Fotografie

Chicago (Bild: historische Postkarte, Curt Teich & Co.)

In 500 Postkarten um die Welt

Rund 10.000 Motive hatte der Verlag Curt Teich & Co zu seinen Glanzzeiten im Programm: Die handkolorierten Leinenpostkarten prägten den amerikanischen Markt zwischen 1931 und den späten 1950er Jahren. Curt Teich Sen. hatte sich ab 1905 einmal quer durch die USA fotografiert. Seine Aufnahmen bildeten den Grundstock der beliebten Bildpostkarten, stetig erweitert um populäre Motive – darunter immer wieder auch moderne Architektur.

Heute sind diese Postkarten mit ihrer besonderen Ästhetik bei Sammlern wieder begehrt. Die aktuell im Hirmer-Verlag erschienene Publikation „New West“ versammelt die 500 schönsten Beispiele aus der Teich-Ära: Der Bick von den Twin Peaks auf San Francisco, der Große Salzsee in Utah, die moderne Architektur des Arizona Biltmore Hotels, der Wartesaal der Union Station in Los Angeles, … – solche farbenfroh in Szene gesetzten Motive erzählen vom amerikanischen Fortschrittsglauben jener Jahre. (kb, 16.7.19)

Wagener, Wolfgan/Erganian, Leslie, New West. Innovation at the Intersection, Hirmer Verlag, 320 Seiten, 500 Farbabbildungen, 29,2 x 22,9 cm, gebunden, ISBN 978-3-7774-3189-5.

Titelmotiv: Chicago, Chrysler Building (Bild: historische Postkarte, Curt Teich & Co)

Boris Becker, Hochbunker, Bremen, Hardenbergstraße, 1987 (Bild: © Boris Becker; VG Bild-Kunst, Bonn, 2019)

Hochbunker

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre hat sich der Fotograf Boris Becker (*1961) mit dem Thema Bunker auseinandergesetzt – es entstand eine Werkreihe, die in diesem Jahr erstmals unter dem Titel „Hochbunker“ als Teil einer umfassenderen Werkschau in Köln zu sehen sein wird. Für die Ausstellung hat der Künstler sein Archiv gesichtet und aus gegenwärtiger Perspektive neu aufgegriffen. Fotografien aus 45 deutschen Städten nehmen eine doppelte Perspektive ein: den Blick zurück auf die Bedrohungen des Zweiten Weltkriegs und ein Blick nach vorn in die Nachnutzungen der ehemals mitlitärischen Anlagen.

Als seine Werkreihe „Hochbunker“ entstand, studierte Boris Becker an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher. Diese Tradition weiterführend, dokumentierte er nicht allein die Architektur, sondern auch ihre Intention. Im Fall der Bunker ging es ihm um die Kunst der Täuschung, sollten die Schutzräume doch zu ihrer Erbauungszeit für Außenstehende nicht als solche erkennbar sein. In Köln werden jüngere farbige Großformate zu historischen oder architektonischen Themen ergänzt. Begleitend zur Ausstellung, die vom 6. September 2019 bis zum 9. Februar 2020 in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur (Im Mediapark 7, 50670 Köln) zu sehen ist, erscheint eine Publikation im Snoeck-Verlag. Die Vernissage wird am 5. September um 19 Uhr gefeiert. (kb, 12.7.19)

Boris Becker, Hochbunker, Bremen, Hardenbergstraße, 1987 (Bild: © Boris Becker, VG Bild-Kunst, Bonn, 2019)

Mizpa, Straßenszene, 1992 (Bild: Dalman-Institut, Greifswald)

Israelfotos gesucht

„Die meisten Touristen fühlen sich genötigt, die Kamera zwischen sich und alles Ungewöhnliche zu schieben, das Ihnen begegnet.“ (Susan Sontag, 1977) Spätestens ab den 1950er Jahren endete jeder Urlaub unweigerlich mit einem Foto-Album oder einem Dia-Abend. Für ein Forschungsprojekt sucht die Universität Greifswald jetzt Ihre privaten Israelfotografien: analoge Aufnahmen (Papierabzüge, Dias, Alben, bebilderte Reisetagebücher) der Kulturlandschaft Palästina (Israel, Palästina, Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten) der Jahre 1850 bis 1992. Die 1920 vom Palästinakundler Gustaf Dalman in Greifswald begründete Sammlung birgt rund 20.000 historische Fotografien der Kulturlandschaft Palästina. Diese Aufnahmen werden in einem Forschungsprojekt ausgewählten Reisefotografien der Zeit nach der Gründung des Staates Israel (1948) gegenübergestellt. Teils können dafür die Bestände von Archiven wie WDR Digit herangezogen werden.

Aber immer noch fehlen aussagekräftige Aufnahmen vor allem der Jahre 1948 bis 1992. Die Ergebnisse der Forschungen, vielleicht auch Ihre Fotografien, sollen 2020 in einem Buch und einer kleinen Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wenn Ihre Aufnahmen für die Projektbeteiligten interessant sind, werden diese abgeholt oder das Porto für den Versand erstattet. Selbstverständlich werden Fotografien nur nach ausdrücklicher Rücksprache mit den Bildgebern verwendet. Nach Abschluss des Projekts erhalten Sie Ihre Fotografien zurück – und als Dankeschön hochwertige Scans der schönsten Aufnahmen daraus für Ihr privates digitales Fotoarchiv. (kb, 29.6.19)

Wenn Sie eigene Aufnahmen haben oder über die Aufnahmen Ihrer Eltern/Großeltern verfügen, melden Sie sich bis zum 15. August 2019 bei: Dr. Karin Berkemann, Kustodin der Dalman-Sammlung, dalman@uni-greifswald.de oder 0179 7868261. Oder Sie posten Ihr Israelfoto unter #israelretrofoto.

Titelmotiv: Mizpa, Straßenszene, 1992 (Bild: Dalman-Institut, Greifswald)

Schnappschuss in der Ausstellung "Stadt. Mensch. Geschichten. - Altenburger Fotoatelier Arno Kersten 1867-1938" in Altenburg (Bild: Fotobox)

„Jetzt bitte nicht bewegen“

Wer aus dem Selfiealter raus ist (oder nie reingekommen), der ist in diesen Wochen in Altenburg gut aufgehoben. Im örtlichen Residenzschloss können Fotobegeisterte aktuell einen einzigartigen Nachlass bestaunen: das Atelier Arno Kersten, genauer gesagt eine Auswahl aus 20.000 seiner Glasplattennegative, viele Teile der Studioausstattung und Geschäftskorrespondenz aus acht Jahrzehnten. Denn durch acht Jahrzehnte, von 1867 bis 1938 haben die Mitglieder der Familie das Leben in und um Altenburg dokumentiert – vom Architekturfoto bis zum Personenporträt.

Eigens produzierte Filme liefern in der Ausstellung den geschichtlichen Kontext einzelner Bildmotive aus einer Zeit, als Fotografie noch eine zeitraubende Angelegenheit war. Gezeigt werden Reroduktionen und Originale sowie Teilen der Studioausstattung in einem nachgestellten „Glashaus“. Die Ausstellung „Stadt. Mensch. Geschichten.“ ist noch bis zum 27. Oktober im Residenzschloss Altenburg zu sehen. Solange steht hier auch eine digitale Fotobox mit historischen Kostümen zum Eigenexperiment bereit. (kb, 25.6.19)

Titelmotiv: Schnappschuss in der Ausstellung „Stadt. Mensch. Geschichten. – Altenburger Fotoatelier Arno Kersten 1867-1938“ in Altenburg (Bild: Fotobox)

Plakatmotiv der Ausstellung "Konstruktion im Blick. Ursula Becker-Mosbach. Fotografie 1950-1970" der Hamburgische Ingenieurkammer-Bau und des Hamburgischen Architekturarchivs (Bild: Ursula Becker-Mosbach)

Hamburg: Konstruktion im Blick

Zwischen 1950 und 1980 arbeitete die Fotografin Ursula Becker-Mosbach (1922–2002) in Hamburg für die bekannten Architekten sowie große Bau- und Industrieunternehmen der Zeit. Mit ihrer Kamera dokumentierte sie die Aufbauphase der Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Ausstellung „Konstruktion im Blick – Ursula Becker-Mosbach. Fotografie 1950-1970“ präsentieren die Hamburgische Ingenieurkammer-Bau erstmals in diesem Umfang das Werk von Ursula Becker-Mosbach mit Schwerpunkt auf dem Ingenieurbau.

Damit legte die Fotografin über Jahrzehnte die konstruktive Seite der Nachkriegsmoderne frei: wie die Stahlskelette der Grindelhochhäuser, die Spannbetonsegmente der Faulbehälter des Klärwerkes Köhlbrandhöft sowie die von H. C. E. Eggers und der Howaldtwerft errichteten Stahlbauten. Die Ausstellung ist zu sehen vom 29. Mai bis zum 13. Juli 2019 im Rahmen des Hamburger Architektursommers 2019 im Levantehaus Hamburg (Galerie im Hochgeschoss, Mönckebergstraße 7, 20095 Hamburg). Die Eröffnung wird am 28. Mai um 18 Uhr im Levantehaus Hamburg gefeiert. (kb, 18.5.19)

Titelmotiv: Plakatmotiv der Ausstellung „Konstruktion im Blick. Ursula Becker-Mosbach. Fotografie 1950-1970“ der Hamburgische Ingenieurkammer-Bau und des Hamburgischen Architekturarchivs (Bild: Ursula Becker-Mosbach)

Sue Barr, "Autobahn" (Bild: Sue Barr, im Rahmen der Gruppenausstellung "Autobahn" im Gemeindehaus Stuttgart)

Auf dem Betonweg

Geliebt, gehasst und doch nicht mehr aus unserer urbanen Umwelt wegzudenken: Die Autobahn! Immer wieder zeigt sich in aktuellen Debatten um das Tempolimit, wie eng die emotionale Beziehung unserer Landsleute zum Schnellweg ist. Dabei wird häufig außer Acht gelassen, dass ganz Europa von den Lebensadern aus Asphalt und Beton durchzogen ist. Auch dort genießen die Strecken den Status des polarisierenden Kulturgutes und sind seit längerem in den Fokus künstlerischer Betrachtung gerückt. Wer schon immer auf die Autobahn abfuhr, wird sich in der Automobilmetropole Stuttgart vom 17. Mai bis zum 31. Juli 2019 die Ausstellung „Autobahn“ ansehen können.

Gezeigt werden Arbeiten der drei Künstler Sue Barr, Christoph Naumann, Hans Christian Schink und Jörg Brüggemann.  Die Britin Barr widmet sich in ihrem Werk „The Architecture of Transit“ den italienischen Autobahnen zwischen Neapel und den Alpen. Naumann machte 2015 eine Kameraexpedition entlang der A3 zwischen Österreich und Duisburg. Der Schwerpunkt Schinks liegt auf den großangelegten Infrastrukturprojekten im Nachwende-Ostdeutschland. Brüggemanns Fotografien versuchen den Alltag auf den Autobahnen in seiner ganzen Bandbreite einzufangen. Die Vernissage wird  am 17.Mai.2019 um 19 Uhr in der Galerie Hartmann Projekts (Breitscheidstr. 48/70176 Stuttgart) stattfinden.(jm, 16.5.19)

Sue Barr, „Autobahn“ (Bild: Sue Barr, im Rahmen der Gruppenausstellung „Autobahn“ im Gemeindehaus Stuttgart)