Die Welle ist verkauft

Wenn es darum geht, das Werk des Architekten Johannes Peter Hölzinger zu beschreiben, landen die Annäherungsversuche irgendwo zwischen „Psychodynamische Raumstrukturen“ und „Wellenförmiges Dilemma“. Denn Hölzinger, 1936 geboren im hessischen Bad Nauheim, bewegt sich mit seinen Bauten lustvoll an der Nahtstelle zwischen Architektur und Skulptur – nicht umsonst arbeitete er fast 20 Jahre mit dem Zero-Künstler Hermann Goepfert in einer Planungsgemeinschaft zusammen. Seit rund 10 Jahren wird Hölzingers Schaffen in der Fachwelt neu gewürdigt: vom Symposion bis zur Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum. Auch im hessischen Friedberg schuf das Duo Goepfert-Hölzinger eine außergewöhnliche Bauform. Das evangelische Gemeindezentrum diente der Gruppen- und Gottesdienstarbeit, als Wohnung und Kindergarten.

Doch seit Monaten ringen die Verantwortlichen um das 2008 zum Kulturdenkmal erhobene Ensemble: Hübsch anzusehen sei das ja alles, aber die Folgekosten aus eindringender Feuchtigkeit für die Kirchengemeinde nicht mehr zu stemmen. Lange wurde verhandelt, wie es mit dem langgestreckten Ensemble mit viel Grundstück weitergehen könne. Nun ist die Entscheidung gefallen: Wie die Presse berichtet, hat ein Investor aus Gießen die Welle Mitte August erworben. Als Ziel gibt er die Umgestaltung zu 13 Wohnungen an. Zuvor hatte die Kommune Interesse angemeldet, um in den Räumen weiterhin eine Kindertagesstätte zu betreiben, doch diese Option zerschlug sich wieder. Zuletzt soll ein zweiter Interessent im Spiel gewesen sein, doch für die Gemeinde gab ein Detail den Ausschlag: Der Gemeindesaal wird an eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde verkauft. Für die evangelische Kirchengemeinde hingegen wird aktuell ein räumlicher Schwerpunkt in der Kaiserstraße ausgebildet. (kb, 17.9.21)

Friedberg, Gemeindezentrum West (Bild: K. Berkemann, Mai 2021)

Friedberg, Gemeindezentrum West (Bilder: K. Berkemann, 2021)

Friedberg: Hoffnung für die Welle

Es sind es gute Nachrichten, die aus Friedberg kommen: Die Schließung des evangelischen Kindergartens wird um ein Jahr verschoben. Denn die Stadt interessiert sich für den abrissbedrohten Bau und hat der Kirchengemeinde ein Kaufangebot gemacht. Der Entwurf für das Gemeindezentrum West – die verbalen Annäherungsversuche schwanken irgendwo zwischen „Psychodynamische Raumstrukturen“ und „Wellenförmiges Dilemma“ – stammt von Johannes Peter Hölzinger und Hermann Goepfert. Hölzinger, 1936 geboren in Bad Nauheim, bewegt sich mit seine Bauten lustvoll an der Nahtstelle zwischen Architektur und Skulptur – nicht umsonst arbeitete er fast 20 Jahre mit dem Zero-Künstler Goepfert in einer Planungsgemeinschaft zusammen. Seit rund 10 Jahren wird Hölzingers Schaffen in der Fachwelt neu gewürdigt: vom Symposion bis zur Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum.

Das evangelische Gemeindezentrum dient der Gruppen- und Gottedienstarbeit, als Wohnung und Kindergarten. Doch seit Monaten ringen die Verantwortlichen um das 2008 zum Kulturdenkmal erhobene Ensemble: Hübsch anzusehen sei das ja alles, aber die Folgekosten aus eindringender Feuchtigkeit für die Kirchengemeinde nicht mehr zu stemmen. In der Presse wurde wiederholt bekräftigt, 2020 könnte, sollte, müsste die Kita schließen, vielleicht sogar das ganze Gemeindezentrum. Auch das Thema Abriss stand im Raum. Nun scheint sich (bezogen auf die Kindertagesstätte) eine Hoffnung auf Erhalt abzuzeichnen. (kb, 25.11.19)

Friedberg, Gemeindezentrum West (Bild: Lixe D., via yelp.de)

Ein junges Denkmal für Wulfertshausen

Im bayerischen Friedberg wurde gerade ein kaum 39-jähriges Bauwerk zum Kulturdenkmal erhoben: die Kirche St. Radegundis. Das katholische Kirchenzentrum wurde 1980 nach den Entwürfen des Architekten Josef Wiedemann (1910-2001) fertiggestellt. Wiedemann hatte in München u. a. bei Hans Dölgast studiert und sich dem Stil der Stuttgarter Schule angenähert. In der Zeit des Nationalsozialismus wirkte er u. a. an den Bauprojekten am Obersazlberg mit. Nach 1945 orientierte er sich neu: Neben prominenten profanen Projekten wie der Münchener Allianz-Generaldirektion (1954) profilierte er sich vor allem im kathlischen Kirchenbau – mit Bauten wie der Kirche Zu den Heiligen Engeln in Landsberg (1967) oder der Todesangst-Christi-Kapelle auf der KZ-Gedenkstätte Dachau (1961).

In Wulfertshausen verband Wiedemann die Klarheit skandinavischer Vorbilder mit dem nachkonziliaren Gemeinschaftsgedanken zu einem neuen, modernen Ortsmittelpunkt. Die Denkmalausweisug des Landes für St. Radegundins wurde von der Kommune in einem Punkt ergänzt: Die ehemalige Messnerwohnung sei bereits vor der Unterschutzstellung zur Kinderkrippe umgebaut worden – man gehe davon aus, dass ähnliche Maßnahmen weiter möglich seien. Bei jüngeren Denkmale, so der Baureferent Carlo Haupt gegenüber der Presse, gehe es ja „mehr um die Optik, weniger um das Material“. Es klingt, als hätte man noch Pläne für das frischgebackene Kulturdenkmal … (kb, 9.2.19)

Friedberg-Wulfertshausen, St. Radegundis (Bild: Hubi1802, via mapio.com)