Gera ostmodern

Als Gera 1952 zur Bezirksstadt aufsteigt, hält auch die moderne Architektur Einzug. In den folgenden Jahrzehnten wurden Neubauten gefeiert und auf Postkarten verewigt. Heute sind es es teils nur noch diese Postkarten, die ein Bild vom einstigen Stolz auf die Ostmoderne vermitteln.

Im November veröffentlicht der Designer und Autor Liepach sein neues Buch zur Ostmoderne in Gera. Anhand seiner Sammlung von Echt-Foto-Postkarten aus den 1950er bis 1980er Jahren sollen die damaligen Architekturen, Inneneinrichtungen und Bildkunstwerke in Gera wieder lebendig werden. Die Texte dazu fertigte kein Geringerer als Ben Kaden. Am 25. November 2019 wird die Publikation um 14 Uhr im Stadtmuseum Gera (Museumsplatz 1, 07545 Gera) vorgestellt. (kb, 1.11.19)

Liepach, Christoph/Kaden, Ben, Gera Ostmodern, Sphere Publishers, Gera 2019, 128 Seiten, 100 Schwarz-Weiß- und Farbabbildungen, 28 × 24 cm, Hardcover, ISBN 978-3-9821327-0-9.

Titelmotiv: „Gera ostmodern“ – Postkartenbuch von Christoph Liepach und Ben Kaden (Bild: Detail aus der Publikation bei Sphere Publishers)

Petticoat und Nierentisch in Gera

Die Stadt Gera ist dem Freund klassisch-moderner Kunst in erster Linie wegen ihres berühmten Sohnes Otto Dix bekannt. Doch auch für Fans der Nachkriegsmoderne lohnt sich derzeit ein Ausflug nach Thüringen: Das Museum für Angewandte Kunst Gera widmet dem Alltagsdesign der 50er unter dem Namen „Tütenlampe, Petticoat und Nierentisch“ eine eigene Sonderausstellung.

Zu sehen sind Möbel, Kleidung und Alltagsgegenstände der ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte. Dabei stoßen Produkte der westdeutschen Wirtschaftswunderjahren auf die Formgestaltung der DDR, die bis zur berüchtigten Formalismusdebatte gerne an die Tradition von Werkbund und Bauhaus ansknüpfte. In beiden Staaten avancierte Design bald zum Massenprodukt, die Gestalter blieben hinter der Bekanntheit ihrer Entwürfe zurück. Die Ausstellung versammelt unter anderem Arbeiten von so prominenten Designern wie Mart Stam, Horst Michel, Tea Ernst, Erna Hitzberger und Raymond Loewy. Sie ist bis zum 3. Juni zu sehen. (jr, 1.5.18)

Bild: Stadtverwaltung/Steffen Weiß

Gera?

Gera?

Gera-Lusan: "Die Birkenstraße blieb"
Für moderneREGIONAL ging Christoph Liepach, einer der Podiumsteilnehmer der Veranstaltung, im Herbst schon einmal auf Spurensuche in Gera-Lusan (Foto: privat)

Noch in den 1920er Jahren eine der wohlhabendsten Städte Deutschlands, wurde Gera in der DDR zur sozialistischen Bezirksstadt umgebaut und erprobte nach der Wiedervereinigung einen Neuanfang. Zwischen Arbeitslosigkeit, Abwanderung und Relevanzverlust sucht die Stadt nach Anknüpfungspunkten, um ihre eigene Identität wieder zu erlangen. Ob und wie das gehen kann, soll am 6. Mai auf der Tagung „Gera? Hier ist Gera!“ ebendort (Gedenk- und Begegnungsstätte im Torhaus der politischen Haftanstalt, Amthordurchgang 9, 07545 Gera) diskutiert werden.

Der Programmpunkt „Gera als sozialistische Großstadt. Architektur und Städtebaupolitik“ untersucht daher, wie sich der ostmoderne Stadt-Umbau zum industriellen Platten-Bauen entwickelte. Im Spannungsfeld zwischen Erhalt und Abriss soll gefragt werden: Wie will Gera zukünftig mit dem sozialistischen Bauerbe umgehen? Kay Richter (Architekturhistoriker, Perleberg) ist als „Impulsgeber geladen, im Anschluss diskutieren Christoph Liepach (Designer und Buchautor über Gera-Lusan, Leipzig), Dr. Hans-Georg Tiedt (Stadtarchitekt der Stadt Gera 1972-89) und Juliane Richter (Kunsthistorikerin, Leipzig) unter der Moderation von Dr. Mark Escherich (Bauhaus-Universität Weimar). Wer noch zögern sollte, dem verheißen die Veranstalter: „Der Eintritt ist frei. Getränke und Speisen stehen zur Verfügung. Die Programmpunkte können auch einzeln besucht werden!“ (kb, 16.4.17)