Die unglaubliche Welt …

Von der psychodelischen Sofawerbung bis zum künstlerisch wirkenden Strandfoto von Coney Island – die Fotosammlung Ruth und Peter Herzog bietet das Beste aus über 100 Jahren Fotografie. Angefangen hat alles mit einem Flohmarktfund, am Ende standen 500.000 Aufnahme, die den Bogen schlagen von der Frühzeit der 1839 erfundenen Fotografie bis zu den 1970er Jahren. Vertreten sind große Namen wie Adolphe Disdéri, Gustave Le Gray, Eugène Atget, Fred Boissonnas, Charles Nègre, Felice Beato, Paul Martial, Hans Hinz, aber auch nicht minder beeindruckende Amateurfotografen.

Die Ausstellung „The incredible World of Photography“ bietet nun erstmals ein umfassendes Portrait der Fotosammlung in der Schweiz: vom 18. Juli bis zum 4. Oktober 2020 im Neubau des Kunstmuseums Basel, kuratiert von Olga Osadtschy und Paul Mellethin. Präsentiert werden 400 Objekte, die auch übergreifende Fragen zu unserem heutigen Bildgebrauch aufwerfen sollen. Denn, so eine der Thesen der Ausstellung, die analoge Fotografie hat nichts von ihrer Bedeutung und Faszination verloren. Das Projekt entsteht in Kooperation mit dem Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. (kb, 22.6.20)

oben: Werbung für Sofamöbel, um 1950, unten: Badende auf Coney Island, 1950er Jahre (Bilder: © as a collection by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved)

Ostdeutschland privat

Am Sonntag, 21. Juni 2020, ist es wieder soweit: Das Berliner Werkbundarchiv – Museum der Dinge (Oranienstraße 25, 10999 Berlin) lädt zwischen 12 und 19 Uhr zu einem der „Albumgespräche“. „Biografie und Geschichte“ – ein Projekt der Stiftung Reinbeckhallen Sammlung für Gegenwartskunst, getragen mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, umgesetzt mit dem Deutschen Historischen Museum – widmet sich Ostdeutschland in der Zeit zwischen 1980–2000. Gegenstand sind private Fotografien – von der Hochzeitsreise, dem ersten Schultag, dem Fest im Garten, dem Besuch aus dem Westen oder aus dem Osten.

Gesucht werden dafür noch Fotoalben oder Fotokisten und die zugehörigen Geschichten. Von Interesse sind das gerahmte Hochzeitsbild ebenso wie der halbe Meter Fotoalben. Daher die Bitte der Veranstalter: „Vereinbaren Sie einen individuellen Termin unter der Telefonnummer 0151 10409096 oder schreiben Sie uns eine Mail.“ Zu Coronazeiten gilt der Hinweis: Es handelt sich dabei ausdrücklich um nicht-öffentliche Treffen – einzeln, nacheinander und ohne Kontakt mit anderen Albenbesitzern. (kb, 20.6.20)

Wilhelm Köpke: Gabentisch zum 70. Geburtstag, 1987 (Bild: © Archiv Sandra Schubert)

Tektonik der Erinnerung

Der gebürtige Dresdener Christian Borchert (1942-2000) hatte 1967 seine Ausbildung zum Fotografen abgeschlossen. Ab den frühen 1970er Jahren arbeitete er für Magazine und absolvierte zugleich ein Fernstudium der Fotografie. In der Folge war er hauptsächlich in Berlin und in seiner Heimatstadt tätig. Aus seinen Bildserien sind vor allem seine Familien- und Künstlerporträts hervorzuheben. Mit der Kamera dokumentierte er so die Umbrüche der deutsch-deutschen Geschichte in den 1980er und 1990er Jahren.

Das Sprengel-Museum Hannover zeigt nun – in Kooperation mit dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – deren erste monografische Retrospektive zum Fotografen Christian Borchert. Die Ausstellung zeigt nicht allein Borcherts Porträts, sondern ebenso eines seiner Hauptwerke: die Dokumentation des Wiederaufbaus der Semper-Oper, die über sieben Jahre hinweg entstand. Ergänzend werden in Hannover einige Bilder aus Dokumentarfilmen sowie Exponate aus Borcherts Nachlass in der Deutschen Fotothek präsentiert. Die Ausstellung „Christian Borchert. Tektonik der Erinnerung“ ist vom 17. Juni bis zum 20. September 2020 zu sehen im Sprengel-Museum in Hannover. (kb, 7.6.20)

Christian Borchert, Semperoper Dresden. Blick durchs Bühnenportal in den Zuschauerraum, 1977 (Bild: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek Dresden)