Kein Geld für Pingussons Botschaft?

Seit April 2014 steht die ehemalige französische Botschaft in Saarbrücken leer (Bild: Phrontis)
Seit April 2014 steht die eh. Französische Botschaft in Saarbrücken leer (Bild: Phrontis)

In Saarbrücken droht die Sanierung der ehemaligen Französischen Botschaft an den Finanzen zu scheitern. Als das Saarland noch näher zu Frankreich gehörte, entstand hier 1951-54 ein Dienstsitz für den französischen Botschafter. Der Architekt Georges-Henri Pingusson (1894-1978) entwarf einen klaren modernen Bau, der kurz darauf zum Kultusministerium des neuen Bundeslands umgenutzt wurde.

Seit 1985 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz, seit April 2014 stehen die Räume leer. Eine Sanierung wird – so die Saarbrücker Zeitung – auf Kosten zwischen 16 und 40 Millionen Euro geschätzt. Henning Freese, Vorsitzender des Landesdenkmalrats, hingegen prangert an: „Seit Jahrzehnten ist dort keine Renovierung erfolgt. Man hat es verkommen lassen.“ Und durch einen längeren Leerstand werde die Sache nicht besser. Gegenwärtig denke man über einen Teilabriss nach. Wer einen eigenen Blick in die Räume werfen will, kann dies online mit der Fotodokumentation von Marco Kany tun. (kb, 6.8.14)

Pingussons Botschaft

Ehemalige franzoesische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Foto: © Marco Kany | marcokany.de)
Ehemalige Französische Botschaft in Saarbrücken, Architekt: Georges-Henri Pingusson. (Bild: Marco Kany | marcokany.de)

Das Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutete für das Saarland einige Jahre staatlicher Unabhängigkeit, eng angelehnt an Frankreich. Für den Wiederaufbau der Hauptstadt Saarbrücken waren daher französische Architekten und Planer maßgeblich. Im Zuge dessen entstand 1951-54 ein Dienstsitz für den französischen Botschafter, entworfen von Georges-Henri Pingusson. Der Bau gilt als eines der bedeutendsten Werke des Architekten. Die Saarbrücker tauften die moderne Hochhausscheibe liebevoll-spöttisch „Schmales Handtuch“. Nach dem Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik wurde sie zum Kultusministerium umfunktioniert. Seit 1985 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Jetzt räumte der letzte Mitarbeiter des Ministeriums seinen Schreibtisch: Das dringend sanierungsbedürftige Gebäude ist als Dienstsitz nicht mehr zeitgemäß, die Behörde ausgezogen. Die weitere Nutzung ist ungewiss, wenn auch eine – zunächst nur auf wenige Wochen angesetzte und dann immer wieder verlängerte – Ausstellung des Werkbunds Saar zeigt, dass reges Interesse an dem Bau besteht. Für eine Fotodokumentation hat man ihn kurz vor dem Auszug des Ministeriums noch einmal detailreich porträtiert und damit auch online einen Rundgang ermöglicht. (jr, 6.6.14)