo” (1971), “Alle machen mit. Der Wiederaufbau von Hannover” (1960) und “Sinnvolle Freizeit” (1962) erschienen. (jr, 4.12.18)

Anzeiger-Hochhaus, Hannover (Bild: ChristianSchd, CC BY SA 3.0)

Weißenhof-Report

Die Weißenhofsiedlung gilt heute als eines der wichtigsten Zentren des Neuen Bauens. Spätestens seit der Erhebung von Le Corbusiers Beitrag zum UNESCO-Welterbe ist sie weit über Expertenkreise hinaus bekannt. Gisela Reich antizipierte diese Bedeutung schon in den 1960er Jahren und setzte sich in der Dokumentation “Stuttgart Weissenhofsiedlung. 1927: Architektur als Herausforderung” mit dem Ensemble auseinander. Der große Mehrwert im Vergleich zur Gegenwart: Viele der Architekten standen für ein Interview zur Verfügung. Am 25. November 2018 wird der Film um 11.15 Uhr im Bertha-Benz-Saal im Haus der Wirtschaft (Willi-Bleicher-Straße 19, 70174 Stuttgart) erneut zur Aufführung gebracht.

In der Dokumentation von 1967 kommen die Architekten Hans Scharoun, Richard Döcker, Max Taut, Alfred Roth und Max Bächer zu Wort und kommentieren ihre eigene Arbeit. Die Weißenhofsiedlung entstand 1927 als Teil der Werkbundausstellung “Die Wohnung” und setzte dem Neuen Bauen in Stuttgart ein dauerhaftes Denkmal. Die Vorführung ist Teil des Thementages 100 Jahre Bauhaus der Stuttgarter Buchwochen. Anja Krämer, Museumsleiterin des Weißenhofmuseums, kontextualisiert den Film mit einem anschließenden Kommentar und ergänzenden Anmerkungen. (jr, 12.11.18)

Stuttgart, Weißenhofsiedlung, Haus Scharoun (Bild: Runner1928, CC BY SA 3.0)

Martin Elsaesser und die Sonneninsel

Martin Elsaesser zählte in der Weimarer Republik zu den renommiertesten Architekten des Landes. Als Stadtbaudirektor zeichnete er für diverse Bauten des Neuen Frankfurt verantwortlich. Das bekannteste ist sicherlich die Großmarkthalle, heute ein wesentlicher Bestandteil des Hauptsitzes der EZB. 2017 produzierte Elsaessers Enkel Thomas einen Film, der das Leben des Großvaters in den Blick nimmt. Er wird am 16. April im 22.45 auf 3sat ausgestrahlt. Bereits am 6. April ist er im Deutschen Filmmuseum und am 8. Mai  im Kino auf Naxos zu sehen.

Die großen Erfolge des Architekten spielen dabei jedoch nur am Rande eine Rolle. Die Film konzentriert sich vielmehr auf die 1930er Jahre, die Elsaesser nach der “Machtergreifung” der Nazis weitgehend zur beruflichen Untätigkeit verdammten. In Berlin widmete sich seine Familie indes dem Aufbau einer an Selbstversorgung und Kreislaufwirtschaft orientierten Kleinkolonie, der titelgebenden “Sonneninsel”. Pikantes Detail: Initiator des Bauprojekts war der Landschaftsarchitekt Leberecht Migge, ein früherer Kollege Elsaessers, der eine offene Liaison mit dessen Frau Liesel führte. Der Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser hat die verworrene Familiengeschichte, die sich in zahlreichen Amateuraufnahmen seines Vaters erhalten hat, zu einer persönlichen und äußerst sehenswerten Dokumentation verarbeitet. Wir empfehlen: eischalten! (jr, 31.3.18)

Lino Salini: Martin Elsaesser (Bild: PD)