Das Musterhaus des Neuen Frankfurt

Frankfurt hat sein Herz für das Neue Bauen wiederentdeckt. In den 1920er Jahren entstanden hier unter dem Oberbürgermeister Ludwig Landmann und seinem Stadtbaurat Ernst May rund 15 000 Wohneinheiten mit einem hohen gestalterischen und sozialen Anspruch. Dieses beispielhafte Wohnungs- und Städtebauprogramm sollte eine internationale Ausstrahlung entfalten. In kurzer Zeit avancierte die Stadt zum Mekka der Moderne, mit dem man heute weitere prominente Namen wie Margarete Schütte-Lihotzky, Ferdinand Kramer, Martin Elsaesser, Mart Stam, oder Ilse Bing verbindet. Diese Werte will die Frankfurter Ernst-May-Gesellschaft für heutige Bewohner:innen und Gäste erlebbar machen – mit Aktionen von der Veranstaltungsreihe bis zur Publikation. Exemplarisch wurde dafür ein Wohnhaus in der Frankfurter Römerstadt denkmalgerecht wieder in die Bauzeit zurückversetzt und für Besucher:innen geöffnet.

Anhand des sog. Mayhauses erklärt nun eine neue Publikation, erschienen bei av editionen, das Besondere der frühen Frankfurter Moderne. Mit aktuellen Fotografien und historischen Plänen soll so das intelligente Zusammenspiel von Bauform und Innenausstattung nachvollzogen werden – nicht umsonst findet sich hier eine der legendären Frankfurter Küchen nach einem Entwurf der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky. Die Texte stammen vom Politikwissenschaftler Philipp Sturm und von der Kunsthistorikerin Christina Treutlein, beide Geschäftsführer der Ernst-May-Gesellschaft. Und wer es ganz genau wissen will, kann sich zum Nachglühen das Mayhaus im Maßstab 1:73 nach Hause holen. (kb, 15.1.22)

Sturm, Philipp/Treutlein, Christina (Hg.), Mayhaus – Das Musterhaus des Neuen Frankfurt. The House Museum of the Neues Frankfurt, av edition, Stuttgart 2021, 144 Seiten, Softcover, 90 Fotografien, 17 x 24 cm, ISBN: 978-3-89986-343-7.

Titelmotiv: Detail des Buchcovers

Die Videothek kommt weg

Er wurde erst 1990 gebaut, nun wird er abgerissen: der postmoderne Pavillon in der Frankfurter Berger Straße, in dem auf zwei Etagen lange Jahre die Tomin-Videothek residierte. Der Bau auf dem spitzwinkligen Grundstück in der citynahen Einkaufsstraße im Nordend stand bereits seit 2013 leer, wurde aber immer wieder durch Zwischennutzungen und Pop-Up-Stores kurzzeitig zum Leben erweckt. Nach dem Abschied der Videothek gehörte der Bau eine Zeit lang dem Immobilienentwickler Ardi Goldmann, der den Pavillon einst als “bauliche Rarität” bezeichnete, ihn aber mangels tragfähiger Nutzungskonzepte wieder weiterveräußert hat. Nach den üblichen mehrfachen Besitzerwechseln (und stetig steigenden Verkaufspreisen), hat nun der Investor FBW aus Dreieich Initiative ergriffen ergriffen: Das Bestandsgebäude wird derzeit abgerissen. An seiner Stelle sollen statt reiner Gewerbe- oder Gastronomienutzung nun 26 Eigentumswohnungen entstehen.

Zu den Kaufpreisen könne man noch keine Angaben machen, so der Vertreter der FBW-Geschäftsführung zu Frankfurter Rundschau. Aufgrund der Lage und der vorgesehenen hochwertigen Ausstattung werde es jedoch „hochpreisig“. Geplant sind Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit Holzfußböden, Fußbodenheizungen sowie Balkonen oder Terrassen. Die vorgesehene Wohnfläche werde zwischen 21 und 109 Quadratmetern betragen. Vom ursprünglichen Vorhaben, das 1990er-Jahre-Gebäude nur zu entkernen und umzubauen, hatte sich die FBW verabschiedet, denn dies hatte sich als weniger profitabel herausgestellt. Die “spitze Ecke” zwischen unterer Berger Straße und Musikantenweg ändert sich derzeit ohnehin nachhaltig: Auch die neben dem Pavillon gelegene Mercedes-Benz-Werkstatt Messerschmidt aus den 1950ern wird abgerissen und durch eine Wohnbebauung nach Plänen von Karl Dudler ersetzt. Bauherrin ist hier die Delom Wohnbau GmbH. Das kleinbürgerliche Mischgebiet zwischen Nordend-Ost und Zoo ändert weiter sein Gesicht – und wieder gilt: Die Stadt gehört denjenigen, die sie sich leisten können … (db, 7.1.22)

Frankfurt, Musikantenweg 78, Dezember 2021 (Bild: D. Bartetzko)

Titelmotiv: Frankfurt, Berger Straße 88, Dezember 2021 (Bild: D. Bartetzko)

Adventskalender 2021

Flughäfen stehen für Vieles: für die Sehnsucht nach Urlaub in der Ferne, für die Eleganz der technischen Neuerungen, für futuristische Architektur – aber auch für die raumgreifende Naturzerstörung bei ihrem Bau und Betrieb. Beide Seiten prallten in Frankfurt immer wieder aufeinander, mit besonderer Kraft in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren bei den Protesten gegen den Bau der Startbahn West. Vor diesem Hintergrund sollen internationale Flughäfen im moderneREGIONAL-Adventskalender 2021 Tag für Tag in grafisch bearbeitete Grundrissen und kurzen Hintergrundtexten greifbar werden.

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Amöben sind durchsichtig und haben keine bestimmte Zahl an Beinen. Manchmal stimmt das aber beides nicht, dann ist man wahrscheinlich in Baku. Baku (Bildmontage: Karin Berkemann)

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Sie kennen das unangenehme Gefühl, wenn 1000 Stechmücken an Ihnen saugen? Jetzt stellen Sie sich vor, es wären 32 Flugzeuge. Jetzt sind die Mücken doch wieder ganz nett, gell?

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Erst sollte es ein Bahnübergang werden. Dann hat man aus dem Andreaskreuz etwas schönes Großes gebaut.

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Um Glaubensfragen wollten wir eigentlich einen Bogen machen. Also bemühen Sie sich bitte, hier KEIN religiöses Symbol zu erkennen.

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Ein so dicker Brummer duldet natürlich keine Konkurrenz neben sich. Genießen wir also einfach die Grünfläche … London, Gatwick (Bildmontage: Karin Berkemann)

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Es ist ein Kreuz mit diesen unübersichtlichen Flughafen. Oder zwei.

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Langsam wird es überall weihnachtlich, nur in Köln hat man ganzjährig den Wahn. Köln-Bonn (Bildmontage: Karin Berkemann)

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Sanduhren können ziemlich ästhetisch sein. Sie machen aber nur Sinn, wenn man weiß, wo unten und oben ist. Frankfurt am Main (Bildmontage: Karin Berkemann)

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Schmetterling oder Fliege? Jedenfalls braucht man kein Vehikel mehr zum Abheben. Hannover-Langenhagen (Bildmontage: Karin Berkemann)

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Die Klecksographie fand Anfang des 20. Jahrhunderts Eingang in die Psychodiagnostik, oft ist sie auch integraler Bestandteil der Kunsterziehung. Amman (Bildmontage: Karin Berkemann)


Titelmotiv: Baku (Bildmontage: Karin Berkemann). Wir danken für die Mitarbeit von: Daniel Bartetzko, Karin Bekemann, Peter Liptau, Jasmin Rettinger, Fabian Schmerbeck. Der mR-Adventskalender 2021 wird unterstützt vom Dezernat Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main.