Wohnen statt Zeitung

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zieht bald von der Frankenallee ins benachbarte Europaviertel. Dort entsteht nach Plänen des Berliner Architekturbüros Eike Becker ein Hochhaus, das 2022 fertiggestellt sein soll. Auf dem bisherigen Zeitungs-Areal sollen 650 Wohnungen und eine Grundschule gebaut werden – das „Hellerhof-Quartier“. Zur Vermarktung haben die FAZ und die benachbarte „Frankfurter Societät“ mit der Unternehmensgruppe Bauwens und dem Family Office Daniel Hopp ein Joint Venture gegründet, das das 2,4 Hektar große Areal zwischen Mainzer Landstraße, Frankenallee, Günderrodestraße und Gutenbergstraße entwickeln soll. In Abstimmung mit der Stadt ist ein zweiphasiger Realisierungswettbewerb vorgesehen, dessen Ergebnisse Grundlage für den neuen Bebauungsplan sein sollen. Die Fertigstellung des Quartiers ist für 2027 avisiert – wofür die Bestandsbauten abgerissen werden dürfen.

Dies betrifft auch das im Kern gründerzeitliche, mehrfach kunstvoll modernisierte Societäts-Gebäude sowie das 1987 errichtete, postmoderne FAZ-Redaktionshaus. Dessen Architekt war Artur C. Walter (1928-2017), der ab 1968 für etliche Frankfurter U-Bahnhöfe verantwortlich zeichnete. „Unser Haus ist alt, hat viel zu hohe Verbrauchs- und vor allem Energiekosten, hat einen hohen Renovierungsbedarf in der Größenordnung von 60 bis 80 Millionen Euro. Für uns ist es sinnvoll, den Standort zu wechseln (…)“, erklärte FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner bereits 2018 im Interview. Einen Beleg für die Zahlen lieferte er nicht. (db, 14.8.20)

oben: Frankfurt, FAZ-Haus; Titelmotiv: Frankfurt, Societätsdruckerei (Bilder: Daniel Bartetzko)

Frankfurter Kommunikaze

Ende 2019 sorgte die Nachricht, dass das traditionsreiche Frankfurter Haushaltswarengeschäft Lorey sein Stammhaus zwischen Schillerstraße und Großer Eschenheimer Straße aufgibt, für Aufsehen. Geplant ist der Umzug ins nahegelegene Einkaufszentrum „My Zeil“. Als Grund nannte Lorey-Geschäftsführer Philipp Keller das Alter der derzeit genutzten Immobilie. Gebaut wurde sie bis 1954 unter Einbeziehung einer Kriegsruine in der Schillerstraße. Wie üblich in der nahezu unbezahlbar gewordenen Frankfurter City fand sich jetzt in Lichtgeschwindigkeit ein Investor. Da nach Auskunft der Stadt kein Denkmalschutz bestand, kam der Verkauf (geräuschlos) ins Laufen. Ein weiteres Stück Stadtgeschichte droht zu verschwinden.

Doch Anfang April überraschte das hessische Landesamt für Denkmalpflege mit der Auskunft, dass das Lorey-Gebäude als Beispiel eines gut erhaltenen 1950er-Jahre-Geschäftshauses unter Denkmalschutz gestellt worden sei – eine Nacherfassung der zuletzt vor 20 Jahren überarbeiteten Innenstadt-Denkmalliste. Die Investoren, die das Haus durch einen Neubau ersetzen wollen, sollen ihre Pläne nun dem Landesamt für Denkmalpflege vorstellen. Die Stadt will dem bisherigen Eigentümer entgegenkommen und hält zumindest einen Teilabriss für möglich. Bei aller Freude über den (wahrscheinlichen) Erhalt zumindest des Bauteils in der Großen Eschenheimer Straße bleibt dennoch der Eindruck mangelnder Kommunikation zwischen den Denkmal-Fachleuten – die im schlimmsten Fall dem Verkäufer schweren wirtschaftlichen Schaden hätte zufügen können. (db, 7.7.20)

Frankfurt, Lorey-Haus (Bild: Deutsches Architektur Forum, Schmittchen)

Die 1960er in Frankfurt

Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt zeigt in seiner aktuellen Ausstellung „Bewegte Zeiten“ die Main-Metropole in den 1960er Jahren. Am Montag, den 17. Februar, startet die begleitende Veranstaltungsreihe mit einem Vortrag von Kurator Markus Häfner über „Frankfurts Stadtbild im Wandel: Bauen für Kultur, Arbeiten und Wohnen“. Heiß diskutierte Fragen waren einst unter anderem: Was entsteht zwischen Dom und Römer? Soll die Alte Oper wieder aufgebaut werden? Was hilft gegen die Wohnungsnot? Wie kann das Verkehrschaos behoben werden? Wie kann Architektur die Bildungs- und Kulturvermittlung unterstützten? Was ist modern, was zweckmäßig, was abrissbedürftig?

Dass sich der Fragenkatalog der 1960er kaum von dem 2020 unterscheidet, ist dabei schon jetzt einer der interessanten Aspekte … Mit der Nordweststadt entstand ein neuer Stadtteil auf der grünen Wiese, 1968 dazu Frankfurts erste U-Bahn. Die Farbwerke Hoechst schenkten ihrer Belegschaft zum Firmenjubiläum 1963 die Jahrhunderthalle. Im gleichen Jahr, in dem auch die nun vom Abriss bedrohten Städtischen Bühnen die Pforten öffneten. Und auch der (jüngst ersetzte) Henninger Turm ist ein Kind der 1960er. Markus Häfner will den Zusammenhang zwischen architektonischer Gestaltung und den gesellschaftlichen Vorstellungen jener Ära veranschaulichen. Beginn ist am 17.2. um 18 Uhr im Dormitorium des Karmeliterklosters, Münzgasse 9. Seien Sie pünktlich: Es besteht nur ein begrenztes Platzangebot, Reservierungen sind nicht möglich. (db, 16.2.20)

Frankfurt, Hauptwache und Zeil um 1965 (Bild: Wikiwand)