Schlagwort: Fußball

Julian Schieber (Bild: Thomas Rodenbücher, CC BY SA 2.0, 2014)

Fußball-Profi kauft Kirche

Der Profi-Kicker Julian Schieber, der früher beim VfB Stuttgart engagiert war und aktuell bei Herta BSC in Berlin spielt, hat eine Immobilie in der Nähe seiner Heimatstadt Backnang erworben: Die Methodistische Kirche in Oppenweiler entstand 1969 im Ortszentrum als zeltförmiger Baukörper. 2016 sah sich die Gemeinde gezwungen, sich von diesem Standort zu trennen und bot die markante Kleinkirche in bester Lage 2017 zum Kauf an.

Schieber hatte ein Auge auf das Objekt geworfen, um sich einen festen Stützpunkt für seine Heimatbesuche bei der Familie zu schaffen. Für den Zeltbau stehen nun wohl einige Veränderungen ins Haus. „Vor allem soll in die Räume mehr Licht kommen“, erklärte er gegenüber den Presse. Er will den Bau als Einfamilienhaus auf zwei Ebenen mit einem größeren Gemeinschaftsraum nutzen. In diesem Veranstaltungsbereich wären etwa Yoga- und Zumba-Kurse möglich, erläuterte Schieber. Vielleicht bereitet er hier auch seine Zweit-Karriere vor – im nahen Backnang ist er bereits an einem Café beteiligt. (kb, 12.3.18)

Julian Schieber (Bild: Thomas Rodenbücher, CC BY SA 2.0, 2014 – zu einem Bild der evangelisch-methodistische Kirche in Oppenweiler geht es hier)

Ludwigsparkstadion, Saarbrücken (Bild: Sascha Brück, CC BY SA 3.0)

Deutsche, Franzosen, die 60er und der Fußball

Fußball wirkt integrativ – so weit die in Europa gern bemühte These. Gerade für Verbandsfunktionäre bildet diese Vorstellung einen zentralen Pfeiler der Selbstdarstellung, nicht erst seit dem DFB-Imagefilm „DFB – más integracion“ (2009) von Sönke Wortmann. Allerdings kann Fußball auch ausgrenzen, wenn etwa das Spielgeschehen auf Stereotypen verfestigt oder sogar Missverständnisse, Aggressionen und Feindseligkeiten erzeugt werden. Besonders augenfällig scheint dies mit Blick auf „Ausländervereine“, die oftmals eher als fußballerische „Parallelgesellschaften“ denn als positive Beispiele für Integration und migrantische Selbstorganisation gelten.

Dieser Frage will sich die Tagung „Migration/Integration/Exklusion – Spannungsfelder einer deutsch-französischen Gesellschafts- und Kulturgeschichte des Fußballs in den langen 1960er Jahren“ vom 4. bis 6. Juli 2018 in Saarbrücken (Graduate Center der Universität des Saarlandes) nähern. Veranstalter ist der dortige Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte. Auf der Folie normativer Verbandsdiskurse und alarmistischer öffentlicher Debatten will der Workshop eine zeitgeschichtliche Perspektive für die 1950er bis 1970er Jahre erarbeiten. Damals setzte in Westdeutschland die Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte ein, bahnte sich in Frankreich bereits die zweite Immigrationswelle der Nachkriegszeit an. Noch werden Themenvorschläge (in deutscher oder französischer Sprache) gesucht. Vorschläge (ca. ein- bis zweiseitiges Exposé samt Lebenslauf) können eingereicht werden bis zum 31. Januar 2018 an: Dietmar Hüser, dietmar.hueser@uni-saarland.de, oder Ansbert Baumann, ansbert.baumann@uni-saarland.de. (kb, 18.12.17)

Ludwigsparkstadion, Saarbrücken (Bild: Sascha Brück, CC BY SA 3.0)

Schlusspfiff im Ludwigspark

Ludwigsparkstadion_Saarbrücken_(Bild: Sascha Brück,CC-BY-SA 3.0)
Das Ludwigsparkstadion mit seinen charakteristischen unüberdachten Stehplätzen (Bild: Sascha Brück, CC-BY-SA 3.0)

In Saarbrücken geht es dem Ludwigsparkstadion an den Kragen. Die 1953 eröffnete Sportarena wird bis 2018 umfassend „saniert“  –  tatsächlich bedeutet dies einen weitgehenden Abriss. Lediglich die Gegengerade und die historische Stadionuhr sollen in den geplanten Neubau integriert werden. Für einzelne historisch interessante Versatzstücke – die Bänke stammen etwa teils noch aus den 1950ern –  ist zu einem späteren Zeitpunkt zudem eine Versteigerung geplant. Für den Ludwigspark bedeutet die Maßnahme eine Schlankheitskur: er wird zu einem reinen Fußballstadion mit deutlich reduzierter Zuschauerkapazität (16.000 statt 35.000 Zuschauer) umfunktioniert.

Tatsächlich hat das Stadion seine großen Tage hinter sich. Zu den Spielen der Heimmannschaft, des momentan viertklassigen 1. FC Saarbrücken, kommen selten mehr als 5000 Zuschauer, auf den unüberdachten Stehplätze wuchert das Unkraut. Doch das war nicht immer so: 1954 war das Stadion Austragungsort eines WM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen das damals unabhängige Saarland. 53 000 Zuschauer drängten in das überfüllte Stadion, um eine 1:3-Niederlage gegen den späteren Weltmeister zu sehen. (jr, 15.2.16)

Sportpark Nord, Bonn, Südsüdost (Bild: Eckhard Henkel, CC-BY-SA 3.0)

Bonn: Fußball und Sichtbeton

„Tor in Bonn!“ – diesen Satz hört man in der Sportschau nur sehr selten. 2017 ertönte er nach langer Zeit aber einmal wieder: Die Konferenz zum Finaltag der Amateure schaltete sich in das Fußballstadion im Norden der Stadt, wo der Regionalligist Bonner SC gerade das 1:0 gegen den haushohen Favoriten Fortuna Köln geschossen hatte. Der Underdog schaffte es, die Führung über die Zeit zu bringen und steht damit in der ersten Runde des DFB-Pokals – zum ersten Mal seit 40 Jahren. Neben dem ambitionierten Fußballverein steht damit demnächst auch ein außergewöhnliches Stadion im Fokus der Sportwelt: Der Bonner Sportpark Nord.

 

Stadion zur Stadtaufwertung

Der Baubeginn des Sportkomplexes jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal. 1965 hatte die damalige Bundeshauptstadt das alte, nahe dem Regierungsviertel gelegene Gronaustadion an den Bund verkauft, heute steht an dieser Stelle der Post Tower. Bonn investierte das Geld in die Aufwertung seiner nördlichen Stadtteile. Neben einem neuen Wohnviertel sollte hier eine moderne Sport- und Freizeitanlage entstehen: der Sportpark Nord. Den entsprechenden Wettbewerb gewannen der Gartenarchitekt Wolfgang Darius und Ernst van Dorp, dessen Bauten Bonn bis heute prägen. Van Dorp plante unter anderem das ZDF-Hauptstadtstudio,die Niederländische Botschaft und war maßgeblich an der Gestaltung der Rheinauen zur Bundesgartenschau 1979 beteiligt. 1967 begannen die Bauarbeiten im Bonner Norden.

 

Beton trifft Botanik

Der 160 000 Quadratmeter große Sportkomplex wird durch die Autobahn 565 in zwei Teile zerschnitten. Auf der nördlichen Seite finden sich mehrere Ascheplätze und eine Bogenschießanlage. Die Verbindung stellt eine geschwungene Betonbrücke sicher, die die Autobahn in hohem Bogen überspannt. Als Bauland für das Stadion diente eine ehemalige Müllkippe in Süden des Areals. Van Dorp nutzte den nach der Auskiesung entstandenen Trichter, um ein ovales Mehrzweckstadion mit Fußballfeld anzulegen. Dabei verband er gekonnt Beton und Botanik: auf den Langseiten schmiegen sich die Zuschauerränge an den Hügel, Nord- und Südkurve sind unbebaut und durch dichte Hecken begrünt. Die Haupttribüne wird von einem scheinbar schwerelosen, weit überkragenden Betondach vor Regen geschützt, die Gegengerade bilden unüberdachte Stehblöcke. Im Süden blickt ein geschwungener Betonbau mit Terrasse in den Stadiontrichter. Das hier beheimatete Sporthallenzentrum bietet Platz für sämtliche olympische Hallensportarten und verfügt im Tiefgeschoss über ein Schwimmbad mit 50-Meter Becken.

 

Bonner Ambitionen

Der Bonner SC bezog die neue Spielstätte im Jahr 1970. Der Verein war fünf Jahre zuvor aus der Fusion der Traditionsclubs Bonner FV und Tura Bonn entstanden und sollte das neue Selbstbewusstsein der jungen Hauptstadt auch in den Profifußball tragen. Tatsächlich besiegten die Bonner 1967 den FC Bayern München mit 3:1, 1977 spielten sie sogar für eine Saison in der Zweiten Bundesliga und im DFB-Pokal. Der Höhenflug währte jedoch kurz, es folgten wirtschaftliche Probleme, Zwangsabstiege und die Insolvenz 2010. In den letzten Jahren ging es jedoch wieder aufwärts beim BSC, die Mannschaft stieg nach dem Neuanfang in der 7. Liga mehrfach auf, Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte ist die aktuelle Qualifikation für den DFB-Pokal. Auch das Stadion spiegelt diesen Aufwärtstrend wider. 2011/12 wurde es saniert und mit Anzeigetafel und Flutlichtanlage ausgestattet. Die vier charakteristisch geneigten Masten nehmen die Trichterform auf und überragen das Stadion wie überdimensionale Schreibtischlampen. Für den Entwurf zeichnete Jan van Dorp, der Sohn des Stadionarchitekten, verantwortlich. Wer den Bau in Gebrauch erleben möchte, dem bietet sich am 13. August eine gute Gelegenheit: zur ersten Runde des DFB-Pokals kommt Hannover 96 in den Sportpark Nord. Wer es nicht in die Bundesstadt schafft, kann zumindest auf den seltenen Torruf in der Fernsehkonferenz und eine Schalte in den Sportpark hoffen. (jr, 18.7.17)

Titelmotiv: Blick in den Sportpark Nord von der Terrasse des Sporthallenzentrums (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)

60 Jahre „Wunder von Bern“

Die berühmte Spieluhr des Wankdorfer Stadions wurde restauriert (Bild: Sandstein)
Nur die Spieluhr des Wankdorf-Stadions überlebte (Bild: Sandstein)

Ignorieren wir – nur für ein paar Zeilen – den aktuellen Anlass. Denn, was ist schon Brasilien gegen Bern. Gegen das „Wunder von Bern“, das in diesem Jahr genau 60 Jahre zurückliegt. Der fußballerische Sieg hat es bis zum Film und Musical gebracht: ein hart erkämpftes 3:2 gegen Ungarn, das den Optimismus der deutschen Nachkriegszeit entzündete. Der architektonische Ort des Spiels hingegen ist heute – fast – verloren.

Die Stadt Bern schnürt eigene Tourismus-Pauschalen zum großen Anlass – mit der echt authentischen Begegnung mit Zeitzeugen. Im Hotel Belvédère von Spiez wurde eine kleine Ausstellung zum Jubiläum eröffnet. Nur das „historische“ Wankdorf-Stadion mit seinem markanten Uhrenturm wurde 2001 niedergelegt. Die neue Sportstätte, das Stade de Suisse, bewirbt den neuen alten Ort nun als glamourösen Veranstaltungsraum – als den authentischen Ort des „Wunders von Bern“. (kgb, 30.6.14)