Hannover würdigt die Spengelins

Ingeborg (1923-2015) und Friedrich Spengelin (1925-2016) schufen die alte Bundesrepublik prägende Bauten wie das Rathaus Helgoland (1957-60), die Dreifaltigkeitskirche in Hamburg (1965), die Hochhäuser des NDR (1964-67) und der Hamburger Landeskirche (1971-74, Abriss 2017) sowie die Kunsthalle Emden (1983-86/1997-2000). Das Architektenpaar eröffnete 1951 ein gemeinsames Büro in Hamburg, ab 1975 wirkten sie in Hannover. Nachfolger des Hamburger Büros war von 1972 bis 2010 die Planungsgemeinschaft Spengelin, Gerlach und Partner (sgp). Nicht alle Spengelin-Bauten wurden – und werden – wirklich geliebt. Die vordergründige Strenge und die schiere Größe vieler Entwürfe sind es, die insbesondere den Stadtplanungen Friedrich Spengelins vorgeworfen werden: Auch das 1979 fertiggestellte, derzeit im Umbau befindliche „Bonner Loch“ zählt zu jenen Projekten, die einst gelobt und bald verachtet wurden.

Die Architektenkammer Niedersachsen in Hannover widmet den Spengelins bis zum 27. Juli eine Ausstellung. Zu sehen sind unter anderem Entwürfe für Hannover und Hamburg, für Buxtehude und Eckernförde. Die Kuratorin Ute Maasberg hat das Material mit Unterstützung von Barbara Spengelin, der Tochter des Paares, zusammengestellt. So finden sich auch Exponate aus dem Nachlass wie Fotos, Aquarelle und Schmuckstücke, die teils von Ingeborg Spengelin, teils von Eske Nannen angefertigt wurden – der Witwe des einstigen „Stern“-Herausgebers Henri Nannen, der seiner Geburtsstadt Emden eben auch die Kunsthalle gestiftet hat. (db, 4.6.18)

Emden, Kunsthalle (Bild: Ukumo, CC BY SA 3.0)

Bonn: Südüberbauung is fott

In Bonn wird derzeit der Bahnhofsvorplatz umgebaut. Die derzeitige Gestaltung, die Friedrich Spengelin für die damalige Bundeshauptstadt in den 1970er Jahren ausarbeitete, stand in den letzten Jahren zunehmend in der öffentlichen Kritik. Besonders das „Bonner Loch“, eine raumgreifende Treppenanlage, die zum unterirdischen Teil des Bahnhofs führt, hat nur wenige Fürsprecher in der Stadt. Sie soll nun überbaut, die angrenzende Architektur abgerissen werden. Die Südüberbauung, ein Gebäudekomplex mit Geschäften, Restaurants und einem Hotel gegenüber dem Bahnhof, ist seit einigen Tagen gänzlich verschwunden.

An ihre Stelle soll das sogenannte „Maximiliancenter“ treten, das voraussichtlich 2018 fertiggestellt wird. Ganz sang- und klanglos abräumen ließ sich die Südüberbauung jedoch nicht. Im Juni stürzte beim Abriss des grauen Riesen ein Kran um und zerriss die Oberleitung der nahen Straßenbahn, so dass in der Bundesstadt für Stunden Verkehrschaos herrschte. Die Abrissarbeiten wurden darauf aus Sicherheitsgründen auf die Nacht- und frühen Morgenstunden verlegt. Die Gefahr, dem Vergessen anheimzufallen, droht der Südüberbauung übrigens nicht: Der jüngste Architekturführer der Werkstatt Baukultur Bonn gilt dem Bahnhofsvorplatz nach der Planung Spengelins. (jr, 23.8.17)

Bonn, Südüberbauung (Bild: Eckhard Henkel/Wikimedia Commons/CC BY SA 3.0 DE)