Pekka Pitkänen und die finnische Moderne

Bei DOM Publishers ist erstmals eine englischsprachige Monografie über den finnischen Architekten Pekka Pitkänen erschienen. Obwohl der Architekt außerhalb Finnlands bislang kaum Bekanntheit genießt, war eine solche Würdigung überfällig, denn er prägte maßgeblich die klare Nachkriegsmoderne seines Heimatlands. 1927 geboren, eröffnete er im südfinnischen Turku Mitte der 1950er Jahre ein Architekturbüro. Seine Bauten entstanden hauptsächlich in der Umgebung der nach Einwohnern immerhin sechstgrößten finnischen Stadt. Bekannt wurde er mit einer 1967 fertiggestellten Friedhofskapelle in Turku, die sich durch ihre geometrischen, geschlossenen Baukörper klar von der umgebenden Kulisse des Nadelwalds absetzt.

Als weiterer Meilenstein im Werk Pitkänens kann die Erweiterung des finnischen Parlaments gelten, die er 1978 gemeinsam mit Ola Laiho und Ilpo Raunio umsetzen konnte. In seinen letzten Jahren konzentrierte er sich auf öffentliche Bauten wie das Gericht von Turku (1997). Auf über 200 Seiten beleuchtet nun der Autor Mikko Laaksonen das breite Werk Pitkänens. Neben zahlreichen Abbildungen sollen in das Buch auch die unveröffentlichten Memoiren des Architekten eingeflossen sein. (mk, 4.2.21)

Laaksonen, Mikko, Concrete Modernism in Finland. Pekka Pitkänen 1927–2018, Dom Publishers, Berlin 2021, 21 x 23 cm, 204 Seiten, 350 Abbildungen, Softcover, ISBN: 978-3-86922-744-3.

Turku, Runosmäen koulu (Bild: © Samuli Lintula, CC BY SA 3.0, 2008)

Tapio Wirkkala in Leipzig

Tapio Wirkkala in Leipzig

Tapio Wirkkala Eisbergvase(Bild: Timo Syrjänen)
Für seine Eisbergvase ließ sich Tapio Wirkkala von seiner finnischen Heimat inspirieren  (Bild: Grassi-Museum, Timo Syrjänen)

Der Designer Tapio Wirkalla (1915-85) zählt zu den erfolgreichesten Formgestaltern des 20. Jahrhunderts. Der Absolvent der Hochschule für Kunst und Design Helsinki erfreute sich spätestens seit den 1950er Jahren internationalen Renommees, seine Produkte finden sich bis heute in zahlreichen Haushalten Finnlands und der Welt. In Leipzig widmet das Grassi-Museum dem Designer die Ausstellung “Tapio Wirkkala. Finnisches Design. Glas und Silber – Glas und Silber”. Die Schau wurde vom Finnischen Glasmuseum Riihimaki konzipiert und war bereits in Finnland und Spanien zu sehen.

Wirkalla lieferte einen bedeutenden Beitrag zur organischen Gestaltung. Dabei ließ er sich insbesondere von Formen inspirieren, die ihm in der natürlichen Umwelt seiner Heimat Finnland begegneten. Er wurde zu einem prägenden Protagonisten einer spezifisch skandinavischen Moderne, die internationale Bekanntheit erlangte. Die Ausstellung versammelt rund 250 Objekte aus Glas und Silber, die in den Jahren zwischen Mitte der 1940er und Mitte der 1970er Jahre für verschiedene Auftraggeber entstanden. Sie ist bis zum 3. Oktober 2016 zu sehen. (jr, 22.8.16)

Aus dem Gastland der Buchmesse

Das Gastland der Frankfurter Buchmesse ist traditionell auch Ausstellungs-Thema im Deutschen Architekturmuseum (Bild: DAM)
Das Gastland der Frankfurter Buchmesse ist traditionell auch Ausstellungs-Thema im Deutschen Architekturmuseum (Bild: DAM)

Der Blick nach Finnland, ins diesjährige Gastland der Buchmesse, hat die deutsche Baukunst der 1960er und 1970er Jahre entscheidend geprägt. Dieses Land ist nun auch Ausstellungsthema im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt (DAM). Im Rahmen des Messe-Begleitprogramms präsentieren die Hessen mit dem Museum of Finnish Architecture und dem Architecture Information Centre Finland “Suomi Seven” – die zweite Generation moderner finnischer Architekten, die in den 1970er und 1980er Jahren geboren sind. Die Werke von sieben Büros sind bis Januar 2015 nun im Ungers-Bau am Frankfurter Schaumainkai zu sehen.

Dank der finnischen Tradition der offenen Architekturwettbewerbe hatten viele Baukünstler bereits früh in ihrer beruflichen Laufbahn die Möglichkeit, an großen Projekten zu arbeiten. Die Zukunft der Architektur aus dem Land der 1.000 Seen liegt nun in den Händen einer aufstrebenden Generation global vernetzter Gipfelstürmer. Das Bild zeigt das Kilden Theater- und Konzerthaus in Kristiansand, Norwegen, das das Büro ALA Architects Ltd. entwarf. Und wer keine Zeit hat, die Ausstellung zu besuchen, kann für 16 Euro den Katalog beim DAM erwerben. (db, 6.10.14)