Gelsenkirchen: Was wird aus der Stephanuskirche?

Die Stephanuskirche in Gelsenkirchen-Buer ist das Spätwerk des Architekten Peter Grund, bestens bekannt für eine der frühen deutschen Stahlbetonkirchen: die Nicolaikirche in Dortmund aus dem Jahr 1930. In Gelsenkirchen errichtete man bis 1970, posthum nach den Entwürfen des 1966 verstorbenen Architekten, einen kristallinen Baukörper. Die abstrakte Betonglasgestaltung stammt von der Darmstädter Künstlerin Inge Vahle. 1991 wurde von Josef Baron an der Altarwand eine bronzene Plastik des Auferstandenen ergänzt.

Wie zahlreiche Gottesdiensträume in Gelsenkirchen befindet sich die Stephanuskirche aktuell im Umbruch. Mitte der 2010er Jahre verkaufte man den Bau an einen privaten Investor, der das umliegende Gelände mit einem Altenheim bestücken wollte. Für die neue Nutzung wurde das Gemeindehaus bereits niedergelegt. Das Richtfest für den Seniorenheim-Neubau feierte man 2019, die Arbeiten soll(t)en im Sommer 2020 abgeschlossen sein. Für den Kirchenraum ist eine funktionale Einbindung in das Altenheim angedacht. Die Gemeinde hat sich zudem vom neuen Eigentümer ein 10-jähriges Nutzungsrecht zusichern lassen. Wie genau die Zukunft des Gottesdienstraums aussehen soll, ist bislang noch unbekannt. (kb, 27.10.20)

Virtuelle Karte bedrohter (hellgrün), geschlossener (schwarz), abgegebener (violett), umgenutzter (dunkelgrün) und abgerissener (rot) Kirchenbauten (Historismus und Moderne) in Gelsenkirchen (Auszug aus der moderneREGIONAL-Karte „invisibilis“)

Titelmotiv: Gelsenkirchen-Buer, Stephanuskirche (Bilder: Christian Klusemann)

Rings und Mendelsohn in Celle

Auch wenn nur einer von ihnen berühmt ist, zählen sie doch beide zu den wichtigen Architekten der Moderne in Deutschland und später in Palästina. Die Rede ist von Josef Rings (1878–1957) und Erich Mendelsohn (1887–1953). Gemeinsam war ihnen, dass sie als Architekten den Zenit ihres Erfolges in der Bauhaus-Ära erreicht hatten und durch den Machtantritt der Nationalsozialisten ins Exil gezwungen wurden. Beiden gelang es, sich in Palästina erneut zu etablieren, obwohl sie ihr Exilland bald wieder verließen: Mendelsohn emigrierte 1941 in die USA, Rings zog 1948 zurück nach Deutschland, übernahm in Mainz eine Professur.

Beide Baumeister sahen sich der Moderne verpflichtet, repräsentierten aber inhaltlich wie formal unterschiedliche Strömungen. Der Sozialist Rings widmete sein Werk dem Wohl der Arbeiterklasse, entwarf Pläne zur Verbesserung der Lebensqualität der Massen und Arbeitersiedlungen. Der bürgerliche Mendelsohn realisierte Kaufhäuser, Villen, Universitäten und Banken. In der Synagoge Celle ist nun ab 4. September die Ausstellung „Josef Rings und Erich Mendelsohn: Neues Bauen in Deutschland und Erez Israel“ zu sehen, eine Leihgabe der Alten Synagoge Essen. Vernissage ist am 3. September 2020 um 19 Uhr; aufgrund Corona ist es erforderlich, sich hierfür unter Tel. 05141/124719 anzumelden. (db, 1.9.20)

Berlin, Schaubühne von Erich Mendelsohn (Bild: Manfred Brueckels, CC BY SA 3.0)

Titelbild: Gelsenkirchen, Siedlung Spinnstuhl von Josef Rings (Bild: W.Strickling, CC BY-SA 4.0)

„Und so etwas steht in Gelsenkirchen …“

Vor zehn Jahren wurde der David-Chipperfield-Bau eröffnet, nun bündelt das Essener Museum Folkwang einige der wichtigsten Kulturbauten, die im Ruhrgebiet zwischen 1950 und 2020 entstanden, in einer Ausstellung. Zu den ausgewählten Architekturen zählen das Museum Folkwang, das Aalto-Theater in Essen, das Museum Quadrat in Bottrop, die Bibliothek und Mensa der Ruhruniversität Bochum – und nicht zuletzt das Gelsenkirchener Musiktheater, das bei seiner Eröffnung 1959 international Bewunderung auslöste.

Die Ausstellung ermöglicht zudem erstmals einen Blick in die Bestände des Baukunstarchivs NRW: „‚Und so etwas steht in Gelsenkirchen ….‘ Kulturbauten im Ruhrgebiet nach 1950“, eine Kooperation des Museum Folkwang, der TU Dortmund und des Baukunstarchiv NRW, ist geöffnet vom 11. September 2020 bis zum 10. Januar 2021. Anhand von Wettbewerbsplänen, Modellen und originalen Skizzen soll im Museum Folkwang (Museumsplatz 1, 45128 Essen) die architektonische Seite der Nachkriegsmoderne in der Region lebendig werden. Im Verlag Kettler erscheint eine gleichnamige Begleitpublikation in der Reihe „Baukunstarchiv NRW“. (kb, 22.8.20)

Joan Crawford bei der Eröffnung der Ausstellung „The New Theatre in Germany“, New York, 5. Februar 1961 (Bild: Baukunstarchiv NRW)