Berlin: Büros im Gasometer

Der Maler Lyonel Feininger hat dem Berliner Gasometer IV schon vor über 100 Jahren ein Denkmal gesetzt, als er ihn in flammenden Farben verewigte. Errichtet wurde das imposante Gebäude mit dem stählernen Führungsgerüst 1909, bis 1995 blieb es in Betrieb. Nach der Stillegung wurde der Gasbehälter demontiert, das Gerüst samt Kuppel blieb das Wahrzeichen des Stadtteils. Bekannt wurde der seit den 1990ern denkmalgeschützte Gasometer durch den Moderator Günther Jauch: Nach dem Abbau des Gasbehälters wurde eine niedrige Kuppelhalle installiert, in der Jauchs Talkshow lange Zeit fürs Fernsehen aufgezeichnet wurde. Diese Kuppel wird nun mit einem Kran geborgen und zerlegt, bis sich eine neue Nutzung findet. Denn im Inneren des Industriedenkmals soll nun bis 2023 ein Bürogebäude samt Konferenzzentrum entstehen.

Verantwortlich für den runden Neubau in der historischen Hülle ist der Stadtentwickler Euref, der das Areal bereits 2008 erworben hat. Rund 25.000 Quadratmeter Nutzfläche sollen in einem Meter Respektabstand zum historischen Stahlgerüst entstehen. Rund 200 Millionen Euro sind für das Projekt eingeplant. Die ebenfalls geschützten Backsteinbauten des ehemaligen Gaswerks Schöneberg werden in einen Bürp-Campus einbezogen. Diverse Neubauten sind auf dem Gelände in den vergangenen Jahren schon entstanden. (db, 16.1.21)

Neunkirchen: Streit um das Gasometer

In diesen Tagen sorgt ein drohender Abriss in Neunkirchen für Aufsehen: Der Vorstand des Historischen Vereins Stadt Neunkirchen (HVSN) sprach sich in einer – von der Saarbrücker Zeitung veröffentlichten – Stellungnahme gegen den Abriss des Gasometers aus. Der Funktionsbau soll einem Globus-Markt mit Tankstelle, Parkplätzen und Waschanlage weichen, wie Saarstahl Anfang Juli bekanntgab. Die Bauarbeiten könnten im Sommer 2020 beginnen, ein Ersatzbau für das Gasometer sei auf dem Saarstahl-Werksgelände geplant.

Nach der Stellungnahme des HVSN spricht Folgendes für den Erhalt: Der Bau stehe wahrzeichenhaft für die über 400-jährige Tradition der Stahlproduktion vor Ort. Zudem sei das Gasometer durch die Explosionskatastrophe von 1933 mit 68 Toten und 190 Verletzten tief in die Erinnerung der Bevölkerung eingeschrieben. Dieser Gedächtniswert bestehe, obwohl es sich beim heutigen Gasometer um einen Nachfolgebau der 1970er Jahre handelt. Daher solle sich die Stadt für den Erhalt des Bauwerks starkmachen. Gestern haben einige Neunkirchener Fraktionen zur Frage Stellung genommen: Die Parteien zeigten sich überrascht, denn der Stadtrat sei nicht ausdrücklich über den geplanten Abriss informiert worden, als man den Neubauplänen zustimmte. Die Verwaltung ihrerseits verweist darauf, dass es sich um eine Abstimmung zwischen Saarstahl und Globus handle. Der Schwarze Peter wandert also noch. (kb, 10.7.19

Titelmotiv: Neunkirchen, Gasometer (Bild: Pimvantend , CC BY SA 3.0, 2012)