Zwischen nationalem Stil und Moderne

Als Polen unabhängig wurde, als bei Frankfurt an der Oder die Grenze zu Deutschland gezogen wurde, verlor die Stadt zugleich ihr wirtschaftliches Hinterland. Als Ausgleich verlegte man die Reichsbahndirektion Osten hierher. In dieser Gemengelage suchten die Architekten nach nationalen Ausdrucksformen. Der Architekt Martin Kießling schuf u. a. mit der Ostmarksiedlung (heute Paulinenhofsiedlung) prägende Orte der Zwischenkriegszeit. In Posen (Poznań) entwickelten Baumeister wie Adam Ballenstedt nach einer speziell polnischen Formensprache. Bei all dem blieben die Architekten untereinander weiter im engen fachlichen Kontakt.

In diesen Monaten reist eine deutsch-polnische Ausstellung, kuratiert von Uwe Rada und Szymon Piotr Kubiak, in einem begehbaren Überseecontainer durch die Region. Die Präsentation „Zwischen nationalem Stil und Moderne“, die sich der Architektur der Zwischenkriegszeit in Frankfurt (Oder) und Posen widmet, ist zu sehen vom 18. Oktober bis zum 3. November 2018 auf dem Marktplatz von Frankfurt an der Oder. Die Eröffnung wird am 18. Oktober um 18 Uhr gefeiert, der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Das Projekt bildet Teil des umfassenderen Projekts „1918: Die vergessene Grenze“ mit Ausstellungen und Vorträgen in der Region. (kb, 16.10.18)

Frankfurt an der Oder, Paulinenhof (Bild: Global Fish, CC BY SA 3.0, 2012)

NS im Museum

NS im Museum

Potsdam, Am Alten Markt 9 (Bild: Giorgio Michele, CC BY SA 3.0)
Ein historisches Tagungsort für ein zeitgeschichtliches Thema: Potsdam, Am Alten Markt 9 (Bild: Giorgio Michele, CC BY SA 3.0)

Wird die NS-Zeit von Museen im Osten der Bundesrepublik nur ungern thematisiert, weil hier das antifaschistische Dogma der DDR wie traumatisch nachhallt? Wie ideologisch normiert sind die Antifa-Ausstellungen in Stadt- oder Bezirksmuseen der DDR eigentlich gewesen? War es wirklich alternativlos, sie 1989/90 nahezu durchweg ersatzlos zu schließen? Und was ist nach der „friedlichen Revolution“ an deren Stelle getreten? Diesen Fragen stellte sich das Forschungsprojekt des brandenburgischen Museumsverbands „Entnazifizierte Zone? Zur Darstellung der NS-Geschichte in ostdeutschen Stadtmuseen“.

Dazu wurden mit Unterstützung der Bundestiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung Erinnerung – Vergangenheit – Zukunft an ausgewählten Museumsstandorten im Land Brandenburg Sondagen vorgenommen. Es gelang, eine Reihe von Ausstellungen jenseits der politischen Wende zu rekonstruieren. Auch aktuelle Präsentationen wurden einer kritischen Sichtung unterzogen. Die Ergebnisse sollen im Rahmen der Tagung „NS im Museum – jenseits und diesseits der Wende“ im „Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte“ vom 19. bis 20. September zur Diskussion werden. Dazu wurden Experten aus Ost und West eingeladen, dieses zentrale Stück (ost-)deutscher Erinnerungskultur zu reflektieren. Am Ende steht die Frage, was wir denn lernen sollten aus der Erfahrung des Nationalsozialismus und was Museen mit ihren Ausstellungen dazu beitragen können. (kb, 11.8.16)

Penthesilea wurde geraubt

Penthesilea wurde geraubt

Kleist-Museum Ralf Lotus CC-BY-3.0
Das Kleist-Museum mit drei verbleibenden Skulpturen von Wieland Förster (Bild: Ralf Lotus, CC BY 3.0)

Eine Serie von Kunstrauben erschüttert Brandenburg: Diebe entwenden Bronzeskulpturen. Nicht für den illegalen Kunstmarkt, sondern wegen des wertvollen Metalls. Schon vor Kurzem verschwand eine Bronzebüste Werner Seelenbinders, dann die Bronzeplatten am Kleistdenkmal und weitere Bronzeskulpturen.

Nun rissen Diebe die Plastik „Penthesilea I“ von Wieland Förster vom Sockel, warfen sie über den Zaun und brachten sie fort, wahrscheinlich um sie einzuschmelzen. Der Künstler soll sehr betroffen reagiert haben. Erst vor drei Jahren wurde seine „Große Badende“ vom Oderufer entwendet. Das eherne Gesetz der Amazonen forderte, dass die Kriegerinnen die Väter ihrer Kinder im Zweikampf besiegen und rauben sollten. Königin Penthesilea verliebte sich in den Helden Achilles, doch im wilden Kampf tötete sie den Geliebten. Das Drama von Kleist setzte Wieland Förster in den 80er Jahren in vier Bronzeplastiken um. Drei von ihnen stehen vor dem Kleist-Museum in Frankfurt an der Oder, die vierte stand dahinter. Sie ist nun wohl für immer verloren, denn die Gipsform ist nicht mehr vorhanden. (ps, 1.3.16)