Quelle-Fertighaus im Museum

Freilichtmuseen genossen unter Architekturfrans und Denkmalpflegern jahrzehntelang einen zweifelhaften Ruf. War doch höchstes Ziel, ein Gebäude vor Ort zu erhalten. Dazu kam das gern gehegte Klischee, es würde nur Fachwerk-Romantik präsentiert. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Nach den frühen Industriebauten wird nun die Nachkriegszeit museal aufbereitet, und für viele kleinere Gebäudejener Ära ist dies die letzte Chance auf einen irgendwie gearteten Erhalt. Im Freilichtmuseum am Kiekeberg nahe Hamburg läuft bereits seit einigen Jahren das Projekt „Königsberger Straße – Heimat in der jungen Bundesrepublik“, in der 2019 eine Gasolin-Tankstelle aus Stade wieder aufgestellt wurde. Jetzt arbeitet man im Museum an einem Katalog-Fertighaus von Quelle aus dem Jahr 1966. Nach 53 Jahren musste es seinen Standort in Winsen/Luhe verlassen.

Die einstigen Besitzer hatten bereits lange mit dem Freilichtmuseum vereinbart, dass das Haus ins Museum kommt – samt Möblierung aus den 1970er Jahren. Nach dem Tod des Ehepaar Gröll setzten deren Söhne 2019 gemeinsam mit dem Kiekeberg-Team das Vorhaben um. Als erstes Versandhandelsunternehmen bot die Quelle-Fertighaus GmbH ab 1962 selbstentwickelte Fertighäuser an. Die Bauherren erhielten dazu noch die „Fertighaus-Fibel“, welche die verschiedenen Haustypen und ihre Vorteile anpries. Ab Sommer 2021 soll das Quelle-Haus am Kiekeberg für Besucher geöffnet sein. (db, 2.4.20)

Quelle-Fertighaus 2010 in Winsen/Luhe (Bild: Freilichtmuseum am Kiekeberg)

Translozierung August 2019 (Bild: Freilichtmuseum am Kiekeberg)

Museumsreife Tankstelle

Es ist nie erfreulich, wenn ein Relikt des Wirtschaftswunders inklusive eines über 120 Jahre alten Backsteinhauses einer Investoren-Wohnanlage weichen muss. Doch im konkreten Fall gab es zumindest in Teilen eine Rettung: Eine ehemalige Gasolin-Tankstelle aus Stade an der Elbe hat im Freilichtmuseum am Kiekeberg nahe Hamburg ihre neue Heimat gefunden. Die Erben des einstigen Betreibers haben sich mit dem Freilichtmuseum über die Translozierung geeinigt, bevor die Bagger anrückten. Das Gebäude, eine Typtankstelle „T6“ von 1954, gelangte per Tieflader an seinen neuen Standort. Bis Ende der 1960er floss in Stade der Sprit unterm Gasolin-Logo, dann übernahm Aral die Kette. 1984 wurde der Tankstellenbetrieb eingestellt, die zugehörige Werkstatt bis zuletzt untervermietet.

Nun steht die Gasolin-Station in der „Königsberger Straße“: Hier reihen sich Bauwerke des Wirtschaftswunders, darunter eine kleinstädtische Ladenzeile mit sechs Geschäften, ein nachkriegsmoderner Aussiedlerhof und ein „Quelle“-Fertighaus. Die Einweihungsfeier der „Tankstelle Mehrtens“ ist am 15. September. Doch nicht nur das Wirtschaftswunder, auch die gesellschaftliche Entwicklung ist in dieser Museumsstraße Thema: Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und etliche ehemalige Zwangsarbeiter waren nach dem Zweiten Weltkrieg zu Neubürgern. Der Kreis Harburg nahm überproportional viele von ihnen auf: 1939 lebten dort noch 62.602 Menschen, zehn Jahre später 124.397. Ein vorbildhaftes Verhalten, das nicht in Vergessenheit geraten sollte … (db, 12.8.19)

Freilichtmuseuseum am Kiekeberg, Gasolin-Tankstelle (Bild: Museum)