Fotografie

Auf dem Rummelplatz, Berlin, 1969 (Bild: © Roger Melis Nachlass)

Die Ostdeutschen

Roger Melis (1940-2009) gilt als führender Vertreter des ostdeutschen Fotorealismus. Bekannt wurde er in den 1960er und 1970er Jahren vor allem für seine Künstlerporträts – ob Anna Seghers, Heiner Müller, Christa Wolf, Sarah Kirsch oder Wolf Biermann. Mit der Kamera dokumentierte der Berliner Fotograf aber ebenso die unbekannten Bewohner der DDR zwischen dem Bau und dem Fall der Mauer. Über drei Jahrzehnte hielt Melis so ganz unideologisch das Alltagsleben im „Arbeiter und Bauern“-Staat fest.

Die Ausstellung „Roger Melis. Die Ostdeutschen“ ist vom 12. April bis zum 28. Juli 2019 zu sehen in der Berliner Reinbeckhallen (Reinbeckstraße 17). Die Vernissage wird am 11. April um 19 Uhr begangen. Die von der Stiftung Reinbeckhallen ausgerichtete und von Mathias Bertram kuratierte Ausstellung – eine Kooperation mit der LOOCK Galerie und dem Roger Melis Archiv – bildet die bislang umfangreichste Retrospektive der DDR-Fotografien von Roger Melis. Begleitend erscheinen im Lehmstedt Verlag „Die Ostdeutschen“ mit Reportagen und Porträts aus dem Nachlass des Künstlers sowie eine zweisprachige Neuausgabe von „In einem stillen Land“. (kb, 18.2.19)

oben: Auf dem Rummelplatz, Berlin, 1969; unten: Eva-Maria Hagen, Berlin, ca. 1965 (Bilder: © Roger Melis Nachlass)

Karl Blossfeldt: Haarfarn. Junge, noch eingerollte Wedel, o. J. (Bild: © Courtesy, Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln in Kooperation mit der Sammlung Karl Blossfeldt in der Universität der Künste, Berlin, Universitätsarchiv, 2019)

Rein pflanzlich

Fotografie ist Hilfsmittel. Fotografie ist Kunst. Stimmt alles, irgendwie. Karl Blosfeldt (1865-1932) etwa erstellte seine spätere berühmt werdenden Pflanzenaufnahmen zunächst als Vorlage für Zeichenschüler. Dabei hat er seine floralen Motive so gekonnt ins Graphische übersteigert, dass schon seine Zeitgenossen darin Kunst sahen. Den einen gilt er damit als Vertreter eines nüchternen Jugendstil, andere sehen bei ihm schon Anklänge an die Neue Sachlichkeit.

Die Ausstellung „Poesie der Pflanzen“, eine Präsentation der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur Köln, ist vom 22. Februar bis zum 21. Juli 2019 zu sehen. Dabei werden Aufnahmen von Blossfeldt den Werken des zeitgenössischen Fotokünstlers Jim Dine gegenübergestellt, der drei Jahre nach Blossfeldts Tod geboren wurde. Beide nähern sich der Welt der Pflanzen weniger mit botanischem Interesse, als vielmehr mit einem Auge für die darin verborgenen Formen. So wird Florales zur Graphik, zur Skulptur – und verbindet damit gleich mehrere Kunstgattungen Generationen von Fotografen. (kb, 2.2.19)

Karl Blossfeldt: Haarfarn. Junge, noch eingerollte Wedel, o. J. (Bild: © Courtesy, Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln in Kooperation mit der Sammlung Karl Blossfeldt in der Universität der Künste, Berlin, Universitätsarchiv, 2019)

Kalender "Bauhaus 2019" (Foto: Sebastian Wanke)

Bauhaus aus der Luft

Weihnachten ist auch dieses Jahr wieder am 24. Dezember – daher haben wir wieder einen Geschenketipp für Sie: ein saisonaler Wandschmuck mit Luftfotografien zum Thema Bauhaus. Der Fotograf Sebastian Wanke nahm das Jubiläumsjahr 2019 zum Anlass für 13 Luftbilder. So werden die technischen und gestalterischen Entwicklungen in graphischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf ganz neue Weise erfahrbar. Der Kalender (20 x 30 cm, 330-Gramm-Papier) entstand in Kooperation mit Philipp Specht in einer limitierten Auflage von 200 Exemplaren, die Bestellung ist direkt möglich über selekkt. Ein Plus: In den Kalender wurden schon die wichtigsten Bauhausdaten und die Geburtstage der dortigen Meister eingetragen.

Und, passend zum Jubiläumsjahr, steht auch eine Krefelder Tagung ganz im „Zeichen des Bauhauses“: Im Kaiser-Wilhelm-Museum geht es vom 3. bis 4. Mai 2019 um „Kunst und Technik 1919-2019“. Für diese Jahrestagung der Gesellschaft für Designgeschichte e. V. werden noch Themenvorschläge gesucht – unter dem Motto von Walter Gropius zur ersten Bauhaus-Ausstellung 1923 im Haus Am Horn in Weimar, „Kunst und Technik – eine neue Einheit“. Abstracts (350 bis 400 Wörter und eine Kurzbiografie) für einen thematisch passenden Vortrag sind willkommen bis zum 7. Januar 2019 unter: info@gfdg.org. (kb, 3.12.18)

Wandkalender "Betonkunst in der DDR" von Martin Maleschka (Bild: Martin Maleschka)

Geschenke für Ostmodernisten

Da sucht man ein Geschenk für die Hochzeit eines Freundes – und die Ostmoderne-Community gibt einem so viele tolle Tipps, dass es gleich für mehrere Hochzeiten reichen könnte. Daher möchten wir Ihnen diese weihnachtstauglichen Hinweise auf keinen Fall vorenthalten: Da wäre das persönliche Inlands-Erlebnis mit einem „privaten Ausflugsbegleiter in die sowjetische Geschichte“ (Berlins Taiga). Oder für die Russischsprechenden oder Russlandreisenden die Stadtführungen von engineer-history.ru. Oder eine fachkundig begleitete Reise von Gianluca Pardelli von Soviet Tours.

Doch lieber ein Buch? Dann wären Einführungen wie „Pioneers of Soviet Architecture“ zu empfehlen. Die neue Neuauflage von Christoph Liepach hatten wir schon völlig zu Recht besprochen. Und da wäre natürlich noch der unermüdlich Foto-Chronist der Ostmoderne Martin Maleschka. Sein DIN-A-3-Wandkalender, der diesmal zwölf Motive von bekannten und weniger bekannten DDR-Betonformsteinen zum Thema hat, ist leider vergriffen. Fast – denn zur Buchvorstellung am 13. Dezember um 18 Uhr können noch Restexemplare in Eisenhüttenstadt im Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR erworben werden. Buchvorstellung? Ja, der neue, der erste Maleschka ist dann bei DOM Publishers erschienen: „Baubezogene Kunst. DDR. Kunst im öffentlichen Raum 1950 bis 1990“. Weitere Buchvorstellungen, z. B. am 18. Dezember im DDR-Museum in Berlin-Mitte, sind in Vorbereitung. (kb, 4.11.18)

Wandkalender „Betonkunst in der DDR“ von Martin Maleschka (Bild: Martin Maleschka)

Frank Kunerts Kleinanzeigen

Seine Architekturen haben Widerhaken: Sie laufen irgendwo ins Leere oder Absurde. Der Künstler Frank Kunert baut und fotografiert Miniaturwelten, hier mit Vorliebe die grautönige Moderne. Mit Knete und Leichtschaumplatte erstellt der gebürtige Frankfurter so die Vorbilder und Motive seiner Fotografien – analog, denn digital sei inzwischen schon genug.

Kunerts Miniaturwelten liegen jetzt auch ganz frisch – Weihnachten rückt näher – als Memory zu kaufen. Für das Memospiel „Kleinanzeigen“ muss der geneigte Modernist nicht nur Bilder wiedererkennen, sondern diesen auch noch Texte zuordnen. Da wird das aufgeständerte, nur via Feuerleiter zu erreichende Brutalismus-Hotel angepriesen als „Kletterurlaub am Meer“. Da sucht die Abstellkammer mit Toilette und darüber gestapelter Einrichtung unter „erstbeste Gelegenheit“ einen Mieter. Wer nach dem Legespiel Blut geleckt hat, dem sei dann eine der kommenden Ausstellungen Kunerts empfohlen, deren Termine online eingesehen werden können. (kb, 27.10.18)

Bilder: Frank Kunert/Verlag Metermorphosen

"Sigrid Neubert. Architekturfotografie der Nachkriegsmoderne" (Bild: Hirmer Verlag, Coverfoto, Detail)

Sigrid Neubert und die Architekturmoderne

Ein Déjà-vu ist erlaubt: Die Ausstellung dazu hatten wir bei mR schon gemeldet – aber jetzt ist der Katalog dazu fertig! Das Berliner Museum für Fotografie zeigte in diesem Frühjahr das fotografische Werk von Siegrid Neubert (* 1927). Sie gilt als eine der bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. Rund 30 Jahre arbeitete sie für bedeutende Architekturbüros und entwickelte dabei ihren kontrastreichen, die Strukturen der Bauten klar herausarbeitenden Stil.

Vor Neuberts Kamera kamen z. B. das Olympiaparkhaus von Gerd Wiegand, das BMW-Ensemble von Karl Schwanzer und die Hauptverwaltung der Hypo-Bank von Bea und Walter Betz. Seit den 1970er Jahren schuf die Fotografin ebenso Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete. Der nun vom Kurator der Berliner Ausstellung nachgereichte Katalog konzentriert sich auf die Architekturfotografien. Der große Vorteil: Sie können sich den Katalog nach Hause schicken lassen und mit den treffenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen in die Welt der Nachkriegsmoderne abtauen – ganz entspannt auf dem heimischen Balkon bei einem Kaltgetränk Ihrer Wahl. (kb, 28.7.18)

Titelmotiv: „Sigrid Neubert. Architekturfotografie der Nachkriegsmoderne“ (Bild: Hirmer Verlag, Coverfoto, Detail)