Rebstockbad: Abriss ante portas

Die Verbindung von Sport und Freizeitspaß war in den 1970er/80er Jahren wegweisend. Dies war auch die große Zeit der „Erlebnisbäder“. In Frankfurt entstand von 1979-82 eines der ersten seiner Art: das postmodern angehauchte Rebstockbad, mit 600.000 Besuchern jährlich bis heute eines der größten seiner Art. Nach 39 Jahren ist nun das Aus gekommen. Am 30. April hat der sanierungsbedürftige Bau mit einer coronabedingt kleinen Feier die Tore geschlossen und wird nun, einem Beschluss der Stadt von 2018 folgend, abgerissen. Gast der Schlussveranstaltung war Schwimm-Olympiasieger Michael Groß, der bereits der Eröffnung im November 1982 beiwohnte und hier 1991 auch seinen letzten Wettkampf bestritt. Nicht nur die geschätzten Sanierungskosten von 80 Millionen Euro waren ein Abrissargument – auch die Leistungsgesellschaft fordert ihren Tribut: Im geplanten Neubau sind Planschbecken und Hochleistungssport durch eine Glasfront wieder strenger getrennt.

Entworfen hat das ikonische Rebstockbad (Spitzname „Schwimmoper“) der Frankfurter Architekt Dieter Glaser, der in den späten 1970ern auch Teil einer Planungsgruppe war, die zur Dom-Römer-Neugestaltung Vorschläge lieferte. Das wellenförmige Dach des Bads, das sowohl an die Münchener Olympiabauten als auch an fernöstliche Vorbilder erinnert, ist der markanteste Teil der 1980er-Jahre-Oase. Drei Sprungtürme, Wellen- und Außenbecken, eine schneckenförmige Wasser-Rutsche und ein großer Wellness-Bereich zählten ebenso zum opulenten Unterhaltungsprogramm – das entgegen der hohen Sanierungskosten eigentlich noch erstaunlich intakt wirkte… Nun wird die Schwimmoper ausgeräumt, und ab September rücken die Bagger an. Bis 2025 soll anschließend an gleicher Stelle der Neubau nach Plänen des Hamburger Büros Geising + Böker Architekten entstehen. (db, 5.5.21)

Frankfurt, Rebstockbad (Bild: Carsten Ratzke, CC BY-SA 3.0)

Licht, Luft und Sonne

Die Leitbilder des Städtebaus der Nachkriegsmoderne versprachen einen radikalen Neuanfang. Frei von den beengten Wohnverhältnissen der im Krieg zerstörten, historischen Viertel entstand eine autogerechte Stadt mit Grünflächen und öffentlichen Freiräumen. Als Antwort auf die Wohnungsnot, die nach dem Krieg herrschte, wurde den Menschen nun modernster Wohnraum angeboten. Was damals als zukunftsweisend galt, ist heute jedoch in Verruf geraten. Schnell wurden Vorurteile gegenüber den neuen Stadt- und Wohnstrukturen laut: Freiräume wurden zu Angsträumen, „Betonburgen” zu sozialen Brennpunkten.

Auch heute mangelt es den Städten wieder an bezahlbarem Wohnraum. Die Herausgeber des Sammelbands „Adaptive Re-Use“ beschäftigen sich deshalb mit der Frage, wie Nachkriegssiedlungen an heutige Anforderungen angepasst werden können. Im Rahmen des Forschungslabors Nachkriegsmoderne an der Frankfurt University of Applied Sciences sollen die Qualitäten der Siedlungen von innen heraus verstanden werden, um eine Nachverdichtung ohne den Verlust ihrer charakteristischen Merkmale zu ermöglichen. Anhand von europäischen Fallbeispielen der Jahre 1945 bis 1975 diskutiert die Veröffentlichung Strategien für eine denkmalgerechte Weiterentwicklung. Kann ein Umdenken der Strukturen den modernistischen Siedlungen zu neuem Glanz verhelfen? (re, 1.2.21)

Harnack, Maren/Heger, Natalie/Brunner, Matthias (Hg.), Adaptive Re-Use, Strategies for Post-War Modernist Housing, Jovis Verlag, Berlin 2020, Broschur, 16,5 x 24 cm, 144 Seiten, Englisch, ISBN: 978-3-86859-611-3.

Titelmotiv: Nachkriegsmoderne im Umbruch (Bild: Johann Talleboirs, magda-map, Titelmotiv der Tagung)

Städtische Bühnen im Gespräch

Gleich zwei Online-Veranstaltungen beschäftigen sich in den nächsten Tagen mit der Zukunft der abrissbedrohten Städtischen Bühnen Frankfurt – und mit der Zukunft des Theaters überhaupt. Zunächst lädt das Deutsche Architekturmuseum (DAM) am 4.2. zur Online-Diskussion „Welche Bühnen für das 21. Jahrhundert?„: Wie entwickeln sich die Aufführungsformen? Welche Möglichkeiten eröffnen sich aus der Digitalisierung und welche baulichen Auswirkungen resultieren daraus für die Bühnen? Darüber sprechen Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt; Marcus Lobbes, Künstlerischer Leiter der Akademie für Theater und Digitalität; Bernd Loebe, Intendant Oper Frankfurt; Nora Schmid, Intendantin Oper Graz und Anselm Weber, Intendant Schauspiel Frankfurt. Es moderiert Alf Mentzer, Hessischer Rundfunk.

Um die Architektur geht es am 17.2.in „Welches Theater für welche Stadt?, Teil 2„: Wie sollen die Gebäude aussehen, in denen zukünftig das städtisch subventionierte Theater stattfinden wird? Wo sollen Oper, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, wo die experimentellen darstellenden Künste zukünftig geprobt, aufgeführt, gesehen und verhandelt werden? Hier wollen die Fachbereiche Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt die aufgeworfenen Fragen öffentlich diskutieren. Zum Thema „Theaterbauten, Kultur für alle“ spricht Carsten Ruhl (Sprecher des LOEWE Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“; Architekturhistoriker, Goethe-Universität Frankfurt) am mit der Theaterwissenschaftlerin Ulrike Haß (Bochum/Berlin) und dem Architekturhistoriker Frank Schmitz (Universität Hamburg). (db, 30.1.21)

Frankfurt, Städtische Bühnen (Bild: Epizentrum, CC BY-SA 3.0)