Hellersdorf: Peripherie als Ort

Ende der 1990er Jahre kämpften viele Plattensiedlungen im Osten von Berlin gegen ihr schlechtes Image. In Hellersdorf wollte die dortige Wohnungsbaugesellschaft (die WoGeHe) das ändern – mit Kunst. Zu diesen Initiativen zählte das „Hellersdorf-Projekt“, eine künstlerische Intervention und fotografische Erkundung. Am Ende verabschiedete sich die WoGeHe von dem ehrgeizigen Projekt. Was blieb, waren die Fotografien, die man in Berlin und Turin ausstellte und zuletzt in die Berlinischen Galerie übernahm.

Unter dem Titel „Revision: Peripherie als Ort“ werden in Hellersdorf nun zwei der damaligen Fotoserien neu miteinander und mit der heutigen Situation in Beziehung gebracht: die Porträts der „Schülerinnen und Schüler der Klasse 7C der Caspar-David-Friedrich-Oberschule Hellersdorf“ von Helga Paris sowie die Stadtaufnahmen von Ulrich Wüst. Die Schau ist vom 13. September bis zum 21. November 2020 zu sehen in der Station Urbaner Kulturen (Auerbacher Ring 41, Eingang Kastanienboulevard, 12610 Berlin), die Eröffnung wird am 12. September 2020 um 18 Uhr gefeiert. Begleitend ist für den 10. Oktober 2020 um 18 Uhr ein Gespräch mit Ulrich Wüst und dem Künstler Arne Schmitt angesetzt. Am 22. Oktober 2020 steht um 18 Uhr ein Filmscreening und Gespräch mit Helke Misselwitz auf dem Programm – zu ihrem Dokumentarfilm-Triptychon „Helga Paris, Fotografin“. (kb, 12.9.20)

Ulrich Wüst, Hellersdorf, Cecilienstraße, Richtung Marzahn, Berlin 1998 (Bild: Ulrich Wüst, via Station Urbaner Kulturen, Berlin)

Der Fotograf Michael Schmidt und die Architektur

Geboren in Berlin, fand Michael Schmidt (1945–2014) Mitte der 1960er Jahre als Autodidakt zur Fotografie. Bei seinen in sich geschlossenen Werkgruppen blieb er in seinem engeren Umfeld, in der geteilten Stadt: „Waffenruhe“ (1987), „Ein-heit“ (1996) oder „Lebensmittel“ (2012). Häufig konzentrierte sich Schmidt dabei auf die ihm naheliegenden Stadtteile Kreuzberg und Wedding. In Berlin wird nun erstmals eine chronologisch geordnete Retrospektive präsentiert: unveröffentlichte Arbeitsabzüge, Buchentwürfe und Archivmaterialien spiegeln, wie Schmidt immer wieder Menschen in ihrer architektonischen Umgebung porträtierte.

Die Ausstellung „Michael Schmidt – Retrospektive. Fotografien 1965—2014“ ist im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin zu sehen bis zum 17. Januar 2021. Begleitend erscheint ein 400-seitiger Katalog im Verlag Koenig Books – mit Beiträgen von Ute Eskildsen, Janos Frecot, Peter Galassi, Heinz Liesbrock und Thomas Weski. (kb, 22.8.20)

Titelmotiv: Michael Schmidt, o.T. aus Architektur, 1989, Bromsilbergelatineprint, Bildmaß: 82,5 x 66,5 cm (Bild: © Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt)

Titelmotiv: Michael Schmidt, Stadtoberinspektor beim Bezirksamt Wedding, aus Berlin- Wedding, 1976-78, Bromsilbergelatineprint, 43,4 x 46 cm (Bild: © Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt)

unten: Michael Schmidt, o. T. aus Architektur, 1989, Bromsilbergelatineprint, Bildmaß: 82,5 x 66,5 cm (Bild: © Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt)

Verstorben vor Vernissage: Wolfgang Schulz

Um 1980 wurde die Fotografie in Westdeutschland auf neue Weise als Kunstform gehandelt und inszeniert: 1977 beispielsweise stellte man das nicht mehr ganz so junge Medium erstmals prominent auf der documenta vor. Und zwischen 1977 und 1985 erschien das Magazin „Fotografie. Zeitschrift internationaler Fotokunst“, herausgegeben von Wolfgang Schulz. Er war selbst ein bemerkenswerter Fotograf, der nicht zuletzt mit seinem Freundeskreis die damalige Fotoszene porträtierte. Eine Ausstellung zeigt nun zum ersten Mal überhaupt seine Arbeiten aus der Zeit um 1980.

Wolfgang Schulz (*1944), Selbstportrait, Riesweiler, 1978, Silbergelatine, 24 x 30 cm, Privatsammlung  (Bild: © Wolfgang Schulz)

Kurz vor der mehrfach verschobenen Vernissage verstarb der Verleger und Fotograf am 14. Juli 2020 im Alter von 75 Jahren. Im Mittelpunkt der Berliner Präsentation stehen mit rund 240 – vorwiegend in Schwarz-Weiß gehaltenen – Aufnahmen auch weitere Fotografen, die Schulz in seinem heute fast vergessenen Magazin veröffentlichte. Die Ausstellung „Wolfgang Schulz und die Fotoszene um 1980“ ist noch bis zum 11. Oktober 2020 zu sehen im Berliner Museum für Fotografie. Zur Schau, einer Sonderausstellung des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin, ist ein Katalog bei Spector Books erschienen. (kb, 25.7.20)

Hans-Martin Küsters, Guadamar, Spanien, 1977, Silbergelatinepapier, LVR Landesmuseum Bonn (Bild: © Maximilian Küsters)

Titelmotiv: Hans-Martin Küsters, Guadamar, Spanien, 1977, Silbergelatinepapier, LVR Landesmuseum Bonn (Bild: © Maximilian Küsters)