Alle reden vom Fußball …

… wir nicht. Also selten. Eine Ausstellung in Moskau bringt uns aber doch dazu: Bis zum 26. August beleuchtet die Schau „Arhitektura Stadionov“ im Ščusev-Museum für Architektur Sportarenen Russlands und der ehemaligen Sowjetunion. Den sowjetmodernen Großbauten treten hier die jüngst eröffneten, modernen Fußballtempel gegenüber, die eigens für die Weltmeisterschaft (um)gebaut wurden.

Stadien hatten als Austragungsort von Sport- und Massenveranstaltungen einen besonderen Stellenwert in der sowjetischen Architektur. Renommierte Baumeister wie Nikolaj Kolli, Nikolaj Ladovskij oder Dimitrij Iofan beteiligten sich mit engagierten Beiträgen an der Suche nach der idealen sozialistischen Sportarena. Bei prestigeträchtigen internationalen Wettkämpfen sollten die Bauten ebenso wie die sowjetischen Sportler die Überlegenheit des politischen Systems demonstrieren.  Die Ausstellung versammelt Modelle und noch nie gezeigte Pläne mit Beispielen aus Moskau, St. Petersburg, Minsk, Jerevan und anderen Städten. Teils blieben die aufwändigen Entwürfe ungebaut, teils kann man sie derzeit in modernisierter Form täglich im Fernsehen bewundern. (jr, 3.7.18)

Lužniki Staion, Moskau, 1980 (Bild: RIA Novosti archive, image #487039, Vladimir Rodionov, CC BY-SA 3.0)

Fußball-Profi kauft Kirche

Der Profi-Kicker Julian Schieber, der früher beim VfB Stuttgart engagiert war und aktuell bei Herta BSC in Berlin spielt, hat eine Immobilie in der Nähe seiner Heimatstadt Backnang erworben: Die Methodistische Kirche in Oppenweiler entstand 1969 im Ortszentrum als zeltförmiger Baukörper. 2016 sah sich die Gemeinde gezwungen, sich von diesem Standort zu trennen und bot die markante Kleinkirche in bester Lage 2017 zum Kauf an.

Schieber hatte ein Auge auf das Objekt geworfen, um sich einen festen Stützpunkt für seine Heimatbesuche bei der Familie zu schaffen. Für den Zeltbau stehen nun wohl einige Veränderungen ins Haus. „Vor allem soll in die Räume mehr Licht kommen“, erklärte er gegenüber den Presse. Er will den Bau als Einfamilienhaus auf zwei Ebenen mit einem größeren Gemeinschaftsraum nutzen. In diesem Veranstaltungsbereich wären etwa Yoga- und Zumba-Kurse möglich, erläuterte Schieber. Vielleicht bereitet er hier auch seine Zweit-Karriere vor – im nahen Backnang ist er bereits an einem Café beteiligt. (kb, 12.3.18)

Julian Schieber (Bild: Thomas Rodenbücher, CC BY SA 2.0, 2014 – zu einem Bild der evangelisch-methodistische Kirche in Oppenweiler geht es hier)

Deutsche, Franzosen, die 60er und der Fußball

Fußball wirkt integrativ – so weit die in Europa gern bemühte These. Gerade für Verbandsfunktionäre bildet diese Vorstellung einen zentralen Pfeiler der Selbstdarstellung, nicht erst seit dem DFB-Imagefilm „DFB – más integracion“ (2009) von Sönke Wortmann. Allerdings kann Fußball auch ausgrenzen, wenn etwa das Spielgeschehen auf Stereotypen verfestigt oder sogar Missverständnisse, Aggressionen und Feindseligkeiten erzeugt werden. Besonders augenfällig scheint dies mit Blick auf „Ausländervereine“, die oftmals eher als fußballerische „Parallelgesellschaften“ denn als positive Beispiele für Integration und migrantische Selbstorganisation gelten.

Dieser Frage will sich die Tagung „Migration/Integration/Exklusion – Spannungsfelder einer deutsch-französischen Gesellschafts- und Kulturgeschichte des Fußballs in den langen 1960er Jahren“ vom 4. bis 6. Juli 2018 in Saarbrücken (Graduate Center der Universität des Saarlandes) nähern. Veranstalter ist der dortige Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte. Auf der Folie normativer Verbandsdiskurse und alarmistischer öffentlicher Debatten will der Workshop eine zeitgeschichtliche Perspektive für die 1950er bis 1970er Jahre erarbeiten. Damals setzte in Westdeutschland die Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte ein, bahnte sich in Frankreich bereits die zweite Immigrationswelle der Nachkriegszeit an. Noch werden Themenvorschläge (in deutscher oder französischer Sprache) gesucht. Vorschläge (ca. ein- bis zweiseitiges Exposé samt Lebenslauf) können eingereicht werden bis zum 31. Januar 2018 an: Dietmar Hüser, dietmar.hueser@uni-saarland.de, oder Ansbert Baumann, ansbert.baumann@uni-saarland.de. (kb, 18.12.17)

Ludwigsparkstadion, Saarbrücken (Bild: Sascha Brück, CC BY SA 3.0)