TIPPS ZUM TOFD: Hamburger Bauhefte plus Frankfurt-Exkurs

Seit 2012 gibt der Hamburger Schaff-Verlag die wunderbare Bauheft-Reihe heraus. Jüngste Veröffentlichung ist das Hamburger Bauheft Nummer 36 „Drei Standorte, ein Christianeum 1721-2021“ . Es bietet einen Überblick über 300 Jahre Entwicklung des architekturhistorisch einzigartigen Schulbaus, angefangen um 1721 mit ersten Gebäuden in der Altonaer Altstadt, über den Umzug 1936 in den neusachlichen Komplex an der heutigen Behringstraße bis zum „funktionalistischen“ Neubau 1971 in Othmarschen nach dem Entwurf von Arne Jacobsen. Die Texte steuerten Dirk Hempel und Dirk C. Schoch bei, die aktuellen Fotografien stammen von Dorfmüller / Klier. Am Tag des offenen Denkmals wird das Heft im Hof des Christianeums vorgestellt: anwesend sind die Autoren, die Einführung geben Irina von Jagow (Stiftung Denkmalpflege Hamburg) und Dr. Jörg Schilling, Leiter des Schaff-Verlags. Termin: Samstag, 11. September in der Otto-Ernst-Straße 34, 22605 Hamburg, 12.00 bis 12.45 Uhr. Sie wundern sich, weil der TofD doch eigentlich am 12. September ist? In Hamburg wird er von Freitag bis Sonntag begangen, ist mithin das Wochenende des offenen Denkmals!

Die Bauhefte beschränken sich im übrigen nicht nur auf Hamburg, es gibt auch diverse Bände zu den Bauten des Architekten Martin Elsaesser, und ein weiterer noch sehr frischer beschäftigt sich mit dem Frankfurter Studierendenhaus (1951) von Otto Apel. Der denkmalgeschützte Bau auf dem Campus Bockenheim wurde zu einer Stätte des künstlerischen Experiments und Schauplatz der 68er Revolte. Nun steht dem Gebäude, das auch das Studierendencafé KOZ beherbergt, eine neue Nutzung bevor: Es soll zu einem soziokulturellen Zentrum und „Offenen Haus der Kulturen“ werden. Das Frankfurter Bauheft 1 bietet Texte von Lothar Augustin / Julia Reusing, Jörg Schilling und Tim Schuster sowie historische Fotografien und aktuelle Aufnahmen von Nicolas Det und kostet studierendenfreundliche 9 Euro. (db, 9.9.21)

Hamburg, Christianeum (Bild: Katharina von Hoefs, CC BY-SA 3.0)

DAM im Exil

Nach 37 Jahren Nutzung darf ein Gebäude schon einmal pflegebedürftig sein. So ergeht es auch dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main. Bereits 2010 gab es größere Renovierungsarbeiten, ab Oktober 2021 steht die Fortsetzung mit einer umfangreichen energetischen Ertüchtigung und Brandschutzsanierung an. Hierfür wird das Museum für voraussichtlich zwei Jahre schließen. Allerdings nur am Schaumainkai, denn für die Zeit der Generalüberholung gibt es ein Interimsgebäude: das Hochhaus des ehemaligen Telekom-Areals am Danziger Platz, derzeit genutzt als „Danzig am Platz“. Dort wird das DAM eine rund 400 Quadratmeter große, loftartige Fläche beziehen, die von der nördlich gelegenen Henschelstraße aus zugänglich ist. Ausgelobt und finanziert durch die Gesellschaft der Freunde des DAM, sollen mit Studierenden der Frankfurt University of Applied Sciences in einem Ideenwettbewerb gestalterische Konzepte für die Eingangssituation sowie für eine größere Sichtbarkeit, auch vom Danziger Platz aus, erarbeitet werden. Der Start des „DAM in Danzig“ wird im Januar 2022 mit dem jährlich ausgelobten DAM-Preis für die besten Bauten in und aus Deutschland eingeläutet.

Das eigentliche DAM wurde 1984 im Zuge des Gesamtkonzeptes „Museumsufer“ nach Entwurf von Oswald Mathias Ungers erbaut. Das Innere einer Gründerzeit-Villa wurde hierfür entkernt und mit einer eingestellten Konstruktion, dem mittlerweile legendären „Haus im Haus“ überformt. Der gesamte eingeschossige Anbau wurde durch Wandelgänge mit Glassatteldächern gefasst, der hintere Ausstellungsbereich erhielt eine Lichtdecke. Mittlerweile steht der postmoderne Bau unter Denkmalschutz, birgt aber einige Arbeit: Die offenen Treppenhäuser mit direkt angrenzenden Ausstellungsräumen sowie die zahlreichen Glasflächen bedingen starke Temperaturschwankungen und damit eine schwierige Regulierung des Innenklimas. Daher soll der Wärmeschutz deutlich verbessert werden. Die Außenwände der erdgeschossigen Korridore und das Tonnendach der Ausstellungshalle werden gedämmt, zudem gilt es, Mängel bei Brandschutz- und Sicherheitstechnik zu beheben. Auch die sanitären Einrichtungen sollen erneuert werden. Freuen wir uns aufs Ergebnis, und freuen wir uns aufs Interims-DAM im interessanten 1950er-Jahre-Ensemble am Danziger Platz – das in absehberer Zeit leider abgerissen werden soll. (db, 25.7.21)

Frankfurt, DAM 2018 (Bild: Hagen Stier)

Das „Kreisler“ kommt

Es hat nix mit dem großen Komponisten Georg Kreisler zu tun, und auch erst recht nix mit „Tauben vergiften im Park“ : Das Kreisler genannte Projekt in der Baseler Straße nahe des Frankfurter Hauptbahnhofs ist ein rund 45 Meter hohes Bürohaus, das in den beiden unteren Geschossen eine Geschäftszone haben soll. Insgesamt werden rund 25.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche entstehen. Der Entwurf des geschwungenen Baus (der in der Tat ein wenig an einen rotierenden Kreisel erinnert) an prominenter Stelle stammt vom Frankfurter Architektenkontor Faller + Krück. Planer ist die Hamburger Gruppe Quest Investment Partners.

Natürlich muss fürs kühn geschwungene Rund erst einmal Platz geschaffen werden. Und so fällt auf dem Eckgrundstück Baseler Straße/Gutleutstraße eines der frühesten (gleichwohl auch niedrigsten) Hochhäuser der Nachkriegszeit: Der 1957 entstandene Hochbau ist Eckpunkt eines langgestreckten Gebäuderiegels zur Basler Straße. Und ausnahmsweise bedeutet der kommende Neubau tatsächlich einmal eine Aufwertung der Situation, denn die Bestandsgebäude wurden 1993/94 einer derart entstellenden Totalsanierung unterzogen, dass der einzige Kritikpunkt am Abriss die Freisetzung der „Grauen Energie“ ist. Die Fertigstellung des Neubaus ist für Ende 2023/ Anfang 2024 vorgesehen. (db, 22.5.21)

Frankfurt, Kreisler (Rendering: Quest Investment Partners)