Cité Foch: Kirchenfenster gerettet

Cité Foch: Kirchenfenster gerettet

Cité Foch Kirche St. Genevieve (Bild: Alexrk2, CC-BY-SA-3.0)
Die Kirche der Cité Foch ist nicht mehr zu retten, wohl aber ihre Fensterfront (Bild: Alexrk2, CC BY SA 3.0)

In Berlin wird das Zentrum der Cité Foch derzeit dem Erdboden gleichgemacht. Das Quartier, das nach dem Zweiten Weltkrieg als Stadt in der Stadt für die französischen Besatzungssoldaten entstand, entwickelte sich nach deren Abzug zur Geisterstadt. Vor einigen Jahren entdeckte Investoren das Viertel und stießen eine grundlegende Umgestaltung an.

Den Investorenplänen fiel unter anderem das Einkaufs- und Gemeinschaftszentrum im Herzen der Siedlung zum Opfer, das in den 1970er Jahren erbaut wurde und derzeit abgerissen wird. Den Fenstern der nahegelegenen Kirche St. Geneviève wird dieses Schicksal erspart bleiben. Die Kirche war Teil des Ensembles rund um das Stadtteilzentrum, zu dem außerdem ein Schwimmbad, eine Grundschule und ein Kino gehörten. In ihrem Andachtsraum findet sich ein monumentales Glasbild von Johannes Beeck, das fast die ganze Wandfläche (20×6 Meter!) überspannt und aus 128 einzelnen Elementen zusammengesetzt ist. Der Abriss der entweihten Kirche ist zwar beschlossene Sache, der Investor übertrug aber die Besitzrechte an der Glaswand nach Informationen des Tagesspiegels an den Bezirk Reinickendorf, der die Glaselemente nun ausbauen und einlagern lässt. Über deren spätere Verwendung ist noch nichts bekannt. (jr, 26.10.16)

Meisterwerke der Glasmalerei

Dass der Kirchenbau des 20. Jahrhundert im Rheinland international mithalten kann, hat sich inzwischen wirklich herumgesprochen. Doch auch die moderne Glasmalerei erlebte hier im gerade vergangenen Jahrhundert eine Blütezeit. In einem neuen Bildband des B. Kühlen Verlags präsentiert dies Iris Nestler, Kunsthistorikerin und ehemalige Direktorin des Deutschen Glasmalerei-Museums Linnich, unter dem Titel “Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts im Rheinland”.

Von den Domen in Aachen und Köln bis zum Münster St. Vitus in Mönchengladbach waren es oft historische Räume, in denen nach 1945 die mittelalterliche Hochkultur der Glasmalerei fortgeführt wurde. Aber auch moderne Kirchen- und Profanbauten wertete man durch qualitätvolle Glasgestaltungen auf. Diese Zusammenhänge werden durch aufwändige Farbabbildungen, Beiträge von Fachleuten – von Holger Brülls bis Brigitte Wolff-Wintrich – sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis und Künstlerbiografien erlebbar. Ein folgender zweiter Band soll sich dem nördlichen Rheinland widmen. (kb, 4.5.15)

Nestler, Iris (Hg.), Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts im Rheinland, B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach 2015, 248 Seiten, über 50 Farbabbildungen, 24,3, x 2,5 x 30,7 cm, ISBN 978-3874483933.

Zum 190-jährigen Jubiläum des B. Kühlen Verlags erschienen (Bild: B. Kühlen Verlag)

Farbenpracht in Nordhessen

Bad Sooden-Allendorf, St. Bonifatius (Bild: T. Wolf)
Bad Sooden-Allendorf, St. Bonifatius (Bild: T. Wolf)

Vor 40 Jahren starb Richard Süßmuth, der ungezählte katholische Kirchen Nordhessens in kräftige Farben tauchte. Geboren wurde er 1900 in Ruhland/Schlesien. Durch den Zweiten Weltkrieg verschlug es den gelernten Glasschleifer nach Nordhessen, wo er die Glashütte Immenhausen wiederaufbaute. Seine Arbeiten waren u. a. 1964 auf der documenta III vertreten. In Nordhessens modernen Kirchen kann man sein Schaffen bis heute bewundern.

Die katholische Kirche St. Clemens-Maria in Immenhausen etwa – 1952 von den Architekten Lipsmeier und Reuter gestaltet – besticht durch ihre Fenster und eine Wandmalerei von Süßmuth. Grund genug, zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals das Thema “Farbe” auch in Immenhausen mit einer Führung durch Prof. H. Heiduk zu würdigen. Ebenso kam an diesem Tag die Kirche St. Bonifatius in Bad Sooden-Allendorf (1958) zu verdienter Aufmerksamkeit – vor allem für die Buntglasfenster (1960), die Heinz Hindorf entwarf und die Groß-Umstädter Werkstatt Münch ausführte. (tw, 21.9.14)