Mannheim sagt ja: Millionen für Multihalle

Gute Nachrichten aus Mannheim: Heute hat sich der dortige Gemeinderat mit einer Architekturikone beschäftigt. Die 1975 zur Bundesgartenschau errichtete Multihalle gilt als eines der frühen Meisterwerke von Frei Otto, der dafür mit den Architekten Carlfried Mutschler und Joachim Langner zusammenarbeitete. Doch eine Sanierung ist inzwischen unaufschiebbar. 2011 wurde das Baudenkmal für den Besucherverkehr geschlossen, 2016 dachte der Gemeinderat laut über Abriss nach. Dann diskutierte 2017 ein Expertenworkshop über mögliche Sanierungs- und Nutzungsvarianten. Denn, da waren sich die Fachleute einig, eine Zukunft müsse es für das Gesamtkunstwerk einfach geben.

In der heutigen Gemeinderatssitzung ging es nun um die Wurst. Kurz zuvor hatte der Bund bereits im Rahmen des Programms „Nationale Projekte des Städtebaus“ eine satte 5-Millionen-Förderung für die Sanierung der Multihalle zugesagt – die Architekturliebhaber hatten also bereits finanziellen Rückenwind. Am Ende stand in der Quadratestadt, wie mannheim24.de berichtet, auch die Zustimmung des Gemeinderats zur Finanzierung des Bauvorhabens. Die Sanierung, die zur Bundegartenschau 2023 in Mannheim fertiggestellt sein soll, wird die Kommune selbst voraussichtlich rund 9 Millionen Euro kosten. Damit steht einer denkmalgerechten Zukunft der Multihalle nichts mehr entgegen. (kb, 9.7.19)

Mannheim, Multihalle (Bild: Hubert Berberich (HubiB), CC BY 3.0)

Frei Ottos letztes Interview

Seine zeltartigen Dachkonstruktionen sind legendär, neben Gottfried Böhm ist er der einzige deutsche Architekt, der je mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde: Frei Otto. Und er war der erste Preisträger, dem diese Ehre posthum zu Teil wurde – Frei Otto verstarb im Jahr 2015 zwei Monate vor der Preisverleihung. Ein kürzlich erschienenes Buch porträtiert den Architekten nun anhand der letzten Interviews, die Frei Otto vor seinem Tod gab.

Die Basis des Buches sind intensive Gespräche, die Frei Otto mit seinem Freund und Kollegen Reinhard Erfurth in den Jahren 2011 bis 2013 führte. Sie galten nicht nur der Architektur der Moderne, sondern drehten sich um diverse gegenwärtige Themen und gipfelten in der zentralen Frage nach dem Leben, Wohnen und Bauen der Zukunft. Das Buch ist mit seltenen Aufnahmen der Arbeiten Frei Ottos illustriert, die teils aus privaten Beständen stammen. Als Mitautorin fungiert Christine Otto-Kanstinger, die Tochter des Architekten. (jr, 5.7.18)

Erfurth, Reinhard, Otto-Kanstinger, Christine, Frei Otto. Die Zukunft hat schon begonnen. Visionen eines großen Architekten, hg. v. Industrieverein Sachsen 1822 e. V., Chemnitz 2017, ISBN 978-3944509372.

Olympiapark München, Frei Otto (Bild: Tiia Monto, CC BY SA 3.0)

Manöver um die Multihalle

Manöver um die Multihalle

Mannheim, Multihalle (Bild: Immanuel Giel, PD)
Fachleute ringen um die Multihalle (Bild: Immanuel Giel, PD)

Wie schwer sich ein Luftschloss festbinden lässt, mussten an diesem Wochenende die Experten in der Multihalle feststellen. Sie trafen sich zum internen Workshop, dessen Ergebnisse öffentlich vorgestellt wurden. Die 1975 errichtete Halle gilt als eines der frühen Meisterwerke von Frei Otto. Doch eine Sanierung ist inzwischen unaufschiebbar …

2011 wurde das Baudenkmal für Besucherverkehr geschlossen, 2016 dachte der Gemeinderat laut über Abriss nach. Vor Kurzem gründeten die Stadt und die Architektenkammer Baden-Württemberg „Multihalle e. V.“, um Spenden zum Bauerhalt zu sammeln und eben jenen Expertenworkshop auszurichten. Dieser offerierte für den – zunächst temporär zur Bundesgartenschau geplanten – „fliegenden Bau“ keine Generallösung. Diskutiert wurde z. B. eine Einbindung in die 2023 nach Mannheim kommende BuGa. Man solle nicht dämmen, lieber schrittweise sanieren, mit kleineren Veranstaltungen experimentieren und, so Prof. Volkmar Bleicher (TH Stuttgart), „künftige Nutzungen dem Raumklima anpassen, nicht umgekehrt.“ Der Architekturkritiker Falk Jäger taxierte auf „monumentum“ die Zukunftschancen des einstigen „Wunders von Mannheim“: „Erst kürzlich wurde die lange Jahre gesperrte Halle entrümpelt und durchgefegt; seitdem ist sie wieder einigermaßen vorzeigbar und für Inspektionen zugänglich. Der Gemeinderatsbeschluss [mit der „Option“ Abriss] steht zwar noch, aber die Hoffnung auf das zweite Wunder ist nicht unbegründet.“ (kb, 7.4.17)